DER FRAGEBOGEN: Wir fragen, Franziska Thun-Hohenstein antwortet

Der Proust’sche Fragebogen dient traditionell dazu sich kennenzulernen, sei es in einem französischen Salon, wo er einst entstand, sei es auf der letzten Seite eines deutschen Magazins. Wir haben unseren eigenen Fragebogen für den ZfL-Blog entworfen. Hier antwortet jetzt Franziska Thun-Hohenstein, die Anfang der 1970er Jahre in Moskau an der Lomonossow-Universität in Moskau russische Sprache und Literatur studiert hat und aktuell an einem von der DFG geförderten Projekt zu Warlam Schalamow arbeitet.

Meine erste Hausarbeit während des Studiums handelte von …

einem Vergleich zweier Editionen eines Wörterbuchs der russischen Sprache (anhand der Einträge unter dem Buchstaben P). Eigentlich wollte ich mich mit einer Erzählung des russischen Schriftstellers Leonid Andreev auseinandersetzen. Das wurde mir aber verwehrt, da ich als ausländische Studentin an der Moskauer Lomonossow-Universität  eine sprachwissenschaftliche Hausarbeit zu schreiben hatte.

Das Schreiben der Dissertation war für mich …

ein Spagat zwischen Wollen, Können und Dürfen.

Mein liebstes wissenschaftliches Buch:

Kann ich so nicht sagen, das wechselt. Gegenwärtig lese ich »Die Vorbereitung des Romans« von Roland Barthes.

Von allen wissenschaftlichen Autor/inn/en beeindruckt mich am meisten …

in der Slawistik: Renate Lachmann.

Meine Lieblingsbibliothek:

die Bibliothek des ZfL, in der immer wieder Unmögliches möglich gemacht wird.

Die Universität ist ein Ort …

an dem man mit unerwartet anregenden Fragen durch die Studentinnen und Studenten konfrontiert wird.

Dürfte ich noch einmal von vorne beginnen, würde ich heute Folgendes studieren:

Slawistik und Romanistik und/oder Filmwissenschaft.

Wäre ich von allen Zwängen frei, würde ich gerne folgender Frage nachgehen:

Diesen glücklichen Zustand habe ich derzeit, daher würde ich der gleichen Frage nachgehen, mit der ich mich gegenwärtig beschäftige: Ich untersuche das spannungsvolle Verhältnis zwischen Poetik und Biographie im Gesamtwerk des russischen Dichters und Schriftstellers Warlam Schalamow.

Meine abseitigste Veröffentlichung?

Ein Artikel über den Besuch in einer Kaserne der Sowjetarmee während der Wendezeit.

Ein Wissenschaftler benötigt vor allem …

Konsequenz im Denken, Neugier und Faszination, ebenso wie Hartnäckigkeit und Zeit.

Forschen bedeutet für mich …

das Eingehen auf ein Wagnis mit offenem Ausgang.

Mein Motto?

»Im Thun nie ruhn.«

 

 

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