{"id":1538,"date":"2020-09-07T09:00:06","date_gmt":"2020-09-07T07:00:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1538"},"modified":"2025-03-03T12:16:35","modified_gmt":"2025-03-03T10:16:35","slug":"eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/09\/07\/eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften\/","title":{"rendered":"Eva Geulen: ALTES UND NEUES AUS DEN LITERATURWISSENSCHAFTEN"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Zwei Herren stritten sich j\u00fcngst gepflegt. Meister ihres Fachs (der Romanistik) alle beide, ging es einmal mehr um Herkunft und Zukunft der Geistes- und vor allem der Literaturwissenschaften. Den Aufschlag machte Hans Ulrich Gumbrecht in der <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/feuilleton\/hans-ulrich-gumbrecht-geisteswissenschaften-wer-vermisste-sie-ld.1518223\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>NZZ<\/em> <\/a>vom 29. Oktober 2019. Der Bestandsaufnahme (sinkende H\u00f6rerzahlen, falsch verstandene Professionalisierung und moralisch \u00fcberformte politische Korrektheit) folgte die Geschichtslektion: Die gro\u00dfe Zeit der Geisteswissenschaften lag in dem Jahrhundert zwischen Romantik und Erstem Weltkrieg. Danach ging es etappenweise bergab, mit verzweifelter, auch vor schlimmsten Ideologien nicht Halt machender Anbiederung an die sogenannte \u00d6ffentlichkeit; aber auch R\u00fcckzug in den Elfenbeinturm und zunehmende Verwissenschaftlichung trugen zur Selbstzerst\u00f6rung der Geisteswissenschaften bei.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Schlie\u00dflich der Silberstreif einer neuen Aufgabe der Geisteswissenschaften heute, in au\u00dferakademischen Kontexten, wo man Leute mit Erfahrung in \u00e4sthetischer Erfahrung offenbar gut gebrauchen kann, weil sie die F\u00e4higkeit bes\u00e4\u00dfen, \u00bbdie Welt komplexer aussehen zu lassen\u00ab. Eine entsprechende Praxis k\u00f6nne jedenfalls \u00bbzur\u00fcckf\u00fchren zu einem s\u00e4kularen Stil individueller Konzentration und Kontemplation\u00ab \u2013 im Unterschied zur abgehobenen Kunstreligion der vorigen Jahrhundertwende \u2013, \u00bbin dem schon immer die eigentliche St\u00e4rke, ja der spezifische gesellschaftliche Beitrag der sogenannten Geistes-\u203aWissenschaften\u2039 gelegen hatte\u00ab. Da ist was dran.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Andreas Kablitz mochte dazu aber nicht schweigen, gab den Gegenspieler und korrigierte am 4. November 2019 in der <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/geist-soziales\/hans-ulrich-gumbrecht-und-die-geisteswissenschaften-16469039.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>FAZ<\/em> <\/a>erst einmal Gumbrechts Festlegung der Geisteswissenschaften auf Expertise in \u00e4sthetischer Erfahrung. Geisteswissenschaftliches Kerngesch\u00e4ft sei vielmehr \u00bbdie Rationalisierung einer schon vorausgesetzten \u00e4sthetischen Wirkung\u00ab. (\u00bbBegreifen, was uns ergreift\u00ab, hie\u00df das bei Emil Staiger.) Und ihre vornehmste wie wichtigste Aufgabe f\u00e4nden die Geisteswissenschaften immer noch in der Lehre. Die heute str\u00e4flich vernachl\u00e4ssigte Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern sorge automatisch und hinreichend f\u00fcr die gesellschaftliche Relevanz der Geisteswissenschaften. Da ist auch was dran.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dass beide Positionen dennoch harmonisch zusammenstimmen, liegt auch an ihren geteilten Pr\u00e4missen. Es hat n\u00e4mlich seit dem 18. Jahrhundert keinen Bildungsbegriff gegeben, der ohne \u00e4sthetische Erfahrung gedacht werden k\u00f6nnte, wie es umgekehrt seither auch kein von (Aus-)Bildung ganz entkoppeltes Konzept \u00e4sthetischer Erfahrung gegeben hat. Beider Widerstreit geh\u00f6rt konstitutiv zur deutschen Bildungstradition Humboldt\u2019scher Pr\u00e4gung und bestimmt die Diskussion von Schillers <em>Briefen \u00fcber die \u00e4sthetische Erziehung des Menschen<\/em> (1794) bis zu Adorno, der in der \u00bbFr\u00fchen Einleitung\u00ab zu seiner <em>\u00c4sthetischen Theorie<\/em> (1970) bemerkt: \u00bbWer nicht wei\u00df, was er sieht oder h\u00f6rt, genie\u00dft nicht das Privileg unmittelbaren Verhaltens zu den Werken, sondern ist unf\u00e4hig, sie wahrzunehmen\u00ab. Auch und gerade wo versucht wird, das eine gegen das andere auszuspielen, erweisen sich \u00e4sthetische Erfahrung und \u00e4sthetische Bildung als aufeinander bezogen. Deshalb konnte aus dem Schlagabtausch der beiden Romanisten kein Streit werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Aber wie steht es mit Kablitzens Tadel von Gumbrechts Geschichtsvergessenheit? Habe der doch verschwiegen, dass die Geisteswissenschaften deshalb und nur dann entstanden, als sich \u00bbin der Folge der Aufkl\u00e4rung\u00ab die Besch\u00e4ftigung mit menschlichen Belangen \u00bbnicht mehr auf eine f\u00fcr alle Menschen gleiche <em>natura hominis<\/em> [\u2026] zur\u00fcckf\u00fchren lie\u00df\u00ab. Der Erfinder der Formel von der \u203abreiten Gegenwart\u2039 braucht sich da nicht belehren zu lassen, denn er verf\u00e4hrt ja seinerseits gut historisch, was Kablitz auch nicht unerw\u00e4hnt l\u00e4sst, der dieselbe Geschichte mit etwas anderen Akzenten erz\u00e4hlt. Vor allem in Deutschland ist die historische Perspektive sp\u00e4testens seit Dilthey erste (akademische) B\u00fcrgerpflicht und Inbegriff von Geisteswissenschaftlichkeit \u00fcberhaupt.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><strong>Strategische Historisierung<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Erfrischend und gr\u00fcndlicher provozierend ist deshalb der Blick in das Buch eines jungen Anglisten der Yale University, das auch in den USA, wo die <em>Humanities<\/em> von jeher nicht so eng an den Primat der Geschichte gekoppelt waren, f\u00fcr einige Aufregung gesorgt hat. Im Alleingang, abseits gel\u00e4ufiger Periodisierungen und Selbstbeschreibungen, hat Joseph North eine \u2013 eingestandenerma\u00dfen tendenzi\u00f6se \u2013 Geschichte seines Fachs vorgelegt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Das Ganze ist in der Tat sehr lokal auf die Anglistik in den USA (und Gro\u00dfbritannien) bezogen. Unbek\u00fcmmert \u00e4u\u00dfert der Autor \u00fcberdies seine politischen \u00dcberzeugungen. Den Anspr\u00fcchen der Fachgeschichte, wie sie etwa in Deutschland vielb\u00e4ndig und in eigens daf\u00fcr reservierten Zeitschriften gepflegt wird,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> entspricht er gewiss nicht, will es aber auch gar nicht. Die praktische Indienstnahme von Fachgeschichtsschreibung als Gegenwartsintervention ist die Pointe seiner \u203astrategischen Historisierung\u2039.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Die Provokation: Frontal greift der sich als links identifizierende Autor den ber\u00fchmten Imperativ des \u00dcbervaters der US-amerikanischen akademischen Linken, Fredric Jameson, an: \u00bbAlways historicize!\u00ab Daran zweifeln zu wollen, kommt schon einem Affront gleich, besonders im linken Spektrum. Rechts steht, wer \u00fcberzeitliche Ideale beschw\u00f6rt und an ewige Klassiker glaubt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Uns allen ist der Imperativ \u00bbAlways historicize!\u00ab so in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen, dass man gar nicht mehr auf die Idee kommt, noch mal extra zu fragen, worin denn eigentlich genau der beschworene Nexus zwischen Historisierung und (linker) Politik besteht. Erlaubt es historisches Wissen um die Kontexte von Literatur schon, \u00fcber vergangene oder gegenw\u00e4rtige Ph\u00e4nomene und Fragen politisch verl\u00e4ssliche oder gar Wege weisende Auskunft zu erhalten? Oder muss man dazu, mit Franco Moretti zu reden, \u203adie Kr\u00e4fte\u2039 und Gesetze der Geschichte unter dem Kapitalismus schon kennen? Wozu bedarf es dann aber der Historisierung? Oder ist der Begriff, sofern er streng genommen den Vorgang bezeichnet, mit dem ein vordem historischen Prozessen als entzogen wahrgenommenes Ph\u00e4nomen zu einem geschichtlichen wird,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> ein weniger belastetes Wort f\u00fcr \u203aIdeologiekritik\u2039, die ja auch die Geschichtlichkeit des scheinbar Naturw\u00fcchsigen herausarbeitet?<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Das ist ein weites und in den Geisteswissenschaften auch hierzulande weitgehend unbefragtes Feld, eben weil das historistische Paradigma, wie man an Gumbrecht und Kablitz sieht, zu den Hintergrundannahmen unseres geisteswissenschaftlichen Tuns und Lassens z\u00e4hlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Genau in dieser unbefragten Selbstverst\u00e4ndlichkeit liege ein Problem, meint Joseph North. Seit den 70er Jahren habe sich das im Jameson\u2019schen Imperativ geronnene \u00bbhistoricist\/contextualist paradigm\u00ab in seinem Fach fl\u00e4chendeckend durchgesetzt, ohne als herrschendes Paradigma durchschaut worden zu sein. Was viele politisch engagierte Kolleginnen und Kollegen in den USA, von Konservativen in den 80er Jahren als \u00bbtenured radicals\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> denunziert, als erfolgreiche \u00dcberwindung verkrusteter akademischer Strukturen und konservativer Wissenschaftstraditionen feiern, sei ein Pyrrhussieg gewesen und laufe sp\u00e4testens unter den seit 2008 drastisch ver\u00e4nderten sozio-\u00f6konomischen Verh\u00e4ltnissen auf den Ausverkauf des Fachs an den herrschenden Neoliberalismus hinaus: \u00bba local break on the left then dragged to the right\u00ab. Die historische Lektion lautet hier, dass auch linke Positionen historischen Prozessen ausgesetzt sind, die ihrem Wert und ihrer Wahrheit zusetzen k\u00f6nnen. Hier mangelt es offenbar an genau der Historisierung, die man mit Jamesons Parole so gern im Munde f\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">In Parenthese kann man sich fragen, ob denn der Historisierungsschub dergleichen leistet, der gegenw\u00e4rtig die ab den sp\u00e4ten 1970er Jahren als Avantgarde und Paradigmenwechsel der Literaturwissenschaften begriffene Theoriebildung im Zeichen ihres allerorten ausgerufenen Endes ereilt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u00dcberlegungen jedenfalls, die beispielsweise Michel Foucault oder Bruno Latour geradewegs verantwortlich machen f\u00fcr die N\u00f6te unseres post-faktischen Zeitalters,<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> verzeichnen die Interaktionen zwischen innerakademischen und au\u00dferakademischen Entwicklungen zugunsten ersterer. Die Vorstellung, dass ein paar B\u00fccher die weltpolitische Lage ver\u00e4ndert haben, ist eine abwegige Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung von Elfenbeinturmbewohnern. Selbstkritik dient hier dem Zweck der Selbstbehauptung einst m\u00e4chtiger F\u00e4cher, die sich nicht abfinden k\u00f6nnen mit ihrer Zukunft als Orchideenf\u00e4cher, in die manch einer die Germanistik ganz unpolemisch (und entlastend) entlassen wollte.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">North, der an die politische Wirksamkeit seines Fachs weiterhin enthusiastisch glaubt, macht es umgekehrt. Er l\u00e4sst die Puppen der \u203aVerh\u00e4ltnisse\u2039 in Gestalt des au\u00dferakademischen Neoliberalismus tanzen und verlangt von seinen Kolleginnen und Kollegen blo\u00df, ihre vermeintlichen Errungenschaften und Widerst\u00e4nde als Effekte dieser Umst\u00e4nde zu begreifen und daraus, wenn m\u00f6glich, Konsequenzen zu ziehen. North behauptet also, dass von Pierre Bourdieu und Michel Foucault, \u00fcber Terry Eagleton und Fredric Jameson bis Gayatri Spivak und dar\u00fcber hinaus alle j\u00fcngere Theorie und Praxis in den Literatur- und Geisteswissenschaften unter den Bedingungen einer, wenn nicht geradewegs einverstandenen, so doch letztlich passiven historistischen Gelehrsamkeit operieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Man m\u00fcsse sich eben fragen, ob beispielsweise die den doppelten Standard des Westens unerm\u00fcdlich thematisierenden <em>Postcolonial Studies<\/em> die herrschende Ordnung tats\u00e4chlich aktiv herausgefordert h\u00e4tten und nicht vielmehr Ausdruck und Ausfluss der herrschenden Ordnung \u00bbin its new diverse and multicultural, US-expansionist forms\u00ab seien. Auch j\u00fcngere Kurskorrekturen nach 2000, die ihrer Verwechselbarkeit mit \u00e4lteren und als konservativ begriffenen geisteswissenschaftlichen Traditionen und Begriffen durch das vorangestellte Adjektiv \u203aneu\u2039 zuvorkommen m\u00f6chten, wie <em>New Aesthetics<\/em> und <em>New Formalism<\/em>,<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> partizipierten an dieser praxisfernen, historistischen Grundhaltung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Eine Bl\u00fctenlese des Anliegens wichtiger B\u00fccher seines Fachs der letzten zwei Jahrzehnte wird bei North zum Symptomkatalog daf\u00fcr, dass sich die Hegemonie des historistischen Paradigmas von den sp\u00e4ten 70ern bis heute w\u00f6lbt. Dabei waren der Literaturwissenschaft eigentlich \u2013 und das hei\u00dft auch bei North: historisch betrachtet \u2013 Alternativen schon an der Wiege gesungen worden. Seit den 70er Jahren ganz vergessen wurde der alte Widersacher der Gelehrsamkeit: der zu Beginn des 20. Jahrhunderts von britischen Amateuren und \u00c4stheten gegen die Philologenzunft in Stellung gebrachte und von den seit Langem nur noch als Feindbilder (eigentlich: Pappkameraden) \u00fcberhaupt zur Kenntnis genommenen Altvorderen I. A. Richards und F. R. Leavis systematisch entwickelte <em>Practical Criticism<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Das historistische\/kontextualisierende Paradigma, das bei North auch \u00bbscholarly\u00ab hei\u00dft, beschr\u00e4nkt sich auf die Analyse von Kultur. Dem <em>Practical Criticism<\/em> sei es dagegen darum gegangen, \u00bbto intervene in culture\u00ab. Und solche Intervention, die Widerstand gegen \u00f6konomische und politische Zw\u00e4nge nicht blo\u00df predigt (oder sie facettenreich analysiert und diagnostiziert), sondern tats\u00e4chlich praktiziert und therapeutisch dagegen vorgeht, sei vor allem durch die Ausbildung von Leserinnen und Lesern (wie bei Kablitz) zu erzielen und \u00fcber den Weg einer \u00bbcultivation of aesthetic sensibilities\u00ab (wie bei Gumbrecht).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im ersten Kapitel seines Buchs zeichnet North den Streit der jungen Amateur-\u00c4stheten mit den professionellen Philologen zu Beginn des Jahrhunderts in England nach. Die antiakademischen <em>underdogs<\/em> setzten sich schlie\u00dflich mithilfe einer methodischen Revolution durch: dem sogenannten <em>close reading<\/em>. Von linksliberalen Autoren wie I. A. Richards und William Empson \u2013 dessen 1930 erschienenes Buch <em>Seven Types of Ambiguity<\/em> eine Ikone des <em>close reading<\/em> ist \u2013 f\u00fcr radikalp\u00e4dagogische Zwecke entwickelt, wurde die neue Methode beim \u00dcbersetzen in die USA von den reaktion\u00e4ren evangelikalen S\u00fcdstaatlern der <em>New Critics<\/em> (allen voran T. S. Eliot) f\u00fcr ihre christlichen Zwecke gekapert und dabei so verf\u00e4lscht, dass sich die Ansicht durchsetzen konnte, <em>close reading<\/em> sei eine christliche hermeneutische Praxis, mit der man als Linker lieber nichts zu tun haben m\u00f6chte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Mit den Worten von Jane Gallop, die schon 2007 zaghaft die Kerbe andeutete, in die North nun m\u00e4chtig schl\u00e4gt: <em>close reading<\/em> \u00bbis being thrown out with the dirty bathwater of timeless universals\u00ab. Und damit, so North, wurden auch die Ideale, die diese Methode \u00fcberhaupt erst gezeitigt hatten, einer radikalen, von einer utilitaristischen und pragmatischen \u00c4sthetik inspirierten P\u00e4dagogik preisgegeben. Nur einer trotz und wegen ihres historistischen Paradigmas geschichtsvergessenen Literaturwissenschaft konnte <em>close reading<\/em> zum Zerrbild Geschichte ignorierender Lekt\u00fcrepraktiken von Klassikern werden. North ist nicht so naiv, dass er das Paradigma der Gelehrsamkeit durch den ja auch in die Jahre gekommenen <em>Practical Criticsm<\/em> handstreichartig ersetzen m\u00f6chte. Aber er glaubt, dass der alte Widerstreit zwischen beiden Modellen den amerikanischen und britischen Literaturwissenschaften besser bekommen sei als die alternativlose Alleinherrschaft des seit etwa 1970 fragw\u00fcrdigen Konsens stiftenden Historismus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Norths Kronzeuge f\u00fcr das Potential der \u00fcber dem Feindbild des <em>New Criticism<\/em> vergessenen Vorgeschichte ist der marxistische Begr\u00fcnder der <em>Cultural Studies<\/em>, Raymond Williams, Autor der ber\u00fchmten <em>Keywords: A Vocabulary of Culture and Society<\/em> (1976), ausgebildet in Cambridge, Sch\u00fcler von Richards und Nachfolger von Leavis. Als Williams 1977 schrieb, \u00e4sthetische Theorie sei \u00bbthe main instrument of evasion\u00ab der sozialen Prozesse, in die alle Kunst verstrickt sei, habe er sich nicht gegen \u00c4sthetik oder deren Theoretisierung \u00fcberhaupt gewandt, sondern blo\u00df gegen die auch schon von Richards und Leavis kritisierte \u203akontinentale\u2039 \u00c4sthetiktradition mit ihrem seit Kant dominanten Motiv desinteressierter Kontemplation, das im Desinteresse historistischer Betrachtung fortlebe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dagegen hatten Richards, Empson und in der Folge eben auch Williams im Namen einer utilitaristischen und materialistischen \u00c4sthetik polemisiert. (F\u00fcr Spezialisten der ziemlich komplizierten Diskussion \u00fcber die \u203akontinentale\u2039 \u00c4sthetik im Allgemeinen und Adorno-Leser im Besonderen ist so etwas nat\u00fcrlich schwere Kost! Und es ist auch keinesfalls ausgemacht, ob Williams bei North wirklich ad\u00e4quat rekonstruiert wurde. Aber man muss seiner Erz\u00e4hlung nicht in allen Details folgen, um die Sto\u00dfrichtung seines Affronts zu w\u00fcrdigen.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wo es um die Gr\u00fcnde f\u00fcr die heutige Alleinherrschaft des historistischen Paradigmas geht, wird es allerdings ziemlich unertr\u00e4glich holzschnittartig. Den Ton gibt die j\u00fcngere Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts an: Schuld am ungewollten Ausverkauf der Literaturwissenschaft tr\u00e4gt der auf die Krise des Keynesianismus Ende der 70er beziehungsweise Anfang der 80er Jahre folgende Neoliberalismus. Dass damals eine neue neoliberale \u00c4ra anbrach, h\u00e4tten die Geisteswissenschaften nicht wahrgenommen und sich stattdessen in ihrem allm\u00e4hlich anachronistisch werdenden Paradigma h\u00e4uslich eingerichtet. Das ist freilich sehr allgemein und schwammig obendrein. (Ist Neoliberalismus dasselbe wie Globalisierung?) Auch der offenbar auf maximale Reichweite setzenden Zusammenziehung von \u203ahistoristisch\u2039 und \u203akontextualisierend\u2039 im \u00bbhistoricist\/contextualist paradigm\u00ab mangelt es an Trennsch\u00e4rfe. Diese und andere Einw\u00e4nde sind inzwischen vielfach erhoben worden, denn das Buch wurde im englischsprachigen Kontext dutzendfach rezensiert.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wichtiger als eine Analyse seiner Schw\u00e4chen ist die Frage nach den Alternativen, die North durchaus beantwortet, auch wenn er auf Prognosen \u00fcber ihre Durchsetzbarkeit verzichtet. Diese Alternativen haben mit Gumbrechts Ehrenrettung der Geisteswissenschaften als Kompetenzzentrum f\u00fcr \u00e4sthetische Erfahrung manches gemein, allerdings nicht den gelassenen Ton. Mit wuchtigem Pathos wendet sich North am Ende seiner Einleitung an seine \u00bbfriends on the left\u00ab: \u00bbthe struggle is being fought, must be fought, on the terrain of sensibility.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Und nicht weniger emphatisch wird am Schluss das kritische Gesch\u00e4ft der Literaturwissenschaften in der Ausbildung von \u00bbnew methods for cultivating subjectivities and collectivities\u00ab gesehen. Im Kapitel \u00bbThe Critical Unconscious\u00ab \u2013 Kontrafaktur von Fredric Jamesons ber\u00fchmtem Buch <em>The Political Unconscious<\/em> (1981) \u2013 pr\u00fcft North j\u00fcngere \u00e4sthetikfreundliche Ans\u00e4tze aus dem Bereich des <em>New Formalism<\/em>, der <em>New Aesthetics<\/em> und der Affekttheorie. Eve Sedgwick, D. A. Miller und Lauren Berlant figurieren als Hoffnungstr\u00e4ger, die das versch\u00fcttete revolution\u00e4re (muss man schon so sagen!) Potential praktischer Kritik tendenziell wiederentdecken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">North zufolge soll Literaturwissenschaft (wieder) bereit sein, \u00bbto use the literary as a means of ethical (or political?) education; have its emphasis on therapeutic rather than mere diagnostic uses of the literary\u00ab, und nat\u00fcrlich hat sie k\u00fcnftig auch \u00bbcommitted [\u2026] to a public role\u00ab zu sein. \u00c4hnliche humanistisch-\u00e4sthetische Selbstbesinnungen verfolgen Martha Nussbaum in <em>Not for Profit: Why Democracy Needs the Humanities <\/em>(2010, ausf\u00fchrlich kommentiert bei North) und Gayatri Spivak in <em>An Aesthetic Education in the Era of Globalization<\/em> (2012).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Aber ist es f\u00fcr eine Wiederbelebung der von North ausgegrabenen materialistischen \u00c4sthetik der britischen Altvorderen nicht l\u00e4ngst zu sp\u00e4t? Und zwar nicht aufgrund uneinsichtiger Historisten, sondern gerade aufgrund der mit Neoliberalismus nur verk\u00fcrzt wiedergegebenen \u203aVerh\u00e4ltnisse\u2039? Luc Boltanski und \u00c8ve Chiapello, die in Norths Lokalgeschichte nicht vorkommen, haben gegenl\u00e4ufig zu Norths (und Gumbrechts) Aktualisierungsversuchen den Sieg der \u00c4sthetik unter der \u00c4gide des Neoliberalismus dokumentiert, indem sie ihren triumphalen Einzug in die Managementliteratur seit den 90ern aufgezeigt haben.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Der Soziologe Andreas Reckwitz hat das in seinen Studien zum kreativen Selbst und der Kultur der Singularit\u00e4ten vertieft.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Vielleicht speist sich das \u00fcberzeugte Pathos von North, Nussbaum und anderen aus Quellen, die l\u00e4ngst nicht mehr so frisch sprudeln, wie Norths tapfere Aktualisierung von Richards, Leavis und Empson glauben machen will. Ist das alles doch nur die Nachhut einer Welt, die sich so uneinholbar und unwiderruflich gewandelt hat wie das Klima?<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><strong>Die deutsche Tradition<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Bevor man in gegenw\u00e4rtig besonders wohlfeile Melancholie versinkt, sollte man sich vorl\u00e4ufig, wie North selbst, auf lokale Kontexte konzentrieren.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Was w\u00e4re denn von seiner \u00bbConcise Political History\u00ab der US-amerikanischen Anglistik hierzulande zu lernen? In der deutschen Wissenschaftstradition ist Norths Entgegensetzung von kontemplativ-distanzierter und materialistisch-utilitaristischer \u00c4sthetik tendenziell so wenig anschlussf\u00e4hig wie die von Gelehrsamkeit und Praxis (sei es als Bildung, sei es als \u00e4sthetische Erfahrung).<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Folglich f\u00fchrt Peter Szondi Richards und Empson in seinem kanonischen Essay \u00bb\u00dcber philologische Erkenntnis\u00ab (1962) nicht als materialistische \u00c4sthetiker, sondern als mit Grundsatzfragen der Hermeneutik besch\u00e4ftigte Text-Theoretiker an. F\u00fcr das, was im Englischen <em>close reading <\/em>hei\u00dft und von Peter Szondi vorbildlich gelehrt wie praktiziert wurde, ist \u00c4sthetik keine Referenz. Gleichwohl ist sein Versuch, die Methodik der Literaturwissenschaft \u00bbaus einer Analyse des dichterischen Vorgangs\u00ab der Werke zu gewinnen, aus dem also, was Adorno die \u00bbLogik ihres Produziertseins\u00ab nannte, Norths \u00dcberlegungen in mindestens einer Hinsicht affin.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dessen bemerkenswerteste und f\u00fcr hiesige Diskussionszusammenh\u00e4nge interessanteste Leistung besteht in der Tat im gesch\u00e4rften Blick f\u00fcr <em>close reading<\/em> als Methode eigenen Rechts. In den Literaturwissenschaften ist Lesen eben nicht blo\u00df <em>soft skill<\/em> oder Kulturtechnik, sondern eine Kunst, wie Nabokov seine 1982 erschienenen \u00dcberlegungen zur europ\u00e4ischen Literatur seit Cervantes \u00fcberschrieben hat. Dabei geht es nicht um Mimikry ans Objekt \u2013 obwohl zum Sonderfall der Literatur- im Unterschied zur Kunst- und Musikwissenschaft als besondere Herausforderung die \u00dcberschneidungen von Objekt- und Metasprache geh\u00f6ren \u2013, sondern um kontrollierbare Verfahren. Szondi schrieb: \u00bbes gibt keine \u203a\u00dcberinterpretation\u2039, die nicht auch schon falsch w\u00e4re\u00ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Einen solchen sowohl emphatischen wie methodisch gehegten Lekt\u00fcrebegriff findet man nach Szondi eigentlich nur noch bei Paul de Man. Seine radikal anti-hermeneutischen <em>Allegorien des Lesens<\/em> (1979) trieben das Lesen allerdings n\u00fcchtern und kontrolliert in die Aporie der Unlesbarkeit und damit in seine eigene Unm\u00f6glichkeit. Angeschlossen hat daran, ebenfalls aporetisch, in Deutschland wohl nur Werner Hamacher, in erbitterter Auseinandersetzung mit dem hermeneutischen Sinn- und Verstehensbegriff in den Aufs\u00e4tzen seiner Sammlung <em>Entferntes Verstehen<\/em> (1998) und etwa zehn Jahre sp\u00e4ter im Zeichen einer eigenwilligen Inanspruchnahme der Philologie in <em>F\u00fcr \u2013 die Philologie<\/em> (2009).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Obwohl North sich unter ganz anderen fachgeschichtlichen Pr\u00e4missen f\u00fcr die Lekt\u00fcre als Praxis einsetzt, klingt es wie ein Echo auf Norths Abrechnung mit seinem Fach, wenn man bei Hamacher \u00fcber die Philologie liest, sie sei \u00bbzu einer Hilfsbranche der Historiographie, der Soziologie, der Psychologie, der Kulturanthropologie und der Technikgeschichte geworden\u00ab und habe \u00bbsich den von ihnen diktierten Aufmerksamkeiten, Perspektiven und methodologischen Imperativen gef\u00fcgt\u00ab. Mit f\u00fcr diesen Autor eigentlich nicht typischer Gro\u00dfz\u00fcgigkeit f\u00fcgte Hamacher hinzu, solches sei \u00bbnicht immer zu ihrem Schaden, aber selten zugunsten ihrer kritischen Kraft\u00ab geschehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Diese Haltung wurde j\u00fcngst gest\u00e4rkt. Die Berliner Altphilologin Melanie M\u00f6ller nahm das Erscheinen des von Luisa Banki und Michael Scheffel herausgegebenen Bands <em>Lekt\u00fcren: Positionen zeitgen\u00f6ssischer Philologie<\/em> (2017) in der <em>FAZ<\/em> vom 28. Mai 2018 zum Anlass, eine \u00bbRenaissance der Philologie\u00ab teils zu verk\u00fcnden, teils zu fordern. Vehement pl\u00e4dierte sie daf\u00fcr, \u00bbdie Texte wieder zu ihrem Recht kommen\u00ab zu lassen, \u00bbw\u00e4hrend die Literaturwissenschaft prek\u00e4re Verh\u00e4ltnisse mit Kultur- und Geschichtswissenschaft, Soziologie oder Philosophie eingeht\u00ab. Und dar\u00fcber entbrannte sogleich ein Streit, den dieses Mal erfreulicherweise keine Herren, sondern Damen bestritten. Im Namen des Methodenpluralismus und seiner Errungenschaften widersprachen Claudia D\u00fcrr, Andrea Geier und Berit Glanz am 6. August 2018 ebenfalls in der <em>FAZ<\/em>. Der in Kopenhagen lehrende Literaturwissenschaftler Christian Benne sprang Melanie M\u00f6ller bei und trat seinerseits f\u00fcr <em>close reading<\/em> ein: \u00bbArbeit am Text\u00ab ersch\u00f6pfe sich eben nicht in \u00bbtextimmanenter Versenkung\u00ab, wie die Autorinnen unterstellt hatten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Was diese eigentlich begr\u00fc\u00dfenswerte Wiederentdeckung der genauen Lekt\u00fcre problematisch macht und von Autoren wie Szondi oder Hamacher unterscheidet, ist ihr immer wieder neu umschriebenes Telos. Der Nachvollzug der Eigenbewegung des Texts, den der Heidelberger Philologe J\u00fcrgen Paul Schwindt etwas irref\u00fchrend auf den Namen einer \u00bbathematischen Lekt\u00fcre\u00ab getauft hat<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> \u2013 irref\u00fchrend, weil, um es mit einem Satz Adornos zu sagen, \u00bbSprache [\u2026] ihr semantisches Element nicht absch\u00fctteln, nicht rein mimetisch oder gestisch werden kann\u00ab \u2013, m\u00fcndet n\u00e4mlich stets verl\u00e4sslich in der \u00bbReflexivit\u00e4t des Textes\u00ab (M\u00f6ller): Der \u00bbsich selbst kommentierende\u00ab (Benne) und \u00bbdie eigene Gemachtheit\u00ab (M\u00f6ller) mitreflektierende Text, das sind alles Relikte einer subjektphilosophischen Gedankenfigur, die gerade Hamacher zeitlebens bek\u00e4mpft hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Traut man dem Verfahren des <em>close reading<\/em> als auf die Eigenlogik der Texte bezogener Erkenntnisleistung so wenig zu, dass dabei immer nur eine modernistisch pr\u00e4mierte Selbstreferenzialit\u00e4t herauskommt, die stets Gefahr l\u00e4uft, den Hermeneuten nur ihre eigene Reflexivit\u00e4t widerzuspiegeln? Freilich hat Benne recht, dass es \u00bbohne Anerkennung von Subjektivit\u00e4t [\u2026] in den Geisteswissenschaften keine Objektivit\u00e4t\u00ab gibt. Szondi sah das auch so, aber von Selbstreflexion des Texts oder der mit ihm besch\u00e4ftigten Subjekte ist auch bei ihm die Rede nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Close reading<\/em> kann doch viel mehr! Wo die Lekt\u00fcren gelungen sind (und nur diese F\u00e4lle z\u00e4hlen), treten Theoreme (\u00c4sthetik, Affekt, Hermeneutik und Philologie) in den Hintergrund und die vexatorischen Fragen nach Text vs. Kontext, thematischer vs. athematischer Lekt\u00fcre, Literatur vs. Kultur etc. stellen sich in dieser Form nicht mehr. Vorgemacht hat das der <em>New Historicism<\/em>, dem es auch programmatisch um die \u00dcberwindung solcher Gegens\u00e4tze ging: Stephen Greenblatts Shakespeare-B\u00fccher in den USA oder Moritz Ba\u00dflers Verfahrensstudien zur Popliteratur und zum Realismus hierzulande.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Das Sch\u00f6ne an gelungenen Lekt\u00fcren ist ihre \u00fcberragende Evidenz. Man wei\u00df sofort, ob gelesen wurde \u2013 oder eben nicht. Und dass das nicht blo\u00df einmal und endg\u00fcltig geschieht, sondern immer wieder neu und anders m\u00f6glich ist, daf\u00fcr sorgt der Unterschied zwischen der Geschichtswissenschaft und der Literaturwissenschaft als Kunstwissenschaft: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbW\u00e4hrend die Geschichtswissenschaft ihren Gegenstand, das vergangene Geschehen, aus der Ferne der Zeiten in die Gegenwart des Wissens, au\u00dferhalb dessen es nicht gegenw\u00e4rtig ist, hereinholen mu\u00df und kann, ist dem philologischen Wissen immer schon die Gegenwart des Kunstwerks vorgegeben, an dem es sich stets von neuem zu bew\u00e4hren hat. [\u2026] Dem philologischen Wissen ist ein dynamisches Moment eigen, nicht blo\u00df weil es sich, wie jedes andere Wissen, durch neue Gesichtspunkte und neue Erkenntnisse st\u00e4ndig ver\u00e4ndert, sondern weil es nur in der fortw\u00e4hrenden Konfrontation mit dem Text bestehen kann\u00ab (Szondi)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Das bedarf des immer strittigen und streitbaren Vollzugs der Lekt\u00fcre. Auf die Herausforderung durch andere Disziplinen, Verfahren und Gesichtspunkte, einschlie\u00dflich der Geschichtswissenschaft, wollen wir dabei ebenso wenig verzichten wie auf die Erweiterung der Gegenstandsfelder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerin\u00a0<a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/geulen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Eva Geulen<\/a> ist die Direktorin des ZfL. Ihr Beitrag erschien erstmals in <span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bb<\/span>Merkur<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00ab, Nr. 855, August 2020, S. 55-65.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Gumbrecht hat inzwischen nachgelegt und sich unter dem Titel \u00bbGelenke des Lichts\u00ab in der <em>FAZ<\/em> vom 22. April 2020 genauer erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Joseph North, <em>Literary Criticism. A Concise Political History<\/em>. Cambridge, MA: Harvard University Press 2017.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. etwa Christoph K\u00f6nig et al. (Hrsg.), <em>Geschichte der Germanistik. Historische Zeitschrift f\u00fcr die Philologien<\/em>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Eine andere Art der \u203astrategischen Historisierung\u2039 hat j\u00fcngst Patrick Eiden-Offe im Anschluss an Jacques Ranci\u00e8re er\u00f6rtert: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2019\/04\/29\/patrick-eiden-offe-verrufenes-historisieren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Verrufenes Historisieren<\/a>\u00ab, <em>ZfL BLOG<\/em>, 29. April 2019.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Martin Broszat\/Saul Friedl\u00e4nder, \u00bbUm die \u203aHistorisierung des Nationalsozialismus\u2039. Ein Briefwechsel\u00ab, in: <em>Vierteljahrshefte f\u00fcr Zeitgeschichte<\/em> 36, 1988, S. 339\u2013372.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Roland Barthes, <em>Mythen des Alltags<\/em>. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1964.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Roger Kimball, <em>Tenured Radicals<\/em>. New York: Harper &amp; Row 1990.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Philipp Felsch, <em>Der lange Sommer der Theorie<\/em>. M\u00fcnchen: Beck 2015; Achim Geisenhansl\u00fcke, <em>Textkulturen. Literaturtheorie nach dem Ende der Theorie<\/em>. Paderborn: Fink 2015.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Albrecht Koschorke, \u00bbDie akademische Linke hat sich selbst dekonstruiert. Es ist Zeit, die Begriffe neu zu justieren\u00ab, in: <em>NZZ<\/em>, 18. April 2018 sowie die als Kooperationsveranstaltung des Konstanzer Graduiertenkollegs \u00bbDas Reale in der Kultur der Moderne\u00ab mit dem Berliner Haus der Kulturen der Welt veranstaltete Konferenz \u00bbConcerning Matters and Truth. Postmodernism\u2019s Shift and the Left-Right-Divide\u00ab, 4. bis 6. Oktober 2018.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Christoph M\u00f6llers, \u00bbDisziplinbegrenzung zwischen Historismus und Relevanzbed\u00fcrfnis\u00ab, in: <em>Deutsche Vierteljahrsschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte<\/em> 89 (4), 2015, S. 485\u2013493.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Hinzufu\u0308gen k\u00f6nnte man noch den <em>New Historicism<\/em> und den <em>New Materialism<\/em>. \u00dcber Ersteren informiert luzide Moritz Ba\u00dflers Einleitung in dem von ihm herausgegebenen Band <em>New Historicism. Literaturgeschichte als Poetik der Kultur<\/em>. T\u00fcbingen: Francke 2001; Letzteren kennt man auch unter dem Begriff <em>Spekulativer Realismus<\/em>. Vgl. Armen Avanessian (Hrsg.), <em>Realismus Jetzt. Spekulative Philosophie und Metaphysik f\u00fcr das 21. Jahrhundert<\/em>. Berlin: Merve 2013.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Dermot Ryan, Autor einer Rezension in <em>boundary 2<\/em> von 29. Januar 2018, begn\u00fcgte sich damit, Norths wissenschaftstheoretische und wissenschaftshistorische Argumente als \u203aromantische Antikapitalismuskritik\u2039 abzutun. Zu den lesenswerteren, weil gelasseneren, Besprechungen geh\u00f6rt die von Bruce Robbins in <a href=\"https:\/\/lareviewofbooks.org\/article\/discipline-and-parse-the-politics-of-close-reading\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><em>Los Angeles Review of Books<\/em><\/a>, 14. Mai 2017.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Luc Boltanski\/\u00c8ve Chiapello, <em>Der neue Geist des Kapitalismus<\/em>. Konstanz: UVK 2003.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Andreas Reckwitz, <em>Die Erfindung der Kreativit\u00e4t. Zum Prozess gesellschaftlicher \u00c4sthetisierung<\/em>. Berlin: Suhrkamp 2012, und <em>Die Gesellschaft der Singularit\u00e4ten. Zum Strukturwandel der Moderne<\/em>. Berlin: Suhrkamp 2017.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Und sich \u00fcberdies an den Artikel von Justin Stover (\u00bbWarum es keine guten Gr\u00fcnde zur Verteidigung der Geisteswissenschaften gibt\u00ab, in: <em>Merkur<\/em> 72, Heft 828, Mai 2018, S. 25\u201339) erinnern, mit dem auch Gumbrecht schlie\u00dft, um zu versichern: \u00bbSollten Universit\u00e4ten und Bildungspolitik ihnen [den Geisteswissenschaften] die finanzielle Unterst\u00fctzung entziehen, wird ihr Leben au\u00dferhalb dieses Rahmens weitergehen, der ihnen in der Vergangenheit eine Form gegeben hat, aber keinesfalls ihr Ursprung war.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Etwas anders sieht es wohl in der Fachgeschichte der DDR auch \u00fcber den Mauerfall hinaus aus. Vgl. Karlheinz Barck (Hrsg.), <em>Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen \u00c4sthetik<\/em>. Leipzig: Reclam 1990.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. J\u00fcrgen Paul Schwindt, <em>Thaumatographia oder Zur Kritik der philologischen Vernunft<\/em>. Heidelberg: Winter 2016.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Eva Geulen: Altes und Neues aus den Literaturwissenschaften, in: ZfL BLOG, 7.9.2020, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/09\/07\/eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/09\/07\/eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200907-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200907-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200907-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/09\/07\/eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"ALTES UND NEUES AUS DEN LITERATURWISSENSCHAFTEN\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Eva Geulen\",\n    \"givenName\": \"Eva\",\n    \"familyName\": \"Geulen\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0004-3700-1661\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2020-09-07\",\n  \"datePublished\": 2020,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Herren stritten sich j\u00fcngst gepflegt. 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Der Bestandsaufnahme (sinkende H\u00f6rerzahlen, falsch verstandene Professionalisierung und moralisch \u00fcberformte politische Korrektheit) folgte die <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/09\/07\/eva-geulen-altes-und-neues-aus-den-literaturwissenschaften\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[287,19],"tags":[445,450,448,36,444,288,164,446,449,433,447,103,71],"class_list":["post-1538","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jahresthema-historisieren-heute","category-lektueren","tag-andreas-kablitz","tag-close-reading","tag-fredric-jameson","tag-geisteswissenschaften","tag-hans-ulrich-gumbrecht","tag-historisierung","tag-humanities","tag-joseph-north","tag-lektuere","tag-neoliberalismus","tag-new-criticism","tag-theoriegeschichte","tag-weltliteratur"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1538"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3599,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1538\/revisions\/3599"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}