{"id":1484,"date":"2020-06-22T09:37:30","date_gmt":"2020-06-22T07:37:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1484"},"modified":"2025-03-03T12:28:38","modified_gmt":"2025-03-03T10:28:38","slug":"christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/22\/christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher\/","title":{"rendered":"Christina Ernst: DAS LEBEN SCHREIBEN. Annie Ernaux\u2019 Tageb\u00fccher"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Seit Mitte M\u00e4rz werden online vermehrt sogenannte \u00bbCorona-Tageb\u00fccher\u00ab ver\u00f6ffentlicht, in denen Schriftsteller*innen ihre pers\u00f6nlichen Eindr\u00fccke der COVID-19-Krise festhalten.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> Als von vornherein f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit konzipierte Textsorte arbeiten sie mit dem Format des \u00bbTagebuchs\u00ab in Form von chronologisch sortierten und datierten Eintr\u00e4gen, die sukzessive publiziert werden. Mit diesen Corona-Tageb\u00fcchern, die das unmittelbare Zeitgeschehen kommentieren, soll eine Art Archiv der Gegenwart entstehen, das tendenziell auf Unabgeschlossenheit hin angelegt ist. Stilistisch zwischen ironisch-distanzierter Selbstreflexion und politischem Twitterkommentar gehalten, erscheinen sie als neueste Spielart jener Tendenzen zum Autobiographischen in der Gegenwartsliteratur, die seit einiger Zeit unter dem Label der Autofiktion bekannt sind. In diesem Zusammenhang wird h\u00e4ufig der Name der franz\u00f6sischen Autorin Annie Ernaux genannt.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> Allerdings hat der Tagebucheintrag in ihrem Werk eine besondere Funktion, dient er doch der nachzeitigen Stabilisierung ihrer anderen Texte. Sie selbst bezeichnet ihre Texte, die autobiographische Erlebnisse im Kontext der sie bestimmenden sozialen Strukturen erz\u00e4hlen, auch nicht als Autofiktionen, sondern als \u00bbAutosoziobiographien\u00ab, die sich \u2013 anders als die Corona-Tageb\u00fccher \u2013 ihrem Gegenstand nur im R\u00fcckblick ann\u00e4hern k\u00f6nnen.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">W\u00e4hrend Ernaux in Frankreich sp\u00e4testens seit ihrer Auszeichnung mit dem renommierten Prix Renaudot im Jahr 1984 als etablierte Schriftstellerin gilt, wurde sie einem breiteren deutschsprachigen Lesepublikum erst \u00fcber Didier Eribons Ernaux-Lekt\u00fcren in <em>R\u00fcckkehr nach Reims<\/em> (2016, frz. 2009) bekannt. Nach dessen Erfolg brachte der Suhrkamp-Verlag in kurzer Folge Annie Ernaux\u2019 Werke <em>Die Jahre<\/em> (2017, frz. 2008), <em>Erinnerungen eines M\u00e4dchens<\/em> (2018, frz. 2016), <em>Der Platz<\/em> (2019, frz. 1983) und <em>Eine Frau<\/em> (2019, frz. 1988), in der (Neu-)\u00dcbersetzung von Sonja Finck heraus, die vor allem in Anschluss an Eribons Klassenanalysen rezipiert wurden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In Frankreich erschienen Ernaux\u2019 gesammelte Schriften bereits 2011 unter dem Titel <em>\u00c9crire la vie<\/em> (\u00bbDas Leben schreiben\u00ab) bei Gallimard. Neben zw\u00f6lf zuvor schon publizierten Werken und einigen Aufs\u00e4tzen enth\u00e4lt der Band ein erstmals ver\u00f6ffentlichtes <em>Photojournal<\/em>. Auf knapp 100 Seiten werden private Fotografien, die chronologisch durch das Leben der Autorin f\u00fchren, mit ausgew\u00e4hlten Tagebuchausz\u00fcgen kombiniert, die so als Kommentare zu den Bildern dienen. Sie \u00bber\u00f6ffnen einen anderen autobiographischen Raum\u00ab, so Ernaux,<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbindem die materielle, unwiderlegbare Realit\u00e4t der Fotos, deren Abfolge \u203aGeschichte schreibt\u2039 und einen sozialen Werdegang nachzeichnet, verbunden wird mit der subjektiven Realit\u00e4t des Tagebuchs und den Tr\u00e4umen, Obsessionen, dem rohen Ausdruck von Affekten, der st\u00e4ndigen Neubewertung des Erlebten\u00ab.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[3]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Diese Zeilen lassen sich als programmatische Beschreibung der autosoziobiographischen Schreibweise lesen. Sie verweisen auf Ernaux\u2019 Verfahren der R\u00fcckbindung ihrer Erinnerungen an historische Dokumente, durch die das Schreiben die eigene Vergangenheit wiederaneignen will, und zwar nicht als subjektiv gedeutete, sondern als soziale.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Form und Motiv des Tagebuchs ziehen sich durch Ernaux\u2019 Werk. In <em>Les ann\u00e9es<\/em> zitiert sie an mehreren Stellen aus alten Tagebucheintr\u00e4gen, die den von Fotobetrachtungen ausgel\u00f6sten Assoziationsketten und Erinnerungen der Erz\u00e4hlerinnenstimme etwas von der Subjektivit\u00e4t des vergangenen Ichs hinzuf\u00fcgen. \u00bbIch besch\u00e4ftige mich gedanklich mit der Geschichte einer Frau, einer Art Panorama. Vielleicht in diese Richtung gehen\u00ab:<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[4]<\/a> Selbstreflexionen wie diese konstruieren als Textstrategie eine Kontinuit\u00e4t, die das Buch zum Lebensprojekt stilisiert. Die Tagebucheintr\u00e4ge fungieren aber auch als Quellenmaterial, das die Suche nach der vergangenen Wirklichkeit st\u00fctzt:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbBeim Schreiben stellt sich immer die Frage nach dem Beweis: abgesehen von meinem Tagebuch und meinem Kalender aus dieser Zeit scheint es mir \u00fcber keine Gewissheit in Bezug auf die Gef\u00fchle und Gedanken zu verf\u00fcgen, wegen der Immaterialit\u00e4t und der Verg\u00e4nglichkeit dessen, was durch das Bewusstsein zieht\u00ab.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[5]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><em>Ecrire la vie<\/em> versammelt neben chronologischen Aufzeichnungen allt\u00e4glicher Eindr\u00fccke des \u00f6ffentlichen Lebens, dem <em>Journal du dehors<\/em>, auch zwei Texte, die mit einem der autosoziobiographischen Erz\u00e4hltexte Ernaux\u2019 in einen Dialog treten. So erz\u00e4hlen <em>Se perdre<\/em> und <em>\u00bbJe ne suis pas sortie de ma nuit\u00ab<\/em> aus der st\u00e4rker subjektiven Perspektive des unmittelbaren Tagebucheintrags erneut die Ereignisse nach, die bereits zehn Jahre zuvor in <em>Passion simple<\/em> respektive <em>Une femme<\/em> als narrativer Text ver\u00f6ffentlicht worden waren. Sie sind als eine Art Beiwerk zu den autosoziobiographischen Erz\u00e4hlungen zu lesen (und nicht als Einzelwerke), die, so die Autorin, als zweite Version der Geschehnisse diese in einem anderen Licht erscheinen lassen und die Einheit und Koh\u00e4renz des urspr\u00fcnglichen Werks unterlaufen.<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[6]<\/a> Eher als eine Umdeutung erm\u00f6glichen die Tagebuchaufzeichnungen jedoch eine Stabilisierung des Erz\u00e4hlten, indem sie dieses variieren und erg\u00e4nzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Noch deutlicher wird das, wenn man das <em>Photojournal<\/em> mit <em>Les ann\u00e9es<\/em> zusammenliest, die am Anfang bzw. am Ende des Sammelbands stehen und die \u00fcbrigen Texte rahmen. Als eine Art kommentiertes Fotoalbum f\u00fchrt das <em>Photojournal<\/em> durch die Lebensgeschichte der Autorin. Es steht auch inhaltlich in einem Verh\u00e4ltnis zu <em>Les ann\u00e9es<\/em>, dessen Erz\u00e4hlinhalt es nochmal in einer Fototagebuch-Version wiedergibt und variiert. Das hier erstmals ver\u00f6ffentlichte Textmaterial stammt aus alten Tageb\u00fcchern. Der Bezug ist aber noch enger, weil <em>Les ann\u00e9es<\/em> der Struktur nach selbst eine Art Fotojournal ist (wenn auch ohne Bilder). Der Text ist durch Fotobeschreibungen strukturiert, die jeweils neue Zeitabschnitte einl\u00e4uten und denen Bild f\u00fcr Bild Erinnerungen zugeordnet werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Tagebuchausz\u00fcge in <em>Les ann\u00e9es<\/em> entsprechen aber, wie auch die beschriebenen Fotografien, nicht exakt jenen den Fotojournals. Vielmehr versucht Ernaux, sich dem Erz\u00e4hlgegenstand \u2013 der sozialen und subjektiven Wirklichkeit der Vergangenheit \u2013 im Zusammenspiel von Wiederholung, Varianz und Erg\u00e4nzung anzun\u00e4hern. <em>\u00c9crire la vie<\/em> setzt dieses Vorhaben konzeptuell um, indem es die gesammelten Werke der Autorin nicht nach Erscheinungsdatum, sondern in der Chronologie der erz\u00e4hlten Erlebnisse ordnet. Das <em>Photojournal<\/em> und <em>Les ann\u00e9es<\/em> rahmen so als Auftakt und Schlusstext des Bandes die anderen Texte editorisch, fassen diese aber auch inhaltlich zusammen. Sie repr\u00e4sentieren die beiden Pole des autosoziobiographischen Schreibens: die subjektiven Eindr\u00fccke von autobiographischen Erlebnissen, die der Tagebucheintrag festh\u00e4lt, und deren Verortung im sozialen und historischen Umfeld, das sie determiniert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Ernaux n\u00e4hert sich in ihrer Recherche dem Tagebuch wie anderen historischen Dokumenten (Fotos, Zeitungsartikeln, B\u00fcchern, Liedtexten, Objekten) auch: Sie werden zusammengetragen und ausgewertet, um eine \u00bbobjektive und nachvollziehbare\u00ab Beschreibung der sozialen Wirklichkeit zu erm\u00f6glichen. Den eigenen Erinnerungen kommt dabei kein privilegierter Wissensstatus zu, sie m\u00fcssen erst \u00fcberpr\u00fcft und kontextualisiert werden, damit sie Lebenswirklichkeit darstellen k\u00f6nnen. Das nachtr\u00e4gliche Schreiben wird so zu einer Praktik des Sichtbarmachens. Das autosoziobiographische Schreiben sei, so schreibt sie:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbSelbstverst\u00e4ndlich keine Erz\u00e4hlung, die eine Wirklichkeit erschaffen w\u00fcrde, statt sie zu suchen. Mich auch nicht damit zu begn\u00fcgen, die Bilder meiner Erinnerungen ins Bewusstsein zu rufen und aufzuschreiben, sondern diese wie Dokumente zu behandeln, die verst\u00e4ndlich werden, indem sie unterschiedlichen Herangehensweisen unterzogen werden. Kurz, Ethnologin meiner selbst sein\u00ab.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[7]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Als \u00bbEthnologin\u00ab oder Historikerin ihrer selbst nimmt Ernaux eine distanzierte Haltung ein, die es ihr erlaubt, das vergangene Ich als ein anderes zu betrachten. In <em>Les ann\u00e9es<\/em> und <em>M\u00e9moire de fille<\/em> macht sie das durch die Wahl der Personalpronomen <em>sie<\/em>, <em>wir<\/em> oder <em>man<\/em> (<em>elle<\/em>, <em>nous<\/em>, <em>on<\/em>) anstelle von <em>ich<\/em> (<em>je<\/em>) deutlich. Durch die literarische Form wird ihre Arbeit zu der einer Biographin, die denn auch wei\u00df, dass ihrem Quellenmaterial (hier: den Tagebucheintr\u00e4gen) nicht zu trauen ist: dass Erz\u00e4hlen immer auch Erfinden ist, und zwar nicht erst in der Konstruktion eines Lebenszusammenhangs im literarischen Text, sondern auch im scheinbar authentischen Notieren unmittelbarer Eindr\u00fccke im Tagebuch. Sie m\u00fcssen daher mit anderen historischen Materialien abgeglichen und in einer m\u00f6glichst umfassenden und objektiven Darstellung der sozialen Realit\u00e4t situiert werden. Als Schreibweise \u00bbzwischen Literatur, Soziologie und Geschichtsschreibung\u00ab<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[8]<\/a> will die Autosoziobiographie nicht koh\u00e4rent und sinnstiftend eine individuelle Lebensgeschichte nacherz\u00e4hlen, sondern die Lebensbedingungen einer sozialen Klasse:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bb[E]s geht weniger darum, \u203aich\u2039 zu sagen oder das Ich \u203awiederzufinden\u2039, als es in einer weiteren Wirklichkeit zu verlieren, in einer Kultur, einer sozialen Lage, einem Schmerz, etc.\u00ab<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[9]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In diesem Sinn begreift Ernaux die Autosoziobiographie als politische Textsorte, die sich ihrem Gegenstand aber nur im R\u00fcckblick, d.h. in der zeitlichen Distanz zur vergangenen Subjektivit\u00e4t ann\u00e4hern kann. Darin liegt ein entscheidender Unterschied zu den Corona-Tageb\u00fcchern. Ernaux hat sich zwar auch zur COVID-19-Krise ge\u00e4u\u00dfert, allerdings nicht in Form einer autobiographisch motivierten Gegenwartsdiagnose, sondern mit einem Pamphlet gegen die martialische Rhetorik und den Sozialabbau der Regierung Macron.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[10]<\/a> Die Schreibweisen der Corona-Tageb\u00fccher zeigen dennoch ein Naheverh\u00e4ltnis zum Autosoziobiographischen auf, denn sie fragen sowohl nach den subjektiven als auch nach den gesellschaftlichen Implikationen der Pandemie. Das Kollektive, das bei Ernaux Ergebnis einer minuti\u00f6sen Selbstanalyse der sozialen Vergangenheit ist, ziehen sie aus der Verbindung einer Vielzahl von Autor*innenstimmen, die in den Online-Tageb\u00fcchern miteinander verwoben werden. Damit werden sie m\u00f6glicherweise zum Material f\u00fcr k\u00fcnftige Autosoziobiographien.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Die Romanistin <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/ernst.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Christina Ernst<\/a> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/nachbarschaften-in-der-berliner-gegenwartsliteratur.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbStadt, Land, Kiez. Nachbarschaften in der Berliner Gegenwartsliteratur\u00ab<\/a>.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Zum Beispiel auf den Websites vom <a href=\"http:\/\/www.literaturhaus-graz.at\/die-corona-tagebuecher-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Literaturhaus Graz<\/a>\u00a0 oder <a href=\"https:\/\/www.54books.de\/soziale-distanz-ein-tagebuch-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">54books<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Etwa im Editorial \u00fcber Autofiktion der \u00bbLiteratur\u00ab-Ausgabe der Zeitschrift <em>Texte zur Kunst<\/em>, vgl. Isabelle Graw\/Brigitte Weingart: <a href=\"https:\/\/www.textezurkunst.de\/115\/entre-nous\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbEntre Nous. Ein Briefwechsel \u00fcber Autofiktion in der Gegenwartsliteratur zwischen Isabelle Graw und Brigitte Weingart\u00ab<\/a> in: <em>Texte zur Kunst<\/em> 115, 2019.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[3]<\/a> \u00bbUne fa\u00e7on d\u2019ouvrir un espace autobiographique diff\u00e9rent, en associant ainsi la r\u00e9alit\u00e9 mat\u00e9rielle, irr\u00e9futable des photos, dont la succession \u203afait histoire\u2039, dessine une trajectoire sociale, et la r\u00e9alit\u00e9 subjective du journal avec les r\u00eaves, les obsessions, l\u2019expression brute des affects, la r\u00e9evaluation constante du v\u00e9cu.\u00ab; Annie Ernaux: <em>\u00c9crire la vie<\/em>, Paris 2011, S. 8, eigene \u00dcbersetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[4]<\/a> Annie Ernaux: <em>Die Jahre<\/em>, \u00fcbers. von Sonja Finck, Berlin 2017, S. 103<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[5]<\/a> \u00bbSe pose toujours, en \u00e9crivant, la question de la preuve: en dehors de mon journal et de mon agenda de cette p\u00e9riode, il me semble disposer d\u2019aucune certitude concernant les sentiments et les pens\u00e9es, \u00e0 cause de l\u2019immat\u00e9rialit\u00e9 et de l\u2019\u00e9vanescence de ce qui traverse l\u2019esprit.\u00ab; Ernaux: <em>\u00c9crire la vie<\/em>, S. 297, eigene \u00dcbersetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[6]<\/a> Vgl. Annie Ernaux: <em>L<\/em>\u2019<em>\u00e9criture comme un couteau. Entretien avec Fr\u00e9d\u00e9ric-Yves Jeannet<\/em>, Paris 2003, S. 38; dies.: <em>\u00c9crire la vie<\/em>, S. 608.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[7]<\/a> \u00bbNaturellement pas de r\u00e9cit, qui produirait une r\u00e9alit\u00e9 au lieu de la chercher. Ne pas me contenter non plus de lever et transcrire les images du souvenir mais traiter celles-ci comme des documents qui s\u2019\u00e9clairont en les soumettant \u00e0 des approches diff\u00e9rentes. \u00catre en somme ethnologue de moi-m\u00eame\u00ab; Ernaux: <em>\u00c9crire la vie<\/em>, S. 224, eigene \u00dcbersetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[8]<\/a> \u00bbentre la litt\u00e9rature, la sociologie et l\u2019Histoire\u00ab; Ernaux: <em>L<\/em>\u2019<em>\u00e9criture comme un couteau<\/em>, S. 74, eigene \u00dcbersetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[9]<\/a> \u00bbil s\u2019agit moins de dire le \u203amoi\u2039 ou de le \u203aretrouver\u2039 que de le perdre dans une r\u00e9alit\u00e9 plus vaste, une culture, une condition, une douleur, etc. \u00ab; Ernaux: <em>L<\/em>\u2019<em>\u00e9criture comme un couteau<\/em>, S. 23, eigene \u00dcbersetzung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[10]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.franceinter.fr\/emissions\/lettres-d-interieur\/lettres-d-interieur-30-mars-2020\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbSachez, Monsieur le Pr\u00e9sident, que nous ne laisserons plus nous voler notre vie&#8230;\u00ab: Annie Ernaux,<\/a> 30. M\u00e4rz 2020.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Christina Ernst: Das Leben schreiben. Annie Ernaux\u2019 Tageb\u00fccher, in: ZfL BLOG, 22.6.2020, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/22\/christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/22\/christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200622-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200622-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200622-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/22\/christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"DAS LEBEN SCHREIBEN. 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Mit diesen Corona-Tageb\u00fcchern, die das unmittelbare Zeitgeschehen kommentieren, soll eine <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/06\/22\/christina-ernst-das-leben-schreiben-annie-ernaux-tagebuecher\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[424,425,409,427,93,426,71],"class_list":["post-1484","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ad-hoc","tag-annie-ernaux","tag-autosoziobiographie","tag-corona-krise","tag-fotografie","tag-lebenswissen","tag-tagebuecher","tag-weltliteratur"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1484","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1484"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1484\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3604,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1484\/revisions\/3604"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1484"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1484"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1484"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}