{"id":1028,"date":"2019-02-01T12:37:14","date_gmt":"2019-02-01T10:37:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1028"},"modified":"2025-03-03T13:32:25","modified_gmt":"2025-03-03T11:32:25","slug":"eva-geulen-was-stil-sagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2019\/02\/01\/eva-geulen-was-stil-sagt\/","title":{"rendered":"Eva Geulen: WAS STIL SAGT"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Seit der Aufdeckung der F\u00e4lschungen des Journalisten Claas Relotius im Dezember vergangenen Jahres rauscht es im betroffenen Bl\u00e4tterwald. Viele Stimmen beharren auf verbindlichen Abgrenzungen zwischen Fakt und Fiktion, Journalismus und Literatur. Das geschieht auf mal mehr und mal weniger intelligente Weise. In der <a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/haltung-stilmittel-11416420.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Frankfurter Rundschau<\/em><\/a> wurde der Hang des j\u00fcngeren Journalismus zum \u203aGeschichtenerz\u00e4hlen\u2039 insgesamt verdammt, denn seine Aufgabe sei doch, \u00bbder Wirklichkeit auf die Spur zu kommen\u00ab. Subtiler wies Lothar M\u00fcller in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/close-reading-alle-einsteigen-1.4282638\"><em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em><\/a> nach, dass die jedem Faktencheck standhaltenden Details einer Hafenszene bei Flaubert gleichwohl Literatur bleiben, weil es ein episches Pr\u00e4teritum und einen unsichtbaren Erz\u00e4hler gibt. Im Journalismus m\u00fcsse man aber wissen, ob der Autor wirklich dabei gewesen sei oder nicht. Augenzeugenschaft bezeugt Wirklichkeit; literarische Erz\u00e4hler bezeugen sie auch, aber anders. Eine Grenze bleibt, aber sie verl\u00e4uft nicht entlang von Faktualit\u00e4t und Fiktionalit\u00e4t.<\/span><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Will man nicht dem Trugschluss einer \u00fcber alle subjektive F\u00e4rbung erhabenen Neutralit\u00e4t aufsitzen, irrt man zwangsl\u00e4ufig durch Grauzonen zwischen Literatur und Journalismus. In diesem Niemandsland tummeln sich beider Avantgarden schon l\u00e4nger. Seit Truman Capotes <em>In Cold Blood<\/em> (1966) gibt es die literarische Reportage. Umgekehrt hat Dokumentarisches eine lange Tradition in der Literatur seit Anfang des 20. Jahrhunderts. Nicht zu entschuldigen ist damit, dass der Schriftsteller Robert Menasse zu lange nicht so richtig sagen wollte, dass er wiederholt eine historisch falsche Behauptung im \u00f6ffentlichen Raum verbreitet hat. Helmut Lethen hat in den Geistergespr\u00e4chen seines <em>Staatsr\u00e4te<\/em>-Buches<a name=\"_ednref1\"><\/a><a href=\"#_edn1\">[i]<\/a> den historischen Figuren erdichtetes und montiertes Zitatmaterial in den Mund gelegt. Das muss man nicht gut finden, aber den hier f\u00e4lligen Differenzen kommt man mit Fakt vs. Fiktion kaum bei.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In eine andere Richtung weist die Frage, wieso denn bei Relotius so lange niemand etwas bemerkt hat oder hat bemerken wollen. Darauf werden einerseits systemische Antworten gegeben, etwa der versch\u00e4rfte Konkurrenzkampf der Printpresse mit anderen Medien um Aufmerksamkeit und Kunden, die wachsende Bedeutung von Auszeichnungen und, mit beidem zusammenh\u00e4ngend, das Versagen der Fact-Checker. Andererseits werden die Relotius-Reportagen aber auch selbst unter die Lupe genommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In einem Beitrag f\u00fcr die <em>Frankfurter Allgemeine Zeitung<\/em> trat <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/medien\/woran-man-erkennt-dass-relotius-texte-keine-reportagen-sind-15961325.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Angelika Overath<\/a> mutig f\u00fcr das Recht der Reportage als einer literarischen Gattung, also einer Kunstform, ein. Und \u00fcbte sich sodann in Stilistik. An einzelnen Passagen von Relotius&#8216; Reportage \u00fcber die L\u00f6wenjungen etwa zeigte sie, dass diese Prosa den stilistisch-formalen Eigent\u00fcmlichkeiten der M\u00e4rchengattung gehorcht. Am Stil h\u00e4tte man also erkennen k\u00f6nnen oder m\u00fcssen, dass der Autor sich von der Forderung nach Bezeugung von Wirklichkeit zugunsten literarischer Muster gel\u00f6st hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbSagen, was Stil ist\u00ab lautete die \u00dcberschrift ihres Beitrags. Diese Kontrafaktur der ber\u00fchmten Augstein-Formel <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13497809.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbSagen, was ist\u00ab<\/a> insinuiert, dass Stil sagt, was ist. Das ist h\u00f6chst zweifelhaft. Der Relotius-Text bliebe n\u00e4mlich auch dann noch falsch und verlogen, wenn alle Fakten gestimmt h\u00e4tten, eben weil er M\u00e4rchen erz\u00e4hlt und diese Gattung eine Wirklichkeit anbietet, in der es keine Kontingenz gibt und folglich auch wenig Raum f\u00fcr Stilnuancen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Weil Angelika Overath das auch wei\u00df, der \u203aszenischen Reportage\u2039 aber schon weitgehende k\u00fcnstlerisch-imaginative Freiheiten einger\u00e4umt hatte, braucht sie ein \u203agutes\u2039 Feen-Gegenbeispiel zum \u203ab\u00f6sen\u2039 M\u00e4rchenonkel Relotius. Sie findet es in den Reportagen der <em>Spiegel<\/em>-Redakteurin Marie-Luise Scherer aus den 1970er Jahren. Scherers damals stilbildenden Texten wird zugesprochen, was bei Goethe \u00bbPhantasie f\u00fcr die Wahrheit des Realen\u00ab hie\u00df. Die hat Robert Menasse (ohne autoritatives Goethe-Zitat) auch f\u00fcr sich in Anspruch genommen, als er nach Belegen f\u00fcr seine Behauptung gefragt wurde, Walter Hallstein habe seine Europa-Rede in Auschwitz gehalten. Freim\u00fctig bekannte <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article186002284\/Robert-Menasse-hat-Zitate-erfunden-Was-kuemmert-mich-das-Woertliche.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Menasse<\/a>: \u00bbDie Wahrheit ist belegbar\u00ab, auf das Wortw\u00f6rtliche komme es dabei nicht so sehr an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Ob Scherers Texte einem Faktencheck heute standhielten, ist nicht mehr zu eruieren. Ihr <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/einestages\/a-1125729.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Portr\u00e4t der Alkoholikerin Sofie H\u00e4usler<\/a> hat an Eindringlichkeit nicht verloren. Anhand der Geschichte einer einzelnen Person brachte sie etwas in der Wirklichkeit bislang Unsichtbares zum Vorschein. Heute ist die \u203ahuman interest story\u2039 aber in alle Bereiche eingedrungen, auch und gerade innen- und au\u00dfenpolitische Berichterstattung. Wenn Angelika Overath \u00fcber diese ver\u00e4nderten Kontexte schweigt, erz\u00e4hlt sie noch kein M\u00e4rchen. Doch sie suggeriert, dass man vielleicht nicht die Wirklichkeit, aber Wahrhaftigkeit dem Stil geschichtsunabh\u00e4ngig ablesen k\u00f6nne. Was einmal neu und frisch war, nutzt sich im Laufe der Zeit jedoch zwangsl\u00e4ufig ab, bis es zum Klischee verkommt. Im extrem breit gewordenen Fahrwasser einer bald ein halbes Jahrhundert alten Stilneuerung d\u00fcmpelt Relotius. Stil ist hochgradig zeitabh\u00e4ngig und zeitempfindlich. Das war nicht immer so.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Erst wenn Stilbr\u00fcche nicht mehr als Regelversto\u00df geahndet, sondern <em>als<\/em> Stil aufgewertet werden \u2013 erstmalig in der Autonomie\u00e4sthetik des 18. Jahrhunderts und erneut nach 1900, wo der omnipr\u00e4sente Stilbegriff konkurrierende Wirklichkeitsentw\u00fcrfe noch einmal hegen sollte \u2013, wird Stil geschichtsf\u00e4hig und d.h. auch historischen Prozessen ausgesetzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Von dieser Dynamik sind nun aber gerade M\u00e4rchen so gut wie unber\u00fchrt. Angefangen von ihrem entr\u00fcckenden \u00bbEs war einmal\u00ab sind ihre Versatzst\u00fccke relativ stabil. Das macht sie eminent wiedererkennbar. Dass der preisgekr\u00f6nte Journalistenkaiser nichts am Leib hat, konnte, ohne Stilistik, eigentlich jedes Kind sehen. Scherers Portr\u00e4t einer Trinkerin endet auch fast wie im M\u00e4rchen, aber eben nur fast. Den Unterschied macht der Stil: Sofie H\u00e4usler kann ihr Gl\u00fcck kaum fassen, als sie von Kindern beim Einzug in die neue Wohnung zum ersten Mal nach Jahrzehnten nicht von vornherein zu \u203aAbschaum\u2039 gestempelt wird. In der Hoffnung auf einen gl\u00fccklichen Ausgang steckt bei Scherer, nach vielen Seiten \u00fcber den Irrsinn staatlicher F\u00fcrsorge- und Entzugsanstalten, nicht der Appell, der Alkoholikerin Empathie entgegenzubringen, sondern ihr durch politisch-gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen die Chance zu geben, anders erscheinen zu k\u00f6nnen und wahrgenommen zu werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch deshalb bleibt die Exzentrik der Stilkategorie bemerkenswert. Stil liegt quer zu Alternativen von Fakt oder Fiktion, Literatur oder Journalismus. Mit ihm r\u00fcckt einiges an Kontexten, Unterschieden, auch Schwierigkeiten in den Blick, was sonst ausgeblendet bleibt. Und das ist ja schon etwas in Zeiten des Postfaktischen und des sinkenden Niveaus der Auseinandersetzung dar\u00fcber, was das hei\u00dft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Stil weist in eine Sph\u00e4re, die schon bei antiken Rhetorikern, etwa Horaz, sehr viel mit Ethos zu tun hatte, gern als Haltung apostrophiert wurde und fr\u00fcher wohl auch Anstand gehei\u00dfen haben mag. Die b\u00fcndigste Formulierung dieses Stilbegriffs steht am Beginn der Moderne und stammt von Buffon. Sein ber\u00fchmtes Diktum \u00bble style est l\u2019homme m\u00eame\u00ab von 1753 ist knapp und mehrdeutig. Als Beginn der Autonomie\u00e4sthetik, die individuellen Ausdruck gegen\u00fcber Sachen oder Fakten privilegiert, ist es ebenso h\u00e4ufig missverstanden worden wie als Endmor\u00e4ne eines physiognomischen Stilbegriffs, der darauf vertraute, den Menschen an seinen Konventionen erkennen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gegen beide Lesarten wurde von Hans Ulrich Gumbrecht schon 1986 die These aufgeboten, dass Stil bei Buffon als eine kognitive F\u00e4higkeit des Menschen anerkannt und als \u00bbKompetenz des Beobachtens\u00ab<a name=\"_ednref2\"><\/a><a href=\"#_edn2\">[ii]<\/a> verstanden werde. Und Susan Sontag hatte bereits 1964 in Bezug auf <em>Camp<\/em> als Stil von einer \u00bbsensibility\u00ab gesprochen.<a name=\"_ednref3\"><\/a><a href=\"#_edn3\">[iii]<\/a> Stil w\u00e4re also ein Wahrnehmungsmodus, eine so oder anders sensibilisierte und sozialisierte Empf\u00e4nglichkeit. Diese Perspektive auf Stil setzt allerdings voraus, dass man sich von zwei Vorstellungen verabschiedet, deren Harmonisierung die Geister \u00fcber drei Jahrhunderte besch\u00e4ftigt hat, n\u00e4mlich von der Vorstellung eines einzelnen Subjekts und von der Vorstellung nur <em>einer<\/em> Wirklichkeit und <em>einer<\/em> Wahrheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Unter den massiv versch\u00e4rften Bedingungen der Gegenwart muss vor allem Letzteres als ein zu hoher Preis erscheinen. Aber ist es das? Fakten werden zu Fakten durch intersubjektive Ordnungen, Logiken oder Regime des Hinsehens, zu denen das Absehen von anderem ebenso geh\u00f6rt wie die \u00dcberpr\u00fcfbarkeit. Tatsachen entstammen dem, was Ludwik Fleck Denkstile genannt hat, die in Denkkollektiven (die sich auch aus der Kommunikation unter sehr wenigen Personen bilden k\u00f6nnen) entstehen.<a name=\"_ednref4\"><\/a><a href=\"#_edn4\">[iv]<\/a> In demokratischen \u2013 bis vor Kurzem konnte man hier noch \u203arationalen\u2039 hinzuf\u00fcgen \u2013 Gesellschaften stellen sie die W\u00e4hrung des Umgangs und der Auseinandersetzung auf bestimmten Feldern miteinander dar. Aber sie sind nicht die einzige W\u00e4hrung, wie Wissenschaft nicht ein einziger Denkstil und Journalismus nicht das einzige Feld ist. Wo sie sich ber\u00fchren, in den Grauzonen, sind Streit und Bestreitung zu Hause. (Wer Fleck keinen Glauben schenken mag, kann \u00fcbrigens auch bei Hannah Arendt nachlesen, dass es keine \u00bbTatsachenwahrheiten\u00ab gibt, die \u00bbjemals \u00fcber jeden Zweifel erhaben\u00ab oder \u00bbnotwendigerweise wahr\u00ab sind, eben weil sie \u00bbglaubw\u00fcrdiger Zeugen\u00ab bed\u00fcrfen, um \u00bbeinen sicheren Wohnort im Bereich der menschlichen Angelegenheiten zu finden\u00ab.<a name=\"_ednref5\"><\/a><a href=\"#_edn5\">[v]<\/a> Weder Fleck noch Arendt d\u00fcrften zu den \u203apostmodernen\u2039 Denkern z\u00e4hlen, die gegenw\u00e4rtig f\u00fcr das postfaktische Zeitalter zur Verantwortung gezogen werden.<a name=\"_ednref6\"><\/a><a href=\"#_edn6\">[vi]<\/a>)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Dass Streit im postfaktischen Zeitalter mit seinen Echokammern, Filterblasen und sich real verh\u00e4rtenden Fronten zusehends unm\u00f6glicher wird, ist das Problem. Wer sich und sich allein auf Seiten der Wirklichkeit und im Besitz der Wahrheit glaubt, kann mit solchen, die unter derselben Voraussetzung operieren, nicht mehr reden. Besinnung auf einen erweiterten Stilbegriff verspr\u00e4che nicht L\u00f6sung, aber vielleicht doch Entlastung, schon weil Stil modern immer im Plural kommt und Stilfragen deshalb nicht mit \u00bbrichtig\u00ab oder \u00bbfalsch\u00ab beantwortet werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Stritte man derzeit noch oder nur um das, was Fakt ist und was nicht, k\u00f6nnte Stil vielleicht tats\u00e4chlich eine hilfreiche Kategorie des Aufschubs, der Entlastung und Differenzierung sein. Aber es geht l\u00e4ngst nicht mehr um Fakten und ihre Grauzonen. Nicht nur die Gegner des US-Pr\u00e4sidenten wissen, dass er eigentlich immer l\u00fcgt; er und seine Anh\u00e4nger wissen es auch. Wo die Unterscheidung zwischen Fakt und F\u00e4lschung faktisch irrelevant geworden ist, behauptet sich am Ende nur noch: der Stil. Was heute gelegentlich als Verrohung oder Stilverlust beobachtet wird, ist genau das Gegenteil: Entlassung in eine Welt, in der nur noch Stil und allem Anschein zum Trotz nur <em>ein<\/em> Stil herrscht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Adorno war die Kulturindustrie bekanntlich verhasst. Aber \u00bb[n]ur noch Stil, gibt sie dessen Geheimnis preis, den Gehorsam gegen die gesellschaftliche Hierarchie\u00ab.<a name=\"_ednref7\"><\/a><a href=\"#_edn7\">[vii]<\/a> Wenn sich das heute auf Trump (und nicht nur ihn!) m\u00fcnzen l\u00e4sst, dann ist zwischen Stillosigkeit und endloser Vermehrung von <em>life styles<\/em> etwas zur\u00fcckgekehrt, das vor der Aufkl\u00e4rung, vor der b\u00fcrgerlichen Epoche von Stil und Stilen lag und in der Rhetorik seit der Antike sein opponierendes Moment hatte: das souver\u00e4ne Herrscherwort, dessen Macht Wahrheit und Wirklichkeit macht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch deshalb wird am ZfL derzeit \u00fcber Stil nachgedacht.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn1\"><\/a><a href=\"#_ednref1\">[i]<\/a> Helmut Lethen: <em>Die Staatsr\u00e4te. Elite im Dritten Reich: Gr\u00fcndgens, Furtw\u00e4ngler, Sauerbruch, Schmitt<\/em>, Berlin 2018.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn2\"><\/a><a href=\"#_ednref3\">[ii]<\/a> Hans Ulrich Gumbrecht: \u00bbSchwindende Stabilit\u00e4t der Wirklichkeit. Eine Geschichte des Stilbegriffs\u00ab, in: ders.\/K. Ludwig Pfeiffer (Hg.): <em>Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements<\/em>, Frankfurt a.M. 1986, S. 726\u2013788, hier S. 756.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn3\"><\/a><a href=\"#_ednref4\">[iii]<\/a> Vgl. Susan Sontag: \u00bbNotes on \u203aCamp\u2039\u00ab [1964], in: dies.: <em>Against Interpretation and Other Essays<\/em>, New York, NY 2009, S. 275\u2013292.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn4\"><\/a><a href=\"#_ednref5\">[iv]<\/a> Vgl. Ludwik Fleck: <em>Denkstile und Tatsachen. Gesammelte Schriften und Zeugnisse<\/em>, hg. von Sylwia Werner\/Claus Zittel, Berlin 2011.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn5\"><\/a><a href=\"#_ednref6\">[v]<\/a> Hannah Arendt: \u00bbDie L\u00fcge in der Politik\u00ab, in: dies.: <em>Wahrheit und L\u00fcge in der Politik. Zwei Essays<\/em>, M\u00fcnchen 1972, S. 7\u201344, hier S. 9f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn6\"><\/a><a href=\"#_ednref7\">[vi]<\/a> Vgl. Albrecht Koschorke: \u00bbDie akademische Linke hat sich selbst dekonstruiert. Es ist Zeit, die Begriffe neu zu justieren\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/die-akademische-linke-hat-sich-selbst-dekonstruiert-es-ist-zeit-die-begriffe-neu-zu-justieren-ld.1376724\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em><\/a>, 18.4.2018.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a name=\"_edn7\"><\/a><a href=\"#_ednref8\">[vii]<\/a> Max Horkheimer\/Theodor W. Adorno: <em>Dialektik der Aufkl\u00e4rung. Philosophische Fragmente<\/em> (= Theodor W. Adorno: <em>Gesammelte Schriften<\/em>, Bd. 3), hg. von Rolf Tiedemann, Frankfurt a.M. 1981, S. 152.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerin <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/geulen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eva Geulen<\/a> ist die Direktorin des ZfL.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Eva Geulen: Was Stil sagt, in: ZfL BLOG, 1.2.2019, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2019\/02\/01\/eva-geulen-was-stil-sagt\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2019\/02\/01\/eva-geulen-was-stil-sagt\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20190201-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20190201-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20190201-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2019\/02\/01\/eva-geulen-was-stil-sagt\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"WAS STIL SAGT\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Eva Geulen\",\n    \"givenName\": \"Eva\",\n    \"familyName\": \"Geulen\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0004-3700-1661\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2019-02-01\",\n  \"datePublished\": 2019,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit der Aufdeckung der F\u00e4lschungen des Journalisten Claas Relotius im Dezember vergangenen Jahres rauscht es im betroffenen Bl\u00e4tterwald. 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