{"id":3356,"date":"2024-08-13T14:38:01","date_gmt":"2024-08-13T12:38:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3356"},"modified":"2025-02-06T15:39:03","modified_gmt":"2025-02-06T13:39:03","slug":"katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/08\/13\/katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung\/","title":{"rendered":"Katja Schicht: ALEXANDER VON HUMBOLDT, EIN PIONIER DER KLIMAFORSCHUNG"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Alexander von Humboldt war der Erste, der jahrelang systematisch Messwerte aus verschiedenen Regionen der Erde sammelte, bearbeitete, miteinander verglich und auswertete. Er konnte dadurch das Klima statistisch bestimmen und in seinem Lebenswerk <em>Kosmos<\/em>, dessen f\u00fcnf B\u00e4nde ab 1845 erschienen, eine umfassende Klimadefinition vorstellen. Bereits 1844 hatte er in seiner Abhandlung zu den Gebirgsketten in Zentralasien festgestellt, dass der Mensch das Klima \u00bbdurch das F\u00e4llen der W\u00e4lder, durch die Ver\u00e4nderung der Vertheilung der Gew\u00e4sser und durch die Entwicklung gro\u00dfer Dampf- und Gasmassen an den Mittelpunkten der Industrie\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> beeinflusse. Ein Jahr sp\u00e4ter wies er im ersten Band des <em>Kosmos<\/em> erneut auf die \u00bbVermengung [der Atmosph\u00e4re] mit mehr oder minder sch\u00e4dlichen gasf\u00f6rmigen Exhalationen\u00ab<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> hin. Mit seinen Beschreibungen des Klimas in den von ihm bereisten Regionen, seiner bereits 1817 erschienenen Abhandlung \u00fcber die Isothermen und der von ihm konstruierten Jahresisothermenkarte gilt er als Begr\u00fcnder der modernen vergleichenden Klimatologie.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Dabei hat Humboldt nie eine meteorologische oder klimatologische Ausbildung genossen, sondern war auf dem Gebiet ein Autodidakt. So gibt es auch keine monografische Gesamtdarstellung zum Klima von ihm;<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> statt dessen publizierte er seine Erkenntnisse in Zeitschriften und Zeitungen oder einzelnen Buchkapiteln.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/1677571332_Humboldt-Klimaschriften-Umschlag-100dpi.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3357 alignleft\" src=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/1677571332_Humboldt-Klimaschriften-Umschlag-100dpi-186x300.jpg\" alt=\"\" width=\"186\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/1677571332_Humboldt-Klimaschriften-Umschlag-100dpi-186x300.jpg 186w, https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/1677571332_Humboldt-Klimaschriften-Umschlag-100dpi.jpg 372w\" sizes=\"auto, (max-width: 186px) 85vw, 186px\" \/><\/a>Thomas Nehrlich und Michael Strobl haben nun erstmals zwanzig f\u00fcr die Wirkungsgeschichte Humboldts relevante Fassungen seiner zahlreichen klimatologischen und meteorologischen Publikationen aus den Jahren 1795 bis 1847 in deutscher Sprache<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> in einem Band zusammengestellt (Thomas Nehrlich\/Michael Strobl (Hg.): Alexander von Humboldt: <em>Ueber die Hauptursachen der Temperatur-Verschiedenheit auf dem Erdk\u00f6rper. Schriften zum Klima<\/em>, mit einem Geleitwort von Stefan Br\u00f6nnimann und Martin Claussen, Hannover: Wehrhahn 2023). Mit ihrer Edition wollen die Herausgeber u.a. kl\u00e4ren, was \u00bbHumboldt bereits \u00fcber die Physik und Chemie der Atmosph\u00e4re und das Klima\u00ab wusste und \u00bbwie aktuell [\u2026] Humboldts Gedanken und Forschungsansatz heute\u00ab (9f.) sind. Der Band solle jedoch \u00bbkeine umfassende wissenschaftshistorische W\u00fcrdigung\u00ab sein, wie es im Geleitwort hei\u00dft, sondern \u00bblediglich auf Humboldts zahlreiche, auch f\u00fcr die moderne Klimawissenschaft nach wie vor erkenntnisreiche Abhandlungen aufmerksam machen\u00ab (26). Alle klimatologischen und meteorologischen Forschungsleistungen und Erkenntnisse von Humboldt in einem Band zusammenzutragen, ist denn auch das prim\u00e4re Verdienst dieser Ausgabe.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die bisherigen \u00dcberblicksdarstellungen der Humboldt-Forschung beschr\u00e4nkten sich vor allem auf Humboldts isotherme Linien und seine Jahresisothermenkarte, seinen Beitrag zur Errichtung des Preu\u00dfischen Meteorologischen Instituts in Berlin im Jahr 1847 (die erste eigenst\u00e4ndig arbeitende meteorologische Einrichtung in Deutschland) oder den Vergleich seines Klimabegriffs mit zeitgen\u00f6ssischen Darstellungen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Demgegen\u00fcber dokumentiert diese Ausgabe erstmals die Anf\u00e4nge der modernen Klimatologie in einem wissenschaftshistorisch verl\u00e4sslichen Verzeichnis.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Entlang der ausgew\u00e4hlten Texte werden im Geleitwort Humboldts Forschungsleistungen auf dem Gebiet der Klimatologie und Meteorologie gew\u00fcrdigt: Das betrifft die \u00bbBeschaffenheit des Luftkreises\u00ab (10\u201311), \u00bbVertikale Ver\u00e4nderungen der Atmosph\u00e4re\u00ab (13\u201314), \u00bbPflanzengeographie\u00ab (14\u201315), \u00bbPhysik der Erde\u00ab (16\u201317), \u00bbAll- und tiefbewegte Str\u00f6mungen\u00ab (17\u201320), \u00bbVerschiedenheit der Klimate\u00ab (20\u201321) und \u00bbAtmosph\u00e4rische Erscheinungen\u00ab (23\u201325). Dass es in der Humboldt-Forschung der letzten Jahre bedauerlicherweise nur wenige neuere Untersuchungen zu seinen Klimastudien gibt, verdeutlicht eine kurze \u00dcbersicht mit Quellen zur \u00bbAktualit\u00e4t von Humboldts Klimaforschung\u00ab (27\u201328).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Den Hauptteil des Bandes bildet die Edition von Humboldts klimatologischen und meteorologischen Schriften. Basierend auf den <em>S\u00e4mtlichen Schriften<\/em> der Berner Ausgabe, die den Anspruch erhebt, das gesamte publizistische Werk ver\u00f6ffentlicht zu haben,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> wurden die zwanzig von den Herausgebern ausgew\u00e4hlten Texte \u00bberneut textkritisch durchgesehen\u00ab (446) und originalgetreu ediert. Orthografie und Interpunktion entsprechen dabei den historischen Originalbeitr\u00e4gen, ein Emendationsverzeichnis erg\u00e4nzt die Auswahl.\u00a0<\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">Im Quellenverzeichnis wird zur Konkordanz mit der Berner Ausgabe die entsprechende Nummer des Textes aufgef\u00fchrt, unter der Humboldts Beitr\u00e4ge dort zu finden sind. Dar\u00fcber hinaus f\u00fchrt es zeitgen\u00f6ssische Separatdrucke und postume Ver\u00f6ffentlichungen an, soweit sie den Herausgebern bekannt sind, und demonstriert dadurch auf beeindruckende Weise die \u00bbkomplexen Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse von Erstdruck, Nachdrucken, \u00dcbersetzungen und Humboldts Buchwerken\u00ab (448). Nicht zuletzt belegt es die hohe internationale Verbreitung einiger klimatologischer Schriften Humboldts.<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Band endet mit einem Nachwort von Michael Strobl \u00fcber Humboldts Klimaforschung (391\u2013433).<\/span><a style=\"font-family: helvetica;\" href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a><span style=\"font-family: helvetica;\"> Ein weiteres Mal stellt er anhand der ausgew\u00e4hlten Texte Humboldts Forschungsschwerpunkte ausf\u00fchrlich dar und analysiert erg\u00e4nzend dazu Humboldts bedeutende \u00bbBuchwerke\u00ab, in denen dessen \u00bbinnovative Beitr\u00e4ge zur Klima-Forschung\u00ab zu finden sind (415). Strobl betont, dass Humboldt zwar einer der Ersten gewesen sei, der \u00bbmenschliche Eingriffe in \u00d6kosysteme, insbesondere Entwaldungen, grunds\u00e4tzlich als kritisch und gef\u00e4hrlich einstuft\u00ab, er habe aber keinen globalen anthropogenen Klimawandel vorausgesehen (422).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Ob Humboldt der erste Forscher war, der den Einfluss des Menschen bzw. menschlichen Handelns auf das Klima erkannt habe, ist bis heute umstritten. Sicher ist, dass er mit seinen statistischen klimatologischen Bestimmungen als Vordenker unseres heutigen Klimaverst\u00e4ndnisses zu betrachten ist. Im Zentrum seines Denkens stand die Wechselwirkung zwischen Klima, Mensch und Umwelt. Demgegen\u00fcber sei die heutige Klimadefinition, so Strobl, \u00bbgeophysikalisch deutlich enger gefasst\u00ab (423). Entgegen der bisherigen Annahme, dass Humboldt seinen Klimabegriff erstmalig 1831 in seinen <em>Fragmens de g\u00e9ologie et de climatologie asiatiques<\/em><a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> formulierte, diesen dann 1843 in unver\u00e4ndertem Wortlaut in<em> Asie centrale<\/em><a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> und nur leicht ver\u00e4ndert 1845 im ersten Band des <em>Kosmos<\/em> publizierte, argumentiert Strobl weiter, dass Humboldts Klimadefinition \u00bbeine l\u00e4ngere Entwicklungsgeschichte durchlaufen [habe] als gemeinhin in der Forschung bekannt (oder nachgewiesen)\u00ab (425). Die im Band edierten klimatologischen und meteorologischen Texte zeigen demnach erstmals auf, dass Humboldts Definition \u00bbnicht der singul\u00e4re Wurf des sp\u00e4ten <em>Kosmos<\/em> ist, sondern \u00fcber einen langen Zeitraum in steter Besch\u00e4ftigung mit vielen Einzelfragen entstanden ist\u00ab (425). Die vorgelegte textkritische Edition k\u00f6nnte also der Diskussion um Humboldts Stellung als Vordenker eines globalen, vom Menschen verursachten Klimawandels durchaus neue Impulse geben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Als letztes bedeutendes \u00bbBuchwerk\u00ab f\u00fchrt Strobl Humboldts <em>Kleinere Schriften<\/em> (1853) an, in die dieser drei klimatologische Schriften aufnahm, \u00bbvon denen [er] glaube [sich] schmeicheln zu d\u00fcrfen, da\u00df sie von \u203aFachgelehrten\u2039 noch jetzt einiger Aufmerksamkeit gew\u00fcrdigt werden, indem sie, von Anderen erweitert durch eine gl\u00fccklichere Entwickelung der Ideen an Fruchtbarkeit gewonnen haben\u00ab.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Zu diesen Texten geh\u00f6ren u.a. die Abhandlung \u00fcber die Zusammensetzung der Atmosph\u00e4re und seine fr\u00fche Isothermenabhandlung.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Ein zweiter Band der <em>Kleineren Schriften<\/em> konnte von Humboldt nicht mehr fertiggestellt werden. Strobl weist aber darauf hin, dass sich im Briefwechsel mit seinem Verleger Johann Friedrich Cotta entsprechende Editionspl\u00e4ne finden. Diese werden heute in der Staatsbibliothek zu Berlin \u2013 Preu\u00dfischer Kulturbesitz aufbewahrt (427). In der Biblioteka Jagiello\u0144ska in Krak\u00f3w, wohin Best\u00e4nde der Staatsbibliothek w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs ausgelagert worden waren, liegen Druckfahnen der Aufs\u00e4tze \u00bbUeber die Haupt-Ursachen der Temperatur-Verschiedenheit auf dem Erdk\u00f6rper\u00ab (1827) und \u00bbUeber die Meeresstr\u00f6mungen im allgemeinen\u00ab (1837), die f\u00fcr diesen zweiten Band vorgesehen waren. Zusammen mit dem Artikel \u00bbVon der in verschiedenen Theilen der hei\u00dfen Zone am Spiegel des Meeres Statt findenden Temperatur\u00ab wurden sie nun in dem vorliegenden Band aufgenommen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Strobl gibt im Nachwort auch einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber die wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit Humboldts Klima-Schriften. Er schl\u00e4gt daf\u00fcr den Bogen von der Forschung der Akademie der Wissenschaften der DDR, in der Humboldts naturwissenschaftliche Beitr\u00e4ge ausf\u00fchrlich beleuchtet wurden, \u00fcber die Naturschutzbewegung der 1990er Jahre, die Humboldt als \u00f6kologischen Denker <em>avant la lettre<\/em> sah, bis hin zu gegenw\u00e4rtigen Forschungsprojekten wie denen von <a href=\"https:\/\/www.mpiwg-berlin.mpg.de\/de\/content\/mapping-climatology\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Philipp Lehmann<\/a> am Max-Planck-Institut f\u00fcr Wissenschaftsgeschichte in Berlin und von <a href=\"https:\/\/www.uni-potsdam.de\/de\/wissenskulturen-und-mediale-umgebungen\/index\/klimabilder\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Birgit Schneider<\/a> an der Universit\u00e4t Potsdam. Auch die Kunst des sp\u00e4ten 18. und 19. Jahrhunderts habe auf \u00bbklimatologische zeitgen\u00f6ssische Forschung oder Ph\u00e4nomene\u00ab reagiert (431).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Mit dem Hinweis auf Humboldts Einf\u00fchrung der \u00bbKlimadatenvisualisierung mittels isothermer Linien\u00ab \u2013 heute noch eine g\u00e4ngige Methode in der Klimageografie \u2013 und der bis heute g\u00fcltigen Klimadefinition, die alles Leben und alle \u00d6kosysteme einbezieht und darauf hinweist, dass der \u00bbMensch Teil des Systems und Teil der Prozesse ist\u00ab (433), schlie\u00dft Strobl sein Nachwort und stellt am Ende zu Recht fest, dass \u00bbHumboldts Klimatologie als umfassende \u00f6kologische Wissenschaft heute wieder aus vielen Perspektiven und f\u00fcr viele Disziplinen anschlussf\u00e4hig ist\u00ab (433).<\/span><\/p>\n<h4 style=\"text-align: center;\"><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">*<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Gestaltung des Bandes von Nehrlich und Strobl ist zweifelsohne ansprechend: Das Buchcover ziert ein franz\u00f6sisches Marmorpapier in hellblau und hellgr\u00fcn, der vordere und hintere Vorsatz zeigt jeweils eine bedeutende klimatologische Grafik Humboldts, ein rotes Leseb\u00e4ndchen unterstreicht die Gediegenheit. Nicht nur die Humboldt-Forschung, auch Klimaforscher*innen oder Klima-Interessierte werden den Band gern in die Hand nehmen, auch wenn keine neueren Forschungsergebnisse pr\u00e4sentiert werden. Formal aber schw\u00e4chelt er mitunter. So finden sich im Geleit- und Nachwort einige vermeidbare Rechtschreibfehler, die \u00dcberschriften der Texte im Emendationsverzeichnis wurden zudem fehlerhaft formatiert. Eine \u00dcberpr\u00fcfung der Seitenangaben im Quellenverzeichnis hat ergeben, dass die Angaben im Text 19 und 20 nicht mit ihrer jeweiligen Entsprechung im ersten Band des <em>Kosmos<\/em> (1845) \u00fcbereinstimmen. Es ist nicht erkennbar, welche Ausgabe f\u00fcr den Nachweis genutzt wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Dennoch ist der Band eine lesenswerte Auskoppelung von Humboldts <em>S\u00e4mtlichen Schriften<\/em> der Berner Ausgabe. Deutlich kann damit gezeigt werden, wie sich Humboldts klimatologische und meteorologische Schriften \u00fcber ein halbes Jahrhundert erstrecken und zur Formulierung seines Klimabegriffs beigetragen haben. <\/span><\/p>\n<p><em><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\">Die Editionswissenschaftlerin <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/schicht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katja Schicht<\/a> arbeitet im ZfL-Projekt \u00bb<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/der-briefwechsel-zwischen-ernst-und-friedrich-georg-juenger.html\">Kommentierte Edition des Briefwechsels zwischen Ernst und Friedrich Georg J\u00fcnger (1908\u20131977)<\/a>\u00ab. Ihre Dissertation \u00bbAlexander von Humboldts Klimatologie in der Zirkulation von Wissen. Historisch-kritische Edition der Berliner Briefe (1830\u20131859) und ihre Kontexte\u00ab erschien 2023.<\/span><\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>Central-Asien. Untersuchungen \u00fcber die Gebirgsketten und die vergleichende Klimatologie<\/em>, aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt und durch Zus\u00e4tze vermehrt, hg. von Wilhelm Mahlmann, Bd. 2, T. 3, Berlin: Klemann 1844, S. 214.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>Kosmos. Entwurf einer physischen Weltbeschreibung<\/em>, Bd. 1., Stuttgart\/T\u00fcbingen: Cotta 1845, S. 340.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Karl-Heinz Bernhardt: \u00bbAlexander von Humboldts Beitrag zur Entwicklung und Institutionalisierung von Meteorologie und Klimatologie im 19. Jahrhundert\u00ab, in: <em>Alexander von Humboldt in Berlin. Sein Einflu\u00df auf die Entwicklung der Wissenschaften. Beitr\u00e4ge zu einem Symposium<\/em>, hg. von J\u00fcrgen Hamel, Eberhard Knobloch und Herbert Pieper, Augsburg: Rauner 2002, S. 204.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Nach Heinrich Wilhelm Dove war die meteorologische Gesamtdarstellung f\u00fcr den f\u00fcnften Band des <em>Kosmos<\/em> vorgesehen. Humboldt verstarb aber vor der Ver\u00f6ffentlichung des Bandes, sein Sekret\u00e4r Karl Eduard Buschmann vollendete den Band durch Hinzuf\u00fcgen eines Nachwortes und eines umfangreichen Registers.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Humboldts Schriften zum Klima sind auf Deutsch oder auf Franz\u00f6sisch erschienen. Die Texte 18, <em>The Temperature of Rain-Drops<\/em>, und 19, <em>On Climates Suitable for the Production of Wine<\/em>, wurden in unselbstst\u00e4ndiger Form nur auf Englisch publiziert. Die beiden deutschen Fassungen wurden dem <em>Kosmos<\/em> entnommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. u.a. Karl-Heinz Bernhardt: \u00bbAlexander von Humboldts Auffassung vom Klima und seine Rolle bei der Gr\u00fcndung des Preu\u00dfischen Meteorologischen Institutes\u00ab, in: <em>Alexander-von-Humboldt-Ehrung in der DDR. Festakt und Wissenschaftliche Konferenz aus Anla\u00df des 125. Todestages Alexander von Humboldts. 3. und 4. Mai 1984 in<\/em> <em>Berlin<\/em>, bearbeitet von Dr. Heinz Heikenroth und Dr. Inga Deters, Berlin: Akademie-Verlag 1986, S. 83\u201391; Karl Schneider-Carius: \u00bbAlexander von Humboldt in seinen Beziehungen zur Meteorologie und Klimatologie\u00ab, in: Johannes F. Gellert (Hg.): <em>Alexander von Humboldt. Vortr\u00e4ge und Aufs\u00e4tze anl\u00e4sslich der 100. Wiederkehr seines Todestages am 6. Mai 1859<\/em>, Berlin 1960, S. 17\u201324; Josef Staszewski: \u00bbAlexander von Humboldts Gedanke der isothermen Linien. Beitrag zum Alexander-von-Humboldt-Jahr 1959\u00ab, in: <em>Wissenschaftliche Zeitschrift der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Reihe<\/em> VIII.4\/5 (1958\/1959), S. 509\u2013517; Hans-G\u00fcnther K\u00f6rber: \u00bbBemerkungen \u00fcber die Erstver\u00f6ffentlichung der schematischen Jahresisothermenkarte Alexander von Humboldts\u00ab, in: <em>Forschungen und Fortschritte<\/em> 33.12 (1959), S. 355\u2013358.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>S\u00e4mtliche Schriften. Berner Ausgabe<\/em>, hg. von Oliver Lubrich und Thomas Nehrlich, 10 Bde., M\u00fcnchen: dtv 2019, und www.humboldt.unibe.ch\/text.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Das Nachwort ist zuerst als \u00bbTransversalkommentar \u203aUmwelt und Klima\u2039\u00ab im Band X der Berner Ausgabe erschienen und wurde f\u00fcr den vorliegenden Band \u00fcberarbeitet und aktualisiert, wie die erste Fu\u00dfnote im Nachwort informiert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>Fragmens de g\u00e9ologie et de climatologie asiatiques<\/em>, T. 2, Paris: Gide 1831, S. 404.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>Asie centrale: Recherches sur les chaines de montagnes et la climatologie<\/em>, T. 3, Paris: Gide 1843, S. 107\u2013108. Im Jahr 1844 \u00fcbersetzte der Meteorologe Wilhelm Mahlmann den Titel <em>Asie centrale<\/em> ins Deutsche, vgl. Humboldt: <em>Central-Asien<\/em> (Anm. 1), S. 76.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Alexander von Humboldt: <em>Kleinere Schriften. Geognostische und physikalische Erinnerungen. Mit einem Atlas, enthaltend Umrisse von Vulkanen aus den Cordilleren von Quito und Mexico<\/em>, Bd. 1, Stuttgart\/T\u00fcbingen: Cotta 1853, S. 1.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Alexander von Humboldt: \u00bbUntersuchungen \u00fcber die eudiometrischen Mittel \u00fcber das Verh\u00e4ltni\u00df der wesentlichen Bestandtheile der Atmosph\u00e4re von A. v. Humboldt und J. L. Gay-Lussac\u00ab, in: ders.: <em>Kleinere Schriften<\/em> (Anm. 11), S. 315\u2013370; ders.: \u00bbUeber die isothermen Linien\u00ab, in: ebd., S. 206\u2013314.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> In der Berner Ausgabe finden sich die Aufs\u00e4tze verstreut in Band IV und V.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Katja Schicht: Alexander von Humboldt, ein Pionier der Klimaforschung, in: ZfL Blog, 13.8.2024, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/08\/13\/katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/08\/13\/katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/202400813-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/202400813-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/202400813-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/08\/13\/katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung\/\",\n  \"additionalType\": \"Review\",\n  \"name\": \"ALEXANDER VON HUMBOLDT, EIN PIONIER DER KLIMAFORSCHUNG\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Katja Schicht\",\n    \"givenName\": \"Katja\",\n    \"familyName\": \"Schicht\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0009-0003-4294-0957\"\n  },\n  \"license\": \"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-nd\/3.0\/legalcode\",\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2024-08-13\",\n  \"datePublished\": 2024,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"@id\": \"https:\/\/ror.org\/00bpta863\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung\"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alexander von Humboldt war der Erste, der jahrelang systematisch Messwerte aus verschiedenen Regionen der Erde sammelte, bearbeitete, miteinander verglich und auswertete. Er konnte dadurch das Klima statistisch bestimmen und in seinem Lebenswerk Kosmos, dessen f\u00fcnf B\u00e4nde ab 1845 erschienen, eine umfassende Klimadefinition vorstellen. Bereits 1844 hatte er in seiner Abhandlung zu den Gebirgsketten in Zentralasien <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/08\/13\/katja-schicht-alexander-von-humboldt-ein-pionier-der-klimaforschung\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[821,754,823,540,824,822],"class_list":["post-3356","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lektueren","tag-alexander-von-humboldt","tag-edition","tag-editionskritik","tag-klima","tag-klimafoschung","tag-klimatologie"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3356"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3356\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3501,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3356\/revisions\/3501"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}