{"id":1547,"date":"2020-08-27T14:56:16","date_gmt":"2020-08-27T12:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1547"},"modified":"2025-03-03T12:18:26","modified_gmt":"2025-03-03T10:18:26","slug":"eva-geulen-claude-haas-hoelderlin-und-hegel-heute","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/08\/27\/eva-geulen-claude-haas-hoelderlin-und-hegel-heute\/","title":{"rendered":"Eva Geulen \/ Claude Haas: H\u00d6LDERLIN UND HEGEL HEUTE"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">Freundschafft<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wenn Menschen sich aus innrem Werthe kennen,<br \/>\nSo k\u00f6nnen sie sich freudig Freunde nennen,<br \/>\nDas Leben ist den Menschen so bekannter,<br \/>\nSie finden es im Geist interessanter.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der hohe Geist ist nicht der Freundschafft ferne,<br \/>\nDie Menschen sind den Harmonien gerne<br \/>\nUnd der Vertrautheit hold, da\u00df sie der Bildung leben,<br \/>\nAuch dieses ist der Menschheit so gegeben.<!--more--><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Als das mit dem Namen <em>Scardanelli<\/em> unterzeichnete lakonische Gedicht entstand, befand sich H\u00f6lderlin bereits in der Obhut des Schreinermeisters Ernst Zimmer im T\u00fcbinger Turm, wo er von 1807 bis zu seinem Tod 1847 lebte. Sein Freund Hegel war schon 1831 als Professor in Berlin gestorben. Die Wege des Dichters und des Philosophen, die sich in revolution\u00e4ren Zeiten im T\u00fcbinger Stift kennengelernt hatten, waren verschieden und doch vielf\u00e4ltig verbunden. Immer wieder und besonders h\u00e4ufig in diesem doppelten Jubil\u00e4umsjahr 2020 sind die Dioskuren des deutschen Idealismus Gegenstand der Betrachtung und Bewunderung gewesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Aber auch Stereotypen halten sich hartn\u00e4ckig: der fr\u00fch \u203aumnachtete\u2039 H\u00f6lderlin als Paradefall von \u203aGenie und Wahnsinn\u2039, Hegel als vermeintlich autorit\u00e4tsgl\u00e4ubiger preu\u00dfischer \u203aStaatsphilosoph\u2039. Das schmale und fragmentarische Werk H\u00f6lderlins und das so systematische wie vielb\u00e4ndige Hegels sind bis heute immer wieder ausgeleuchtet und vermessen worden. Es gibt beinahe laufend neue Editionen, zahlreiche Biographien, \u00fcppige Einzelforschung und sehr viel zur wechselvollen Rezeptionsgeschichte beider. Und doch bleibt neben der Aura etwas Opakes. Das \u203aSchwierige\u2039 oder \u203aDunkle\u2039 ihrer Texte hat sich nicht verloren. Ob man nun Hegels \u203agro\u00dfe Logik\u2039 aufschl\u00e4gt oder H\u00f6lderlins bruchst\u00fcckhafte Hymnen, das jeweils Fremdartige der Sprache und des Denkens charakterisiert beide Werke. In der Vergangenheit hat das sowohl zu kulthafter Verehrung als auch wiederholt zum Vergessen der beiden gef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Am 9. Dezember 2020 wollen wir uns unter dem Titel <strong><a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/veranstaltungen-detail\/items\/h%C3%B6lderlin-und-hegel-heute.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u00bbH\u00f6lderlin und Hegel heute\u00ab<\/a><\/strong> den Werken dieser beiden Schwaben jedoch vor allem unter der Fragestellung n\u00e4hern, was diese denn mit uns heute noch oder wieder zu tun haben k\u00f6nnten. (Und das d\u00fcrfte sich kaum auf die Lehre des Social Distancing beschr\u00e4nken, die unklugerweise und wahrscheinlich folgenreich beim pomp\u00f6sen Begr\u00e4bnis des an der Cholera verstorbenen Hegel keine Beachtung fand, w\u00e4hrend hinter H\u00f6lderlins Sarg nur etwa 100 Studenten sich einfanden und keine Professoren.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gewiss immer noch virulent und schwierig ist die Frage nach dem <span style=\"color: #e63348;\"><strong>Verh\u00e4ltnis von Literatur und Philosophie<\/strong><\/span>. Man macht es sich zu einfach, wenn man dem einen die Literatur zuweist und dem anderen die Philosophie, nach dem Schema von naiv und sentimentalisch, mit dem H\u00f6lderlins F\u00f6rderer Schiller sich und Goethe zu begreifen suchte. H\u00f6lderlin war aller Wahrscheinlichkeit nach der Autor des <em>\u00c4ltesten Systemprogramms des deutschen Idealismus<\/em>, und die Frage nach der Rolle des Dichters im Gemeinwesen und der Geschichte war f\u00fcr ihn von philosophischem Rang. Hegels Vorlesungen zur \u00c4sthetik (bzw. deren verschiedene Mitschriften) wie die <em>Ph\u00e4nomenologie des Geistes<\/em> r\u00e4umen der Kunst enorme Bedeutung f\u00fcr den Verlauf der Geschichte ein und ihre zum Teil sehr ausf\u00fchrlichen Abhandlungen verraten neben Kenntnissen auch Sensibilit\u00e4ten (\u00fcbrigens auch einen Faible f\u00fcr popul\u00e4re Genres).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Bei Hegels und H\u00f6lderlins <span style=\"color: #e63348;\"><strong>Naturverst\u00e4ndnis<\/strong> <\/span>zeichnen sich dagegen deutliche Differenzen ab. Hegel schloss das Natursch\u00f6ne aus der \u00c4sthetik aus. F\u00fcr H\u00f6lderlin ist die Natur nicht das Andere des Geistes, sondern eins seiner vornehmsten Produkte. Da ist uns H\u00f6lderlin heute gewiss n\u00e4her als Hegel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"color: #e63348;\"><strong>Lokal und Global<\/strong><\/span>: Hegel und H\u00f6lderlin haben in der schw\u00e4bischen Provinz angefangen. Der eine lehrte schlie\u00dflich in Berlin, der andere kehrte nach T\u00fcbingen zur\u00fcck. Beide haben Entw\u00fcrfe entwickelt, die ins Weltgeschichtliche ausgreifen. Ihre Geschichtsphilosophien haben globale Dimensionen. Gibt es hier nach den vielen Verabschiedungen der Geschichtsphilosophie (O. Marquard) f\u00fcr uns \u00fcberhaupt noch Ankn\u00fcpfungspunkte? Oder ist uns seit einiger Zeit neu zu Bewusstsein gekommen, dass Lokales und Globales unmittelbar zusammenh\u00e4ngen und das \u203aSchwerste der Gebrauch des Eigenen\u2039 ist (H\u00f6lderlin an B\u00f6hlendorff 1801)?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das f\u00fchrt zu Fragen ihres <strong><span style=\"color: #e63348;\">Politikverst\u00e4ndnisses<\/span>.<\/strong> Einem inzwischen gefl\u00fcgelten Wort zufolge sah Hegel in Napoleon den Weltgeist zu Pferde und wurde im \u00dcbrigen zum Philosophen des preu\u00dfischen Staates. H\u00f6lderlins \u203avaterl\u00e4ndische Ges\u00e4nge\u2039 waren in den Weltkriegen popul\u00e4r. Begonnen haben beide mit Begeisterung f\u00fcr die Franz\u00f6sische Revolution. K\u00f6nnen wir mit dem, was die beiden zur Revolution, zu Staat, Nation und Gemeinschaft sagen, heute noch oder wieder etwas anfangen?<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Eva Geulen, Claude Haas: H\u00f6lderlin und Hegel heute, in: ZfL BLOG, 27.8.2020, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/08\/27\/eva-geulen-claude-haas-hoelderlin-und-hegel-heute\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/08\/27\/eva-geulen-claude-haas-hoelderlin-und-hegel-heute\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200827-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200827-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20200827-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2020\/08\/27\/eva-geulen-claude-haas-hoelderlin-und-hegel-heute\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"H\u00d6LDERLIN UND HEGEL HEUTE\",\n  \"author\": [\n    {\n      \"name\": \"Eva Geulen\",\n      \"givenName\": \"Eva\",\n      \"familyName\": \"Geulen\",\n      \"@type\": \"Person\",\n      \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0004-3700-1661\"\n    },\n    {\n      \"name\": \"Claude Haas\",\n      \"givenName\": \"Claude Haas\",\n      \"@type\": \"Person\",\n      \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0007-4753-4543\"\n    }\n  ],\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2020-08-27\",\n  \"datePublished\": 2020,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freundschafft Wenn Menschen sich aus innrem Werthe kennen, So k\u00f6nnen sie sich freudig Freunde nennen, Das Leben ist den Menschen so bekannter, Sie finden es im Geist interessanter. 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