{"id":3300,"date":"2024-05-24T10:22:47","date_gmt":"2024-05-24T08:22:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3300"},"modified":"2025-02-06T15:50:48","modified_gmt":"2025-02-06T13:50:48","slug":"jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/05\/24\/jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann\/","title":{"rendered":"Jakob Moser: \u00bbDAS D\u00c4MONISCHE BERLIN\u00ab: WALTER BENJAMIN \u00dcBER E.\u00a0T.\u00a0A. HOFFMANN"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wie die Literatur- und Theoriegeschichte zeigt, wurde das D\u00e4monische im Gefolge von Goethe auf wirkm\u00e4chtige Weise von den D\u00e4monen entkoppelt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Walter Benjamin brachte vor diesem Hintergrund E.\u00a0T.\u00a0A. Hoffmann ins Spiel, einen Schriftsteller, dessen \u00bbfieberhafte Tr\u00e4ume\u00ab Goethe verschm\u00e4hte.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Unter dem Titel <em>Das d\u00e4monische Berlin<\/em> sprach Benjamin im Februar 1930 in der Kinderstunde des Berliner Rundfunks \u00fcber Hoffmann als Dichter der Gro\u00dfstadt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Obwohl das Wort \u00bbd\u00e4monisch\u00ab nur im Titel f\u00e4llt, er\u00f6ffnet der Vortrag eine neue Sicht auf das post-goethesche D\u00e4monische, denn die Medialit\u00e4t des D\u00e4monischen wird darin auf mehreren Ebenen reflektiert, die das Radio selbst involvieren.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gem\u00e4\u00df Goethes ber\u00fcchtigter Antidefinition in <em>Dichtung und Wahrheit<\/em> (1831) manifestiert sich das D\u00e4monische nur als Widerspruch. Seine Struktur ist ein Weder-noch: weder g\u00f6ttlich noch menschlich, weder teuflisch noch engelhaft, weder unvern\u00fcnftig noch verst\u00e4ndig, weder Zufall noch Vorsehung. W\u00e4hrend die D\u00e4monen von Anbeginn von D\u00e4monologien eingehegt wurden, zelebriert das D\u00e4monische einen Bruch mit dem Logos. Deshalb wandert es aus dem Bereich der Theologie und Philosophie in \u00e4sthetisch-existenzielle Zusammenh\u00e4nge: Goethe, der das D\u00e4monische in einer Entscheidungskrise erlebte, fl\u00fcchtet sich gegen Ende seiner gescheiterten Definition \u00bbhinter ein Bild\u00ab, womit er die literarische Figur seines Egmont meint.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Bei Georg Luk\u00e1cs flie\u00dft das D\u00e4monische schlie\u00dflich in die Theorie des Romans ein.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Das D\u00e4monische streift die Phantastik ab und wird zum Signum der Moderne.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch Benjamin assoziiert das D\u00e4monische mit der Moderne. Er n\u00e4hert sich der ambivalenten Kategorie in mehreren Texten und aus unterschiedlichen Richtungen: von Goethe in seinem gro\u00dfen Wahlverwandtschaften-Aufsatz (1924\/25), von Karl Kraus, den Benjamin als d\u00e4monische Gestalt einer unerl\u00f6sten Moderne portr\u00e4tiert,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> oder vonseiten der j\u00fcdischen D\u00e4monologie \u2013 wie nicht zuletzt Giorgio Agamben (der Partei f\u00fcr die Engel ergreift) auf den Spuren von Gershom Scholem betont.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Aus diesen Blickwinkeln zeigt sich das D\u00e4monische tief in Benjamins Geschichts- und Sprachphilosophie eingebettet. Dagegen nimmt <em>Das d\u00e4monische Berlin<\/em>, das in der Forschung kaum Beachtung fand, eine scheinbar naive, kindliche Perspektive ein. Das D\u00e4monische offenbart sich ausgerechnet in \u00bbeiner klaren prosaischen Stadt\u00ab, die dem Aberglauben und Omin\u00f6sen abschw\u00f6ren will.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Wendung \u00bbd\u00e4monisches Berlin\u00ab stammt von dem Germanisten und Museumsdirektor des M\u00e4rkischen Museums Otto Pniower, der in einem Aufsatz historische <a href=\"https:\/\/etahoffmann.staatsbibliothek-berlin.de\/berlin-als-literarisches-motiv\/#toggle-id-2\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner Schaupl\u00e4tze<\/a> in Hoffmanns Erz\u00e4hlungen identifizierte.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Benjamin, der Pniowers Ansatz folgt, er\u00f6ffnet <em>Das d\u00e4monische Berlin<\/em> mit einer Kindheitserinnerung: Als er vierzehn Jahre alt war, kam der Komponist und Musikschriftsteller August Halm in seine Schule, um Hoffmann vorzulesen. Wozu jemand solche unerkl\u00e4rlichen Geschichten schreibe, wollte Halm bei einem sp\u00e4teren Besuch erkl\u00e4ren. Dazu kam es nicht, und so versuchte Benjamin, die Frage selbst zu beantworten. In einem ersten Schritt ersetzte er das Wozu durch ein Warum: Warum schreibt einer so bizarre Geschichten? Seine Antwort: Hoffmann geh\u00f6rt zu denjenigen Schriftstellern, die \u00bbvon ihren Figuren besessen sind\u00ab, von phantastischen Visionen heimgesucht werden und sich erst beruhigen, wenn sie diese niederschreiben.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Einen Monat nach Ausstrahlung von <em>Das d\u00e4monische Berlin<\/em>, im M\u00e4rz 1930, f\u00fchrte Benjamin seine Antwort in dem Vortrag <em>E.\u00a0T.\u00a0A. Hoffmann und Oskar Panizza<\/em> f\u00fcr den Frankfurter Rundfunk weiter aus: Hoffmann erz\u00e4hle Geschichten, \u00bbum die Figuren, Arabesken, Ornamente festzuhalten, in denen alte Geister- und Naturd\u00e4monen ihr Wirken in der Tageshelle des neuen Jahrhunderts [&#8230;] einzuzeichnen suchen\u00ab.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Er verleihe archaischen Naturm\u00e4chten, die in der Moderne verdr\u00e4ngt wurden, ein Sprachrohr. Das D\u00e4monische wird zur Wiederkehr der vorgeschichtlichen D\u00e4monen in der \u00bbTageshelle\u00ab. Der Dichter erscheint folglich als ein von besessenen Figuren Besessener, als d\u00e4monisches Medium. Sein Schreiben ist ein Exorzismus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In einem zweiten Schritt thematisiert Benjamin die Wirkung von Hoffmanns Texten: Die d\u00e4monischen M\u00e4chte, von denen sich der Dichter schreibend befreit, fahren in die Leserinnen und Leser seiner Geschichten. Benjamin erinnert sich, wie er, als seine Eltern einmal nicht zu Hause waren, als Kind heimlich Hoffmanns <em>Die Bergwerke zu Falun<\/em> (1819) las und pl\u00f6tzlich \u00bballe Schrecken wie Fische mit stumpfen M\u00e4ulern sich allm\u00e4hlich in der umgebenden Dunkelheit um die Tischkanten sammelten, so dass meine Augen wie an einer rettenden Insel sich auf die Buchseiten hefteten, aus denen doch alle diese Schrecken kamen\u00ab.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Das D\u00e4monische verwandelt sich von einer Naturmacht in eine literarische \u00dcberw\u00e4ltigung. Das Medium Schrift wird zum Ursprung der d\u00e4monischen Versuchungen, vor denen es uns zugleich zu retten verspricht. Nicht mehr der Autor oder der Text, sondern die Lesenden sind nun d\u00e4monisch.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die \u00bbFische mit stumpfen M\u00e4ulern\u00ab sind ein Echo der <em>Bergwerke zu Falun<\/em>, deren Protagonist Elis Fr\u00f6bom vom Meeresgrund tr\u00e4umt, um in der Dunkelheit eines Stollens zu verschwinden. Doch zugleich erinnern sie an die D\u00e4monen, die den Heiligen Antonius auf zahlreichen mittelalterlichen und neuzeitlichen Darstellungen aus der Dunkelheit bedr\u00e4ngen. So bildet sich etwa auf einem <a href=\"https:\/\/www.khm.at\/objektdb\/detail\/335\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gem\u00e4lde<\/a> von Jan Brueghel d. \u00c4. (1603\/04), das sich im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet, ein d\u00e4monischer Lesekreis um den Heiligen, der sich in einer grotesken n\u00e4chtlichen Landschaft in ein Buch vertieft. Die D\u00e4monen werden von dem Licht und der Lekt\u00fcre angelockt, die sie seltsamerweise selbst erst erm\u00f6glichen: ein Frosch-D\u00e4mon leuchtet dem lesenden Antonius mit der Fackel. Das D\u00e4monische offenbart sich im hermeneutischen Drama von Dunkelheit und rettendem Licht der Schrift.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Nach dieser Lekt\u00fcreszene kommt Benjamin in einem dritten Schritt wieder auf den Dichter zur\u00fcck, dem er ein erz\u00e4hlerisches \u00bbsatanisches\u00ab Wissen attestiert, das \u00bbdie Geister unter ihrer raffiniertesten Verkleidung aufsp\u00fcrt\u00ab.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Eine solche Gabe h\u00e4tte man fr\u00fcher in der monastisch-mystischen Tradition, die Antonius repr\u00e4sentiert, als \u00bbUnterscheidung der Geister\u00ab bezeichnet.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Bei Benjamin erscheint sie in einem profanen urbanen Licht: Hoffmann erfinde seine Gestalten nicht, er ersp\u00e4he sie in der Gro\u00dfstadt (nicht in der W\u00fcste). Er entdecke sie hinter der Fassade des preu\u00dfischen B\u00fcrger- und Beamtentums, dem der Autor selbst angeh\u00f6rt. F\u00fcr ihn sei immer \u00bbGeisterstunde\u00ab, auch \u00bbin diesem vern\u00fcnftigen Berlin am hellen Mittag\u00ab begegne ihm das D\u00e4monische.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Daher sei er \u00bbweniger ein Seher, als ein Anseher\u00ab; ein genauer Beobachter, ein \u00bbPhysiognomiker von Berlin\u00ab, der eine Tradition gr\u00fcndet, die laut Benjamin in D\u00f6blins <em>Berlin Alexanderplatz<\/em> (1929) kulminiert.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die alte \u00bbUnterscheidung der Geister\u00ab wird zur Physiognomie. Man k\u00f6nnte mit Georg Friedrich Lichtenberg \u2013 dem Benjamin sein letztes H\u00f6rspiel <em>Lichtenberg. Ein Querschnitt<\/em> (1933) widmete \u2013 von einer Pathognomik sprechen, der Beobachtung der affektiven Regungen und Bewegungen. Das ist die \u00bbKunst zu schauen\u00ab, wie wir sie insbesondere in Hoffmanns letzter Erz\u00e4hlung <em>Des Vetters Eckfenster <\/em>(1822) finden: Das Alltagstreiben auf dem Berliner Gendarmenmarkt wird aus diesem \u00bbEckfenster der Moderne\u00ab<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> zu einem Wimmelbild in \u00bbCallots Manier\u00ab \u2013 man denke an Jacques Callots Radierung <em>Die Versuchungen des Hl. Antonius<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.metmuseum.org\/art\/collection\/search\/336568\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">zweite Version<\/a> 1635), die Hoffmann in der Einleitung seiner <em>Fantasiest\u00fccke <\/em>(1814\/15) erw\u00e4hnt (und die sp\u00e4ter \u00fcber Gustave Flauberts Arbeitstisch hing). Das Phantastische konvergiert bei Hoffmann mit dem Realistischen, den Versuchungen des Marktes. Das D\u00e4monische \u00e4u\u00dfert sich in den anonymen urbanen \u00bbFiguren, Arabesken, Ornamenten\u00ab, die die individuellen Schicksale bestimmen und deren historische Schichtungen Benjamin in seinen eigenen Berlin-Texten untersucht.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Damit wird endlich das Wozu gekl\u00e4rt \u2013 nicht das Wozu des Dichters, sondern das des Lesens: Wir sollen Hoffmanns Texte lesen, als ob ihr Zweck darin best\u00fcnde, die affektiven, sozialen, \u00f6konomischen Zw\u00e4nge aufzudecken, die sich hinter der scheinbaren Tageshelle unsrer eigenen Gegenwart immer noch verbergen. So endet <em>Das d\u00e4monische Berlin<\/em> mit einer Lekt\u00fcreanweisung.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich eine weitere Ebene andeuten, die Benjamin nicht dezidiert anspricht: 25 Jahre nach seiner Begegnung mit Halm, der 1929 starb, schl\u00fcpft Benjamin in dessen Rolle, um lauschenden Kindern eine Antwort zu geben. Der Vortrag ist damit selbst eine d\u00e4monische Wiederkehr; die Radiostunde eine Geisterstunde. Das junge Medium des Radios, das den mesmeristischen Phantasien und unheimlichen Automaten Hoffmanns entgegenkommt, musste zwangsl\u00e4ufig als d\u00e4monisch empfunden werden. Das \u00bbStimmenh\u00f6ren\u00ab wird zur elektromagnetischen Technik. Benjamin, der in einem Brief an Scholem erw\u00e4hnt, dass er ein \u00bbH\u00f6rfunkspiel \u00fcber Spiritismus\u00ab plant,<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> ist sich der spiritistischen Ankl\u00e4nge des Medienbegriffs bewusst. Im Vortrag \u00fcber Hoffmann und Panizza betont er \u2013 unter R\u00fcckgriff auf die Erz\u00e4hlung <em>Die Automate<\/em> (1814) \u2013, dass Hoffmann Musiker, nicht blo\u00df Physiognomiker war. Als solcher habe er \u00bbwirkende Zusammenh\u00e4nge mit der fernsten Urzeit\u00ab im \u00bbH\u00f6rbaren\u00ab erkannt.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Dies gilt f\u00fcr den Gesang und die Musik, in der die Romantik einen verzerrten Nachhall einer nat\u00fcrlichen pantheistischen Harmonie erkennen will. In der Maschinenmusik, die in <em>Die Automate<\/em> verdammt wird (man denke an den <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/kultur\/musik\/2024-04\/kuenstliche-intelligenz-musik-einsatz-offener-brief-billie-eilish-stevie-wonder\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">aktuellen Widerstand gegen KI in der Musikindustrie<\/a>), \u00e4u\u00dfert sich hingegen das d\u00e4monische Prinzip der Moderne, welche das Radio mit der lebendigen Stimme vers\u00f6hnen wird. F\u00fcr Benjamin \u00fcberwindet das Radio diesen \u00bbmanich\u00e4ischen\u00ab Dualismus von \u00bbSchein und Leben\u00ab, Technik und Liebe, den Hoffmann verficht.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Das Radio erm\u00f6glicht eine Chance, die d\u00e4monische Moderne mit d\u00e4monischen Mitteln zu \u00fcberwinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><em>Jakob Moser ist Stipendiat der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften am Institut f\u00fcr Philosophie der Universit\u00e4t Wien und forscht zur Geschichte und Theorie d\u00e4monischer Trugbilder. Im Sommersemester 2024 ist er Gastwissenschaftler am ZfL. <\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Siehe hierzu den grundlegenden Sammelband: Eva Geulen\/Kirk Wetters\/Lars Friedrich (Hg.): <em>Das D\u00e4monische. Schicksale einer Kategorie der Zweideutigkeit nach Goethe<\/em>, Paderborn 2014.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Goethe schreibt in seiner polemisch zugespitzten \u00dcbersetzung von Walter Scotts Essay \u00fcber Hoffmann: \u00bbEs ist unm\u00f6glich, M\u00e4rchen dieser Art irgendeiner Kritik zu unterwerfen; [\u2026] es sind fieberhafte Tr\u00e4ume eines leichtbeweglichen kranken Gehirns.\u00ab Zit. nach: Hartmut Steinecke: \u00bbKommentar\u00ab, in: <em>E.\u00a0T.\u00a0A. Hoffmann: S\u00e4mtliche Werke in sieben B\u00e4nden<\/em>, Bd. 3, hg. v. dems., Frankfurt a.M. 2009, S. 949.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Walter Benjamin: \u00bbDas d\u00e4monische Berlin\u00ab, in: ders.: <em>Werke und Nachla\u00df. Kritische Gesamtausgabe<\/em>, hg. von Christoph G\u00f6de\/Henri Lonitz, Bd. 9.1: <em>Rundfunkarbeiten. Texte<\/em>, hg. von Thomas K\u00fcpper\/Anja Nowak, Berlin 2017, S.\u00a0206\u2013212, hier S.\u00a0206-212.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Dies betont Martina Wagner-Egelhaaf: <em>Sich entscheiden. Momente der Autobiographie bei Goethe<\/em>, G\u00f6ttingen 2020, S. 170ff.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Kirk Wetters: \u00bbThe Luciferian and the Demonic in Georg Luk\u00e1cs\u02bc \u203aDie Theorie des Romans\u2039\u00ab, in: Geulen\/Wetters\/Friedrich (Hg.): <em>Das D\u00e4monische<\/em> (Anm. 1), S. 243\u2013266. Siehe auch das <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/georg-lukacs-eine-intellektuelle-biographie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Projekt<\/a> von Patrick Eiden-Offe am ZfL.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Dies verhindert freilich nicht, wie Martina Wagner-Egelhaaf k\u00fcrzlich in einem <a href=\"https:\/\/www.imaginarien-der-kraft.uni-hamburg.de\/kolleg\/news\/2024-01-23-vortrag-wagner-egelhaaf.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vortrag<\/a> im Warburg-Haus in Hamburg demonstrierte, dass D\u00e4monen als metaphorische Kr\u00e4fte in Gegenwartsliteratur und \u2011theater Hochkonjunktur haben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Eva Axer: \u00bbAlldeutig, mehrdeutig, undeutig. Walter Benjamins \u203aBezwingung\u2039 d\u00e4monischer Zweideutigkeit im Kraus-Essay\u00ab, in: Geulen\/Wetters\/Friedrich (Hg.): <em>Das D\u00e4monische<\/em> (Anm. 1), S. 325\u2013343.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Giorgio Agamben: \u00bbWalter Benjamin und das D\u00e4monische\u00ab, in: ders.: <em>Die Macht des Denkens. Gesammelte Essays<\/em>, \u00fcbers. von Francesca Raimondi, Frankfurt a.M. 2013, S. 237\u2013273.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> So der Philosoph Fritz Mauthner, der \u00fcber Goethes \u00bbAberglauben\u00ab bez\u00fcglich des D\u00e4monischen schreibt: \u00bbje h\u00f6her ein Mensch, desto mehr stehe er unter dem Einflu\u00df der D\u00e4monen; Raphael, Mozart, Napoleon, auch Lord Byron, werden d\u00e4monisch genannt; das D\u00e4monische werfe sich gern an bedeutende Figuren; in einer klaren prosaischen Stadt, wie Berlin, f\u00e4nde es kaum Gelegenheit sich zu manifestieren.\u00ab Zit. nach Cornelia Zumbusch: \u00bbD\u00e4monische Texturen. Der Durchkreuzte Wunsch in Goethes <em>Wilhelm Meisters Wanderjahren<\/em>\u00ab, in: Geulen\/Wetters\/Friedrich (Hg.): <em>Das D\u00e4monische<\/em> (Anm. 1), S. 79\u201395, hier S. 79.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. Otto Pniower: \u00bbE. T. A. Hoffmanns Berlinische Erz\u00e4hlungen\u00ab, in: <em>Archiv der Brandenburgia. Gesellschaft f\u00fcr Heimatkunde der Provinz Brandenburg zu Berlin<\/em> 12.II (1907), S.\u00a06\u201325. Vgl. auch Michael Bienert: <em>E.\u00a0T.\u00a0A. Hoffmanns Berlin. Literarische Schaupl\u00e4tze<\/em>, Berlin 2015.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. Benjamin: \u00bbDas d\u00e4monische Berlin\u00ab (Anm. 3), S.\u00a0207.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Walter Benjamin: \u00bbE. T. A. Hoffmann und Oskar Panizza\u00ab, in: ders.: <em>Rundfunkarbeiten<\/em> (Anm. 3), S. 458\u2013467, hier S. 461.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Benjamin: \u00bbDas d\u00e4monische Berlin\u00ab (Anm. 3), S.\u00a0208.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Dies argumentiere ich ausf\u00fchrlich in meinem Buch <em>Lesende D\u00e4monen. Schrift als Versuchung<\/em>, Wien\/Berlin 2022.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Zu Brueghels Bild ebd., S. 42\u201347.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Benjamin: \u00bbDas d\u00e4monische Berlin\u00ab (Anm. 3), S.\u00a0209.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Zu diesem Begriff siehe z.B. Niklaus Largier: \u00bbRhetorik des Begehrens. Die \u203aUnterscheidung der Geister\u2039 als Paradigma mittelalterlicher Subjektivit\u00e4t\u00ab, in: Martin Baisch u.a. (Hg.): <em>Inszenierung von Subjektivit\u00e4t in der Literatur des Mittelalters<\/em>, K\u00f6nigstein i. Ts. 2005, S.\u00a0249\u2013270.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Benjamin: \u00bbDas d\u00e4monische Berlin\u00ab (Anm. 3), S. 209.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Vgl. ebd., S.\u00a0210.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Ich \u00fcbernehme diesen Ausdruck von Helmut Lethen: \u00bbEckfenster der Moderne. Wahrnehmungsexperimente bei Musil und E. T. A. Hoffmann\u00ab, in: ders.: <em>Unheimliche Nachbarschaften: Essays zum Ka\u0308lte-Kult und der Schlaflosigkeit der philosophischen Anthropologie im 20. Jahrhundert<\/em>, Freiburg. i. Br. 2009, S.\u00a09\u201342.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Zu Benjamins Stra\u00dfen-Literatur vgl. Gerhard H. Hommer: <em>Attraktionen der Stra\u00dfe. Eine Berliner Literaturgeschichte 1927<\/em>\u2013<em>1932<\/em>, G\u00f6ttingen 2021.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Dies bemerkt Reinhard D\u00f6hl: \u00bbWalter Benjamins Rundfunkarbeit\u00ab, in: <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-schule.de\/benjamin.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgarter Schule<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Benjamin: \u00bbE. T. A. Hoffmann und Oskar Panizza\u00ab (Anm. 12), S. 461.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Vgl. ebd., S.\u00a0462.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Jakob Moser: \u00bbDas D\u00e4monische Berlin\u00ab: Walter Benjamin \u00fcber E. T. A. Hoffmann, in: ZfL Blog, 24.5.2024, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/05\/24\/jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/05\/24\/jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240524-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240524-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20240524-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/05\/24\/jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"\u00bbDAS D\u00c4MONISCHE BERLIN\u00ab: WALTER BENJAMIN \u00dcBER E. 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Hoffmann ins Spiel, einen Schriftsteller, dessen \u00bbfieberhafte Tr\u00e4ume\u00ab Goethe verschm\u00e4hte.[2] Unter dem Titel Das d\u00e4monische Berlin sprach Benjamin im Februar 1930 in der Kinderstunde des Berliner Rundfunks \u00fcber <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/05\/24\/jakob-moser-das-daemonische-berlin-walter-benjamin-ueber-e-t-a-hoffmann\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[99,808,807,180,242,493],"class_list":["post-3300","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lektueren","tag-berlin","tag-daemonologie","tag-e-t-a-hoffmann","tag-goethe","tag-mediengeschichte","tag-walter-benjamin"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3300","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3300"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3300\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3504,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3300\/revisions\/3504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3300"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3300"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3300"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}