{"id":1475,"date":"2020-06-11T09:31:22","date_gmt":"2020-06-11T07:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1475"},"modified":"2025-03-03T12:31:02","modified_gmt":"2025-03-03T10:31:02","slug":"nitzan-lebovic-daniel-weidner-prophetische-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/11\/nitzan-lebovic-daniel-weidner-prophetische-politik\/","title":{"rendered":"Nitzan Lebovic \/ Daniel Weidner: PROPHETISCHE POLITIK"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbProphetische Politik\u00ab verk\u00fcndigt w\u00e4hrend existentieller und politischer Krisen einen radikalen Wandel mithilfe religi\u00f6ser Sprache. Der Begriff bringt zwei unterschiedliche semantische Felder zusammen. Zum einen das der Prophetie, die in allen Religionen durch Individuen repr\u00e4sentiert wird, die man als Sprachrohr des G\u00f6ttlichen betrachtet. Ob heidnisch oder monotheistisch, m\u00e4nnlich oder weiblich, antik oder modern, Propheten sind immer Lehrer und Kritiker, mahnend und scheltend. Nie schrecken sie davor zur\u00fcck, ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern, auch nicht in Lebensgefahr. Das zweite Feld ist das der Politik: Ausgehend von der Idee der <em>polis<\/em> und der <em>politeia<\/em> steht die Politik seit Thomas Hobbes f\u00fcr die staatliche Beziehung zwischen Volk und Souver\u00e4n, f\u00fcr ein vereinigendes Zwangsverh\u00e4ltnis, das die Angst und den Krieg \u00bballer gegen alle\u00ab im \u00bbNaturzustand\u00ab \u00fcberwindet.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Indem sie den M\u00e4chtigen die Wahrheit sagt, markiert prophetische Politik Momente der \u00dcberschneidung dieser Semantiken. Sie sch\u00f6pft ihre Legitimit\u00e4t aus einer h\u00f6heren Macht \u2013 sei es die Wahrheit oder g\u00f6ttliche Autorit\u00e4t. In Krisenzeiten wagen es die Propheten, auf gesellschaftliche Missst\u00e4nde aufmerksam zu machen und neue, radikale Wege zu verk\u00fcnden. Mag prophetische Politik heute auch anachronistisch erscheinen, so hat sie das revolution\u00e4re Potential ihrer langen und wechselhaften Geschichte keineswegs eingeb\u00fc\u00dft: von Jeremias Schelte der ungl\u00e4ubigen Israeliten bis zu Mohammeds offener Kritik an den Eliten in Mekka, von dem prophetischen Ton, mit dem Martin Buber und Abraham Jehoschua Heschel Rassismus und Nihilismus bek\u00e4mpften, bis hin zu Malcolm X\u2019 und James Baldwins Kritik am Kapitalismus und Imperialismus in den 1960er Jahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die historische Entwicklung zeigt, dass das prophetische Wort eine rhetorische Form ist, die Grenzen von Zeit und Raum, Hierarchien und Identit\u00e4ten \u00fcberschreitet. Sie wirkt in verschiedenen Religionen \u2013 vom antiken Griechenland und dem antiken Jud\u00e4a \u00fcber das Christentum und die Gnosis bis hin zum Islam \u2013 und politischen Gemeinwesen. Jeremias Geste des Zerbrechens der Kr\u00fcge wird von Paulus aufgenommen und transformiert, um den Aufstieg des Christentums anzuzeigen. Mohammed beansprucht, alle Formen des Monotheismus im Islam zu integrieren. Und in der Neuzeit hat man die Sprachen der \u00bbabrahamitischen\u00ab Religionen gegen die trennende Sprache des Autoritarismus und Kolonialismus gewendet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Macht des abweichenden Wortes, wie es von den Propheten gesprochen wird, liegt in der Grenz\u00fcberschreitung. Warum ist diese \u00dcberschreitung relevant? Die Religionsgeschichte zeigt, dass Propheten ihren Auftrag oft als Symptom einer Krise verstanden haben, die sie nicht nur passiv kommentieren, sondern durch ihr Handeln zuspitzen. Propheten stehen dabei \u2013 auch wenn sie passiv sind \u2013 zwischen den Fronten und Institutionen, sie repr\u00e4sentieren den Wandel und die Entgrenzung, sie stellen die Trennung von Religion und Politik, Souver\u00e4nit\u00e4t und Gemeinschaft, konservativen und Reformlagern, hohen und niederen Kulturen radikal in Frage. Vor allem aber ver\u00e4ndert prophetische Politik die Art und Weise, wie wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft verstehen. Indem die Prophetie Vergangenheit und Gegenwart neu erz\u00e4hlt, entsteht eine neue Vision der Zukunft. So fordern die Propheten \u2013 von Moses, Jesus und Mohammed bis hin zu Martin Luther King Jr. \u2013 eine radikal andere Zukunft durch eine Neuinterpretation der Vergangenheit.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">Geschichte<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das Gespenst der Prophetie hat die moderne Politik seit ihrer Begr\u00fcndung in der Fr\u00fchen Neuzeit heimgesucht, oftmals indirekt. Man entdeckt sie auch da, wo politische Theorie versucht, sich aller religi\u00f6sen Symbole zu entledigen: Niccol\u00f2 Machiavellis <em>Der F\u00fcrst<\/em> (1532) wurde nicht im luftleeren Raum geschrieben, sondern reagierte auf die radikale Predigt und den Tod des Mystikers Savonarola; Thomas Hobbes widmete nicht weniger als zwanzig Kapitel des <em>Leviathan<\/em> (1550) dem Beweis der Unm\u00f6glichkeit echter Prophetie. Trotz dieses Bruchs sch\u00f6pften politische Bewegungen weiterhin Energien aus der prophetischen Tradition, die sie mit modernen Vorstellungen und Interessen aufluden: Sie entwarfen ihre eigene Gegenwart gegen die herrschende Politik mit Kategorien und Konzepten aus der scheinbar verworfenen prophetischen Rhetorik.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Geist der Prophetie zeigt sich dabei in Darstellung und Stil: Eine anachronistische oder r\u00fcckwirkende Lekt\u00fcre war schon immer zentral f\u00fcr religi\u00f6se Traditionen; sie verlieh auch der prophetischen Politik ihre Kraft und bestimmte ihre Geschichte. Dabei bleibt sowohl in den fr\u00fchen als auch in den sp\u00e4teren Schichten des Textes das Pl\u00e4doyer f\u00fcr Ver\u00e4nderung erhalten: In der Fr\u00fchen Neuzeit rebellierten prophetische Bewegungen wie die Hussiten oder die T\u00e4ufer sowohl gegen die Kirche als auch gegen den entstehenden souver\u00e4nen Staat. W\u00e4hrend der Aufkl\u00e4rung wurden Propheten als Lehrer begriffen; Romantiker wie Samuel Taylor Coleridge oder Charles Baudelaire machten sie zu Dichtern und zu Kritikern von Rationalit\u00e4t und Fortschritt. Sp\u00e4ter, gegen Ende des 19. Jahrhunderts, wurden sie als F\u00fchrerfiguren betrachtet, als nietzscheanische \u00bbUmwerter der Werte\u00ab.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Max Weber zufolge, einem der Begr\u00fcnder der Soziologie, sind Propheten charismatische politische Pamphletisten und moralische Anarchisten, Au\u00dfenseiter und Vertreter radikaler Gesinnungsethik.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">Rhetorik<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Stilistisch betrachtet ist prophetische Politik in erster Linie ein Sprechakt: Eine Person \u00e4u\u00dfert sich und handelt indem sie spricht. Doch so einfach das auch klingen mag, Sprechakte stellen einen komplexen sozialen und rhetorischen Prozess dar und m\u00fcssen in einem breiteren dialogischen Rahmen interpretiert werden. So markiert die prophetische Rede nicht nur die Verk\u00f6rperung einer politischen \u00c4u\u00dferung, sondern hebt auch deren Kontext hervor: wer hier zu wem spricht, was mitgesagt und jeweils vorausgesetzt ist, zu was Sprache in der Lage ist und wo sie versagen muss. In prophetischer Politik beziehen sich Redner und Zuh\u00f6rer daher immer auch auf die F\u00e4higkeit oder Unf\u00e4higkeit, mit Worten zu handeln.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die prophetische Rede wird im Namen einer h\u00f6heren Autorit\u00e4t gehalten. Die Betonung der Legitimit\u00e4t impliziert, dass nur diejenigen sprechen k\u00f6nnen, die von dieser Legitimit\u00e4t durchdrungen sind. Anders gesagt: Der Prophet stellt sich selbst als Bote, als Sprachrohr dar, als jemand, der nicht f\u00fcr sich selbst spricht, sondern nur Medium f\u00fcr das Wort Gottes ist. In den meisten F\u00e4llen bleibt der Prophet jedoch kein passives Medium, sondern wird untrennbar mit der Botschaft verbunden, die er mehr verk\u00f6rpert als \u00fcberbringt. Die Situation des Boten ist dabei dreigliedrig und verbindet Gott, Prophet und Mensch: Eine Botschaft wird von Gott an den Propheten und vom Propheten an das Volk \u00fcbermittelt. Der Prophet wiederholt sie nicht nur, sondern muss sie auch \u00fcbersetzen und oft auch die Antwort auf sie \u00fcberliefern. Entsprechend dieser unbehaglichen Zwischenposition wechselt die biblische Prophetie oft zwischen erster und dritter Person, zwischen g\u00f6ttlicher Anweisung an den Propheten und prophetischer Botschaft an das Volk, zwischen zitierter und berichteter Rede. Die prophetische Rede entwirft eine \u00fcberbestimmte Rede, die nicht einer einzigen Logik oder Grammatik, sondern verschiedenen und widerspr\u00fcchlichen folgt: Der Prophet empf\u00e4ngt die Stimme Gottes, \u00fcbersetzt und verk\u00f6rpert sie, damit sie von allen Menschen geh\u00f6rt werden kann. Die autoritative \u00dcberlieferung erfordert also eine eigene, einzigartige Inszenierung. Die g\u00f6ttliche Stimme setzt die Beschr\u00e4nkungen menschlicher Rede au\u00dfer Kraft und zwingt den Propheten, die Redekunst hinter sich zu lassen und seine Botschaft mit symbolischen Handlungen zu begleiten und unter k\u00f6rperlichem Einsatz zu verk\u00fcnden: Jeremia geht unter dem Joch, um anzusagen, dass Babel die Welt unterjochen werde (Jeremia 27).<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">Zeitlichkeit<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die rhetorische Kraft der prophetischen Redekunst basiert auf einem Spiel mit der Zeit. Das prophetische Wort bricht auf unterschiedliche Weise aus der normativen, linearen und biologischen Zeit aus. Wie Martin Buber im <em>Glaube des Propheten <\/em>(1940) erkl\u00e4rt, \u00fcberbringt der Prophet nicht nur einfach eine Botschaft, sondern tut dies in einer Stunde der Entscheidung: \u00bbIn der Zeitdimension, die das Wort vor ihm auftut, gibt es keine festgelegte und als solche vorhersagbare Zukunft. In seiner Rede steht er immer in dem Punkte der Zeit, wo das Schicksal sich entscheidet, an welcher Entscheidung die Menschen da vor ihm durch ihre Entscheidung teilhaben.\u00ab<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Wenn Jeremia Zerst\u00f6rung und Exil als Folge vergangener S\u00fcnden vorhersagt, so ist das auch Bedingung f\u00fcr einen Neuanfang. Das explosive Potential seiner Worte f\u00fcr moderne Autoren und Denker war immer mit einer vorhersagenden moralischen Jeremiade verbunden, einem ausdr\u00fccklichen Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen radikalen Wandel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wie tief aber greift die prophetische Forderung nach Ver\u00e4nderung? In der zeitlichen Umordnung bekannter Erz\u00e4hlungen liegt ein neuer Weg f\u00fcr die Menschheit, ihre biologische Bedingtheit zu \u00fcberwinden. Wie Franc\u0327ois Hartog zeigt, aktiviert die Prophetie das Wort durch ihren Appell an die Gegenwart und ihren eigenen Anspruch, \u00bbeine Erz\u00e4hlung der performativen Zeit\u00ab zu verwirklichen. In dieser Hinsicht kann die monotheistische Revolution als eine Rebellion gegen die heidnische M\u00e4\u00dfigung und ihr Vertrauen auf die nat\u00fcrliche Ordnung betrachtet werden.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> In den drei abrahamitischen Religionen wird die Beziehung zum G\u00f6ttlichen nicht durch Natur, sondern durch Prophetie, politischen Dissens und menschliche Endlichkeit definiert. Sowohl das Christentum als auch der Islam bauen auf der Forderung auf, das Soziale und das Politische zu vereinen: Die Prophezeiungen Jeremias und die des Paulus begr\u00fcnden das Bild eines neuen Bundes und einer kollektiven Auferstehung; aus dem Dualismus im Koran von <em>huduth<\/em> (Werden, Einf\u00fcgen in die Zeit) und <em>qidam<\/em> (ohne Ursprung, unzeitgem\u00e4\u00df, ewig) entsteht die prophetische Zeit als Ruf nach einem umfassenden soziopolitischen Wandel. Die konstitutionelle Demokratie der Neuzeit adaptiert die Jeremiade als \u00bbDiskurs, der zugleich durch und durch religi\u00f6s und politisch ist\u00ab und eine Klage \u00fcber die Gegenwart mit der Erinnerung an gemeinsame Werte verbindet.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Martin Luther King Jr. stellte dem langsamen Wandel des gesellschaftlichen Fortschritts den prophetischen Traum einer br\u00fcderlichen Menschheit gegen\u00fcber. Und James Baldwin insistierte, dass \u00bbin our time, as in every time, the impossible is the least that one can demand\u00ab.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> So ist es gerade die scheinbar unm\u00f6gliche Aufgabe, ein System der Exklusion \u2013 die Rassendiskriminierung wie Diskriminierung \u00fcberhaupt \u2013 zu durchbrechen, mit der eine andere \u00bbDemokratie der Zukunft\u00ab einzuleiten ist.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">Politische Theologie<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das j\u00fcngst wiedererwachte Interesse an politischer Theologie hat viel zum Verst\u00e4ndnis prophetischer Rhetorik, Zeitlichkeit und Politik beigetragen. Politische Theologie war lange Zeit ein Thema von Spezialisten des mittelalterlichen und fr\u00fchneuzeitlichen Denkens; heute ist sie einer der prominentesten Diskurse \u00fcber den Stand der politischen Repr\u00e4sentation. Das wieder aufgelebte Interesse an s\u00e4kularisierten theologischen Konzepten birgt allerdings auch Probleme. Denn zum einen erm\u00f6glicht die politische Theologie zwar ein innovatives Verst\u00e4ndnis radikaler politischer Formen, aber allzu oft wird sie mit suprematistischen Untert\u00f6nen vorgetragen und bedient sich exklusiv christlicher Konzepte zur Deutung der Welt. Zweitens hat die Anziehungskraft radikaler Perspektiven und die Skepsis gegen\u00fcber prozeduralen L\u00f6sungen h\u00e4ufig dazu gef\u00fchrt, sich vor allem mit der je eigenen Version s\u00e4kularisierter theologischer Konzepte zu befassen, was der politischen Theologie ein ausgesprochen dogmatisches Gesicht gibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch prophetische Politik besch\u00e4ftigt sich mit den Fragen der politischen Theologie: mit der Beziehung zwischen Souver\u00e4n und Volk, mit Tradition und Wandel, Religion und S\u00e4kularisierung, Norm und Ausnahme. Aber k\u00f6nnte sie eine andere, vielleicht weniger dogmatische und differenziertere Form der politischen Theologie erm\u00f6glichen? K\u00f6nnte die Differenz zwischen prophetischer Stimme und politischen Institutionen auch andere Konzepte jenseits der Sph\u00e4re von Macht und Souver\u00e4nit\u00e4t verst\u00e4ndlich machen? Lie\u00dfe sich von hier aus etwa \u00fcber das Konzept der Hoffnung oder der Solidarit\u00e4t nachdenken, oder \u00fcber die Idee des Trostes? Wie w\u00e4re es, ganz auf Konzepte zu verzichten und andere Formen der Rede wie die Poesie, das Gebet oder die Kommunion in Betracht zu ziehen? Die Erweiterung unserer Perspektiven k\u00f6nnte dazu beitragen, die inh\u00e4renten Grenzen des dominanten Modells der politischen Theologie zu erkennen. Im Gegensatz zu Carl Schmitts hierarchischer Interpretation der politischen Theologie, deren Interesse sich ganz auf die Politik der souver\u00e4nen Entscheidung konzentriert, hinterfragt die prophetische Politik das Verh\u00e4ltnis zwischen dem Religi\u00f6sen und dem Politischen. Statt Macht zu sakralisieren, betont prophetische Politik die Beziehung zwischen Religion und Politik; statt Identit\u00e4ten, Entscheidungen und Setzungen r\u00fcckt sie Paradoxien, Ungewissheiten und Infragestellungen in den Blick.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><em><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00dcbersetzung: Raoul Fraisse<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348;\"><em><span style=\"font-family: helvetica;\"><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/history.cas.lehigh.edu\/content\/nitzan-lebovic\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Nitzan Lebovic<\/a> arbeitet am Department of History an der Lehigh University in Bethlehem, PA. <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/weidner.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Daniel Weidner<\/a> ist Co-Leiter des Programmbereichs \u00bbWeltliteratur\u00ab am ZfL. Ihr Text erschien auf Englisch auf <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/politicaltheology.com\/prophetic-politics-an-introduction\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">politicaltheology.com<\/a> und geht zur\u00fcck auf die Einleitung zur Sondernummer <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/1462317X.2020.1732000\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Prophetic Politics<\/a> der Zeitschrift \u00bbPolitical Theology\u00ab (21:1-2, 2020).<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. die klassische Darstellung von Michael Walzer: <em>Exodus and Revolution<\/em>, New York 1985.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zum Topos von Nietzsche als Prophet vgl. Daniel Weidner: \u00bb\u203aUnd ihr \u2013 ihr machtet schon ein Leier-Lied daraus\u2039. Nietzsche als Prophet\u00ab, in: <em>Arcadia <\/em>47:2 (2012), S. 361\u2013384.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Herbert N. Schneidau: <em>Sacred Discontent. <\/em><em>The Bible and Western Tradition<\/em>, Berkeley, CA, 1976.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Martin Buber: <em>Der Glaube des Propheten<\/em>, in: ders.: <em>Werke<\/em>, Bd. 2: <em>Schriften zur Bibel<\/em>, S. 231\u2013484, hier S. 236.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Franc\u0327ois Hartog: \u00bbL\u2019apocalypse, une philosophie de l\u2019histoire\u00ab, in: <em>Esprit <\/em>405 (2014), S. 22\u201332, hier S. 27.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Cathleen Kaveny: <em>Prophecy without Contempt. Religious Discourse in the Public Square<\/em>, Cambridge, MA, 2016, S. 4.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> James Baldwin: \u00bbThe Fire Next Time\u00ab, in: ders.: <em>Collected Essays<\/em>, New York 1998, S. 346.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Nitzan Lebovic \/ Daniel Weidner: Prophetische Politik, in: ZfL BLOG, 11.6.2020, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/11\/nitzan-lebovic-daniel-weidner-prophetische-politik\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/11\/nitzan-lebovic-daniel-weidner-prophetische-politik\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200611-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200611-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200611-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/11\/nitzan-lebovic-daniel-weidner-prophetische-politik\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"PROPHETISCHE POLITIK\",\n  \"author\": [\n    {\n      \"name\": \"Nitzan Lebovic\",\n      \"givenName\": \"Nitzan\",\n      \"familyName\": \"Lebovic\",\n      \"@type\": \"Person\",\n      \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-7412-5370\"\n    },\n    {\n      \"name\": \"Daniel Weidner\",\n      \"givenName\": \"Daniel\",\n      \"familyName\": \"Weidner\",\n      \"@type\": \"Person\",\n      \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-2214-9346\"\n    }\n  ],\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2020-06-11\",\n  \"datePublished\": 2020,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbProphetische Politik\u00ab verk\u00fcndigt w\u00e4hrend existentieller und politischer Krisen einen radikalen Wandel mithilfe religi\u00f6ser Sprache. 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