{"id":2564,"date":"2022-06-01T09:33:31","date_gmt":"2022-06-01T07:33:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=2564"},"modified":"2025-02-28T17:20:05","modified_gmt":"2025-02-28T15:20:05","slug":"oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/06\/01\/oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory\/","title":{"rendered":"Oliver Precht:\u00a0GIBT ES EINE \u00bbBRAZILIAN THEORY\u00ab?"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Leicht l\u00e4sst sich das Nachtr\u00e4gliche und Artifizielle an Konstruktionen wie <em>French Theory <\/em>(oder in j\u00fcngerer Zeit auch <em>Italian Theory<\/em>)<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> herausstellen: Sie unterstellen eine Einheit, wo es keine gibt, scheren Theoretiker*innen verschiedenster Hintergr\u00fcnde und mit unterschiedlichsten Interessen \u00fcber einen Kamm.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dennoch bietet die Rede von einer <em>French Theory<\/em> \u2013 im Gegensatz zu den ebenfalls au\u00dferhalb von Frankreich entstandenen und popularisierten Sammelbegriffen Poststrukturalismus oder Postmoderne \u2013 einige Vorteile. Sie verpflichtet die disparaten Theorien erstens nicht auf ein gemeinsames Programm und verweist zweitens darauf, dass die Produktion von Theorie an einem bestimmten Ort geschieht, in diesem Fall im Frankreich der 1960er und 1970er Jahre, und ihre Entstehung an einen gesellschaftlich-politischen Kontext sowie an institutionelle Rahmenbedingungen gebunden ist.\u00a0<\/span><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">In j\u00fcngerer Vergangenheit dr\u00e4ngt sich zunehmend die Frage nach einer m\u00f6glichen <em>Brazilian Theory <\/em>auf. Bereits 2014 erschien in Deutschland, allerdings in englischer Sprache, unter dem Titel <em>The Forest and the School <\/em>eine erste Anthologie.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> In den folgenden Jahren nahm das Interesse an Theorie aus (und \u00fcber) Brasilien sp\u00fcrbar zu, was sich nicht zuletzt in einer Reihe von \u00dcbersetzungen niederschlug.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> <\/span><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Als Timo Luks diese Entwicklung 2020 unter dem Titel \u00bbBrasilianische Interventionen\u00ab im <em>Merkur<\/em> reflektierte, konnte er bereits feststellen: \u00bbBrasilen ist Gegenstand unseres Nachdenkens und Provokation f\u00fcr unser Denken\u00ab.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Selbst von einer sich andeutenden \u00bbBrasilianisierung der Theorie\u00ab ist hier die Rede.<\/span><!--more--><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348;\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Anthropophagie und Anthropologie<\/span><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Doch l\u00e4sst sich angesichts der zunehmend vernetzten, internationalen und multilingualen Welt, in der diese Theorie entsteht, \u00fcberhaupt noch sinnvoll das Label eines Nationalstaats verwenden? F\u00fcr Luks jedenfalls sind es vor allem zwei Charakterz\u00fcge, die es erlauben, in einem emphatischen Sinn von einer\u00a0<\/span>\u203a<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">brasilianischen\u2039 Theorie zu sprechen. Zun\u00e4chst verweist er auf die weit verbreitete kreative Aufnahme des Konzepts der <\/span>\u203a<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Anthropophagie\u2039, das von den modernistischen Avantgarden der 1920er Jahre auch als Antwort auf die Frage nach einer eigenst\u00e4ndigen brasilianischen Identit\u00e4t entwickelt wurde \u2013 eine Identit\u00e4t allerdings, die im Kern Nicht-Identit\u00e4t ist. Methode und Ziel der symbolischen \u203aVerschlingung\u2039, des kulturellen \u203aKannibalismus\u2039, den die Gruppe um Oswald de Andrade seinerzeit vertrat, lassen sich als eine Art universalisierte \u203akulturelle Aneignung\u2039 beschreiben, die aber gerade durch ihre Universalisierung und Radikalisierung auf eine allgemeine \u203aEnteignung\u2039 kultureller Werte und Artefakte abzielt: Produkt dieser intellektuellen und k\u00fcnstlerischen Praxis w\u00e4re eine brasilianische Nicht-Identit\u00e4t, die respektlos alle Kulturen verschlingt, sie mundgerecht zerlegt, verzehrt und in Neues verwandelt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Diese in den 1920er Jahren entwickelte Idee einer \u203aVerschlingung\u2039 und \u203aVerdauung\u2039 feierte in den 1960er Jahren, insbesondere im Umkreis des \u00bbanderen\u00ab,<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> brasilianischen 68 eine Renaissance und wurde selbst wiederum in der brasilianischen Literatur und Musik, in der Kunst und im Kino auf vielf\u00e4ltige Weise angeeignet und weiterentwickelt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Dar\u00fcber hinaus kam sie bei dem in Brasilien lehrenden Anthropologen Claude L\u00e9vi-Strauss (der Oswald de Andrade pers\u00f6nlich kannte), mehr noch aber bei seinem Sch\u00fcler Eduardo Viveiros de Castro zu theoretischen Ehren: \u203aAnthropophagie\u2039 wurde so nicht nur zu einem Schlagwort avantgardistischer K\u00fcnstlereliten, sondern auch zu einem zentralen Motiv der Erforschung und theoretischen Durchdringung indigener Mythologien, Riten und Lebensweisen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Und damit w\u00e4ren wir auch schon beim zweiten Spezifikum einer m\u00f6glichen <em>Brazilian Theory<\/em>: Neben den \u203aanthropophagen\u2039 Avantgarden der 1920er und 1960er Jahre speist sie sich wesentlich aus einer Begegnung mit einer bestimmten Schule der Anthropologie, die sich insbesondere mit den indigenen Kulturen der brasilianischen K\u00fcstenregionen und des Amazonasbeckens besch\u00e4ftigt. Diese j\u00fcngere, dem <em>ontological turn<\/em> verpflichtete Str\u00f6mung der Anthropologie interessiert sich besonders f\u00fcr das, was man als das Weltbild, oder pr\u00e4ziser als die Kosmologie dieser V\u00f6lker bezeichnen k\u00f6nnte. F\u00fcr die <em>Brazilian Theory <\/em>sind die amerindianischen Kosmologien nicht nur Gegenstand der interessierten ethnologischen Beobachtung, sondern stehen auf einer Stufe mit der eigenen, von der abendl\u00e4ndischen Philosophie und Wissenschaft gepr\u00e4gten Kosmologie. In einem gewissen Sinn sind die indigenen Kosmologien selbst Theorie und stehen seit \u00fcber 500 Jahren in einem unreflektierten, aber produktiven Austausch mit der entstehenden modernen Philosophie und Anthropologie \u2013 eine zwar sporadische, aber folgenreiche Theoriegeschichte <em>avant la lettre<\/em>. Und auch heute noch, so der Einsatz der <em>Brazilian Theory<\/em>, k\u00f6nnen wir von diesen eigenartigen Kosmologien, in denen alles auf dem Kopf zu stehen scheint, in denen die Tiere von den Menschen abstammen, es nur eine Kultur, aber viele Naturen gibt, in denen es von exotischen Tieren, von Tapiren, Jaguaren und Pekaris nur so wimmelt, etwas lernen. Im Zeitalter der \u00f6kologischen Katastrophen erscheint ihr \u203aanimistisches\u2039 Paradigma, zu allen Lebewesen \u203apolitische\u2039 Beziehungen zu unterhalten, nicht mehr als ontologisches Kuriosum, sondern als vision\u00e4rer Denkansatz.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"color: #e63348;\">A perfect storm<\/span> <\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im Februar 2022 launchte das Berliner \u00bbzentrum f\u00fcr theoretische peripherie | diffrakt\u00ab eine Website, die die Frage nach einer <em>Brazilian Theory <\/em>erneut auf die Tagesordnung setzt: Unter dem Titel <a href=\"https:\/\/aperfectstorm.net\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>a perfect storm <\/em><\/a>werden Essays, Fotografien, Video- und Audioarbeiten brasilianischer Theoretiker*innen und K\u00fcnstler*innen kuratiert. Die aufwendig gestaltete und materialreiche Seite legt den Fokus auf ein weiteres Charakteristikum der <em>Brazilian Theory<\/em>: die kritische Analyse der katastrophalen gesellschaftlich-\u00f6kologisch-politischen Lage Brasiliens. Sie ist nicht nur der Kontext, aus dem heraus die Entstehung dieser Theorie verst\u00e4ndlich wird, sondern auch ihr zentrales Thema: An der Situation Brasiliens l\u00e4sst sich, so die Annahme, etwas Entscheidendes \u00fcber die Lage der Welt erfahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>A perfect storm<\/em> \u2013 der Ausdruck meint zun\u00e4chst die Kombination verschiedener widriger meteorologischer Faktoren, im \u00fcbertragenen Sinn aber die Verbindung und wechselseitige Verst\u00e4rkung politischer, \u00f6kologischer und gesellschaftlicher Krisen, wie sie sich in Brasilien beobachten lassen. Die Zerst\u00f6rung des Amazonas, die Gewalt in den St\u00e4dten, die ungebrochene Macht des Milit\u00e4rs, der Milizen und der korrupten Eliten, die st\u00e4ndigen, durch den Raubbau an Ressourcen ausgel\u00f6sten Umweltkatastrophen, der Aufstieg des Rechtsextremismus, die soziale Ungleichheit, der oft verborgene Rassismus, all diese Probleme h\u00e4ngen zusammen, verst\u00e4rken sich wechselseitig und konvergieren zu einem <em>perfect storm. <\/em>Dieser Sturm ist einerseits geographisch lokalisiert, er scheint nur in der \u00f6konomisch-politischen Peripherie des globalen S\u00fcdens m\u00f6glich. Zugleich ist er andererseits unlokalisierbar: In ihm konvergieren und kulminieren zahllose regionale und globale Konflikte und Entwicklungen. Auch seine Auswirkungen werden auf der ganzen Welt zu sp\u00fcren sein. Wie kann man dieses \u203aBrasilien\u2039 verstehen, ohne in alte und vereinfachende Kategorien der Dependenz- oder Imperialismustheorien zur\u00fcckzufallen? Und welche politischen Perspektiven gibt es jenseits der sogenannten Modernisierungspolitik der Arbeiterpartei? Wenn es eine <em>Brazilian Theory <\/em>gibt, so l\u00e4sst sie sich zweifellos nur vor dem Hintergrund dieser hier nur angedeuteten politischen Problematiken verstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Ob sich der Begriff <em>Brazilian Theory <\/em>etablieren wird, l\u00e4sst sich schwer absch\u00e4tzen. An dr\u00e4ngenden Fragen und Problemen mangelt es ebenso wenig wie an neuen Denkans\u00e4tzen. Das Interesse von au\u00dfen jedoch, dem sich derartige Kategorisierungen zumeist verdanken, ist unbest\u00e4ndig und kann genauso schnell wie es kam wieder vor\u00fcbergehen. Auch die \u203aProduktionsbedingungen\u2039 dieser Theorie sind alles andere als gesichert, fast alle geistes- und sozialwissenschaftlichen Institutionen, alle M\u00f6glichkeiten der Kunst- und Kulturf\u00f6rderung stehen sp\u00e4testens seit der Wahl Jair Bolsonaros unter massivem finanziellen und politischen Druck. Im Moment jedoch entsteht inmitten dieses <em>perfect storms <\/em>eine Theoriestr\u00f6mung, von der man mit gleichem Recht behaupten kann, dass sie sich hinreichend pr\u00e4zise verorten l\u00e4sst und dass sie ortlos ist. Eigentlich eine gute Voraussetzung daf\u00fcr, dass sie auch diesseits des Atlantiks aufgenommen und angeeignet wird.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Der Philosoph und Literaturwissenschaftler\u00a0<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/precht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Oliver Precht<\/a> arbeitet mit seinem Projekt \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/marx-in-frankreich.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marx in Frankreich. Die Selbstbestimmung der franz\u00f6sischen Theorie (1945\u20131995)<\/a>\u00ab am ZfL.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. dazu: Antonio Lucci\/Esther Schomacher\/Jan S\u00f6ffner (Hg.): <em>Italian Theory<\/em>, Leipzig 2020.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zur Genese dieser Kategorien vgl. Johannes Angerm\u00fcller: <em>Why there is no poststructuralism in France<\/em>, London\/New York 2015.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Neben Texten von inzwischen etablierten Autor*innen wie Suely Rolnik oder Eduardo Viveiros de Castro enth\u00e4lt der Band auch Ausschnitte von im deutschsprachigen Raum noch weniger bekannten wichtigen Figuren wie dem Schamanen und Aktivisten Davi Kopenawa oder den Anthropologinnen T\u00e2nia Stolze Lima oder Manuela Carneiro da Cunha, vgl. Pedro Neves Marques (Hg.): <em>The Forest and the School. Where to Sit at the Dinner Table? <\/em>Berlin\/K\u00f6ln 2014.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. beispielsweise: Eduardo Viveiros de Castro: <em>Die Unbest\u00e4ndigkeit der wilden Seele<\/em>, \u00fcbers. v. Oliver Precht, Wien 2016; ders.: <em>Kannibalische Metaphysiken. Elemente einer post-strukturalen Anthropologie<\/em>, \u00fcbers. v. Theresa Mentrup, Berlin 2019; Deborah Danowski\/ders.: <i>In welcher Welt leben? Ein Versuch \u00fcber die Angst vor dem Ende<\/i>, \u00fcbers. v. Clemens u. Ulrich van Loyen, Berlin 2019; Suely Rolnik: <em>Zombie Anthropophagie. Zur neoliberalen Subjektivit\u00e4t<\/em>, \u00fcbers. v. Oliver Precht, Wien 2019; H\u00e9l\u00e8ne Clastres: <em>Land ohne \u00dcbel. Der Prophetismus der Tupi-Guarani<\/em>, \u00fcbers. v. Paul Maercker, Wien 2022.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Timo Luks: \u00bbBrasilianische Interventionen. \u00dcber Avantgarde, Anthropologie und Anthropophagie\u00ab, in: <em>Merkur. Deutsche Zeitschrift f\u00fcr europ\u00e4isches Denken<\/em>, 849 (2020), S. 54\u201363.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.normativeorders.net\/de\/imprint\/69-veranstaltungen\/5972-the-other-68-anthropophagic-revolutions-in-brazilian-counterculture-after-1968\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbThe other 68: Anthropophagic Revolutions in Brazilian Counterculture after 1968\u00ab<\/a> hie\u00df eine internationale Tagung, die anl\u00e4sslich des f\u00fcnfzigsten Jahrestages von\u00a0<\/span>\u203a<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">1968\u2039 in Frankfurt am Main stattfand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Nicht nur Dichter wie Haroldo de Campos oder D\u00e9cio Pignatari haben sich auf Oswald de Andrades Konzept der Anthropophagie berufen und es sich zu eigen gemacht, auch K\u00fcnstler*innen wie Lygia Pape, Lygia Clark oder H\u00e9lio Oiticica, Musiker*innen wie Caetano Veloso oder die Band Os Mutantes und die Filmemacher*innen des Cinema Novo. Vgl. dazu beispielsweise: Haroldo de Campos: \u00bbVon der anthropophagen Vernunft\u00ab, in: Oswald de Andrade: <em>Manifeste<\/em>, \u00fcbers. v. Oliver Precht, Wien\/Berlin 2016, S. 145\u2013185; Lygia Pape: <em>The Skin of ALL<\/em>, Stuttgart 2022; Caetano Veloso: <em>Verdade tropical<\/em>, S\u00e3o Paulo 2008; Christopher Dunn: <em>Brutality Garden:<\/em> <em>Tropic\u00e1lia and the Emgergence of Brazilian Counterculture<\/em>, Chapel Hill\/London 2001; Peter W. Schulze: <em>Strategien \u203akultureller Kannibalisierung\u2039<\/em>: <em>Postkoloniale Repr\u00e4sentationen vom brasilianischen<\/em> <em>Modernismo zum Cinema Novo, <\/em>Bielefeld 2008.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Oliver Precht: Gibt es eine \u203aBrazilian Theory\u2039?, in: ZfL BLOG, 1.6.2022, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/06\/01\/oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/06\/01\/oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220601-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220601-01<\/a><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20220601-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/06\/01\/oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"GIBT ES EINE \u00bbBRAZILIAN THEORY\u00ab?\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Oliver Precht\",\n    \"givenName\": \"Oliver\",\n    \"familyName\": \"Precht\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"0000-0003-4951-0450\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2022-06-01\",\n  \"datePublished\": 2022,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leicht l\u00e4sst sich das Nachtr\u00e4gliche und Artifizielle an Konstruktionen wie French Theory (oder in j\u00fcngerer Zeit auch Italian Theory)[1] herausstellen: Sie unterstellen eine Einheit, wo es keine gibt, scheren Theoretiker*innen verschiedenster Hintergr\u00fcnde und mit unterschiedlichsten Interessen \u00fcber einen Kamm.[2] Dennoch bietet die Rede von einer French Theory \u2013 im Gegensatz zu den ebenfalls au\u00dferhalb von <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/06\/01\/oliver-precht-gibt-es-eine-brazilian-theory\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[353,626,624,625,37,103],"class_list":["post-2564","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ad-hoc","tag-anthropologie","tag-anthropophagie","tag-brasilien","tag-brazilian-theory","tag-theorie","tag-theoriegeschichte"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2564","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2564"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2564\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3562,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2564\/revisions\/3562"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2564"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2564"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2564"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}