{"id":3249,"date":"2024-03-07T11:19:22","date_gmt":"2024-03-07T09:19:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3249"},"modified":"2025-02-11T14:45:32","modified_gmt":"2025-02-11T12:45:32","slug":"sebastian-truskolaski-aktivismus-offensiv-und-polemisch-randbemerkung-zur-fruehgeschichte-eines-begriffs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/03\/07\/sebastian-truskolaski-aktivismus-offensiv-und-polemisch-randbemerkung-zur-fruehgeschichte-eines-begriffs\/","title":{"rendered":"Sebastian Truskolaski: AKTIVISMUS, OFFENSIV UND POLEMISCH: Randbemerkung zur Fr\u00fchgeschichte eines Begriffs"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Einige Beitr\u00e4ge zum aktuellen ZfL-Jahresthema erinnerten zuletzt <a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/category\/jahresthema-aktivismus-und-wissenschaft\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">an dieser Stelle<\/a> daran, dass das Begriffspaar \u00bbAktivismus und Wissenschaft\u00ab von einem alten Spannungsverh\u00e4ltnis gepr\u00e4gt ist, welches sich gegenw\u00e4rtig wieder bemerkbar macht. <a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2023\/11\/20\/eva-geulen-jahresthema-2023-24-aktivismus-und-wissenschaft\/#_ftnref2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Eva Geulen<\/a> etwa verweist auf den etliche Auseinandersetzungen im 20. Jahrhundert kennzeichnenden Gegensatz zwischen einer sich weltfremd im Elfenbeinturm ereignenden <em>vita contemplativa<\/em> und einer sich engagiert-praktisch gestaltenden <em>vita<\/em> <em>activa<\/em>. Zur Veranschaulichung nennt sie eine \u00bbKontroverse zwischen Herbert Marcuse und J\u00fcrgen Habermas aus den sp\u00e4ten 1960er Jahren\u00ab, in der Aspekte des Verh\u00e4ltnisses von Theorie und Praxis verhandelt wurden. In der Folge wird die Frage aufgeworfen, ob denn die Polarit\u00e4t von \u00bb\u203aElfenbeinturm\u2039 vs. Engagement\u00ab unter heutigen Bedingungen so noch bestehe oder ob wir es nicht eher \u00bbmit einer bisher unbekannten Konvergenz eines Aktivismus \u203avon oben\u2039 und \u203avon unten\u2039 zu tun\u00ab haben.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Tats\u00e4chlich sehen sich Forschende heutzutage immer \u00f6fter dazu gen\u00f6tigt, den unmittelbar praktischen Mehrwert ihrer Arbeit im Namen eines vermeintlichen Aktivismus zu Markte zu tragen, nicht zuletzt, um den Empfang etwaiger F\u00f6rdergelder zu rechtfertigen. So k\u00f6nnte man auch fragen, was denn die erw\u00e4hnte Konvergenz f\u00fcr die vielleicht bekannteste Formulierung des Spannungsverh\u00e4ltnisses von Aktivismus und Wissenschaft bedeutet, n\u00e4mlich f\u00fcr die Marx\u2019sche Forderung, die Philosophie (und damit stellvertretend die Geisteswissenschaft) habe die Welt nicht nur zu interpretieren, sondern sie auch zu ver\u00e4ndern.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Jedenfalls h\u00e4tte der ber\u00fchmte letzte Abschnitt aus den <em>Thesen \u00fcber Feuerbach<\/em> im gegenw\u00e4rtigen universit\u00e4ren Rahmen eine ganz andere Resonanz als noch bei Habermas und Marcuse. Die Konvergenz von Aktivismen von oben und unten m\u00fcsste dann auch hei\u00dfen: die Aufhebung eines kritisch-transformativen Imperativs. Im Zeitalter des <a href=\"https:\/\/www.timeshighereducation.com\/world-university-rankings\/impact-rankings-2023-methodology\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Impact<\/a>-Faktors w\u00e4re Wissenschaft dann nicht mehr kritisches Medium transformativer Praxis, sondern nur noch affirmativer Leistungstr\u00e4ger; und Aktivismus w\u00e4re kein direkter Eingriff mehr in bestehende Ungerechtigkeiten, sondern ein Aspekt korrekter Abrechnungsmethodik. Aus Negation m\u00fcsste sich folglich Affirmation ergeben (Adorno ahnte dies schon fr\u00fch); das kritisch-polemische Moment des Aktivismus \u00bbvon unten\u00ab ginge verloren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Nun l\u00e4sst sich gewiss nicht leugnen, dass den Aktionen von Gruppen wie der Letzten Generation oder Extinction Rebellion Polemik innewohnt (<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/saulen-mit-oranger-farbe-beschmiert-letzte-generation-schandet-brandenburger-tor-in-berlin-erneut-10788946.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ikonoklastische<\/a> Angriffe auf bekannte Kulturg\u00fcter oder die <a href=\"https:\/\/www.theguardian.com\/environment\/2019\/jul\/15\/extinction-rebellion-protests-block-traffic-in-five-uk-cities\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stillstellung<\/a> gro\u00dfst\u00e4dtischen Pendlerverkehrs seien hier angef\u00fchrt). Obwohl sie von wissenschaftlichen Erkenntnissen ausgehen (zum Beispiel den Berechnungen der katastrophalen Auswirkungen der Erderw\u00e4rmung), stehen diese Gruppen \u2013 wohl auch aus strategischem Kalk\u00fcl \u2013 in keinem klaren Verh\u00e4ltnis zu dem, was gemeinhin Wissenschaft genannt wird. So dr\u00e4ngt sich die Frage auf, worin eigentlich der kritische Zug im Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft <em>und<\/em> Aktivismus liegt, wenn die institutionelle Konvergenz der Aktivismen von oben und unten zur Affirmation tendiert?<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\">***<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">M\u00f6glicherweise ist es lohnenswert, Geulens Verfahren des R\u00fcckgriffs aufzunehmen und sich auf ein weiteres streitbares Beispiel aus der fr\u00fchesten Geschichte des Aktivismusbegriffs zu besinnen, von dem zuweilen behauptet wird, es handele sich um die fr\u00fcheste Okkurenz dieses Wortes \u00fcberhaupt.<\/span><a style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\" href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"> Die Rede ist vom sogenannten \u00bbliterarischen Aktivismus\u00ab,<\/span><a style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\" href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"> auf den auch <\/span><a style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2023\/11\/21\/henning-trueper-aktivismus-und-kulturgeschichte-des-moralischen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Henning Tr\u00fcper<\/a><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"> in seinem Blogbeitrag zum ZfL-Jahresthema anspielt, wenn er vom \u00bbUmfeld des Expressionismus\u00ab spricht, in dem der \u00bbAktivismusbegriff nach dem Ersten Weltkrieg erstmals politisch Fu\u00df fasste\u00ab. Was hat es hiermit auf sich?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Tats\u00e4chlich ist es so, dass Kurt Hiller (1885\u20131972) \u2013 deutsch-j\u00fcdischer Publizist, expressionistischer Impresario und pazifistischer Aktivist \u2013 diese Wortpr\u00e4gung f\u00fcr sich beansprucht. So soll bei einem Treffen seines Berliner Kreises anno 1914 \u00bbLiterarischer Aktivismus\u00ab als Name der von ihm gegr\u00fcndeten, \u00bbethisch-politischen\u00ab Bewegung beschlossen worden sein.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Die Organe dieses Aktivismus waren vorrangig Periodika, allen voran die ab 1916 von Hiller und seinem Kreis herausgegebene Zeitschrift <em>Das Ziel: Aufrufe zu t\u00e4tigem Geist<\/em>, in deren Namen sich bereits eine gewisse Vorstellung von Aktivit\u00e4t ank\u00fcndigt (der Untertitel \u00e4nderte sich im Laufe der Jahre mehrmals, etwa 1919\u201320, als die Zeitschrift in <em>Das Ziel: Jahrb\u00fccher f\u00fcr geistige Politik<\/em> umbenannt wurde). 1924 wurde sie jedenfalls endg\u00fcltig von der Zensur verboten. In der Zwischenzeit trat Hiller unter anderem zusammen mit Magnus Hirschfeld aktiv f\u00fcr Schwulenrechte ein und agitierte als Teil des \u00bbRates geistiger Arbeiter\u00ab im Kontext der M\u00fcnchener R\u00e4terepublik gegen den Kapitalismus; bis zu seinem Tod im Jahre 1972 mischte er die publizistische Landschaft Deutschlands weiter auf.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Mit seiner Zeitschrift aber ging es dem jungen Hiller vornehmlich um eins: um die Literatur als politisches Werkzeug im Dienste radikaler gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung. Schon aus diesem Grund empfiehlt sich f\u00fcr die Literaturwissenschaft die Auseinandersetzung mit seinen Positionen. In seinem die erste Ausgabe beschlie\u00dfenden Beitrag <em>Philosophie des Ziels<\/em><a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> schreibt Hiller im charakteristisch hochtrabendem Duktus des abtr\u00fcnnigen Expressionisten (der stets angriffslustige Hiller zerstritt sich alsbald mit vielen expressionistischen Wegbegleitern): \u00bbZiel\u00ab sei \u00bbdie Weltverbesserung\u00ab (34), die von der Ablehnung des Weltkriegs und des Zustands allgemeiner geistiger Verk\u00fcmmerung auszugehen habe (41). Dieses Ziel sei durch \u00bbErziehung [\u2026] der Jugend, des Volkes\u00ab zur \u00bbAktivit\u00e4t\u00ab zu erreichen (35), vor allem durch die Herausbildung eines \u00bbt\u00e4tige[n] Geistes\u00ab (42), welcher wiederum an anderer Stelle mit \u00bbVerantwortung\u00ab (38) gleichgesetzt wird. Voraussetzung derartiger T\u00e4tigkeit sei eine spezifische Gemeinschaftsform, zu deren Formierung Hiller explizit aufruft: ein \u00bbBund\u00ab der Geistigen (42), der \u00bbin lauter kleine Einzelb\u00fcnde\u00ab (50) zu unterteilen w\u00e4re. Nicht umsonst spricht Hiller anderenorts von seiner \u00bbReverenz\u00ab f\u00fcr den f\u00fcr seine Generation wohl bedeutendsten politisch-literarischen Aktivisten, Gustav Landauer, trotz aller Abneigung gegen\u00fcber dessen Anarchismus.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Das Modell des Bundes \u2013 das Wort l\u00e4sst Freiwilligkeit und Konkordanz vermuten \u2013 versteht der Marx-Kritiker Hiller allerdings gar nicht demokratisch, sondern ausgesprochen elit\u00e4r. So schreibt er etwa: \u00bbEs bleibt ein Irrtum, die Pyramide der menschlichen Gesellschaft [\u2026] von der Basis her bearbeiten zu wollen\u00ab, wo doch die \u00bbkr\u00e4ftigere Methode\u00ab die \u00bbvon oben\u00ab sei (44). Hiller beruft sich auf eine prophetische Form von F\u00fchrerschaft, eine quasiplatonische \u00bb<em>Monarchie \u2013 des Besten<\/em>\u00ab (53), in der vor allem \u00bbder Literat von morgen\u00ab zum \u00bbgro\u00dfe[n] Verantwortliche[n]\u00ab stilisiert wird, dessen \u00bbIntellekt [\u2026] die Tat nicht mehr hemmt\u00ab (48).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Obschon die Platon-Analogie sp\u00e4testens mit dem Auftritt des Literaten endet, nimmt Hiller hier sein sp\u00e4teres Lob dessen, was er Logokratie nennt, vorweg. Das brachte ihm schlie\u00dflich die durchaus berechtigte Kritik seines ehemals ebenso jugendbewegten Zeitgenossen Walter Benjamin ein.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Es folgen in der <em>Philosophie des Ziels<\/em> einige aktivistische Gedanken zur Rolle der Wissenschaft und zum Begriffspaar \u00bbGeist und Praxis\u00ab (46). So sei die Wissenschaft im Zuge der modernen Arbeitsteilung \u00bbzerfallen in n\u00fctzliche [\u2026] und \u00fcberfl\u00fcssige\u00ab Wissenschaft, wobei angeblich nur letztere in irgendeiner residualen Verbindung zum Geist zu stehen vermag. An die Stelle der arbeitsteiligen Pseudowissenschaft m\u00fcsse laut Hiller eine andere treten, n\u00e4mlich eine aktivistische, die den historisch gewachsenen Gegensatz von Geist und Praxis aufzuheben verst\u00fcnde. So behauptet er apodiktisch: \u00bbGeist und Praxis \u2013 das war ehemals eine Antithese; heute bezeichnen diese Worte korrelative Abh\u00e4ngigkeit\u00ab (47), wenn auch nur im Horizont des <em>Ziels<\/em>: \u00bbDer Geist setzt die Ziele, die Praxis verwirklicht sie\u00ab (47) \u2013 man m\u00fcsse nur wollen. Ob dies wirklich so einfach geht, darf man bezweifeln. Die eigentlichen Ziele des <em>Ziels<\/em> folgen am Ende des Textes. Unter anderem beinhalten sie die \u00bb<em>Abschaffung der Todesstrafe<\/em>\u00ab und des \u00bb<em>Krieges<\/em>\u00ab, die \u00bb<em>Umgestaltung der h\u00f6heren Erziehung<\/em>\u00ab, die \u00bb<em>Gew\u00e4hrung eines Existenzminimums<\/em>\u00ab, und eben die \u00bb<em>Einf\u00fchrung der Monarchie \u2013 des Besten<\/em>\u00ab (51\u201353). Manchem davon kann man vielleicht heute noch etwas abgewinnen; anderen Forderungen bestimmt nicht, wie etwa jener nach \u00bb<em>Rationalisierung der Kindererzeugung<\/em> nach eugenischen Gesichtspunkten\u00ab (53), die Hillers elit\u00e4ren Bund-Gedanken zur G\u00e4nze disqualifiziert.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\">***<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wozu nun dieser historische Exkurs, wo doch Hillers Programm eines literarischen Aktivismus unter heutigen Gesichtspunkten \u2013 sachte formuliert \u2013 problematisch erscheinen muss (das war es wohl schon immer)?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Einen Grund liefert eine Randbemerkung Hillers, in der es um die Charakterisierung des von ihm geforderten aktivistischen Bundes als \u00bboffensiv\u00ab geht. Dieser Bund zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er sich polemisch von dem absetzt, was er seinem Selbstverst\u00e4ndnis nach <em>nicht<\/em> zu sein hat. So teilt Hiller zum Beispiel in dem \u00bbDurchsto\u00df zum Aktivismus\u00ab betitelten Abschnitt seiner Autobiographie aufs Sch\u00e4rfste gegen Hegel aus, der als ein \u00bbzum Riesen aufgeblasener Denkknirps und Pfuscher\u00ab verunglimpft wird; \u00bbwann\u00ab, wird hier etwa gefragt, \u00bbsteigt aus dem Wellenschaum\u00ab des \u00fcberfl\u00fcssigen Hegel-Erbes endlich \u00bbdie Aphrodite einer Doktorarbeit, die Opus f\u00fcr Opus [\u2026] das F\u00e4kalische der Hegelprodukte nachweist?\u00ab<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Derartige Stellen gibt es bei Hiller viele. Offensiver, polemischer, zugespitzter geht es kaum.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Nun berufen sich die prominenten Aktivismen von heute wohl aus guten Gr\u00fcnden nicht auf Hiller (ohnehin kann man das Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Aktivismus schwerlich mit Verweis auf Genealogien dieser Art bestimmen). Gleichwohl ist das marginale historische Interesse der Literaturwissenschaft an Hillers Person doch auch dies: wissenschaftlich; und als wissenschaftliches \u2013 zumal als <em>literatur<\/em>wissenschaftliches \u2013 darf es vielleicht den bescheidenen Anspruch erheben, Hillers Aktivismus doch zumindest diesen polemischen (sprich: offensiven) Zug abzugewinnen, just jenen also, der im heutigen, zum Affirmativen tendierenden Verh\u00e4ltnis von Wissenschaft und Aktivismus allzu oft fehlt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348;\"><em><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der Komparatist <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/truskolaski.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sebastian Truskolaski<\/a> ist <\/span><\/em><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Lecturer (Assistant Professor) in German Cultural Studies<\/span><em><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"> an der University of Manchester; am ZfL bearbeitet er als Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung sein\u00a0Projekt \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/gesten-von-gemeinschaft.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesten von Gemeinschaft: H\u00f6lderlin bei Benjamin, Landauer und Rosenzweig<\/a><\/span><\/em><\/span><span style=\"color: #e63348;\"><em><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00ab.<\/span><\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. Karl Marx: \u00bbAd Feuerbach\u00ab, in: <em>Karl Marx \/ Friedrich Engels Gesamtausgabe<\/em>, Bd. 3, hg. von der Internationalen Marx-Engels-Stiftung, Berlin 1998, S. 21.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Matthias Heine: \u00bbAktivisten aller L\u00e4nder, vereinigt euch!\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article125202875\/Aktivisten-aller-Laender-vereinigt-euch.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Die Welt<\/em><\/a><em>,<\/em> 26.2.2014.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Juliane Habereder: <em>Kurt Hiller und der literarische Aktivismus<\/em>, Frankfurt am Main 1981.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Kurt Hiller: <em>Leben gegen die Zeit<\/em>, Hamburg 1969, S. 98. Vgl. Daniel M\u00fcnzer: <em>Kurt Hiller: Der Intellektuelle als Au\u00dfenseiter<\/em>, G\u00f6ttingen 2015.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Wolfgang Rothe: \u00bbEinleitung\u00ab, in: <em>Der Aktivismus, 1915\u20131920<\/em>, hg. von Wolfgang Rothe, M\u00fcnchen 1969, S. 7\u201321.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Kurt Hiller: \u00bbPhilosophie des Ziels\u00ab, in: <em>Der Aktivismus, 1915\u20131920<\/em> (Anm. 5), S. 29\u201354. Alle Nachweise erfolgen direkt im Text.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hiller: <em>Leben gegen die Zeit<\/em> (Anm. 4), S. 138.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Walter Benjamin: \u00bbZur Kritik der Gewalt\u00ab, in: Walter Benjamin: <em>Gesammelte Schriften<\/em>, Bd. 2, hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenh\u00e4user, Frankfurt am Main 1977, S. 179. Vgl. auch Lisa Marie-Anderson: \u00bbTranslator\u2019s Preface: Kurt Hiller, <em>Anti-Cain: A Postscript to Rudolf Leonhard\u2019s <\/em>Our Final Battle Against Weapons\u00ab, in: Walter Benjamin: <em>Toward the Critique of Violence: A Critical Edition<\/em>, hg. von Peter Fenves und Julia Ng, Stanford 2021, S. 179\u2013185.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Hiller: <em>Leben gegen die Zeit<\/em> (Anm. 4), S. 99\u2013100.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Sebastian Truskolaski: Aktivismus, offensiv und polemisch: Randbemerkung zur Fr\u00fchgeschichte eines Begriffs, in: ZfL Blog, 7.3.2024, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/03\/07\/sebastian-truskolaski-aktivismus-offensiv-und-polemisch-randbemerkung-zur-fruehgeschichte-eines-begriffs\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/03\/07\/sebastian-truskolaski-aktivismus-offensiv-und-polemisch-randbemerkung-zur-fruehgeschichte-eines-begriffs\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240307-01\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240307-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240307-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/03\/07\/sebastian-truskolaski-aktivismus-offensiv-und-polemisch-randbemerkung-zur-fruehgeschichte-eines-begriffs\/\",\n  \"name\": \"AKTIVISMUS, OFFENSIV UND POLEMISCH: Randbemerkung zur Fr\u00fchgeschichte eines Begriffs\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Sebastian Truskolaski\",\n    \"givenName\": \"Sebastian\",\n    \"familyName\": \"Truskolaski\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"0000-0002-8493-9335\"\n  },\n  \"license\": \"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/legalcode\",\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2024-03-07\",\n  \"datePublished\": 2024,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"@id\": \"https:\/\/ror.org\/00bpta863\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung\"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einige Beitr\u00e4ge zum aktuellen ZfL-Jahresthema erinnerten zuletzt an dieser Stelle daran, dass das Begriffspaar \u00bbAktivismus und Wissenschaft\u00ab von einem alten Spannungsverh\u00e4ltnis gepr\u00e4gt ist, welches sich gegenw\u00e4rtig wieder bemerkbar macht. 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