{"id":2783,"date":"2022-11-25T15:25:08","date_gmt":"2022-11-25T13:25:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=2783"},"modified":"2025-02-28T16:51:17","modified_gmt":"2025-02-28T14:51:17","slug":"eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/11\/25\/eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz\/","title":{"rendered":"Eva Geulen: DISTANT READING UP CLOSE: Moretti zieht Bilanz"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9783835391499l.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2787 alignleft\" src=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9783835391499l-201x300.png\" alt=\"\" width=\"201\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9783835391499l-201x300.png 201w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2022\/11\/9783835391499l.png 350w\" sizes=\"auto, (max-width: 201px) 85vw, 201px\" \/><\/a>Die Digital Humanities (DH) haben enorme Erfolge zu verbuchen: F\u00f6rdermittel, technische Ausstattung, Professuren, Studieng\u00e4nge. Das Digitale ist aus unseren F\u00e4chern l\u00e4ngst nicht mehr wegzudenken. Gerade weil die \u00bbWende\u00ab auf breiter Front gelungen ist, f\u00e4llt in Franco Morettis Buch zuerst die Entt\u00e4uschung der Erwartungen aus den Nullerjahren ins Auge, als die DH noch \u00bbquantitative Literaturwissenschaft\u00ab hie\u00dfen (<em>Falsche Bewegung. Die digitale Wende in den Literatur- und Kulturwissenschaften<\/em>, \u00fcbers. von Bettina Engels, Konstanz: Konstanz University Press 2022). Ausgerechnet der Autor, der uns 2009 in seinem Buch <em>Kurven, Karten, Stammb\u00e4ume <\/em>mit originellen Anwendungsm\u00f6glichkeiten datengetriebener, messender Literaturwissenschaft die Augen ge\u00f6ffnet und Hoffnungen auf ganz andere Literaturgeschichten gemacht hatte,<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> bilanziert jetzt Verluste und \u00bbIllusions perdues\u00ab<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>: abgebrochen die Verbindung \u00bbzur gro\u00dfen theoretischen Tradition des 20. Jahrhunderts\u00ab (9), der erhoffte \u00bbintellektuelle[] Schlagabtausch\u00ab (164) zwischen <em>close<\/em> und <em>distant reading<\/em>, Hermeneutik des Einzelgebildes und quantitativer Analyse fand nicht statt. Die \u00bbLawine kleinerer Studien\u00ab blieb \u00bbohne jede geistige Synthese\u00ab (165). \u00bbDie Literaturforschung wurde mathematisiert \u2013 und verlor dar\u00fcber alle wissenschaftlichen Ambitionen\u00ab (ebd.). Und verloren ging auch ein Konzept der \u00bbForm\u00ab (9).<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Bei der \u203averlorenen Form\u2039 stutzt man erst einmal. Denn kaum einem Begriff wurde im vergangenen Jahrzehnt in den Literatur- und Kulturwissenschaften mehr Aufmerksamkeit geschenkt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Die zahlreichen Auspr\u00e4gungen dieser Form-Obsession sind sicher zu vielgestaltig, um sie auf einen Nenner zu bringen. Doch mit Blick auf die besonders intensiv und auch kontrovers rezipierte Studie <em>Forms: Whole, Rhythm, Hierarchy, Network<\/em> (2015) von Caroline Levine<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> kann man festhalten, dass sich das j\u00fcngere Interesse an der Form einem Ungen\u00fcgen an der Reduktion von Literatur auf ihre Inhalte oder Themen verdankt. Gerade der gesellschaftlichen und sozialen Dimension der Kunst will man mit der Form auf neue Weise habhaft werden. Ein erweiterter Formbegriff soll den K\u00f6nigsweg zur sozialen und historischen Dimension des Kunstwerks bahnen. Diese R\u00fcckbesinnung auf die Form von Literatur ist \u00fcberraschend und neu, weil die Besch\u00e4ftigung mit Form lange als ahistorisch und unpolitisch galt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Luk\u00e1cs- und Spitzer-Leser, Marxist und Morphologe Moretti hatte solche R\u00fcckbesinnung nie n\u00f6tig. Lange vor \u203aNeuen Formalismen\u2039 und quantitativen Methoden war Form f\u00fcr ihn die zentrale Kategorie der Literaturwissenschaften, weil in ihr die \u00bbwahrhaft soziale Dimension der Literatur\u00ab (9) stecke: K\u00fcnstlerische Form ist Arbeit an der Wirklichkeit, Kampf um Organisation und, mit einem Wort Aby Warburgs, \u00bb\u203aantichaotisch[]\u2039\u00ab (89), sie unterwirft historisches Material der Umgestaltung. Aber die Widerst\u00e4nde, denen diese Intervention ausgesetzt ist, haben ebenfalls Anteil an der Form. Mit dem Biologen Wentworth D\u2019Arcy Thompson, dessen Studie <em>On<\/em> <em>Growth and Form<\/em> (1917) Moretti immer schon gerne zitiert hat, ist jede Form auch ein Parallelogramm der auf sie einwirkenden Kr\u00e4fte (vgl. 41). Die Form ist also die Schnittstelle zwischen historischen Kr\u00e4ften, die auf sie einwirken, und dem gestaltend-umwandelnden Eingriff: Schauplatz eines Kampfes zwischen Kr\u00e4ften und Gegenkr\u00e4ften. Diese \u00bb<em>antagonistische<\/em> Qualit\u00e4t\u00ab der Form (89), die aus ihr ein Indiz, einen \u00bbFingerabdruck der Geschichte\u00ab macht,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> gehe jedoch in den quantifizierenden Methoden des <em>topic modelling<\/em> und <em>data mining<\/em>, die Texte \u00bbwie \u203aWorts\u00e4cke\u2039\u00ab analysieren (9 u.\u00f6.), auf verschiedenen Ebenen verloren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Diese Verfahren unterbrechen und suspendieren zun\u00e4chst den Bezug zur Formerfahrung in der Lekt\u00fcre eines Einzelgebildes. Und das ist f\u00fcr einen analog geschulten und brillanten Leser wie Moretti durchaus ein Problem (vgl. 157). Die Aufgabe, aber auch die Chance statistischer Verfahren besteht jedoch nun einmal darin, eine komplexe Struktur mit vielen Elementen und Beziehungen auf wenige Merkmale zu reduzieren, um so gleichsam synthetisch eine Form zweiter Ordnung zu generieren, die \u00fcber gro\u00dfe Textmengen und Zeitr\u00e4ume hinweg beobachtet werden kann. Mit anderen Worten: In den DH wird <em>Hamlet<\/em> nicht nur nicht gelesen, sondern <em>Hamlet<\/em> wird \u203agemacht\u2039 (47), d.h. durch strategisch bestimmte Reduktion, Selektion und Abstraktion formaler Merkmale analysierbar und sogar simulierbar gemacht (vgl. das Kapitel zur \u00bbSimulation dramatischer Netzwerke\u00ab).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Neben der verf\u00fchrerischen Verf\u00fcgbarkeit von immer mehr Daten spielen bei der Anwendung statistischer Verfahren die unverzichtbaren Visualisierungsstrategien h\u00e4ufig eine fatale Rolle. Das wird im f\u00fcnften von insgesamt sechs Kapiteln anhand einer Metanalyse zu \u00bbDatenvisualisierung in den Humanwissenschaften\u00ab gezeigt (verfasst gemeinsam mit Oleg Sobchuk). Auf den inzwischen vertrauten Wimmelbildern mit den vielen mehr oder weniger dicht geclusterten Punkten schafft der Trend in Gestalt der Trendlinie Klarheit. Deren Problematik erhellt eine Studie zur durchschnittlichen Einstellungsl\u00e4nge in Filmen der vergangenen hundert Jahre.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Der sichtbare Trend zur k\u00fcrzeren Dauer \u203abeweist\u2039 schrumpfende Aufmerksamkeitsspannen. Verborgen bleibt der Umstand, dass die US-amerikanische Action-Film-Industrie andere Filmgattungen sukzessive vom Markt verdr\u00e4ngt hat. Die Dominanz dieses auf kurze Einstellungen abonnierten Genres steckt hinter dem Trend. Die sch\u00f6ne Linie kaschiert bzw. verleugnet \u00fcberdies deutlich sichtbare Spr\u00fcnge in der Entwicklung. Moretti fragt: \u00bbSehen sie ihre eigenen Daten nicht? Nat\u00fcrlich sehen sie sie; Trendlinien haben aber ver\u00e4ndert, <em>wie<\/em> wir sehen\u00ab (123). Mit der Trendlinie haben wir \u00bbeine M\u00f6glichkeit gefunden\u00ab, das zu \u00bb\u00fcbersehen\u00ab, was \u00bbdurch die Dominanz des Kanons\u00ab verdeckt wird (ebd.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Nat\u00fcrlich wei\u00df Moretti, dass nicht nur Datenvisualisierungen anf\u00e4llig f\u00fcr solche Interpretationsfehler sind. Auch hermeneutische Interpretationen schie\u00dfen beim Versuch, durch den interpretierenden R\u00fcckbau der Form \u2013 Moretti bezeichnet das Verfahren als \u00bbReverse Engineering\u00ab (28) \u2013 die historische Welt (wieder) zu entdecken, der das Kunstwerk und seine Form entstammen, oft genug \u00fcber ihre Daten hinaus und verlegen sich aufs Fabulieren. Dass hermeneutische und statistische Methode noch in ihren Irrt\u00fcmern divergieren, liegt an der Inkompatibilit\u00e4t der Welten, in denen sie operieren: \u00bbDie Interpretation bewegt sich <em>zwischen Form und Welt<\/em>\u00ab (30), also in der Vertikalen. Die Quantifizierung bewegt sich immer nur zwischen Form und Form, also auf der Horizontalen: \u00bbEs sind entgegengesetzte Impulse. Dionysos, Apollo. [\u2026] Beides gro\u00dfe Leidenschaften. Doch zu exklusiv, um ihre Kr\u00e4fte auf ein gemeinsames Ziel hin zu b\u00fcndeln\u00ab (30f.). Aber wie hie\u00df es bei Nietzsche? \u00bbUnd siehe! Apollon konnte nicht ohne Dionysus leben!\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Ergebnis ihrer Kollaboration war das Wunderwerk der attischen Trag\u00f6die. Und in der Tat, auch wenn die K\u00f6nigskinder der Hermeneutik und der statistisch-quantitativen Literaturwissenschaft \u00bb<em>nicht wechselseitig in ihre jeweilige Arbeit eingreifen<\/em>\u00ab (31) k\u00f6nnen, scheint ihre komplement\u00e4re Erg\u00e4nzung zu wundersamen Zwecken m\u00f6glich.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"color: #e63348;\">***<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Morettis Buch bilanziert also nicht nur Verluste, sondern macht auch eine Gegenrechnung auf. Die versammelten Best-of-Praktiken erheben den Anspruch, den dokumentierten Fehlentwicklungen der vergangenen Jahre etwas entgegenzusetzen. Sie wollen Wege zu einer fruchtbaren Koexistenz von <em>close<\/em> und <em>distant reading<\/em> weisen. In einer im f\u00fcnften Kapitel angef\u00fchrten Dostojewski-Studie wurde beispielsweise die \u00bbLautst\u00e4rke\u00ab der Figuren \u203agemessen\u2039 nach Ma\u00dfgabe der ihren Aussagen von der Erz\u00e4hlstimme attribuierten Verben \u00bbschreien\u00ab, \u00bbsagen\u00ab und \u00bbfl\u00fcstern\u00ab. Heraus kam eine Art Partitur von Dostojewskis Romanen, die Bachtins Formkonzept der Polyphonie eindrucksvoll best\u00e4tigt (vgl. 133). Morettis Begeisterungsf\u00e4higkeit f\u00fcr empirische Verifikation oder \u00bbOperationalisierung\u00ab (137 u.\u00f6.) \u00e4sthetischer Kategorien ungeachtet, ist allein die Best\u00e4tigung dessen, was man schon vorher wusste, etwas d\u00fcrftig. Gleichwohl erhellt das Beispiel sowohl die praxeologische Dimension von Morettis Auseinandersetzung mit Glanz und Elend der digitalen Methoden wie auch den hohen Stellenwert, den \u00e4sthetische Theoreme und Formkonzepte bei ihm genie\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das in dieser Beziehung vielleicht aufregendste, weil Theorie nicht blo\u00df best\u00e4tigende, sondern sie erweiternde Beispiel f\u00fcr die Operationalisierung eines theoretischen Konzeptes liefert das vierte Kapitel zu Aby Warburg, das Moretti zusammen mit Leonardo Impett verfasst hat. Wie D\u2019Arcy Thompson und Moretti selbst war auch Warburg ein passionierter Morphologe. Sein ber\u00fchmter <em>Bilderatlas<\/em> <em>Mnemosyne<\/em> galt dem Versuch, \u00fcber Zeiten, Gattungen und Formate hinweg wiederkehrende fig\u00fcrliche Bewegungsmuster zu identifizieren, die er Pathosformeln nannte. Was das sei, wollten Moretti und sein Team genauer wissen. Und warum Warburg von Formeln statt von Formen sprach, haben sie bei der Arbeit auch herausgefunden. Wenn Formen gelernt haben, sich zu replizieren, werden daraus Formeln, die von Menschen und Maschinen problemlos wiedererkannt werden, obwohl es weder den einen noch den anderen gelingt, die innere Logik der wahrgenommenen Familien\u00e4hnlichkeiten verbindlich zu formulieren (vgl. 89).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Moretti und sein Team unternahmen also den abenteuerlichen Versuch, Pathosformeln zu \u203amessen\u2039. Zu diesem Zweck waren Hunderte bewegter Gestalten auf den 63 Tafeln von Warburgs Atlas in eine statistisch analysierbare Form mit f\u00fcr Algorithmen hinreichendem Abstraktionsgrad zu verwandeln. Heraus kamen zw\u00f6lf Strichm\u00e4nnchen mit Armen, Beinen und Rumpf, die aber immerhin den Gliederpuppen glichen, die \u00e4ltere Maler bekanntlich oft zur Hand hatten. Daraus ergaben sich insgesamt elf verschiedene Winkelformationen der einzelnen K\u00f6rperteile, die den Algorithmus auf die Spur von Pathosformeln setzen sollten. Und siehe da, der Algorithmus clusterte richtig; er \u203aerkannte\u2039\u00a0die Pathosformeln, die Warburg auch schon erkannt hatte. Jetzt schien der Weg frei f\u00fcr einen Atlas von sehr viel gr\u00f6\u00dferen Ausma\u00dfen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das gemeinsame morphologische Merkmal, das der Algorithmus zum Clustern verwendet hatte, war die gleichzeitige Bewegung der Arme und Beine. Erwin Panofskys Gegen\u00fcberstellung von Pathosformeln und der Technik des Kontrapost leistete kl\u00e4rende Amtshilfe. Die durch Symmetrisierung im Kontrapost erreichte Einheit wird vom Pathos aufgebrochen; unter seinem Einfluss machen sich Beine und Arme gewisserma\u00dfen gegeneinander selbst\u00e4ndig: \u00bbEs geht hier um K\u00f6rper, die zugleich an zwei Fronten k\u00e4mpfen\u00ab (105). Von einem Biomechaniker lernte das Team, dass es sich dabei um hochgradig instabile Posen handelt, denen auch der beste T\u00e4nzer keine Dauer verleihen kann. (Deshalb sehen die der Pathosformel \u00bbNymphe\u00ab zugeh\u00f6rigen Figuren stets so aus, als w\u00fcrden sie gleich stolpern oder ihre Last verlieren.) Die andernorts entwickelte \u00bbLifeForms\u00ab-Software vermag diese instabilen Posen so ins Bild zu setzen, wie es nat\u00fcrlichen K\u00f6rpern nie gelingen k\u00f6nnte. Fazit: Pathosformeln zerbrechen die Einheit und sprengen die anatomisch-physischen M\u00f6glichkeiten eines nat\u00fcrlichen K\u00f6rpers mithilfe einer Dissonanz, \u00fcber die der K\u00f6rper mit sich selbst in Konflikt ger\u00e4t (vgl. 106).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Dass man zu diesem Ergebnis auch auf konventionelle Weise gelangen kann, zeigt der in diesem Kapitel von Anfang an mitlaufende Aufsatz der Kunsthistorikerin Maria Luisa Catoni, die anhand eines einzelnen Bildes einer \u00bbVerzweifelte[n] Frau in Bewegung\u00ab denselben Effekt festgestellt und im Register der Rhetorik als \u00bbOxymoron\u00ab des K\u00f6rpers bezeichnet hatte (107). Das von ihr analysierte Bild findet sich in Warburgs Atlas nicht. Aber die verzerrte Haltung der verzweifelten Frau \u00e4hnelt einer von Warburg aufgenommenen M\u00e4nade, die der Algorithmus im Schaubild weitab von den anderen Figuren mit Pathosformeln platziert hatte: ein \u00bbabsolute[r] Ausrei\u00dfer\u00ab (108). Aber gerade dieser Ausrei\u00dfer ist der vorgeschobenste Posten \u2013 die Avantgarde \u2013 und gibt der \u00bbkleine[n] Armee\u00ab (109) auf dem Schaubild die Richtung vor: \u00bbdass der-K\u00f6rper-als-Oxymoron keine singul\u00e4re Anomalie ist, sondern die logische Entfaltung der inneren Struktur der <em>Pathosformeln<\/em>\u00ab (109).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Man kann fast nicht anders, als in dem Pathosformeln charakterisierenden Widerstreit der Gliedma\u00dfen ein Emblem der auseinanderstrebenden Vektoren von <em>close <\/em>und <em>distant reading <\/em>zu entdecken. Durch sie geht dieselbe Dissonanz, die im Begriff der Pathosformel quasi hegelianisch punktuell aufgehoben erscheint. Denn ohne Cantonis Exegese w\u00e4re die M\u00e4nade am \u00e4u\u00dfersten Rand des Schaubildes eine Anomalie geblieben. Ohne die Arbeit des Algorithmus nach Ma\u00dfgabe der Strichm\u00e4nnchen w\u00e4re Catonis Lekt\u00fcre singul\u00e4r geblieben. Das eine erhellt das andere, und gemeinsam enth\u00fcllen sie Logik und inneren Zusammenhang aller Pathosformeln: \u00bbUnd das ist genug\u00ab (109). Wechselseitige Erhellung der Methoden und besondere Aufmerksamkeit f\u00fcr Ausrei\u00dfer sind entscheidend.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Beides hatte schon im zweiten Kapitel \u00bbAusnahmen, Normen, Extremf\u00e4lle\u00ab zu Carlo Ginzburg eine Rolle gespielt. Und auch im dritten Kapitel erweisen sich gerade die Fehler der Simulationen als aufschlussreich, weil sie Interpretationen herausfordern, die das Verfahren nicht mitliefert. Auch eingefleischte DH-Skeptiker werden sich vom Potential der Methoden \u00fcberzeugen lassen, wenn sie so theorieaffin und kenntnisreich eingesetzt werden, dass sie sogar ein paar R\u00e4tsel von Warburgs Pathosformeln l\u00f6sen helfen.<\/span><\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"color: #e63348;\">***<\/span><\/span><\/h3>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Aber wo ist die Geschichte geblieben, der sich diese Formen und Formeln verdanken und der sie entstammen? Sie hat sich f\u00f6rmlich verfl\u00fcchtigt. Hinter (oder auch: unter) dem so eindr\u00fccklich veranschaulichten Zusammenspiel (nicht: der Zusammenarbeit) von Hermeneutik und quantitativ-statistischen Methoden lauert jene Kluft, die Form und Geschichte trennt. Moretti schlie\u00dft nicht aus, dass es sich dabei um eine \u00bbobjektive Antinomie\u00ab handeln k\u00f6nnte (70). Denn auch als Kr\u00e4ftediagramm oder \u00bbFingerabdruck der Geschichte\u00ab tendiert Form zur Statik; nur indem sie sich aus dem geschichtlichen Prozess herausl\u00f6st, wird sie \u00fcberhaupt als Form erkennbar. Schon Goethe wollte schier daran verzweifeln, dass er die \u00dcberg\u00e4nge von einer Form zur anderen nicht \u00bbrund herausbringen\u00ab konnte, weil wir die \u00bbunmerklichen \u00dcberg\u00e4nge\u00ab weder wahrnehmen noch diskursiv darstellen k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Bei Nietzsche hei\u00dft es: \u00bb[U]nser Intellekt ist zu stumpf, um die fortw\u00e4hrende Verwandlung wahrzunehmen: das ihm Erkennbare nennt er Form. In Wahrheit kann es keine Form geben, weil in jedem Punkte eine Unendlichkeit sitzt.\u00ab<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><\/a> Und Moretti wei\u00df ebenfalls, \u00bbwie radikal sich die Morphologie, wenn sie ihrem D\u00e4mon folgt \u2013 und was ist Forschung anderes, als dem eigenen D\u00e4mon zu folgen? \u2013 aus der Geschichte zur\u00fcckziehen kann\u00ab (70). \u00bbEs gibt keine Formen ohne Geschichte\u00ab (142). Und es gibt auch keine Geschichte ohne Formen. Aber wie Formen und Geschichte aufeinander bezogen werden k\u00f6nnen, bleibt ein R\u00e4tsel.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Morphologie und Geschichte: Das ist ein sehr langes, sehr abwechslungsreiches, zuletzt \u2013 aber vielleicht geht es ja gar nicht um das Letzte \u2013 immer aporetisches und zuzeiten auch abgr\u00fcndiges Kapitel, insbesondere in den Literaturwissenschaften. In ihm spielt Goethe eine wichtige Rolle, viele Biologen vor und nach D\u2019Arcy Thompson. Auch Au\u00dfenseiter wie der Wiener Paul Kammerer mit seinem <em>Gesetz der Serie<\/em> (1919) kommen darin vor, die russischen Formalisten, Gestalttheoretiker, die Germanisten Andr\u00e9 Jolles, G\u00fcnther M\u00fcller, Horst Oppel und Eberhard L\u00e4mmert, Kunsthistoriker wie Warburg, Panofsky und George Kubler, Architekten wie Gilbert Simondon, Filmtheoretiker wie Siegfried Kracauer, Philosophen wie Ernst Cassirer und Hans Blumenberg.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Sie alle waren auf der Suche nach dem Kreuzungs- und Konvergenzpunkt, an dem die Form in einem antagonistischen Prozess geschichtlich emergiert, und haben dabei entweder die Form oder die Geschichte verloren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Moretti beschlie\u00dft das Buch im sechsten und letzten Kapitel mit einem Selbstr\u00fcckblick: seine fr\u00fche Begegnung mit Fernand Braudel, seine hoffnungsfrohen Erwartungen an die quantitativen Methoden, die Aussichten auf eine \u00bbLiteraturgeschichte ohne Texte\u00ab (20) in Analogie zu W\u00f6lfflins \u00bbKunstgeschichte ohne Namen\u00ab \u2013 und dann die Desillusionierung angesichts der stattgehabten Entwicklungen. Es fehle, so res\u00fcmiert Moretti, an der \u00bb<em>wissenschaftlichen Phantasie <\/em>[\u2026], die den Naturwissenschaften ihre grandiose intellektuelle Verwegenheit verleiht. Wenn wir doch nur so sch\u00f6ne Theorien h\u00e4tten \u2026\u00ab (166).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Geblieben ist dem entt\u00e4uschten Moretti sein unersch\u00fctterliches Vertrauen in die Phantasie der Naturwissenschaften. Das ist beim Marxisten Moretti unter Umst\u00e4nden verst\u00e4ndlich, mit dem Morphologen vertr\u00e4gt es sich schlecht. Die Morphologie z\u00e4hlte n\u00e4mlich noch nie zu den anerkannten naturwissenschaftlichen Ideen oder Theorien. Allenfalls als Hilfsdisziplin wird sie in einem breiten F\u00e4cherspektrum sowohl natur- wie humanwissenschaftlicher Provenienzen geduldet. Morphologen wie der tendenziell anti-darwinistische D\u2019Arcy Thompson (der allerdings die Computer-Technik des Morphing vorwegnahm und auch die sp\u00e4ter validierte Theorie der Constraints evolution\u00e4rer Entwicklung),<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> waren keineswegs wohlgelittene Mitglieder der naturwissenschaftlichen Zunft. Carlo Ginzburg, auch er ein Morphologe, der mit seiner Mikrostudie zu <em>Menocchio<\/em> an dem einen Ende der methodischen Formanalysen angesiedelt ist, an deren anderem die quantitativen Verfahren liegen, hat j\u00fcngst noch einmal die morphologische Intuition betont, die ihn geleitet habe und oft jahrzehntelang auf empirische Substanziierung warten musste.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Morphologische Intuition ist kein naturwissenschaftliches Verfahren. Und wenn Moretti angesichts des ber\u00fchmten Darwin-Diagramms \u00fcber den Ursprung der Arten drei quantitative Studien anf\u00fchrt, bei denen man fast \u00bbZeuge der Entstehung einer neuen kulturellen Art\u00ab sei (146), dann ist das kein Beweis f\u00fcr die \u00bbVerwegenheit\u00ab der Naturwissenschaften, sondern f\u00fcr die Macht morphologischer Intuitionen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Nicht nur zwischen Morphologie und Geschichte klafft ein Bruch. Schon durch die Morphologie selbst geht ein Schisma. Wie Warburgs Pathosformeln war Morphologie stets ein Oxymoron und in sich gespalten. Sie war einerseits methodisch kontrollierte Reihenbildung und daneben immer auch Intuition, morphologische Schau, wie sie Kracauer noch geltend machte f\u00fcr die Aufgabe des Historikers, wenn er aus den erhobenen Daten der Vergangenheit so etwas wie Geschichte machen wollte.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Die Morphologie ist wirklich ein D\u00e4mon: \u00bbjanusk\u00f6pfig mit einem Antlitz der Zeitlichkeit und einem der Struktur zugewandt\u00ab.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Aber das sind \u203aletzte Dinge\u2039, \u00fcber die man unweigerlich ins Fabulieren ger\u00e4t. Vorl\u00e4ufig w\u00e4re daf\u00fcr zu sorgen, dass Morettis j\u00fcngstes Buch Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr alle wird, die weiterhin besinnungs- und geistlos in die digitale Wende in den Literatur- und Geisteswissenschaften investieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerin\u00a0<a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/geulen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eva Geulen<\/a>\u00a0ist die Direktorin des ZfL.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Franco Moretti: <em>Kurven, Karten, Stammb\u00e4ume. Abstrakte Modelle f\u00fcr die Literaturgeschichte<\/em>, \u00fcbers. von Florian Kessler, Frankfurt a.M. 2009.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Ders.: <em>Falsche Bewegung. Die digitale Wende in den Literatur- und Kulturwissenschaften<\/em>, \u00fcbers. von Bettina Engels, Konstanz 2022, S. 164. Weitere Zitate daraus werden durch Angabe der Seitenanzahl in Klammern im Flie\u00dftext nachgewiesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. den \u00dcberblick im Einleitungskapitel von Eva Axer\/Eva Geulen\/Alexandra Heimes (Hg.)<em>: Aus dem Leben der Form. Studien zum Nachleben von Goethes Morphologie in der Theoriebildung des 20. Jahrhunderts<\/em>, G\u00f6ttingen 2021, S. 7\u201340.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Caroline Levine: <em>Forms: Whole, Rhythm, Hierarchy, Network<\/em>, Princeton 2015. Zur Diskussion vgl. Eva Axer: \u00bb\u203aEinfache Formen\u2039: Eine doppelte Perspektive auf Form. Andr\u00e9 Jolles, Caroline Levine\u00ab, in: Axer\/Geulen\/Heimes (Hg.): <em>Aus dem Leben der Form <\/em>(Anm. 3), S. 235\u2013270.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Moretti: <em>Kurven, Karten, Stammb\u00e4ume<\/em> (Anm. 1), S. 71.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die Bevorzugung des Jahrhunderts als Untersuchungszeitraum ist \u00fcbrigens auch ein Zeichen daf\u00fcr, dass sich die Literaturgeschichte \u00bbnicht merklich ver\u00e4ndert\u00ab hat (8) und viele \u00e4ltere Annahmen und Usancen die Umstellung auf neue Verfahren unbeschadet \u00fcberlebt haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Friedrich Nietzsche: \u00bbDie Geburt der Trag\u00f6die\u00ab, in: ders.: <em>S\u00e4mtliche Werke Kritische Studienausgabe in 15 Einzelb\u00e4nden<\/em>, hg. von Giorgio Colli\/Mazzino Montinari, <em>Bd. 1: Die Geburt der Trag\u00f6die. Unzeitgem\u00e4\u00dfe Betrachtungen I\u2013IV. Nachgelassene Schriften 1870\u20131873<\/em>, M\u00fcnchen 1988, S. 9\u2013156, hier S. 40.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> In dem aus den Sozialwissenschaften importierten Jargon spricht man auch von <em>mixed methods approaches<\/em>. Ob der zu einem <em>entangled methods approach<\/em>\u00a0erweitert werden kann, hat Rabea Kleymann untersucht in <a href=\"https:\/\/zfdg.de\/sb005_008\">\u00bbDatendiffraktion: Von Mixed zu Entangled Methods in den Digital Humanities\u00ab<\/a>, in: <em>ZfDG<\/em> \u2013 <em>Zeitschrift f\u00fcr digitale Geisteswissenschaften<\/em>, Sonderband 5: <em>Fabrikation von Erkenntnis \u2013 Experimente in den Digital Humanities<\/em> (2021\u20132022). \u00dcber <em>Formfragen<\/em> habe ich mich mit Rabea Kleymann f\u00fcr den ZfL Podcast <a href=\"https:\/\/buecher-im-gespraech.podigee.io\/9-formfragen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>B\u00fccher im Gespr\u00e4ch <\/em><\/a>(Episode 9, 2022) unterhalten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Schon im Vorwort zu Morettis gro\u00dfer Studie \u00fcber den Entwicklungsroman spielte das Motiv der <em>imperfections<\/em> eine wichtige Rolle; vgl. Franco Moretti: <em>The Way of the World. The Bildungsroman in European Culture<\/em>, London 2000, S. xii. Im \u00dcbergang zum <em>distant reading<\/em> zerfiel allerdings die im Zeichen der morphologischen Bricolage hergestellte \u00c4quivalenz von Einzelwerk, Gattung und Geschichte. Vgl. dazu Eva Geulen: \u00bbFormen der Zeit in Geschichtstheorie und Literaturforschung. Wilhelm Dilthey, Siegfried Kracauer, Hans Jonas, Hans Blumenberg\/G\u00fcnther M\u00fcller, Horst Oppel, Eberhard L\u00e4mmert, Franco Moretti\u00ab, in: Axer\/Geulen\/Heimes: <em>Aus dem Leben der Form<\/em> (Anm. 3), S. 271\u2013317, hier S. 316.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Eva Geulen: <em>Aus dem Leben der Form. Goethes Morphologie und die Nager<\/em>, Berlin 2016.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Friedrich Nietzsche: <em>Fr\u00fche Schriften<\/em>, Bd. III, <em>Schriften der Studenten- und Milit\u00e4rzeit 1864\u20131868<\/em>, hg. von Hans Joachim Mette und Karl Schlechta, M\u00fcnchen 1994, S. 387.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Axer\/Geulen\/Heimes: <em>Aus dem Leben der Form <\/em>(Anm. 3).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. Stephen Jay Gould: \u00bbD\u2019Arcy Thompson and the Science of Form\u00ab, in: <em>New Literary History <\/em>2.2 (1971), S. 229\u2013258.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vgl. Carlo Ginzburg: \u00bbMedals and Shells. On Morphology and History, Once again\u00ab, in: <em>Critical Inquiry<\/em> 45.2 (2019), S. 380\u2013395.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Vgl. Eva Geulen: \u00bbMorphologie in der Geschichtstheorie nach 1945. Zum Verh\u00e4ltnis von Epochen und Chronologie bei Kracauer, Kubler und Blumenberg\u00ab, in: Timothy Attanucci\/Ulrich Breuer (Hg.): <em>Leistungsbeschreibung\/Describing Cultural Achievements. Literarische Strategien bei Hans Blumenberg\/Hans Blumenberg\u2019s Literary Strategies<\/em>, Heidelberg 2020, S. 199\u2013210.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Moretti: <em>Kurven, Karten, Stammb\u00e4ume <\/em>(Anm. 1), S. 25.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Eva Geulen: Distant Reading Up Close: Moretti zieht Bilanz, in: ZfL Blog, 25.11.2022, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/11\/25\/eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/11\/25\/eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20221125-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20221125-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20221125-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/11\/25\/eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz\/\",\n  \"additionalType\": \"Review\",\n  \"name\": \"DISTANT READING UP CLOSE: Moretti zieht Bilanz\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Eva Geulen\",\n    \"givenName\": \"Eva\",\n    \"familyName\": \"Geulen\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0004-3700-1661\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2022-11-25\",\n  \"datePublished\": 2022,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Digital Humanities (DH) haben enorme Erfolge zu verbuchen: F\u00f6rdermittel, technische Ausstattung, Professuren, Studieng\u00e4nge. Das Digitale ist aus unseren F\u00e4chern l\u00e4ngst nicht mehr wegzudenken. Gerade weil die \u00bbWende\u00ab auf breiter Front gelungen ist, f\u00e4llt in Franco Morettis Buch zuerst die Entt\u00e4uschung der Erwartungen aus den Nullerjahren ins Auge, als die DH noch \u00bbquantitative Literaturwissenschaft\u00ab hie\u00dfen <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2022\/11\/25\/eva-geulen-distant-reading-up-close-moretti-zieht-bilanz\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,19],"tags":[372,450,254,688,131,74,686,689,687],"class_list":["post-2783","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ad-hoc","category-lektueren","tag-aby-warburg","tag-close-reading","tag-digital-humanities","tag-distant-reading","tag-form","tag-formenvielfalt","tag-franco-moretti","tag-morphologie","tag-pathosformel"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2783","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2783"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2783\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3546,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2783\/revisions\/3546"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2783"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2783"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2783"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}