{"id":1388,"date":"2020-03-18T14:51:48","date_gmt":"2020-03-18T12:51:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1388"},"modified":"2025-03-03T12:48:05","modified_gmt":"2025-03-03T10:48:05","slug":"pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/03\/18\/pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur\/","title":{"rendered":"Pola Gro\u00df \/ Hanna Hamel: Neue Nachbarschaften? STIL UND SOCIAL MEDIA IN DER GEGENWARTSLITERATUR"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbManchmal entstehen gro\u00dfe Textteile auf Twitter. Ich kommentiere dort, woran ich gerade arbeite, und probiere aus\u00ab, beschreibt Buchpreis-Gewinner Sa\u0161a Stani\u0161i\u0107 in einem Interview seinen Umgang mit Twitter, \u00bbaber ich w\u00fcrde nie versuchen, Twitter in meinen Texten zu imitieren.\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Der Autor weist auf eine intrikate Verbindung von Social Media mit dem Prozess des literarischen Schreibens hin. Denn wenn, wie Stani\u0161i\u0107 angibt, \u00bbgro\u00dfe Textteile\u00ab auf Twitter entstehen, haben soziale Medien von Beginn an einen wesentlichen Anteil an der Textproduktion \u2013 unabh\u00e4ngig davon, ob der sp\u00e4tere Roman Tweets mimetisch abbildet oder nicht. Das Ph\u00e4nomen der so genannten \u00bbTwitteratur\u00ab ist zwar bereits seit einiger Zeit bekannt, vielleicht sogar schon wieder \u00fcberholt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Was allerdings geblieben ist, das ist Twitter als Notizbuch, als B\u00fchne f\u00fcr die literarische Selbstinszenierung und als Ort der sozialen \u2013 und m\u00f6glicherweise auch stilistischen \u2013 Kontrolle.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Bei einer ganzen Generation j\u00fcngerer Autor*innen l\u00e4sst sich ein \u00e4hnlicher Umgang mit Facebook, Twitter, Instagram oder Blogs beobachten. Neu ist im Zusammenhang dieser Literaturproduktion die Rolle der mehr oder weniger anonymen \u00d6ffentlichkeit. Nicht nur die Autorenkolleg*innen, auch die Leser*innen k\u00f6nnen ihren Lieblingsschriftsteller*innen quasi schon w\u00e4hrend des Schreibprozesses auf die Finger schauen. Es steht ihnen frei, durch Likes, Kommentare und Retweets jedes einzelnen literarischen Postings dessen Erfolg mitzusteuern. Auch wenn es den Anschein hat, dass dadurch traditionelle Gatekeeper wie Verlage, Feuilleton und Literaturh\u00e4user f\u00fcr den Ver\u00f6ffentlichungsprozess an Bedeutung verlieren, bringt die Internet\u00f6ffentlichkeit doch auch Nachteile mit sich. Die Erstlekt\u00fcre erfolgt dann nicht mehr im intimen Austausch von Autor*in und Lektor*in, sondern in aller \u00d6ffentlichkeit von potentiellen Fans und\/oder Hass-Poster*innen. Es l\u00e4sst sich also eine neue Nahbeziehung zwischen Leser*innen und Autor*innen beobachten, die sich im virtuellen Raum des Web 2.0 entwickelt \u2013 mit Auswirkungen auf die klassischen Publikationsorte von Literatur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der wohl bekannteste Fall einer im Netz aktiven Autorin, deren Facebook-Posts nachtr\u00e4glich in Buchform ver\u00f6ffentlicht wurden, ist Stefanie Sargnagel: \u00bb19.2.2016 Das wird nichts mit dem Bachmanntext heuer\u00ab, kann man in der leinengebundenen Rowohlt-Ausgabe ihrer <em>Statusmeldungen<\/em> nachlesen, und vier Posts sp\u00e4ter: \u00bb19.2.2016 Die Schreibschulenstreber haben ihre Texte sicher alle schon vor einem Monat abgeschickt.\u00ab<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Es fiele schwer, hier auf den ersten Blick auszumachen, welche Anteile Medienschelte, Kritik am Literaturbetrieb, Selbstinszenierung oder blo\u00dfe Befindlichkeits\u00e4u\u00dferungen an den Posts haben. In weiteren Eintr\u00e4gen des gleichen Tages ist die Selbstironie allerdings kaum zu \u00fcberh\u00f6ren: \u00bb19.2.2016 Schreiben ist eigentlich voll lustig, sollte ich \u00f6fter machen.\u00ab Ebenso in der netzneurotischen Frage: \u00bbKann man an zu vielen E-Mails sterben?\u00ab Selbstinszenierung und Medienreflexion gehen hier ebenso Hand in Hand wie Selbstbeobachtung und kommunikative Kollektivpraxis &#8211; bei den Leser*innen hat sie damit Erfolg, im Netz wie auch in klassischen Formaten des Literaturbetriebs: Beim besagten Bachmannpreis 2016 gewann Stefanie Sargnagel den Publikumspreis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Zur Beschreibung der Spannungen zwischen individueller Autorschaft und kollektiver Praxis, zwischen Selbstinszenierung und Selbstironie liegt es nahe, sich auf eine klassische Kategorie der Literaturbetrachtung zu besinnen: auf die des Stils. Denn die Stilfrage war stets verbunden mit der Spannung von Individual- und Kollektivstil, von Originalit\u00e4t und Regel, von Norm und Abweichung, von Authentizit\u00e4t und Inszenierung. Seit der Stilbegriff sich von der Rhetorik emanzipiert hat, ist sein Anwendungsbereich nicht mehr allein auf sprachliche \u00c4u\u00dferungen oder k\u00fcnstlerische Artefakte beschr\u00e4nkt, sondern wird sp\u00e4testens seit 1900 auch auf Handlungen und damit auf nahezu alle Lebensbereiche \u00fcbertragen. Unter dem Gesichtspunkt des Stils l\u00e4sst sich deshalb nicht nur die Frage nach m\u00f6glichen kollektiven \u00bbDenkstilen\u00ab (Ludwik Fleck) stellen. Stilanalysen k\u00f6nnten auch dabei helfen, den Einfluss von kollektiven Wahrnehmungs- und Handlungsweisen der Social-Media-Kommunikation und deren charakteristischen Schreibweisen in der Literatur zu entdecken: Finden etwa g\u00e4ngige Anglizismen wie \u00bbnice\u00ab und auff\u00e4llige Abbreviaturen wie \u00bbWas ist das f\u00fcr 1 Life\u00ab oder unidiomatische \u00dcbersetzungen wie \u00bbg\u00f6nn dir\u00ab Eingang in die publizierten Texte? Und wie verh\u00e4lt sich die Literatur zu Eigenheiten der Social-Media-Kommunikation wie der Selbstkommentierung des Textes oder der mitunter vollst\u00e4ndigen Ersetzung von Schrift durch Emojis oder Bilder? Zu fragen ist auch nach dem Verh\u00e4ltnis, in dem netzaffine Schreibweisen, die h\u00e4ufig auf Interpunktion g\u00e4nzlich verzichten sowie umgangssprachliche Wendungen mit standardsprachlichen kombinieren, zu formal hochgradig durchkomponierten Textteilen stehen \u2013 wie etwa im Fall von Enis Macis 2018 uraufgef\u00fchrtem Theaterst\u00fcck <em>Mitwisser<\/em>, das von der Presse als \u00bbdas erste wirkliche Internetdrama\u00ab gefeiert wurde. Es finde eine Sprache, in der die \u00bbVer\u00e4nderungen der Wahrnehmung durch das Digitalzeitalter nicht nur wie \u00fcblich konstatiert werden, sondern in der sie sich stilistisch wirklich niederschlagen\u00ab.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Gendersensible Neuinterpretationen der griechischen Mythologie wie \u00bbnur wenige glauben an diejenige variation des mythos die also besagt \/ klytaimnestra habe agamemnon nicht get\u00f6tet als w\u00fctende mutter \/ sie habe ihn get\u00f6tet als frau\u00ab werden hier mit modernen Liebesgeschichten in Zeiten von \u00bbemojis\u00ab und \u00bbheimliche[n] selfie[s]\u00ab kombiniert. Ebenso treffen klassische, chorische Elemente auf umgangssprachliche und von der Interpunktion befreite Redensarten wie \u00bbund bei dir muss ne ja muss\u00ab.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wenn man sich allerdings an die Frage eines m\u00f6glicherweise spezifischen Schreibstils der sozialen Medien und seiner Auswirkungen auf Literatur heranwagt, sollte man nicht nur das \u203aEndprodukt\u2039, also den fertigen (Buch-)Text untersuchen, sondern vor allem auch die Bedingungen seiner Hervorbringung. Denn f\u00fcr das Entstehen eines neuen Stils der sozialen Medien spielt die Funktion des Kollektivs eine zentrale Rolle. In Analogie zur soziologischen Beschreibung aktueller urbaner Entwicklungen lassen sich die Beziehungen im Social-Media-Kollektiv als eine Form neuer Nachbarschaft beschreiben: \u00dcber die beschleunigte und intensivierte Interaktion in sozialen Netzwerken entstehen neue Geflechte und (virtuelle) Orte, an denen sich dieselben Personengruppen wiedertreffen, lesen und rezensieren \u2013 auch wenn sie in v\u00f6llig unterschiedlichen Stadt- oder Weltteilen leben. Entsprechend k\u00f6nnen selbstverst\u00e4rkende und selbstreferentielle Effekte durch Social Media auch f\u00fcr die Literaturproduktion und -rezeption untersucht werden: Markieren Retweets, angeheftete Posts und Hashtags neue Interessen- oder \u203aStilgemeinschaften\u2039<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>, die eigene Formen, aber auch Regeln und Zw\u00e4nge ausbilden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Nun sind kollektive Produktions- und damit Kontrollmechanismen aus der Literaturproduktion der letzten Jahrzehnte durchaus bekannt \u2013 etwa aus den von Stefanie Sargnagel sp\u00f6ttisch erw\u00e4hnten \u00bbSchreibschulen\u00ab, d.h. den Studieng\u00e4ngen Literarisches bzw. Szenisches Schreiben an den Hochschulen Leipzig, Hildesheim und Berlin oder Sprachkunst in Wien. Aber geht es in den sozialen Medien so viel freier zu? Welche Kontroll- und Sanktionsmechanismen greifen hier und welchen Gestaltungsspielraum haben die Individuen, sich und ihre Texte nach eigenem Ermessen zu pr\u00e4sentieren?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Praxis der sozialen Medien birgt nicht zuletzt das Risiko, Selbstreferentialit\u00e4t und Vorurteile zu verst\u00e4rken. Das hat nicht nur Konsequenzen f\u00fcr den Schreibstil, sondern auch f\u00fcr den Umgangston. Darauf hat vor kurzem der Autor Thomas Melle in der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/debatten\/clowns-auf-hetzjagd-twitter-schauprozess-gegen-peter-handke-16441099-p2.html\">FAZ<\/a> aufmerksam gemacht:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbTwitter, das den Puls der Meinungsmache vorgibt, richtet die Inhalte einfach auf diese Weise zu, formatiert sie in toxische Fetzen und s\u00fcffisante H\u00e4ppchen. Analogien und Pointen ersetzen Argumente und schaffen mit zunehmender Unsch\u00e4rfe eine Atmosph\u00e4re der Intellektuellenfeindlichkeit. Durch Blockierfunktion und ewige Verlinkung ergibt sich immer wieder und fast wie von selbst ein abgezirkelter Konsens, der einen fatalen Hang zum Ausschluss, zur Identit\u00e4t und zur Aburteilung hat. Beleg, Beleg, Witz, Socke, Beleg, Urteil.\u00ab<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Damit kritisiert er einen Twitter-Stil der Demontage, der nicht mehr den Gegenstand selbst \u2013 n\u00e4mlich die Literatur \u2013 in den Vordergrund stellt, sondern vor allem auf Selbstprofilierung und Abgrenzung setzt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Einfluss von Social Media auf den Literaturbetrieb ist damit zumindest ambivalent. Allerdings reflektieren das die aktiv postenden Autor*innen von Beginn an mit, h\u00e4ufig mit Gesten ironischer Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung, etwa wenn Stefanie Sargnagel fragt: \u00bbBin ich schuld am postfaktischen Zeitalter?\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Im Kontext von Social-Media-Literatur lassen sich so zwei gegenl\u00e4ufige Tendenzen erkennen, die die Funktion und Stellung von Autorschaft betreffen. Deutlich wird zun\u00e4chst, dass die Person des Schriftstellers und der Schriftstellerin erneut im Fokus steht. Denn kaum eine Autorin, kaum ein Autor kommt heute umhin, soziale Medien in irgendeiner Form zu bespielen oder sich zu ihnen zu verhalten. So wird Autor*innen immer st\u00e4rkere Selbst- und Informationskontrolle abverlangt; gerade auch, weil sie potentiellen Angriffen im Netz h\u00e4ufiger ausgesetzt sind. Andererseits verliert die Person des Autors, der Autorin aber auch an Bedeutung, weil die sozialen Medien kollaborative Schreibpraktiken beg\u00fcnstigen. Kommentare und die direkte Einflussnahme der Leser*innen k\u00f6nnten bereits als Ko-Autorschaft gedeutet werden &#8211; ein Umstand, der von Autor*innen gerne ausgeblendet wird, wenn sie mit der Publikation ihrer Literatur auf den Buchmarkt zur\u00fcckkehren oder dort re\u00fcssieren wollen. Zur Frage der Autorschaft im Netz geh\u00f6rt deshalb wesentlich auch die Frage nach der Funktion der Rezipient*innen, die \u00fcber Bewerten und Teilen der Posts oder Tweets den Erfolg \u2013 und den Stil \u2013 der Schriftsteller*innen mitsteuern.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerinnen <\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/zfl-berlin.org\/person\/gross.html\"><em>Pola Gro\u00df<\/em><\/a><em> und <\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/hamel.html\"><em>Hanna Hamel<\/em><\/a><em> werden diese und weitere Fragen am 19. und 20. November 2020 gemeinsam mit Autor*innen und Wissenschaftler*innen auf der von ihnen organisierten Veranstaltung zum Thema \u00bbNeue Nachbarschaften: Stil und Social Media in der Gegenwartsliteratur<strong>\u00ab <\/strong>im Literaturforum im Brecht-Haus und im ZfL diskutieren.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> \u00bbSa\u0161a Stani\u0161i\u0107 \u00fcber Erinnerungen. Gespr\u00e4ch mit Karin Janker\u00ab, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, 15.\/16.6.2019, S. 56.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Elias Kreuzmair: \u00bbWas war Twitteratur?\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.merkur-zeitschrift.de\/2016\/02\/04\/was-war-twitteratur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Merkur-Blog<\/em><\/a>, 4.2.2016.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Stefanie Sargnagel: <em>Statusmeldungen. Mit zahlreichen farbigen Abbildungen<\/em>, Reinbek 2017, S. 132\u2013133.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Christine Wahl: \u00bbDramatische Analysen\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/republik.ch\/2019\/04\/05\/dramatische-analysen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Republik<\/em><\/a>, 5.4.2019.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Enis Maci: <em>Mitwisser<\/em>, Berlin 2018, S. 37, 62, 27.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Nach Jochen Venus entstehen Stilgemeinschaften in der zeitgen\u00f6ssischen Kulturproduktion folgenderma\u00dfen: \u00bbWann immer popul\u00e4re Kulturen einen Aufmerksamkeitserfolg erzielen, kristallisiert sich an diesem Erfolg sofort ein Konvolut \u00e4hnlicher Produkte. Jedes Faszinosum geht unmittelbar in Serie, strahlt aus, metastasiert und bezieht immer mehr Rezipienten in die spezifische Form spektakul\u00e4rer Selbstreferenz ein. Auf diese Weise emergieren Stilgemeinschaften normalisierten Spektakels.\u00ab Ihre Mitglieder finden sich nicht \u00fcber soziale Rollen zusammen, sondern prim\u00e4r \u00fcber ihren Status als \u203aFans\u2039, \u00bbdie vor allem ihre stilistische Vorliebe, dar\u00fcber hinaus aber nichts Bestimmtes teilen\u00ab; vgl. Jochen Venus: \u00bbDie Erfahrung des Popul\u00e4ren. Perspektiven einer kritischen Ph\u00e4nomenologie\u00ab, in: Marcus S. Kleiner\/Tobias Wilke (Hg.): <em>Performativit\u00e4t und Medialit\u00e4t Popul\u00e4rer Kulturen. Theorien, \u00c4sthetiken, Praktiken<\/em>, Wiesbaden 2013, S. 49\u201374, hier S. 67, 69. \u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Sargnagel: <em>Statusmeldungen<\/em>, S. 255.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[8]<\/a> In der aktuellen Situation entfalten sich neue Formen von Nachbarschaft in den Social Media, etwa in Aufrufen zum Zuhausebleiben, digitalen Verabredungen oder Hilfsangeboten und \u00fcbernehmen dabei wichtige soziale Funktionen. Auch die Auswirkungen auf die Literaturproduktion und den Literaturbetrieb sind in diesem Zusammenhang deutlich zu beobachten, wenn zum Beispiel das Literaturhaus Graz zu einem <a href=\"http:\/\/www.literaturhaus-graz.at\/die-corona-tagebuecher\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Corona-Tagebuchprojekt<\/a> aufruft, an dem eine Reihe von Autorinnen und Autoren beteiligt sind oder Lesungen als Livestreams im Netz stattfinden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Pola Gro\u00df \/ Hanna Hamel: Neue Nachbarschaften? Stil und Social Media in der Gegenwartsliteratur, in: ZfL BLOG, 18.3.2020, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/03\/18\/pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/03\/18\/pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200318-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200318-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200318-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/03\/18\/pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"Neue Nachbarschaften? 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Ich kommentiere dort, woran ich gerade arbeite, und probiere aus\u00ab, beschreibt Buchpreis-Gewinner Sa\u0161a Stani\u0161i\u0107 in einem Interview seinen Umgang mit Twitter, \u00bbaber ich w\u00fcrde nie versuchen, Twitter in meinen Texten zu imitieren.\u00ab[1] Der Autor weist auf eine intrikate Verbindung von Social Media mit dem Prozess des literarischen Schreibens hin. <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/03\/18\/pola-gross-hanna-hamel-neue-nachbarschaften-stil-und-social-media-in-der-gegenwartsliteratur\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21],"tags":[383,385,382,364,384,380,381,271,386],"class_list":["post-1388","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einblick","tag-autorschaft","tag-gegenwartsliteratur","tag-internet","tag-nachbarschaft","tag-schreibstil","tag-social-media","tag-soziale-medien","tag-stil","tag-stilgemeinschaft"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1388"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3611,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1388\/revisions\/3611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1388"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1388"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1388"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}