{"id":2434,"date":"2022-01-10T17:35:37","date_gmt":"2022-01-10T15:35:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=2434"},"modified":"2025-02-28T17:46:39","modified_gmt":"2025-02-28T15:46:39","slug":"franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/01\/10\/franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund\/","title":{"rendered":"Franziska Thun-Hohenstein: WARLAM SCHALAMOW AN DEN LESER IM WESTEN. Ein Archivfund"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Am 17. Januar 2022 j\u00e4hrt sich der Todestag des russischen Dichters und Schriftstellers Warlam Schalamow zum vierzigsten Mal. Mit seinen sechs Zyklen umfassenden <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> setzte er den Tausenden Toten in den Zwangsarbeitslagern des GULag ein bleibendes literarisches Denkmal. Der Jahrestag bietet nicht nur Anlass, sich mit Schalamows Ringen um eine literarische Aufarbeitung des staatlich organisierten Massenterrors gegen die eigene Bev\u00f6lkerung auseinandersetzen. Ein Archivfund r\u00fcckt auch seine Sorge um die Rezeption seiner Texte ins Blickfeld. <\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Da in der Sowjetunion die Erinnerung an Terror und Gewalt tabuisiert wurde, kursierten diese zu Lebzeiten nur in Abschriften des Samisdat (\u203aSelbst-Verlag\u2039) und blieben f\u00fcr das breite sowjetische Lesepublikum unzug\u00e4nglich. Die ersehnte Anerkennung blieb ihm verwehrt. Mittlerweile werden seine Werke in Russland gedruckt und aus Anlass des Todestages w\u00fcrdigen Konferenzen seine literarische und menschliche Lebensleistung. Doch Schalamows Imperativ des Erinnerns, der Wahrung des Ged\u00e4chtnisses an die stalinistischen Verbrechen trifft heute zugleich auf das Bestreben der russischen Machthaber, dieses Ged\u00e4chtnis erneut mit repressiven Mitteln auszul\u00f6schen. Die j\u00fcngst vom Obersten Gericht der Russischen F\u00f6deration beschlossene \u00bbLiquidierung\u00ab der Internationalen Gesellschaft f\u00fcr historische Aufkl\u00e4rung, Menschenrechte und soziale F\u00fcrsorge Memorial, die mit der Verbreitung eines l\u00fcgnerischen Bildes von der Sowjetunion begr\u00fcndet wurde, ist nur ein Signal f\u00fcr die Politik einer Re-Stalinisierung.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbDie Geschichte wiederholt sich\u00ab, bef\u00fcrchtete Schalamow, \u00bbund jede Erschie\u00dfung des Jahres siebenunddrei\u00dfig l\u00e4sst sich wiederholen\u00ab.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Er glaube zwar nicht mehr an das Verm\u00f6gen der Literatur, den Menschen besser zu machen, hei\u00dft es in der gleichen Notiz weiter, er schreibe aber trotzdem, damit der Leser, wenn er seine Prosa liest, \u00bbsein Leben so [gestalten] kann, dass er etwas Gutes tut, wenigstens irgendetwas [Positives]. Der Mensch muss etwas tun\u00ab.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In seiner Jugend hatte Schalamow sich der antistalinistischen studentischen Opposition angeschlossen, weshalb er im Februar 1929 verhaftet und zu drei Jahren Konzentrationslager verurteilt wurde. Nach der Entlassung suchte er wieder Anschluss an die journalistischen und literarischen Kreise Moskaus, wurde jedoch im Januar 1937 erneut verhaftet. Es folgten 14 Jahre Lagerhaft wegen \u203akonterrevolution\u00e4rer trotzkistischer T\u00e4tigkeit\u2039 in der sibirischen Region an der Kolyma. Er \u00fcberlebte und widmete sich fortan der literarischen Auseinandersetzung mit dem Durchlebten. Auschwitz, Kolyma und Hiroshima bedeuteten f\u00fcr Schalamow einen unhintergehbaren Einschnitt, nach dem es galt, Mensch und Welt neu zu denken und das gesamte Arsenal \u00fcberkommener narrativer Verfahren einer Pr\u00fcfung zu unterziehen. Authentizit\u00e4t des Erlebten und \u00bb\u00e4u\u00dferste k\u00fcnstlerische Potenz\u00ab<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> des Erz\u00e4hlten \u2013 zwischen diesen Polen bewegte sich sein k\u00fcnstlerischer Anspruch.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die von Chruschtschow in der sogenannten Tauwetterzeit begonnene Aufkl\u00e4rung \u00fcber den Massenterror weckte die Hoffnung auf ein unzensiertes offenes Sprechen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Doch mit Chruschtschows Sturz im Herbst 1964 wurde die zaghafte Entstalinisierung wieder gestoppt und Schalamows Hoffnungen auf eine Ver\u00f6ffentlichung der <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> in der Sowjetunion erf\u00fcllten sich nicht. Wie andere Autoren seiner Zeit auch, strebte er jedoch danach, seine Texte gedruckt zu sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">1965 lernte Schalamow Nadeshda Mandelstam, die Witwe des im GULag umgekommenen Dichters Ossip Mandelstam, kennen. F\u00fcr einige Jahre geh\u00f6rte er zu ihrem engsten Freundeskreis, kn\u00fcpfte Kontakte zu vielen Vertretern der k\u00fcnstlerischen und politischen Dissidenz und fand Gleichgesinnte, die sich der erneuten Tabuisierung der j\u00fcngsten Geschichte entgegenstemmten. Aus Protest gegen die im Februar 1966 erfolgte Verurteilung der Schriftsteller Andrej Sinjawskij und Julij Daniel zu Haftstrafen in Arbeitslagern, weil sie ihre \u00bbverleumderischen\u00ab und \u00bbantisowjetischen\u00ab Werke im Westen unter Pseudonym (\u203aAbram Terz\u2039 bzw. \u203aNikolai Arschak\u2039) ver\u00f6ffentlichten, verfasste Schalamow den <em>Brief an einen alten Freund<\/em>.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Der anonym in Kreisen der Dissidenz kursierende Brief war seine letzte semi\u00f6ffentliche politische Intervention, getragen von der Hoffnung auf eine Sowjetunion, in der die Freiheit des Gewissens und die Freiheit des Wortes respektiert werden. 1966 deutete nichts darauf hin, dass Schalamow sechs Jahre sp\u00e4ter gegen die Publikation seiner Erz\u00e4hlungen in russischen Emigrantenzeitschriften in einem offenen Brief an die <em>Literaturnaja gaseta<\/em> (Literaturzeitung) vehement protestieren w\u00fcrde. Er erkl\u00e4rte darin diese Ver\u00f6ffentlichungen <\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">zu antisowjetischer Provokation und brach mit der Dissidenz. <span style=\"color: #000000;\">Zudem projizierte er seine antiwestliche Haltung auf die 1960er Jahre zur\u00fcck, obwohl seine damalige Einstellung offenbar ambivalenter war.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der <em>Brief an einen alten Freund <\/em>ist ein Aufruf zum moralischen Widerstand gegen jeglichen Versuch der Einsch\u00fcchterung. Der Text weist jedoch eine im Hinblick auf seine sp\u00e4tere Ablehnung von Kontakten zum Westen auffallende Leerstelle auf. Zwar verteidigt Schalamow energisch das Recht eines jeden Schriftstellers, unter Pseudonym zu publizieren. Mit keinem Wort aber erw\u00e4hnt er, dass Sinjawskij und Daniel ihre Werke unter Pseudonym <em>im Westen<\/em>, im sogenannten Tamisdat publizierten. Der Tamisdat (\u203aDort-Verlag\u2039) \u2013 ein Sammelbegriff f\u00fcr russischsprachige Zeitschriften und Verlage der Emigration \u2013 war in den 1960er Jahren neben dem staatlichen Publikationswesen und dem Samisdat zur wichtigen dritten S\u00e4ule der russischen Literatur avanciert. Literarische Texte, die in der Sowjetunion nicht erscheinen durften, gelangten aus dem Samisdat in den Westen, vielfach ohne Wissen ihrer Verfasser, und kehrten in gedruckter Form \u00fcber den (auch durch westliche Geheimdienste finanzierten) Tamisdat in die Sowjetunion zur\u00fcck.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Es gibt Hinweise darauf, dass Typoskripte der fertigen Zyklen der <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> mit Schalamows Einverst\u00e4ndnis in den Westen gelangten. Recherchen des Slawisten Yakov Klots vom New Yorker Hunter College haben ergeben, dass der amerikanische Mandelstam-Forscher Clarence Brown 1966 ein Exemplar in die USA schleuste \u2013 vermutlich \u00fcber diplomatische Kan\u00e4le. Schalamow und Brown waren sich am 24. Mai bei Nadeshda Mandelstam begegnet, wie der Dramatiker Aleksandr Gladkow am 26. Mai in seinem Tagebuch vermerkte. Der Briefwechsel zwischen Brown und dem Chefredakteur der in New York erscheinenden russischsprachigen Zeitschrift <em>Nowyj Shurnal<\/em> (<em>The New Review<\/em>) Roman Gul belegt, dass es sich bei dem umfangreichen Manuskript von \u00bbexplosiver Bedeutung\u00ab, welches Brown ihm Mitte September ank\u00fcndigte, um Schalamows Erz\u00e4hlungen gehandelt hat. Auf die Frage von Brown, ob er nicht Angst vor ihrer Publikation im Westen habe, soll Schalamow geantwortet haben: \u00bbWir sind es leid, Angst zu haben\u2026\u00ab.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Schriftliche Aussagen von Schalamow, die eine \u00dcbergabe an Brown oder jemanden anderen best\u00e4tigen, sind nicht \u00fcberliefert. Aber im Russischen Staatlichen Archiv f\u00fcr Literatur und Kunst in Moskau (RGALI) liegt ein bislang unbeachtetes liniertes Schulheft \u2013 die Vorschriften seiner Erz\u00e4hlungen in den 1950er und 1960er Jahren erfolgten meist in solchen Heften \u2013 mit der Aufschrift \u00bbFon\u00ab (Hintergrund). Das auf den ersten Blick unscheinbare Schulheft birgt f\u00fcr die Schalamow-Forschung einige Sprengkraft. Es enth\u00e4lt eine unver\u00f6ffentlichte, undatierte handschriftliche Notiz, bei der es sich allem Anschein nach um den Entwurf f\u00fcr eine Art Klappentext handelt, in dem Schalamow einem offenbar westlichen Publikum seine <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> und sich selbst als Autor vorstellt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Der Text enth\u00e4lt \u00dcberarbeitungen, wurde aber nie abgeschlossen. Im ersten Teil mit der \u00dcberschrift \u00bbUmschlag\u00ab werden Thema und Anliegen der <em>Erz\u00e4hlungen<\/em> erl\u00e4utert (Abb. 1):<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<figure id=\"attachment_2436\" aria-describedby=\"caption-attachment-2436\" style=\"width: 254px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a style=\"font-size: 19px;\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2436\" src=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-254x300.jpg\" alt=\"\" width=\"254\" height=\"300\" data-wp-editing=\"1\" srcset=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-254x300.jpg 254w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-867x1024.jpg 867w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-768x907.jpg 768w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-1301x1536.jpg 1301w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-1734x2048.jpg 1734w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_32_EntwrfCovertxt_RGALI_2596-2-120-3_bearbeitet-1200x1417.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 254px) 85vw, 254px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2436\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Manuskript Warlam Schalamow. <span style=\"font-family: helvetica;\">RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, l. 3.<\/span><\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">1907 geboren, verbrachte Warlam Schalamow 20 Jahre seines Lebens in Konzentrationslagern der Sowjetunion. Der hier ver\u00f6ffentlichte Band enth\u00e4lt drei Folgen von Erz\u00e4hlungen, die in ihrem Heimatland niemals in Umlauf waren, au\u00dfer in maschinenschriftlichen Kopien.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Sie alle erz\u00e4hlen von der Erfahrung der 17 Jahre Lager, die der Autor in den Goldgruben der Kolyma im Gebiet Magadan verbracht hat.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Sofort dr\u00e4ngt sich der Vergleich mit den Zeugnissen Solshenizyns und Jewgenija Ginsburgs auf, umso mehr, als die letztere in dieselbe Region verbannt war wie Schalamow.<br \/>\nSchalamows Blick auf das Lager ist <span style=\"text-decoration-line: line-through;\">radikal<\/span> im Kern pessimistisch. W\u00e4hrend bei Solshenizyn und selbst bei Jewgenija Ginsburg das menschliche Wesen darum k\u00e4mpft, seine menschliche W\u00fcrde zu verteidigen, und das meistens erreicht, senkt und dr\u00fcckt bei Schalamow das Lager Lager [sic] das Menschliche schrittweise nieder, stuft es herab auf das Niveau eines Tiers, t\u00f6tet in ihm jede W\u00fcrde.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Danach charakterisiert Schalamow in knappen Worten die <em>Erz\u00e4hlungen<\/em>, hebt hervor, dass ihr \u00bbTon\u00ab den Charakter des \u00bbKonstatierens von Fakten\u00ab trage und ihre Sprache reduziert sei (\u00bbweder Adjektive noch Aufwallungen\u00ab).<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Im zweiten Teil mit der \u00dcberschrift <em>Der Autor<\/em> beschreibt Schalamow sich selbst (Abb. 2):<\/span><\/p>\n<blockquote>\n<figure id=\"attachment_2435\" aria-describedby=\"caption-attachment-2435\" style=\"width: 240px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2435 size-medium\" src=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-240x300.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-818x1024.jpg 818w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-768x961.jpg 768w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-1228x1536.jpg 1228w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-1637x2048.jpg 1637w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb-1200x1502.jpg 1200w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/Thun-Schalamow_8_33_EntwrfCovertxt2_RGAlI_2596-2-120-6_bearb.jpg 1990w\" sizes=\"auto, (max-width: 240px) 85vw, 240px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2435\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Manuskript Warlam Schalamow. RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, l. 6<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Warlam Schalamow, sowjetischer Dichter und Prosaautor, wurde 1907 in der Stadt Wologda geboren. 1929 wurde er das erste Mal verhaftet und zu 3 Jahren Konzentrationslager verurteilt.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">1937 zum zweiten Mal verurteilt, verbrachte er siebzehn Jahre seines Lebens im Lager an der Kolyma. Nach seiner R\u00fcckkehr nach Moskau ver\u00f6ffentlicht er 1957 einen ersten Gedichtzyklus \u00bbGedichte \u00fcber den Norden\u00ab; 1961 und 1967 zwei schmale B\u00fccher, die unter anderem Pasternak begeisterten.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Sein Prosawerk ist bislang komplett unpubliziert.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Allerdings ist es dem sowjetischen Publikum bekannt; dieses z\u00e4hlt Schalamow zu den besten zeitgen\u00f6ssischen Schriftstellern, neben Solshenizyn.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der nachfolgende letzte, schwer entzifferbare Satz erschlie\u00dft sich, wenn man wei\u00df, dass Publikationen im Tamisdat zum Schutz der Autoren in der Sowjetunion den Vermerk enthielten, sie seien ohne deren Wissen gedruckt worden. In Schalamows letztem Satz hebt ein \u00bbwir\u00ab hervor, dass man aus \u00bboffensichtlich verst\u00e4ndlichen Erw\u00e4gungen\u00ab die Verantwortung nur f\u00fcr \u00bbdiese Ausgabe\u00ab \u00fcbernehmen kann. Damit bricht der Entwurf ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Einige Fragen und Irritationen bleiben: Entgegen der naheliegenden Vermutung kann der Text zeitlich nicht mit der m\u00f6glichen \u00dcbergabe eines Typoskripts an Clarence Brown in Verbindung gebracht werden. Diese h\u00e4tte vor dem September 1966 stattfinden m\u00fcssen, das Schulheft wurde jedoch, laut Herstellungsdatum, erst im vierten Quartal 1966 produziert. Die Verweise auf Jewgenija Ginsburgs 1967 im Westen erschienene Erinnerungen sowie auf den im gleichen Jahr publizierten eigenen Gedichtband legen ihrerseits nahe, den Entwurf fr\u00fchestens auf das Jahr 1967 zu datieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Irritierend ist vor allem Schalamows literarische Verortung der <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em>. Er stellt sie neben die GULag-Zeugnisse von Autoren, deren Prosa er bekanntlich ablehnte. Den ersten Teil von Jewgenija Ginsburgs <em>Gratwanderung<\/em> hatte er im Samisdat gelesen und am 29. Mai 1965 in einem Brief an Aleksandr Solshenizyn abf\u00e4llig als \u00bbjournalistische Stenographie\u00ab und \u00bbpr\u00e4tenzi\u00f6sen Pfusch\u00ab bezeichnet.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Auch die anf\u00e4ngliche Begeisterung f\u00fcr Solshenizyns Prosa war l\u00e4ngst einer grunds\u00e4tzlichen Kritik an Inhalt und Erz\u00e4hlform gewichen. Hier aber fordert er den Vergleich mit beiden regelrecht ein. Er erw\u00e4hnt zudem, dass die Erz\u00e4hlungen in der Heimat des Autors nur in maschinenschriftlichen Kopien im Umlauf waren. Dem \u00bbsowjetischen Publikum\u00ab sei gleichwohl aber bekannt, dass Schalamow zu den besten zeitgen\u00f6ssischen Schriftstellern z\u00e4hlt. Wie ist das zu verstehen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Entwurf verr\u00e4t Schalamows Bed\u00fcrfnis nach Anerkennung seiner literarischen Leistung. Die Hoffnung auf eine Buchver\u00f6ffentlichung in der Sowjetunion hatte er zu diesem Zeitpunkt aufgegeben. Die maschinenschriftlichen Kopien hatten ihm in literarischen (vor allem dissidentischen) Kreisen eine gewisse Bekanntheit verschafft, konnten die fehlende \u00f6ffentliche Resonanz aber nicht aufwiegen. Das vermochte aus seiner Sicht nur eine Publikation der <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> in der von ihm vorgesehenen Form von Zyklen mit ihrem je eigenen \u00bbpulsierenden Erz\u00e4hlrhythmus\u00ab<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> \u2013 und sei es im Westen. Ging es um literarische Zeugnisse \u00fcber den GULag, so kannten westliche Leser vor allem Solshenizyn und Ginsburg. Beide Namen waren als Signale an das westliche Publikum gedacht. Sich ihnen gleichzustellen widersprach hingegen seiner \u00dcberzeugung: Nicht sie, sondern er hatte eine dem Geschehen ad\u00e4quate Erz\u00e4hlform gefunden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Textfragmente aus dem Archiv untermauern nicht nur Schalamows unb\u00e4ndiges Bed\u00fcrfnis, die <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em> endlich gedruckt zu sehen. Sie dokumentieren vielmehr, dass er noch 1967 \u00fcberlegte, sein Anliegen dem westlichen Lesepublikum selbst zu erl\u00e4utern. Er wollte selbst die Weichen stellen f\u00fcr die Rezeption der <em>Erz\u00e4hlungen aus Kolyma<\/em>. Er wollte sicherstellen, dass sie als eine Prosaform wahrgenommen werden, mit der er \u00bbden Schock\u00ab, den das 20. Jahrhundert \u00bbin die Literatur getragen\u00ab habe, in Worte zu fassen vermochte.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Doch allem Anschein nach gelangten diese Fragmente niemals in den Westen. <\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Die Slawistin Franziska Thun-Hohenstein ist Senior Fellow des ZfL und Herausgeberin der deutschen Schalamow-Werkausgabe. Der Beitrag geht auf eine Passage aus dem Buch <\/em>Das Leben schreiben. Warlam Schalamow: Biographie und Poetik <em>zur\u00fcck, das 2022 bei Matthes &amp; Seitz Berlin erscheint.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><strong><em>NACHTRAG<\/em><em><br \/>\n<\/em><\/strong><em>Eine russische Fassung des Beitrags ist nachzulesen auf der Seite <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/shalamov.ru\/research\/507\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">shalamov.ru<\/a>\u00a0in der \u00dcbersetzung von Anna Gavrilova, herausgegeben von Dmitry Ponomarenko.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zu Memorial vgl. Franziska Thun-Hohenstein: \u00bbDas Ged\u00e4chtnis der Menschen l\u00e4sst sich nicht vernichten\u00ab, in: <em><a href=\"https:\/\/geschichtedergegenwart.ch\/das-gedaechtnis-der-menschen-laesst-sich-nicht-vernichten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte der Gegenwart<\/a><\/em>, 12.12.2021.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Warlam Schalamow: <em>\u00dcber Prosa<\/em>, \u00fcbers. von Gabriele Leupold, hg. und mit Anmerkungen versehen von Franziska Thun-Hohenstein, mit einem Nachwort von J\u00f6rg Drews, Berlin 2009, S. 114\u2013115.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebd., eckige Klammern im Original.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Ebd., S. 111.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Der Titel von Ilja Ehrenburgs 1954 erschienenem Roman <em>Tauwetter<\/em> wurde zum Symbol f\u00fcr die Hoffnung auf ein Ende von Terror und Angst und gab der Zeit ihren Namen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Schalamows Brief gelangte in die H\u00e4nde von Aleksandr Ginsburg, der ihn 1966 ohne Angabe des Verfassers in einen Band mit Materialien \u00fcber den Prozess aufnahm. Der Band erschien 1967 in russischer Sprache im Emigrantenverlag Possev. Dort erschien im gleichen Jahr eine deutsche \u00dcbersetzung: <em>Weissbuch in Sachen Sinjawskij \u2013 Daniel<\/em>, zusammengestellt von Alexander Ginsburg, \u00fcbers. von Elena Guttenberger, Frankfurt a.M. 1967, S. 400\u2013411.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Zitiert nach Jakov Kloc (Yakov Klots): \u00bbVarlam \u0160alamov me\u017edu tamizdatom i Sojuzom sovetskich pisatelej (1966\u20131978). K 50-letiju vychoda \u203aKolymskich rasskazov\u2039 na Zapade\u00ab, <a href=\"https:\/\/www.colta.ru\/articles\/literature\/13546-varlam-shalamov-mezhdu-tamizdatom-i-soyuzom-sovetskih-pisateley-1966-1978\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Colta<\/em><\/a>, 10.01.2017.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, ll. 3\u20137.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a>\u00a0<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u041e\u0431\u043b\u043e\u0436\u043a\u0430<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0420\u043e\u0434\u0438\u0432\u0448\u0438\u0439\u0441\u044f \u0432 1907\u0433. \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432 \u043f\u0440\u043e\u0432\u0435\u043b 20 \u043b\u0435\u0442 \u0441\u0432\u043e\u0435\u0439 \u0436\u0438\u0437\u043d\u0438 \u0432 \u043a\u043e\u043d\u0446\u0435\u043d\u0442\u0440\u0430\u0446\u0438\u043e\u043d\u043d\u044b\u0445 \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044f\u0445 \u0421\u043e\u0432\u0435\u0442\u0441\u043a\u043e\u0433\u043e \u0421\u043e\u044e\u0437\u0430. \u0421\u0431\u043e\u0440\u043d\u0438\u043a, \u043a\u043e\u0442\u043e\u0440\u044b\u0439 \u043c\u044b \u0441\u0435\u0439\u0447\u0430\u0441 \u043f\u0443\u0431\u043b\u0438\u043a\u0443\u0435\u043c, \u0441\u043e\u0434\u0435\u0440\u0436\u0438\u0442 \u0442\u0440\u0438 \u0441\u0435\u0440\u0438\u0438 \u0440\u0430\u0441\u0441\u043a\u0430\u0437\u043e\u0432, \u043a\u043e\u0442\u043e\u0440\u044b\u0435 \u043d\u0438\u043a\u043e\u0433\u0434\u0430 \u043d\u0435 \u043d\u0430\u0445\u043e\u0434\u0438\u043b\u0438\u0441\u044c \u0432 \u043e\u0431\u0440\u0430\u0449\u0435\u043d\u0438\u0438 \u0432 \u0441\u0432\u043e\u0435\u0439 \u0440\u043e\u0434\u043d\u043e\u0439 \u0441\u0442\u0440\u0430\u043d\u0435 \u0442\u043e\u043b\u044c\u043a\u043e \u0432 \u0444\u043e\u0440\u043c\u0435 \u043c\u0430\u0448\u0438\u043d\u043e\u043f\u0438\u0441\u043d\u044b\u0445 \u043a\u043e\u043f\u0438\u0439.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0412\u0441\u0435 \u043e\u043d\u0438 \u0440\u0430\u0441\u0441\u043a\u0430\u0437\u044b\u0432\u0430\u044e\u0442 \u043e\u0431 \u043e\u043f\u044b\u0442\u0435 17 \u043b\u0435\u0442 \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044f, \u043a\u043e\u0442\u043e\u0440\u044b\u0435 \u043e\u043d \u043f\u0440\u043e\u0436\u0438\u043b \u0432 \u0437\u043e\u043b\u043e\u0442\u044b\u0445 \u0440\u0443\u0434\u043d\u0438\u043a\u0430\u0445 \u041a\u043e\u043b\u044b\u043c\u044b \u2013 \u041c\u0430\u0433\u0430\u0434\u0430\u043d\u0441\u043a\u043e\u0439.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u041d\u0435\u043c\u0435\u0434\u043b\u0435\u043d\u043d\u043e \u043d\u0430\u043f\u0440\u0430\u0448\u0438\u0432\u0430\u0435\u0442\u0441\u044f \u0441\u0440\u0430\u0432\u043d\u0435\u043d\u0438\u0435 \u0441\u043e \u0441\u0432\u0438\u0434\u0435\u0442\u0435\u043b\u044c\u0441\u0442\u0432\u0430\u043c\u0438 \u0421\u043e\u043b\u0436\u0435\u043d\u0438\u0446\u044b\u043d\u0430 \u0438 \u0415\u0432\u0433\u0435\u043d\u0438\u0438 \u0413\u0438\u043d\u0437\u0431\u0443\u0440\u0433, \u0442\u0435\u043c \u0431\u043e\u043b\u0435\u0435, \u0447\u0442\u043e \u044d\u0442\u0430 \u043f\u043e\u0441\u043b\u0435\u0434\u043d\u044f\u044f \u0431\u044b\u043b\u0430 \u0432\u044b\u0441\u043b\u0430\u043d\u0430 \u0432 \u0442\u043e\u0442-\u0436\u0435 \u0441\u0430\u043c\u044b\u0439 \u0440\u0430\u0439\u043e\u043d, \u0447\u0442\u043e \u0438 \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0422\u043e\u0447\u043a\u0430 \u0437\u0440\u0435\u043d\u0438\u044f \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432\u0430 \u043d\u0430 \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044f <span style=\"text-decoration: line-through;\">\u0440\u0430\u0434\u0438\u043a\u0430\u043b\u044c\u043d\u043e<\/span> \u0432 \u043a\u043e\u0440\u043d\u0435 \u043f\u0435\u0441\u0441\u0438\u043c\u0438\u0441\u0442\u0438\u0447\u0435\u0441\u043a\u0430\u044f. \u0412 \u0442\u043e \u0432\u0440\u0435\u043c\u044f \u043a\u0430\u043a \u0443 \u0421\u043e\u043b\u0436\u0435\u043d\u0438\u0446\u044b\u043d\u0430 \u0438 \u0434\u0430\u0436\u0435 \u0443 \u0415\u0432\u0433\u0435\u043d\u0438\u0438 \u0413\u0438\u043d\u0437\u0431\u0443\u0440\u0433 \u0447\u0435\u043b\u043e\u0432\u0435\u0447\u0435\u0441\u043a\u043e\u0435 \u0441\u0443\u0449\u0435\u0441\u0442\u0432\u043e \u0431\u043e\u0440\u0435\u0442\u0441\u044f \u0447\u0442\u043e\u0431\u044b \u0437\u0430\u0449\u0438\u0442\u0438\u0442\u044c \u0441\u0432\u043e\u0435 \u0447\u0435\u043b\u043e\u0432\u0435\u0447\u0435\u0441\u043a\u043e\u0435 \u0434\u043e\u0441\u0442\u043e\u0438\u043d\u0441\u0442\u0432\u043e \u0438 \u0447\u0430\u0449\u0435 \u0432\u0441\u0435\u0433\u043e \u044d\u0442\u043e\u0433\u043e \u0434\u043e\u0441\u0442\u0438\u0433\u0430\u0435\u0442. \u0423 \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432\u0430 \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044c \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044c \u043f\u043e\u0441\u0442\u0435\u043f\u0435\u043d\u043d\u043e \u0441\u043d\u0438\u0436\u0430\u0435\u0442, \u0441\u043f\u0443\u0441\u043a\u0430\u0435\u0442 \u0427\u0435\u043b\u043e\u0432\u0435\u0447\u0435\u0441\u043a\u043e\u0435, \u043d\u0438\u0437\u0432\u043e\u0434\u0438\u0442 \u0435\u0433\u043e \u0434\u043e \u0443\u0440\u043e\u0432\u043d\u044f \u0436\u0438\u0432\u043e\u0442\u043d\u043e\u0433\u043e, \u0443\u0431\u0438\u0432\u0430\u0435\u0442 \u0432 \u043d\u0435\u043c \u0432\u0441\u044f\u043a\u043e\u0435 \u0434\u043e\u0441\u0442\u043e\u0438\u043d\u0441\u0442\u0432\u043e. (RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, l. 3.)<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Die deutsche \u00dcbersetzung stammt von Gabriele Leupold.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> \u0422\u043e\u043d \u0440\u0430\u0441\u0441\u043a\u0430\u0437\u043e\u0432 \u0438\u043c\u0435\u0435\u0442 \u0445\u0430\u0440\u0430\u043a\u0442\u0435\u0440 \u043a\u043e\u043d\u0441\u0442\u0430\u0442\u0438\u0440\u043e\u0432\u0430\u043d\u0438\u044f \u0444\u0430\u043a\u0442\u043e\u0432: \u041d\u0438 \u043f\u0440\u0438\u043b\u0430\u0433\u0430\u0442\u0435\u043b\u044c\u043d\u044b\u0445, \u043d\u0438 \u043f\u043e\u0440\u044b\u0432\u043e\u0432 [\u2026]. (RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, l. 4.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Boris Pasternak, der zwischen 1952 und 1956 in einem intensiven Briefkontakt mit Schalamow stand, starb 1960.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a>\u00a0<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0410\u0432\u0442\u043e\u0440<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0412\u0430\u0440\u043b\u0430\u043c \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432, \u0441\u043e\u0432\u0435\u0442\u0441\u043a\u0438\u0439 \u043f\u043e\u044d\u0442 \u0438 \u043f\u0440\u043e\u0437\u0430\u0438\u043a \u0440\u043e\u0434\u0438\u043b\u0441\u044f \u0432 \u0433. \u0412\u043e\u043b\u043e\u0433\u0434\u0435 \u0432 1907 \u0433\u043e\u0434\u0443. \u0411\u044b\u043b \u0430\u0440\u0435\u0441\u0442\u043e\u0432\u0430\u043d \u043f\u0435\u0440\u0432\u044b\u0439 \u0440\u0430\u0437 \u0432 1929\u00a0\u0433. \u0438 \u043f\u0440\u0438\u0433\u043e\u0432\u043e\u0440\u0435\u043d \u043a 3 \u0433\u043e\u0434\u0430\u043c \u043a\u043e\u043d\u0446\u0435\u043d\u0442\u0440\u0430\u0446\u0438\u043e\u043d\u043d\u043e\u0433\u043e \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u044f.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0410\u0440\u0435\u0441\u0442\u043e\u0432\u0430\u043d\u043d\u044b\u0439 \u0432\u043e \u0432\u0442\u043e\u0440\u043e\u0439 \u0440\u0430\u0437 \u0432 1937 \u0433\u043e\u0434\u0443, \u043e\u043d \u043f\u0440\u043e\u0432\u0435\u043b \u0441\u0435\u043c\u043d\u0430\u0434\u0446\u0430\u0442\u044c \u043b\u0435\u0442 \u0441\u0432\u043e\u0435\u0439 \u0436\u0438\u0437\u043d\u0438 \u0432 \u043b\u0430\u0433\u0435\u0440\u0435 \u041a\u043e\u043b\u044b\u043c\u044b. \u041f\u043e\u0441\u043b\u0435 \u0441\u0432\u043e\u0435\u0433\u043e \u0432\u043e\u0437\u0432\u0440\u0430\u0449\u0435\u043d\u0438\u044f \u0432 \u041c\u043e\u0441\u043a\u0432\u0443 \u043e\u043d \u043f\u0443\u0431\u043b\u0438\u043a\u0443\u0435\u0442 \u0432 1957 \u0433\u043e\u0434\u0443 \u043f\u0435\u0440\u0432\u044b\u0439 \u0446\u0438\u043a\u043b \u0441\u0442\u0438\u0445\u043e\u0432 \u00ab\u0421\u0442\u0438\u0445\u0438 \u043e \u0421\u0435\u0432\u0435\u0440\u0435\u00bb; \u0432 1961\u00a0\u0433. \u0438 1967 \u0433\u043e\u0434\u0443 \u0434\u0432\u0435 \u0442\u043e\u043d\u043a\u0438\u0445 \u043a\u043d\u0438\u0436\u043a\u0438, \u0432\u044b\u0437\u0432\u0430\u0432\u0448\u0438\u0435, \u0432 \u0447\u0430\u0441\u0442\u043d\u043e\u0441\u0442\u0438, \u0432\u043e\u0441\u0445\u0438\u0449\u0435\u043d\u0438\u0435 \u041f\u0430\u0441\u0442\u0435\u0440\u043d\u0430\u043a\u0430.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u0415\u0433\u043e \u0442\u0432\u043e\u0440\u0447\u0435\u0441\u0442\u0432\u043e \u0432 \u043f\u0440\u043e\u0437\u0435 \u043f\u043e\u043a\u0430 \u043f\u043e\u043b\u043d\u043e\u0441\u0442\u044c\u044e [?] \u043d\u0435 \u043e\u043f\u0443\u0431\u043b\u0438\u043a\u043e\u0432\u0430\u043d\u043e.<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">\u041e\u0434\u043d\u0430\u043a\u043e, \u043e\u043d\u043e \u0438\u0437\u0432\u0435\u0441\u0442\u043d\u043e \u0441\u043e\u0432\u0435\u0442\u0441\u043a\u043e\u0439 \u043f\u0443\u0431\u043b\u0438\u043a\u0435, \u043a\u043e\u0442\u043e\u0440\u0430\u044f \u0441\u0442\u0430\u0432\u0438\u0442 \u0428\u0430\u043b\u0430\u043c\u043e\u0432\u0430 \u0432 \u0440\u044f\u0434\u044b \u043b\u0443\u0447\u0448\u0438\u0445 \u0441\u043e\u0432\u0440\u0435\u043c\u0435\u043d\u043d\u044b\u0445 \u043f\u0438\u0441\u0430\u0442\u0435\u043b\u0435\u0439 \u0440\u044f\u0434\u043e\u043c \u0441 \u0421\u043e\u043b\u0436\u0435\u043d\u0438\u0446\u044b\u043d\u044b\u043c.\u00a0<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">(RGALI, f. 2596 V.T. \u0160alamov, op. 2, ed. chr. 120, l. 6.)<br \/>\n<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Die deutsche \u00dcbersetzung stammt von Gabriele Leupold.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl.: Warlam Schalamow: <em>Ich kann keine Briefe schreiben \u2026 Korrespondenz 1952\u20131978, <\/em>\u00fcbers. von Gabriele Leupold, hg. von Franziska Thun-Hohenstein, Berlin 2022 (im Druck).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Leona Toker: \u00bbSamizdat i problema avtorskogo kontrolja v sud\u2019be Varlama \u0160alamova\u00ab, <a href=\"https:\/\/shalamov.ru\/research\/132\/\">shalamov.ru\/research\/132\/<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Brief Schalamow an Kremenskoj [1972], in: Schalamow: <em>\u00dcber Prosa<\/em> (Anm. 2), S. 101.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Franziska Thun-Hohenstein: Warlam Schalamow an den Leser im Westen. Ein Archivfund, in: ZfL BLOG, 10.1.2022, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/01\/10\/franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/01\/10\/franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220110-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220110-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220110-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/01\/10\/franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"WARLAM SCHALAMOW AN DEN LESER IM WESTEN. Ein Archivfund\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Franziska Thun-Hohenstein\",\n    \"givenName\": \"Franziska\",\n    \"familyName\": \"Thun-Hohenstein\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"Franziska Thun-Hohenstein\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2022-01-10\",\n  \"datePublished\": 2022,\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 17. Januar 2022 j\u00e4hrt sich der Todestag des russischen Dichters und Schriftstellers Warlam Schalamow zum vierzigsten Mal. Mit seinen sechs Zyklen umfassenden Erz\u00e4hlungen aus Kolyma setzte er den Tausenden Toten in den Zwangsarbeitslagern des GULag ein bleibendes literarisches Denkmal. Der Jahrestag bietet nicht nur Anlass, sich mit Schalamows Ringen um eine literarische Aufarbeitung des <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/01\/10\/franziska-thun-hohenstein-warlam-schalamow-an-den-leser-im-westen-ein-archivfund\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,21,19],"tags":[568,569,237,570,96,71],"class_list":["post-2434","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ad-hoc","category-einblick","category-lektueren","tag-archivforschung","tag-erzaehlungen-aus-kolyma","tag-literaturgeschichte","tag-russische-literatur","tag-warlam-schalamow","tag-weltliteratur"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2434"}],"version-history":[{"count":15,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3573,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2434\/revisions\/3573"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2434"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2434"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2434"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}