{"id":1819,"date":"2021-09-02T12:09:33","date_gmt":"2021-09-02T10:09:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=1819"},"modified":"2025-02-28T18:50:32","modified_gmt":"2025-02-28T16:50:32","slug":"matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/09\/02\/matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem\/","title":{"rendered":"Matthias Schwartz: PROSA DER VERST\u00d6RUNG. Zum 100. Geburtstag von Stanis\u0142aw Lem"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"color: #e63348;\"><strong>I.<\/strong><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Als Stanis\u0142aw Lem am 27. M\u00e4rz 2006 im Alter von 85 Jahren in Krakau starb, schien sein Stern bereits im Sinken zu sein. Seine B\u00fccher hatten Millionenauflagen erzielt und er war neben Ryszard Kapu\u015bci\u0144ski der weltweit erfolgreichste polnische Autor, mit \u00dcbersetzungen in mehr als 40 Sprachen. Aber angesichts des Zusammenbruchs des Realsozialismus, einer krisenhaften neuen Weltordnung sowie der sich abzeichnenden Klimakatastrophe wirkten seine Spekulationen \u00fcber die fantastischen Irrungen der Menschheit seltsam anachronistisch. Konnte er noch in den 1970er Jahren als erster Science-Fiction-Autor auf den Literaturnobelpreis hoffen, hatte der selbsterkl\u00e4rte Prophet der \u203aPhantomologie\u2039 in Zeiten der digitalen Revolution und virtuellen Realit\u00e4t einem Publikum, das in erster Linie mit der neoliberalen Sorge um das emanzipierte Selbst und der radikalen Infragestellung aller tradierten Identit\u00e4ts- und Geschlechterordnungen besch\u00e4ftigt war, anscheinend nichts mehr zu sagen. Der alte wei\u00dfe Mann aus Polen hatte den Anschluss an die Gegenwart verloren.<!--more--> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die unz\u00e4hligen Veranstaltungen, Publikationen und Projekte zu seinem 100. Geburtstag am 12. September dieses Jahres wollen seinen Stern noch einmal zum Strahlen, wenn nicht zum Explodieren bringen. In Polen hat das Parlament gleich das ganze Jahr 2021 zum Lem-Jahr ausgerufen, in Krakau wird ihm zu Ehren vom 10. bis 14. September das \u00bbFestival der Zukunft\u00ab <a href=\"https:\/\/bombamegabitowa.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Megabitbombe<\/em><\/a> gefeiert, das neben unz\u00e4hligen Kulturveranstaltungen auch eine wissenschaftliche Konferenz zur Philosophie in Lems Werk und einen \u00bbfuturologischen Kongress\u00ab beherbergt. Seine Geburtsstadt richtet ein \u00bbFestival audiovisueller Meisterschaft\u00ab aus, bei dem unter dem Titel <a href=\"https:\/\/lb.ua\/culture\/2021\/08\/19\/492043_100richchya_stanislava_lema_lvovi.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Tetramatika<\/em><\/a> eine Woche lang Konzerte, Installationen und Performances aufgef\u00fchrt werden. In Russland feiert man mit Konferenzen, Schreibwettbewerben und Ausstellungen den Jahrestag des Fantasten und Futurologen und das von Lem f\u00fcr seine natur- und ingenieurwissenschaftliche Pionierforschung vielfach gepriesene Massachusetts Institute of Technology (MIT) pr\u00e4sentiert <a href=\"https:\/\/mitpress.mit.edu\/contributors\/stanislaw-lem\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehrere Neuauflagen und Erstver\u00f6ffentlichungen<\/a> in englischer Sprache. Selbst der Suhrkamp Verlag, der sich um seinen einstigen Bestsellerautor in den letzten Jahren nicht mehr gek\u00fcmmert hatte, ver\u00f6ffentlicht ein <em>Best of Lem<\/em>-Buch sowie immerhin drei Nachdrucke.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im Fokus all dieser Aktivit\u00e4ten steht Lem \u00bb<a href=\"https:\/\/www.suhrkamp.de\/nachricht\/zum-100-geburtstag-von-stanis-aw-lem-b-3338\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">als brillanter Vision\u00e4r und Utopist, der zahlreiche Technologien Jahrzehnte vor ihrer Entwicklung erdachte<\/a>\u00ab, der als ein \u00bb<a href=\"https:\/\/krytykapolityczna.pl\/kultura\/czytaj-dalej\/orlinski-lem-prorok-w-peryferyjnym-kraju-rozmowa\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Prophet in einem peripheren Land<\/a>\u00ab ein \u00bbLeben in der Zukunft\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> f\u00fchrte und sein Werk \u00bb<a href=\"https:\/\/goslitmuz.ru\/poster\/13532\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">der komplexen \u2013 und \u00fcberaus fruchtbaren \u2013 Beziehung zwischen der Fantastik als literarischer Gattung und der Futurologie als systematischem Versuch, die Zukunft zu erforschen<\/a>\u00ab, widmete.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Abseits aller tagespolitischen Konflikte und globalen Krisen bietet das Jubil\u00e4um Anlass, noch einmal grunds\u00e4tzlich \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Mensch und Maschine, Geist und Materie, Wissenschaft und Kultur, Technologie und Gesellschaft, Zufall und Fortschritt nachzudenken. \u00c4hnlich wie die bemannte Raumfahrt zu einem eskapistischen Vehikel f\u00fcr diejenigen geworden ist, die zu viel Geld haben und es auf der von ihnen selbst zerst\u00f6rten Erde nicht mehr aushalten, scheinen Lems Schriften dazu geeignet, das Anthropoz\u00e4n mit Neuem Realismus und neuester Hightech wieder in gr\u00fcnere Zeiten zu lenken. Gerade dank seiner Skepsis gegen\u00fcber allem Fortschritt, die er vielfach in Schreckensvisionen als Folge atomarer und kriegerischer Zerst\u00f6rung dargestellt hat, kann er zum Mahner und Motivator des Climate Engineerings gemacht werden.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"color: #e63348;\"><strong>II.<\/strong><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Stanis\u0142aw Lem wurde am 12. September 1921 als einziger Sohn polnisch-j\u00fcdischer Eltern im polnischen Lw\u00f3w (Lemberg) geboren. In der wechselhaften Zwischenkriegszeit in der nach eineinhalb Jahrhunderten wieder unabh\u00e4ngig gewordenen Republik Polen verbrachte er in seiner noch vom Habsburger Erbe gepr\u00e4gten Heimatstadt wohl eine gl\u00fcckliche Kindheit. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erlebte er nach der Aufteilung Polens infolge des Hitler-Stalin-Pakts 1939 zuerst die sowjetische Besatzung, w\u00e4hrend der er ein Medizinstudium begann, dann mit dem Einschluss Lembergs ins Generalgouvernement 1941 die deutsche Herrschaft. Dort konnten seine Eltern und er mit gef\u00e4lschten Papieren \u00fcberleben, zahlreiche j\u00fcdische Verwandte und Bekannte \u2013 wie die j\u00fcdische Bev\u00f6lkerung Lembergs insgesamt \u2013 wurden jedoch von Deutschen und ihren ukrainischen Unterst\u00fctzern ermordet, ehe die Stadt im Juli 1944 von der Roten Armee befreit wurde. Ein Jahr sp\u00e4ter musste Lems Familie aufgrund erneuter Grenzverschiebungen aus dem inzwischen sowjetischen Lwow in die Volksrepublik Polen nach Krakau umsiedeln.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Nachdem der junge Lem in der sp\u00e4ten Stalinzeit mit autobiografisch gepr\u00e4gten realistischen Romanen an der rigiden Zensurpraxis scheiterte, wandte er sich \u2013 zun\u00e4chst lediglich zum Broterwerb \u2013 der Science-Fiction zu. Naturwissenschaftliche und wissenstheoretische Fragen hatten ihn schon von klein auf interessiert. Nach dem weitgehend unbeachtet gebliebenen fr\u00fchen Werk <em>Der Mensch vom Mars <\/em>(1946) gelang ihm bereits mit seinem zweiten Science-Fiction-Roman <em>Die <\/em><em>Astronauten <\/em>(1951, auch unter dem Titel <em>Der Planet des Todes<\/em> ver\u00f6ffentlicht) der Durchbruch. Nachdem in der Sowjetunion nach Stalins Tod eine vorsichtige kulturpolitische Liberalisierung eingesetzt hatte, die in Polen als Kleine Stabilisierung in die Geschichtsb\u00fccher einging, und nach dem ersten Sputnikflug 1957 und Juri Gagarins Kosmosflug 1961 brach im Osten Europas eine regelrechte Weltraumbegeisterung aus. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich die sogenannte \u203aWissenschaftliche Fantastik\u2039 zu einer der erfolgreichsten Genreliteraturen der sozialistischen Welt. Und Lem wurde einer ihrer Starautoren: <em>Die Astronauten <\/em>und die Nachfolgewerke <em>Die Magellansche Wolke <\/em>(1955, dt. <em>Gast im Weltraum<\/em>), <em>Die Sterntageb\u00fccher des Weltraumfahrers Ijon Tichy <\/em>(1957) und <em>Eden <\/em>(1960) wurden innerhalb kurzer Zeit in fast allen osteurop\u00e4ischen \u203aBruderstaaten\u2039 \u00fcbersetzt und erreichten bald Millionenauflagen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die 1960er Jahre wurden dann Lems produktivste Schaffensperiode. Allein 1961 ver\u00f6ffentlicht er drei Romane, darunter im Verlag des Polnischen Verteidigungsministeriums<em> Solaris<\/em>, jenes enigmatische Schl\u00fcsselwerk \u00fcber die Beschr\u00e4nkt- und Gest\u00f6rtheit alles menschlichen Denkens und F\u00fchlens angesichts des Schweigens des kosmischen Ozeans.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Es folgten unter anderem die beiden Prosab\u00e4nde <em>Roboterm\u00e4rchen<\/em> (1964) und <em>Kyberiade<\/em> (1965), die <em>Geschichten des Piloten Pirx <\/em>(1968), die Romane <em>Stimme des Herrn <\/em>(1968) und <em>Der futurologische Kongress <\/em>(1971) sowie die gro\u00dfen Abhandlungen <em>Philosophie des Zufalls <\/em>(1968) und <em>Fantastik und Futurologie <\/em>(1970). Handelte es sich zun\u00e4chst um spannende Expeditionsromane, die die vereinte Menschheit der Zukunft mit unerkl\u00e4rlichen Ph\u00e4nomenen im All und somit mit ihrer eigenen defizit\u00e4ren Verfasstheit konfrontierten, bediente sich Lem bald auch vermehrt grotesk-ironischer und satirischer Prosaformen sowie didaktisch-polemischer Erz\u00e4hlverfahren, die alle konventionellen Gattungsgrenzen sprengen und ein enormes Spektrum an m\u00f6glichen Weltraumszenarien und wissenschaftlich-theoretischen Problemen umfassen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Vor allem in der Sowjetunion wurde diese Prosa begeistert aufgenommen. Lem hat sich sp\u00e4ter daran erinnert, wie enthusiastisch er bei seinen mehrmaligen Reisen in das Land empfangen wurde. Denn es war nicht nur die \u00c4ra des Wettlaufs zum Mond, als viele in der Sowjetunion noch Chruschtschows Worten glaubten, der Sozialismus k\u00f6nne den Kapitalismus nicht nur ein-, sondern auch \u00fcberholen. Es war die Zeit der \u203aWissenschaftlich-technischen Revolution\u2039 und eines ungeheuren Fortschrittsoptimismus. In diese Periode f\u00e4llt auch die Publikation von Lems wissenschaftsphilosophischem Hauptwerk <em>Summa technologiae <\/em>(1964), das bereits vier Jahre sp\u00e4ter auch auf Russisch erschien. Allerdings waren es fast ausschlie\u00dflich Wissenschaftler und jugendliche Leserinnen, die ihn sch\u00e4tzten. Der seri\u00f6sen Literaturkritik galt er bestenfalls als Verfasser kurzweiliger Trivialromane und popul\u00e4rwissenschaftlicher Publizistik. Rezensionen in relevanten Publikationsorganen gab es in der Sowjetunion kaum und in seinem Heimatland Polen schon gar nicht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Beispielhaft zeigt sich das bereits an der Resonanz auf sein erstes ver\u00f6ffentlichtes Traktat. In <em>Dialoge<\/em> (1957) entwickelt er den subjektiven und objektiven Idealismus seiner philosophischen Vorbilder Platon und George Berkeley gewisserma\u00dfen zu einem \u203akybernetischen\u2039 Idealismus weiter, in dem die ideengeschichtlichen Verortungen und philosophischen Implikationen der Kybernetik sowie ihr praktischer Nutzen f\u00fcr eine fundamentale Reform der gegenw\u00e4rtigen, nicht nur sozialistischen Gesellschaftssysteme systematisch diskutiert werden.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Nach eigenen Worten sah sich Lem damals als \u00bbK\u00fcnder und Prophet\u00ab der Kybernetik, den aber als einsamen Rufer in der polnischen W\u00fcste kaum jemand h\u00f6rte, wie er im Nachwort zur Neuauflage 1979 resigniert feststellte. Aufgrund des \u00bbD\u00fcnkels\u00ab der \u00bbintoleranten Intellektuellen\u00ab und der praktischen Inkompetenz der herrschenden Eliten sei das Buch in Polen g\u00e4nzlich unbeachtet geblieben.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Ein Schicksal, das auch seine sp\u00e4teren Traktate und Abhandlungen teilten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Doch auch im Westen dauerte es lange, ehe Lem einer breiteren \u00d6ffentlichkeit bekannt wurde. W\u00e4hrend er in der DDR seit 1954 regelm\u00e4\u00dfig \u00fcbersetzt wurde, konnte sich das Science-Fiction-Genre in der Bundesrepublik nur allm\u00e4hlich vom Ruf US-amerikanischer Schundliteratur absetzen. Erste \u00dcbersetzungen der Werke Lems erschienen noch in Groschenheften und Nischenverlagen f\u00fcr Unterhaltungsliteratur, <em>Solaris <\/em>wurde mehr als zehn Jahre nach der polnischen Erstausgabe 1972 beim Marion von Schr\u00f6der Verlag ver\u00f6ffentlicht. Erst in den 1970er Jahren gelang Lem der Durchbruch, als er zun\u00e4chst im Insel Verlag, kurze Zeit sp\u00e4ter auch bei Suhrkamp in der von Franz Rottensteiner betreuten Taschenbuchreihe \u00bbPhantastische Bibliothek\u00ab zu einem Hausautor wurde. Doch ungeachtet seines kommerziellen Erfolgs bei Liebhabern des Genres und in wissenschaftstheoretisch interessierten Kreisen wurde Lem vom westdeutschen Bildungsb\u00fcrgertum nie ernst genommen, was unter anderem zu einer zunehmenden Entfremdung von seinem Verleger Siegfried Unseld f\u00fchrte.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Er blieb eine kuriose Ausnahmeerscheinung am Rande des Literaturbetriebs.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im englischsprachigen Raum hatte Lem einen noch schwereren Stand. Obwohl Andrei Tarkowskis Verfilmung von <em>Solaris <\/em>(1972) in Cannes den Spezialpreis der Jury erhielt und Lems Roman auch im Westen zus\u00e4tzliches Renommee verschaffte, lag auf Englisch bis 2011 nur eine mangelhafte \u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen von 1970 vor. Eigentlich blieb Lems Karriere in den USA ein gro\u00dfes Missverst\u00e4ndnis im Zeichen des Kalten Krieges. So ernannte ihn die Vereinigung Science Fiction Writers of America (SFWA) 1973 zum Ehrenmitglied, doch nur drei Jahre sp\u00e4ter kam es zum Zerw\u00fcrfnis. Lem polemisierte vor allem gegen die ungemeine Trivialit\u00e4t der kommerziellen Genreliteratur in Amerika, w\u00e4hrend der von ihm hochgesch\u00e4tzte Philip K. Dick ihn beim FBI als eine Erfindung des KGB verunglimpfte, hinter der sich ein Autorenkollektiv zur Verbreitung kommunistischer Propaganda verberge. So blieb Lem jenseits des Atlantiks lange ein kurioser Geheimtipp f\u00fcr Spezialisten und Fans, was sich erst seit den 1980er Jahren langsam \u00e4nderte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wenn Lems Schaffen heute also als die prophetische Sternstunde moderner und postmoderner Science-Fiction gefeiert wird, dann ist das eher eine retrospektive Projektion, die zwar zu weiten Teilen auch seiner damaligen Selbstinszenierung als einsames Genie unter lauter Ignoranten entspricht, aber das Unverst\u00e4ndnis und die Vorbehalte verwischt, mit denen er zeit seines Lebens konfrontiert war.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"color: #e63348;\"><strong>III.<\/strong><\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Doch wie kam es zu diesen vielfachen Verst\u00f6rungen zwischen Lem und seinen Zeitgenossinnen? Will man die gegenseitigen Missverst\u00e4ndnisse und entt\u00e4uschten Erwartungen nicht einzig auf die Arroganz und Inkompetenz des Kultur- und Wissenschaftsbetriebs zur\u00fcckf\u00fchren, w\u00e4re auch danach zu fragen, ob die Verkennungen nicht Symptom eines tieferliegenden Unbehagens Lems an der Kultur der Nachkriegszeit sein k\u00f6nnten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Zwar ist Lems Werk sp\u00e4testens seit den 1980er Jahren von einer st\u00e4ndig wachsenden internationalen Sekund\u00e4rliteratur begleitet worden.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Zun\u00e4chst standen neben literaturwissenschaftlichen vor allem philosophische und wissenschaftstheoretische Aspekte im Vordergrund des Interesses. Erst in letzter Zeit widmet man sich vermehrt auch dem kulturgeschichtlichen Kontext seines Schreibens und insbesondere dem Holocaust als einer zentralen biografischen Erfahrung Lems.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Agnieszka Gajewska hat mithilfe bislang unbekannter Dokumente seine ersten Lebensjahrzehnte erstmals detailliert rekonstruiert und anhand seiner Science-Fiction-Werke gezeigt, wie hier das Thema des Holocaust in Gestalt au\u00dferirdischer Wiederg\u00e4nger, destruktiver Roboterzivilisationen und l\u00fcckenhafter Biografien in fiktionaler Form verhandelt wird.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Lem selber hat \u00fcber diese Zusammenh\u00e4nge ungern gesprochen, was wohl sowohl biografische als auch gesellschaftliche Gr\u00fcnde hatte. Eine entscheidende Rolle spielte sicherlich der anhaltende Antisemitismus der polnischen Gesellschaft, die sich bis in die Gegenwart mit dem Umgang mit ihrer j\u00fcdischen Vergangenheit schwertut.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Lem wollte zudem immer als Autor jenseits von nationalen, kulturellen oder religi\u00f6sen identit\u00e4ren Zuschreibungen wahrgenommen werden. Die Unm\u00f6glichkeit, \u00fcber seine Erfahrungen in der Volksrepublik Polen offen zu sprechen, habe Lem, so Gajewska, mit einer ganz eigenen literarischen Schreibstrategie beantwortet.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Vor allem habe er dieses f\u00fcr ihn schmerzhafte \u203aSchweigen\u2039 dadurch literarisch verarbeitet, dass er sich in fantastisch-verfremdeter Form immer wieder mit der eigenen Gewalterfahrung der Vernichtung der europ\u00e4ischen Juden durch die Deutschen und ihre willigen Helfer im Osten Europas auseinandersetzte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Am deutlichsten \u00e4u\u00dferte sich Lem diesbez\u00fcglich einmal im Mai 1981, ein halbes Jahr vor der Ausrufung des Kriegsrechts in der Volksrepublik Polen und seiner zeitweiligen Emigration zun\u00e4chst nach West-Berlin, danach nach Wien. In einem Gespr\u00e4ch mit dem experimentellen Schriftsteller Raymond Federman (1928\u20132009), der als Jude in Frankreich der Gestapo entkommen war, versucht dieser wiederholt, Lem auf die Gemeinsamkeiten ihrer Prosaexperimente festzulegen, wogegen Lem sich milde verwahrt, indem er darauf hinweist, dass es ihm keineswegs um selbstreferentielle Sprachspiele gehe.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Erst als Federman auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust zu sprechen kommt, stellen die beiden Interviewpartner Gemeinsamkeiten fest:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bb<em>Federman<\/em>. As a survivor of the Holocaust myself, I have been less concerned and less obsessed with telling the story of what happened than with what it means to be living in what I call the post Holocaust era. I suppose that is also your concern and your obsession?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Lem<\/em>. Yes, indeed. I believe that this Holocaust has not yet ended. That is to say, yes, in a sense it ended with World War II; but it keeps reappearing in various forms and versions here and there.\u00ab<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Aus dieser Erfahrung des fortlebenden Holocaust, so erl\u00e4utert Lem, habe er auch seine 1981 erschienene \u00bblange Erz\u00e4hlung\u00ab (long story) <em>Provokation<\/em> geschrieben,<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> die in Form einer fiktiven Rezension des fiktiven Werkes eines fiktiven Autors \u2013 das 1980 von dem deutschen Historiker und Anthropologen Horst Asprenicus verfasste zweib\u00e4ndige Standardwerk <em>Der V\u00f6lkermord<\/em> \u2013 den Holocaust als Zivilisationsbruch ausdr\u00fccklich thematisierte.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbMy opinion is that the whole matter of what the Germans call Bew\u00e4ltigung der Vergangenheit \u2013 that is to say, the overcoming of the past \u2013 is a crucial question today. I think that no one \u2013 and this is the opening argument of this nonexistent book \u2013 no one can forgive the Germans for what they did, for no one has the right to do so. Those who died are the only ones who could do so, but of course they are not here anymore, and so they cannot speak. I am convinced that it is basically impossible to overcome such a past, and I think it is not the right way for Germany, for its culture, for history, and for humanity as a whole.\u00ab<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die prinzipielle Unm\u00f6glichkeit, die Vergangenheit zu bew\u00e4ltigen, habe die Science-Fiction insgesamt gepr\u00e4gt: \u00bbI would even go further and say that the boom in SF since World War II may have something to do with this post Holocaust era in which we live\u00a0&#8230; in which we survive.\u00ab<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Science-Fiction als eine Form des \u00dcberlebens nach der Erfahrung des Holocaust \u2013 kaum einmal hat Lem einen so weitreichenden Schluss gezogen. Nicht nur seine eigene Science-Fiction, sondern der Boom des Genres nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA und Europa generell gilt ihm als Reaktion auf den Holocaust. Und zwar nicht nur f\u00fcr die unmittelbare Nachkriegszeit, sondern bis in die Gegenwart, in der Leben immer noch \u00dcberleben bedeute.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">All das, was Lems \u0152uvre ausmacht \u2013 die best\u00e4ndige Konfrontation der Weltraumreisenden mit ihnen unverst\u00e4ndlichen Welten und intelligenten Lebensformen, die <em>Summa technologiae<\/em> und deren prospektive Rekonstruktionen des Menschen, das poetische Ausloten der Grenzen des Denkbaren und Vorstellbaren, von Genres und Schreibverfahren \u2013, erscheint aus einer solchen Perspektive in einem ganz anderen Licht und erm\u00f6glicht einen anderen Blick auf die verst\u00f6rende Prosa von Lem selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Doch blieb diese Dimension seines Werkes zu seinen Lebzeiten weitgehend unverstanden, <em>Provokation<\/em> blieb eine nennenswerte Rezeption verwehrt. Schon lange bevor die deutsche Nachkriegsgesellschaft begann, sich den eigenen Verbrechen zu stellen, hatte Lem hier viele Aspekte benannt, die in einer breiten \u00d6ffentlichkeit erst sp\u00e4ter als Zivilisationsbruch (Dan Diner) und Vernichtungskrieg der Wehrmacht diskutiert wurden: der Holocaust als eine im Herzen der europ\u00e4ischen Zivilisation von Menschen \u2013 von Deutschen \u2013 bewusst und lustvoll begangene Tat, die eben keine \u00bbAusnahme von der Regel\u00ab, keinen \u00bbalptraumhaften Exzess\u00ab darstelle, sondern in der Abgr\u00fcndigkeit des kollektiven Wahns eine anthropologische Z\u00e4sur, eine neue Kultur des Todes offenbare.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Doch in Polen absorbierte die Solidarno\u015b\u0107 alle Aufmerksamkeit, und in West-Deutschland \u2013 wo das Buch 1981 immerhin in der \u00bbBibliothek Suhrkamp\u00ab erschien \u2013 blieb es abgesehen von einer recht lustlosen Sammelrezension in der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em> weitgehend unbeachtet.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Es lie\u00dfe sich einwenden, eine solche historisierende Perspektive auf Lems Prosa, die das Abgr\u00fcndige und Grauenhafte, Experimentelle und Absurde seiner literarischen und philosophischen Grenzg\u00e4nge zwischen Wissenschaft und Fantastik aufs Biografische zur\u00fcckf\u00fchrt, sei nicht ganz neu und best\u00e4tige zudem g\u00e4ngige Lesarten von Lems \u0152uvre als \u00bbSpirale des Pessimismus\u00ab oder d\u00fcstere \u00bbPrognose des Epochenendes\u00ab.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> So kann man es nat\u00fcrlich lesen. Man kann diese kulturhistorische Rekontextualisierung aber auch dazu nutzen, seine verst\u00f6rende Prosa neu zu entdecken: als eine poetische Kritik an einem naturwissenschaftlich-positivistischen Zeitgeist, der seinerzeit in der Kybernetik ebenso wie in Linguistik, Strukturalismus oder Systemtheorie Ausdruck fand und heute in den biowissenschaftlichen Versprechungen einer Perfektionierung des Menschen wiederkehrt oder in den neoromantischen Visionen eines nachhaltigen Klimaschutzes durch intelligente Modernisierung aller Produktionsmittel. Lems Prosa, die unangemessenen Analogien und logischen Spr\u00fcnge, das Groteske und Gespenstische, Provokative und Polemische, die ganzen fantastischen Maskierungen seines nichtlinearen Denkens und Schreibens eines g\u00e4nzlich Anderen setzen dem eine posthumane Poetik der Verst\u00f6rung entgegen.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Demnach w\u00e4re der Vorstellung einer Optimierung von Mensch und Umwelt immer schon der Wille zur Vernichtung eingeschrieben. Ob in <em>R\u00fcckkehr von den Sternen <\/em>(1961, auch unter dem Titel <em>Transfer<\/em> ver\u00f6ffentlicht) oder <em>Der Unbesiegbare<\/em> (1964), in <em>Also sprach Golem <\/em>(1981) oder <em>Lokaltermin <\/em>(1982): All die fiktionalen Szenarien, die Lem in verschiedenen Varianten, Mythen und Erz\u00e4hlmustern durchspielt, so lie\u00dfe sich verallgemeinern, dienten dann dazu, die gef\u00e4hrliche Begrenztheit des menschlichen Verstandes und die Gest\u00f6rtheit seiner Gef\u00fchlswelt in der Begegnung mit anderen intelligenten Welten und Wesen blo\u00dfzulegen.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Indem er die sadistische Mordlust der deutschen Besatzungsmacht sowie die eigenen Ohnmachtserfahrungen in die Fernen des Weltalls oder kybernetische M\u00e4rchen \u00fcbersetzt und sie mit dem defekten Innenleben des Lebewesens Mensch konfrontiert, artikuliert er ein Unbehagen an der Sp\u00e4tmoderne im Zeichen des Kalten Krieges, die hiervon lieber nichts wissen wollte. Dieses Unbehagen an der wissenschaftlich-technischen Kultur einer auf individuelle Freiheiten, humanit\u00e4re Interventionen und zivilgesellschaftlichen Fortschritt fixierten Menschheit verfremdet Lem zum Bild eines abgr\u00fcndigen, grauenhaften und zugleich bemitleidenswerten, beschr\u00e4nkten Menschen, das nichts an Aktualit\u00e4t verloren hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Der Slawist <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/schwartz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Matthias Schwartz<\/a> arbeitet am ZfL an seinem Projekt \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/weltfiktionen-post-sozialistisch.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltfiktionen post\/sozialistisch. Literaturen und Kulturen aus Osteuropa<\/a>\u00ab und ist Ko-Leiter des Programmbereichs \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/weltliteratur.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Weltliteratur<\/a>\u00ab.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> So der Untertitel von Alfred Galls \u00e4u\u00dferst instruktiver Jubil\u00e4umsbiografie, der auch alle biografischen Angaben entnommen sind, vgl. Alfred Gall: <em>Stanis\u0142aw Lem. Leben in der Zukunft<\/em>, Darmstadt 2021.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Franz Rottensteiner: \u00bb<em>Solaris. <\/em>Ein Roman und seine Verfilmungen\u00ab, in: ders.: <em>Im Labor der Visionen. Anmerkungen zur phantastischen Literatur<\/em>, L\u00fcneburg 2013, S. 174\u2013188.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Stanis\u0142aw Lem: <em>Dialoge<\/em>, Frankfurt a.M. 1980, insb. S. 179\u2013257.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ders.: \u00bbNachwort\u00ab (1979), in: ebd., S. 307\u2013319.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Siehe zu Lems Beziehung zum Suhrkamp Verlag genauer Matthias Schwartz: \u00bb\u203aEine Vision anderer Zeiten und Welten\u2039. Der Osten Europas und die \u203aPhantastische Bibliothek\u2039\u00ab, in: Dirk Kemper\/Pawel Zajas\/Natalia Bakshi (Hg.): <em>Kulturtransfer und Verlagsarbeit. Suhrkamp und Osteuropa<\/em>, Paderborn 2019, S. 85\u2013112.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. bspw. Werner Berthel (Hg.): <em>\u00dcber Stanislaw Lem<\/em>, Frankfurt a.M. 1981; Peter Swirski\/Waclaw M. Osadnik (Hg.): <em>Lemography. <\/em><em>Stanislaw Lem in the Eyes of the World, <\/em>Liverpool 2014.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Richard Middleton-Kaplan: \u00bbRefractions of Holocaust Memory in Stanis\u0142aw Lem\u2019s Science Fiction\u00ab, in: Victoria Aarons\/Phyllis Lassner (Hg.): <em>The Palgrave Handbook of Holocaust Literature and Culture<\/em>, Cham 2020, S. 287\u2013304.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Agnieszka Gajewska: <em>Zag\u0142ada i gwiazdy. <\/em><em>Przesz\u0142o\u015b\u0107 w prozie Stanis\u0142awa Lema<\/em>, Pozna\u0144 2016; auf Deutsch wurden Ausz\u00fcge aus dem Werk im <em>Quarber Merkur <\/em>in Fortsetzungen ver\u00f6ffentlicht, vgl. dies.: \u00bbAufspaltung\u00ab (Teil 1), in: <em>Quarber Merkur<\/em> 118 (2017), S. 73\u201399; \u00bbAufspaltung\u00ab (Teil 2), in: <em>Quarber Merkur<\/em> 119 (2018)<em>, <\/em>S. 53\u201374.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Barbara Engelking\/Helga Hirsch (Hg.): <em>Unbequeme Wahrheiten. Polen und sein Verh\u00e4ltnis zu den Juden<\/em>, Frankfurt a.M. 2008.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Gajewska: <em>Zag\u0142ada i gwiazdy<\/em> (Anm. 8)., S. 218.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Raymond Federman: \u00bb<a href=\"http:\/\/www.depauw.edu\/sfs\/interviews\/federman29.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">An Interview with Stanislaw Lem<\/a>\u00ab, in: <em>Science Fiction Studies <\/em>10.1 (1983).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Ebd.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Stanis\u0142aw Lem: <em>Provokation. Essay, <\/em>Berlin 1985.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Federman: \u00bb<a href=\"http:\/\/www.depauw.edu\/sfs\/interviews\/federman29.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">An Interview with Stanislaw Lem<\/a>\u00ab (Anm. 11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. auch Gajewska: <em>Zag\u0142ada i gwiazdy <\/em>(Anm. 8), S. 28f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. Lem: <em>Provokation<\/em> (Anm. 13), S. 62.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Vgl. hierzu ausf\u00fchrlich Matthias Schwartz: \u00bb\u203aThe World as Holocaust\u2039. Wissenschaftliche Phantastik als Kunst des \u00dcberlebens in Stanis\u0142aw Lems experimenteller Poetik\u00ab, in: Jurij Mura\u0161ov\/Sylwia Werner (Hg.): <em>Science oder Fiction?<\/em> <em>Stanis\u0142aws Lems Philosophie der Wissenschaft und Technik<\/em>, M\u00fcnchen 2017, S. 145\u2013167.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Przemys\u0142aw Czapli\u0144ski: \u00bbStanis\u0142aw Lem \u2013 Die Spirale des Pessimismus\u00ab, in: Michael D\u00fcring\/Ulrike Jekutsch (Hg.): <em>Stanis\u0142aw Lem \u2013 Mensch, Denker, Schriftsteller<\/em>, Wiesbaden 2005, S. 31\u201352; Holger Arndt: <em>Stanis\u0142aw Lems Prognose des Epochenendes. Die Bedrohung der menschlichen Kultur durch Wissenschaft, Technologie und Dogmatismus<\/em>, Darmstadt 2000.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. Elana Gomel: \u00bbStanislaw Lem and the Holocaust of Humanism\u00ab, in: dies.: <em>Science Fiction, Alien Encounters, and the Ethics of Posthumanism. <\/em><em>Beyond the Golden Rule<\/em>, New York 2014, S. 187\u2013210.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Vgl. hierzu Matthias Schwartz: \u00bbDie Traurigkeit des Golems. Stanis\u0142aw Lems Figuration posthumaner Intelligenz als Poetik der Erinnerung\u00ab, in: Alexander Friedrich\/Alfred Gall\/Petra Gehring\/Peter Oliver Loew\/Yvonne P\u00f6rzgen (Hg.):<em> Kosmos Stanis\u0142aw Lem<\/em>. <em>Zivilisationspoetik, Wissenschaftsanalytik und Kulturphilosophie, <\/em>Wiesbaden 2021, S. 43\u201372; ders.: \u00bbSilberl\u00f6ffel und andere Aborte. Marginalien zu Stanis\u0142aw Lems <em>Lokaltermin<\/em>\u00ab, in: Jacek Rzeszotnik (Hg.): <em>Ein Jahrhundert Lem. 1921<\/em>\u2013<em>2021<\/em>, Dresden 2021, S. 121\u2013140.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Matthias Schwartz: Prosa der Verst\u00f6rung. Zum 100. Geburtstag von Stanis\u0142aw Lem, in: ZfL BLOG, 2.9.2021, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/09\/02\/matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/09\/02\/matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210902-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210902-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20210902-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/09\/02\/matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"PROSA DER VERST\u00d6RUNG. 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Aber angesichts des Zusammenbruchs des Realsozialismus, einer krisenhaften <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2021\/09\/02\/matthias-schwartz-prosa-der-verstoerung-zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,21],"tags":[47,529,46,530,71,531],"class_list":["post-1819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ad-hoc","category-einblick","tag-osteuropa","tag-polen","tag-science-fiction","tag-stanislaw-lem","tag-weltliteratur","tag-wissenschaftliche-fantastik"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1819"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1819\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3580,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1819\/revisions\/3580"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}