{"id":1702,"date":"2021-02-08T11:20:12","date_gmt":"2021-02-08T09:20:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1702"},"modified":"2025-02-28T19:09:58","modified_gmt":"2025-02-28T17:09:58","slug":"rabea-kleymann-ueber-das-erzaehlwuerdige-der-theorie-in-den-digital-humanities","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/02\/08\/rabea-kleymann-ueber-das-erzaehlwuerdige-der-theorie-in-den-digital-humanities\/","title":{"rendered":"Rabea Kleymann: \u00dcBER DAS ERZ\u00c4HLW\u00dcRDIGE DER THEORIE IN DEN DIGITAL HUMANITIES"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Unter dem Label \u00bbDigital Humanities\u00ab (DH) werden unterschiedliche Themen, Gegenst\u00e4nde und Erkenntnisanspr\u00fcche subsumiert. Vielen gelten die DH als Erweiterung des klassischen Methodenkanons, da sie computergest\u00fctzte Verfahren f\u00fcr die Geisteswissenschaften in Aussicht stellen. Gleichzeitig verst\u00e4rken die DH, indem sie unter anderem neue Werkzeuge anbieten, auch praxeologische Tendenzen innerhalb der Geisteswissenschaften. Infolgedessen haben sich die Rede von der Theorielosigkeit der DH sowie Erz\u00e4hlungen vom \u00bbEnde der Theorie\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> in den Diskussionen \u00fcber digitale Methoden, Praktiken und Forschungsinfrastrukturen als Hauptnarrative etabliert. Dem Status der Theorie in den DH widmete sich die Tagung <a href=\"https:\/\/fdhl.info\/theorytellings\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Theorytellings: Wissenschaftsnarrative in den Digital Humanities<\/em><\/a>, die am 8. und 9. Oktober 2020 in Leipzig stattfand und von der Arbeitsgruppe \u00bb<a href=\"https:\/\/dhtheorien.hypotheses.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digital Humanities Theorie<\/a>\u00ab des Verbandes \u00bbDigital Humanities im deutschsprachigen Raum\u00ab und dem \u00bbForum f\u00fcr Digital Humanities Leipzig\u00ab organisiert wurde.<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Ihr zentrales Anliegen war es, Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Disziplinen zusammenzubringen, um gemeinsam \u00fcber Bedeutung, Form und Einsatz von Theorien in den DH zu diskutieren. Mit Blick auf den Forschungsdiskurs hat sich gezeigt, dass die M\u00f6glichkeiten von Theoriearbeit oftmals mit Fragen nach Legitimation und Relevanz der DH selbst verkn\u00fcpft sind. Die Tagung lud nun dazu ein, von den vermeintlich unerz\u00e4hlten oder nicht erz\u00e4hlbaren Geschichten der Theorie in den DH zu berichten. In insgesamt f\u00fcnf Vortr\u00e4gen wurde nicht nur das Feld der Theorie in den DH neu begangen, sondern es wurden auch erz\u00e4hlw\u00fcrdige Theorytellings sichtbar gemacht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\">***<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Er\u00f6ffnet wurde die Tagung mit dem Vortrag <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-HmshAUHnhs&amp;feature=youtu.be&amp;ab_channel=Universit%C3%A4tLeipzig\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u203a<em>Wider die Tiefenrhetorik\u2039. \u00dcber die Kulturtechnik der Verflachung, diagrammatische Maschinen und das<\/em><\/a><\/span><span style=\"font-family: helvetica;\"> \u203a<em>Deep Learning\u2039<\/em> der Philosophin Sybille Kr\u00e4mer (FU Berlin \/ Leuphana Universit\u00e4t L\u00fcneburg). Ausgangspunkt dieses Vortrags war ein in Bezug auf Interpretationsvorg\u00e4nge positiv besetzter \u00bbGestus des Tiefgangs\u00ab. In den Geisteswissenschaften werde das Generieren von Bedeutungen h\u00e4ufig \u00fcber ein Durchdringen von Oberfl\u00e4chen imaginiert. Die erkenntnistheoretischen Potenziale von Oberfl\u00e4chen hingegen w\u00fcrden fortw\u00e4hrend diskreditiert. Ein Theoriebeitrag der DH, so Kr\u00e4mers These, bestehe in der Rehabilitierung einer \u00bbEpistemologie der Oberfl\u00e4che\u00ab. Die DH stellten n\u00e4mlich eine produktive Gegenbewegung zur forcierten Tiefenrhetorik hermeneutischer Wissenschaften dar. Kr\u00e4mer skizzierte Perspektiven einer solchen spezifischen Epistemologie. Zuerst sei es wichtig, das kulturstiftende Potenzial in der Kulturtechnik der Verflachung zu erkennen: \u00bbWir denken nicht nur auf der Fl\u00e4che, sondern mit der Fl\u00e4che.\u00ab Computer w\u00fcrden dann als Oberfl\u00e4chentechnologien deutbar, die \u00fcber datenanalytische Operationen intrinsische Bedeutungen generieren. Gleichzeitig kehre jedoch mit diesem Bedeutungsverstehen des Computers eine unkontrollierbare Tiefendimension, eben eine neue Form des Blackboxing, zur\u00fcck. Kr\u00e4mer beschrieb \u00bbBlackboxing\u00ab \u2013 Bruno Latours Ansatz folgend \u2013 als ein \u00bbUnsichtbarmachen wissenschaftlicher und technischer Arbeit durch ihren eigenen Erfolg\u00ab.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Hinter dem Bildschirm entstehe ein Netz von Protokollen, Algorithmen und virtuellen Maschinen, das von den Nutzer*innen gew\u00f6hnlich weder eingesehen noch verstanden wird. Die damit einhergehende Dialektik der Ent- und Verbergung sei sogleich Teil einer zuk\u00fcnftigen Epistemologie der DH. Am Beispiel von maschinellen Lernverfahren, hier Convolutional Neural Networks, zeigte Kr\u00e4mer abschlie\u00dfend erkenntnistheoretische Implikationen des Blackboxing auf. Entscheidend ist in ihren Augen dabei, dass Deep Learning selbst mit der Vervielfachung von maschinenintern bearbeiteten Oberfl\u00e4chen einhergeht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Historiker Manfred Thaller (Universit\u00e4t zu K\u00f6ln) r\u00fcckte in seinem Vortrag <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=pJfZjxz5Pg0&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>K\u00f6nnen Reaktion\u00e4re und Revolution\u00e4re die gleiche Theorie haben?<\/em><\/a> die hermeneutische Tradition der Geisteswissenschaften in den Fokus. Anhand dreier Beispiele \u2013 dem Einsatz von Computern in den Literaturwissenschaften, der Geschichtswissenschaft und der Arch\u00e4ologie \u2013 zeichnete er den Einfluss von fachspezifischen Theoriebeziehungen auf die Implementierung und Anwendung von informationstechnischen Werkzeugen historisch nach. Thaller erkl\u00e4rte, dass IT-Anwendungen sowohl von Reaktion\u00e4r*innen wie Revolution\u00e4r*innen der F\u00e4cher favorisiert w\u00fcrden, denen gemeinsam sei, dass die informationstechnischen M\u00f6glichkeiten in Bezug zur Hermeneutik gedacht werden. Der theoretische Beitrag der DH liegt f\u00fcr ihn daher in einer \u00bbEhrenrettung der Hermeneutik\u00ab. Hierzu formulierte er zwei Thesen: Erstens m\u00fcssten die metaphysischen Pr\u00e4missen in traditionell hermeneutischen Theorien verbannt und durch Ans\u00e4tze aus den modernen Kognitionstheorien ersetzt werden. Nur so k\u00f6nne das hermeneutische Vorgehen durch Informationssysteme unterst\u00fctzt werden. Daran schloss Thaller seine zweite These an: Gegenw\u00e4rtig werden IT-Anwendungen in den Geisteswissenschaften meist nur f\u00fcr einzelne Arbeitsschritte im Forschungsprozess eingesetzt (z.B. f\u00fcr eine Korpusexploration). Zuk\u00fcnftige digitale Forschungsumgebungen sollten jedoch gerade den zirkul\u00e4ren Interpretationsvorg\u00e4ngen von Geisteswissenschaftler*innen Rechnung tragen (z.B. durch Netzwerkvisualisierungen). Auf diese Weise k\u00f6nnten IT-Anwendungen nicht nur einzelne Arbeitsschritte, sondern den gesamten geisteswissenschaftlichen Forschungsprozess unterst\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Hier kn\u00fcpften die \u00dcberlegungen der Literaturwissenschaftlerinnen Evelyn Gius und Janina Jacke (TU Darmstadt) unmittelbar an. In ihrem Vortrag <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=arjIePI76Bw&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Sinn und Unsinn von Strukturalismus in den DH<\/em><\/a> nahmen sie modellhaft Arbeitsschritte von hermeneutisch-literaturwissenschaftlichen Textanalysen und Interpretationen in den Blick, um ein etabliertes \u203aAnti-Theorienarrativ\u2039 neu zu verhandeln. Vonseiten der traditionellen Literaturwissenschaft w\u00fcrden computationelle Forschungsans\u00e4tze zuweilen mit dem Vorwurf konfrontiert, dass sie rein strukturalistisch arbeiten. Hinter diesem Vorwurf verberge sich die Vorstellung, dass computationelle Zug\u00e4nge literarische Texte lediglich auf formalistisch beschreibbare und numerisch zu erfassende Variablen reduzieren. Gius und Jacke gingen diesem Vorwurf nicht nur auf den Grund, sondern diskutierten am konkreten Beispiel von Text-Mining-Methoden auch, wo eine literaturtheoretische Fundierung st\u00e4rker eingefordert werden k\u00f6nne. Sorgf\u00e4ltig pr\u00fcften sie, inwiefern der Vorwurf des Strukturalismus und einer damit unterstellten Theorielosigkeit anhand dreier Zusammenh\u00e4nge begr\u00fcndet werden kann: (1) beim Einsatz von computationellen Methoden f\u00fcr eine freie Exploration von Texten, (2) beim Erkennen relevanter Ph\u00e4nomene in der Analyse, (3) f\u00fcr die Erkl\u00e4rung ausgew\u00e4hlter Muster und Beispiele in der Interpretation. Neben einer Beliebigkeit der Auswahl von Methoden bei der freien Exploration f\u00fchrten sie als methodologische Probleme auch eine begr\u00fcndete Auswahl von Befunden sowie das prek\u00e4re Verh\u00e4ltnis von Daten und Interpretation auf. Es wurde jedoch deutlich, dass vermeintliche (theoretische) Defizite von computationellen Zug\u00e4ngen (wie z.B. das ungekl\u00e4rte Verh\u00e4ltnis von quantitativen Auff\u00e4lligkeiten und qualitativ verstandener Exemplarit\u00e4t) ebenso den traditionellen Literaturwissenschaften zugeschrieben werden k\u00f6nnen. Kriterien f\u00fcr Interpretationen werden in den Literaturwissenschaften h\u00e4ufig nicht ausreichend expliziert, sodass auch eine systematische Reflexion zu kurz komme. Die gemeinsame theoretische Auseinandersetzung mit diesen Defiziten obliege nun, so Gius und Jacke abschlie\u00dfend, den traditionellen wie den digitalen Literaturwissenschaften gleicherma\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Vom Strukturalismus ging es weiter zu Michel Foucaults Diskursanalyse. An den Anfang seines Vortrags <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fRnLGh_vbzM&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Vom Archiv zum Computer. Foucault und die Digitalen Humanwissenschaften<\/em><\/a> stellte der Medienwissenschaftler Henning Schmidgen (Bauhaus-Universit\u00e4t Weimar) eine Vorhersage des franz\u00f6sischen Historikers Emmanuel Le Roy Ladurie aus dem Jahr 1968: \u00bbDer zuk\u00fcnftige Historiker wird Programmierer sein, oder er wird nicht sein.\u00ab Ein Jahr sp\u00e4ter antwortete Foucault auf diese Herausforderung mit seinem Werk <em>Arch\u00e4ologie des Wissens<\/em>, das Schmidgen in seinem Vortrag neu zu lesen versuchte. Seine Kernthesen waren dabei, dass Foucaults arch\u00e4ologische \u00dcberlegungen nicht nur die Implikationen der beginnenden automatisierten Informationsverarbeitung reflektieren. Vielmehr adressiere Foucault in seiner Vorgehensweise bereits wesentliche Fragestellungen der DH. Erstens sieht Schmidgen in der von Foucault wiederholt hervorgehobenen Dispersion des Diskurses die \u00dcbernahme einer im weitesten Sinne statistischen Perspektive begr\u00fcndet. Entscheidend sei zweitens, dass Foucaults arch\u00e4ologischer Ansatzpunkt gerade Umbr\u00fcche in \u00fcbergreifenden Wahrnehmungsstrukturen zum Gegenstand habe und er in seiner Diskursanalyse auch der Frage nachgehe, wie in der Masse diskursiver Elemente einzelne Entit\u00e4ten abzugrenzen seien. Drittens k\u00f6nnten Foucaults \u00dcberlegungen zur inneren Ordnung des Diskurses zu zeitgen\u00f6ssischen und aktuellen Verfahren der Stilometrie und Indexikalisierung ins Verh\u00e4ltnis gesetzt werden. Eine weitere Parallele zu aktuellen Problemstellungen der DH sei ferner, dass auch Foucault die immanenten Regelm\u00e4\u00dfigkeiten des Diskurses auf einer oberfl\u00e4chlichen Ebene verorte. Im Epilog entwarf Schmidgen dann ein noch zu erz\u00e4hlendes Theorytelling der DH, das im Sinne von Foucaults Diskursanalyse die \u00bbAlgorithmen der Algorithmenanalyse\u00ab selbst untersucht. Von dieser Erz\u00e4hlung der Theorie, so Schmidgen, sei es aber noch ein weiter Weg in die Praxis der DH.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">W\u00e4hrend Schmidgen die Implementierung von Foucaults Diskursanalyse erst in einer fernen Zukunft sah, pr\u00e4sentierte die Sozialwissenschaftlerin Ramona Roller (ETH Z\u00fcrich) in ihrem Vortrag <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=SCuk1la_3_U&amp;feature=youtu.be\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Warum wurde Luther protestantisch? Erkl\u00e4rungsnarrative mit statistischen Modellen entwickeln und zur Theoriebildung nutzen<\/em><\/a>. Vorschl\u00e4ge zur Operationalisierung von Theorieans\u00e4tzen. Dazu schlug sie zun\u00e4chst drei heuristische (Forschungs-)Narrative vor: Einem \u00bbGegenwartsnarrativ\u00ab folgen Forschungsans\u00e4tze, die ohne theoretisches Setting auf gro\u00dfe Datens\u00e4tze zugreifen. Dabei seien statistische Zufallseffekte und nicht replizierbare Datens\u00e4tze pr\u00e4gend; es handele sich, salopp gesprochen, um eine \u00bbdata pi\u00f1ata\u00ab.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Davon unterschied Roller ein \u00bbKlassiknarrativ\u00ab der Theoriebildung, dessen Ausgangspunkt eine Forschungsfrage sei, die bereits an einen theoretischen Ansatz ankn\u00fcpfe. Es w\u00fcrden dann Hypothesen generiert, die anhand von kleineren Datens\u00e4tzen falsifiziert werden. Rollers zuk\u00fcnftiges \u00bbSollnarrativ\u00ab stellte eine Kombination der beiden genannten Narrative dar. Hierbei werden disziplin\u00e4re Theorieans\u00e4tze ber\u00fccksichtigt und gro\u00dfe Datens\u00e4tze bearbeitet. In ihrem Vortrag ging Roller sogar noch einen Schritt weiter, indem sie anhand der konkreten Forschungsfrage \u00bbWarum wurde Luther protestantisch?\u00ab das zuvor skizzierte Sollnarrativ evaluierte. Neben der disziplin\u00e4ren Theorie der Konfessionalisierung pr\u00e4sentierte sie Datens\u00e4tze, operationalisierende Faktoren und generierte Hypothesen. Mit ihrem Vortrag warf Roller die grunds\u00e4tzliche Frage auf, wie sich etablierte humanwissenschaftliche Theorien zu computationellen Analysen verhalten. F\u00fcr sie besteht der Beitrag der DH vor allem in der Weiterentwicklung von bestehenden Theorieans\u00e4tzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\">***<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Frage nach dem Status der Theorie in den DH verschiebt den Fokus von den technischen Verfahrensweisen hin zu epistemischen, \u00e4sthetischen und disziplin\u00e4ren Implikationen der Digitalit\u00e4t in den Geisteswissenschaften. Auff\u00e4llig ist insbesondere das heterogene Verst\u00e4ndnis von Theorie. Einerseits wird Theoriearbeit als eine Auseinandersetzung mit vorhandenen theoretischen Ans\u00e4tzen (z.B. Strukturalismus oder Diskursanalyse) verstanden. Andererseits lassen sich wissenschaftstheoretische Reflexionen \u00fcber die Geisteswissenschaften sowie statistische Modellierungen anschlie\u00dfen. Auf die Frage nach Bedeutung und Relevanz von Theorien in den DH gibt es, wie die Tagung zeigte, viele Antworten und noch mehr erz\u00e4hlw\u00fcrdige Geschichten. Gerade die mit dem Tagungsthema initiierten Theorytellings deuten nicht nur auf diverse Zug\u00e4nge und neue Orte der Theoriebildung in den DH hin. Vielmehr erproben solche Theorytellings auch m\u00f6gliche partizipative Formen. Statt einer gro\u00dfen Erz\u00e4hlung pr\u00e4sentierte die Tagung daher heterogene theoretische Unternehmungen einer (zuk\u00fcnftigen) Theorie im Plural.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerin <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/kleymann.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rabea Kleymann<\/a> verfolgt am ZfL ihr Projekt \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/wissenskulturen-der-digital-humanities.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kompostierungen. Stoffkreisl\u00e4ufe und Wiederverwertbarkeit in Biologie, Literatur und Technologie<\/a>\u00ab. Sie ist Co-Sprecherin der Arbeitsgruppe \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/dig-hum.de\/ag-digital-humanities-theorie\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Digital Humanities Theorie<\/a>\u00ab im Verband DHd (Digital Humanities im deutschsprachigen Raum) und Mitherausgeberin der Sonderausgabe \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/culturalanalytics.org\/post\/795-cfp-theorytellings-epistemic-narratives-in-the-digital-humanities\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Theorytellings: Epistemic Narratives in the Digital Humanities<\/a>\u00ab des Journal of Cultural Analytics.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Chris Anderson: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.wired.com\/2008\/06\/pb-theory\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The End of Theory: The Data Deluge Makes the Scientific Method Obsolete<\/a>\u00ab, in: <em>Wired<\/em>, 23.6.2008.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bruno Latour: <em>Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft<\/em>, Frankfurt a.M. 2002, S. 373.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Simon Lindgren: <em>Data Theory. Interpretive Sociology and Computational Methods<\/em>, Cambridge u.a. 2020, S. 22.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Rabea Kleymann: \u00dcber das Erz\u00e4hlw\u00fcrdige der Theorie in den Digital Humanities, in: ZfL BLOG, 8.2.2021, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/02\/08\/rabea-kleymann-ueber-das-erzaehlwuerdige-der-theorie-in-den-digital-humanities\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/02\/08\/rabea-kleymann-ueber-das-erzaehlwuerdige-der-theorie-in-den-digital-humanities\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210208-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210208-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210208-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/02\/08\/rabea-kleymann-ueber-das-erzaehlwuerdige-der-theorie-in-den-digital-humanities\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"\u00dcBER DAS ERZ\u00c4HLW\u00dcRDIGE DER THEORIE IN DEN DIGITAL HUMANITIES\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Rabea Kleymann\",\n    \"givenName\": \"Rabea\",\n    \"familyName\": \"Kleymann\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"0000-0003-3856-2685\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2021-02-08\",\n  \"datePublished\": 2021,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Label \u00bbDigital Humanities\u00ab (DH) werden unterschiedliche Themen, Gegenst\u00e4nde und Erkenntnisanspr\u00fcche subsumiert. 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