{"id":336,"date":"2017-03-13T15:33:37","date_gmt":"2017-03-13T13:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=336"},"modified":"2025-03-04T15:56:05","modified_gmt":"2025-03-04T13:56:05","slug":"der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/03\/13\/der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet\/","title":{"rendered":"DER FRAGEBOGEN: Wir fragen, Karine Winkelvoss antwortet"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der Proust\u2019sche Fragebogen dient traditionell dazu sich kennenzulernen, sei es in einem franz\u00f6sischen Salon, wo er einst entstand, sei es auf der letzten Seite eines deutschen Magazins. Wir haben unseren eigenen Fragebogen f\u00fcr den ZfL BLOG entworfen. Hier antwortet jetzt Karine Winkelvoss, franz\u00f6sische Germanistin aus Rouen, die seit 2015 mit einem Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung f\u00fcr erfahrene Wissenschaftler zu Gast am ZfL ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Meine erste Hausarbeit w\u00e4hrend des Studiums handelte von \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Ich komme aus Frankreich, da war die Leitgattung im Studium nicht die Hausarbeit, sondern die Klausur \u2013 an die einzelnen Themen kann ich mich nicht erinnern, daf\u00fcr aber an das Gef\u00fchl, dass die wenigen Zeilen, mit denen man bis zu sieben Stunden eingeschlossen war, hinterher immer besonders intakt dastanden.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>\u00a0<\/strong>Das Schreiben der Dissertation war f\u00fcr mich \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>das Beste an der Dissertation.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>\u00a0<\/strong>Mein liebstes wissenschaftliches Buch:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Georges Didi-Huberman, <em>Fra Angelico, dissemblance et figuration. <\/em>In diesem Buch, auf das ich ganz am Anfang des Studiums gesto\u00dfen bin, wird durch eine kleine Verschiebung des Blicks etwas bisher Ungesehenes sichtbar gemacht und er\u00f6ffnet pl\u00f6tzlich eine ganz andere Dimension \u2013 wobei dieses Ungesehene nicht irgendetwas Verstecktes ist, sondern gerade das, was man eigentlich die ganze Zeit schon h\u00e4tte sehen m\u00fcssen. <\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Von allen wissenschaftlichen Autor\/inn\/en beeindruckt mich am meisten \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Passend zur vorhergehenden Frage: <a href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/didi-huberman.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georges Didi-Huberman<\/a>, wegen seiner Art, den pr\u00e4zisen, gleichsam unmittelbaren Blick auf Bilder und Texte mit historischer, anthropologischer, politischer Reflexion zu verbinden, ohne jemals das eine an das andere zu verraten.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Meine Lieblingsbibliothek:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Die <a href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/bibliothek.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bibliothek des ZfL<\/a> liebe ich sehr: dort habe ich schon viel gefunden, noch bevor ich es suchte.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die Universit\u00e4t ist ein Ort \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>der Freiheit und der Vielfalt, den man auf keinen Fall mit einem Unternehmen verwechseln sollte. <\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">D\u00fcrfte ich noch einmal von vorne beginnen, w\u00fcrde ich heute Folgendes studieren:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Literatur, noch einmal ganz von vorne! <\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">W\u00e4re ich von allen Zw\u00e4ngen frei, w\u00fcrde ich gerne folgender Frage nachgehen:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Im Moment <em>bin<\/em> ich tats\u00e4chlich, dank des Forschungsstipendiums der Humboldt-Stiftung, quasi von allen Zw\u00e4ngen frei \u2013 und gehe also der <a href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/poetik-der-pathosformel.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frage<\/a> nach, wie literarische Formen mit bestimmten Affektkulturen zusammenh\u00e4ngen bzw. in Konflikt geraten \u2013 exemplarisch bei W. G. Sebald das Stilideal der leidenschaftslosen Rede mit einer Ethik der Mitleidenschaft.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Meine abseitigste Ver\u00f6ffentlichung?<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Vielleicht die letzte \u2013 \u00fcber W. G. Sebalds Ornithologie \u2013, die aber nat\u00fcrlich nur scheinbar abseitig ist! Abseitigkeit ist ja sehr relativ \u2013 f\u00fcr mich als Leserin sind jedenfalls die entscheidenden Impulse meistens von ganz unvorhergesehener Seite gekommen. <\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Ein Wissenschaftler ben\u00f6tigt vor allem \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>nat\u00fcrlich Neugierde und Intuition, Leidenschaft und Pr\u00e4zision, kritischen Geist und Imagination, Geduld und Ungeduld. Um sich das alles leisten zu k\u00f6nnen, ben\u00f6tigt der Wissenschaftler allerdings auch Planungssicherheit und materielle Unabh\u00e4ngigkeit.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>\u00a0<\/strong>Forschen bedeutet f\u00fcr mich \u2026<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Zusammenh\u00e4ngen auf die Spur zu kommen, die uns nicht bewusst sind und uns dennoch pr\u00e4gen; zu verfolgen, wie neue Fragen entstehen und Gedanken sich verschieben; immer wieder bereit zu sein, sich selbst bei undurchdachten Vorannahmen und Gemeinpl\u00e4tzen zu ertappen.<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Mein Motto?<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Die meisten Probleme entstehen bei ihrer L\u00f6sung (Leonardo da Vinci).<\/strong><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Der Fragebogen: Wir fragen, Karine Winkelvoss antwortet, in: ZfL BLOG, 13.3.2017, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/03\/13\/der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/03\/13\/der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">DOI: <a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/03\/13\/der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet\/\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20170313-01<\/a><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20170313-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/03\/13\/der-fragebogen-wir-fragen-karine-winkelvoss-antwortet\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"DER FRAGEBOGEN: Wir fragen, Karine Winkelvoss antwortet\",\n  \"author\": [\n    {\n      \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung\",\n      \"affiliation\": {\n        \"@type\": \"Organization\",\n        \"@id\": \"https:\/\/ror.org\/00bpta863\",\n        \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung\"\n      },\n      \"@type\": \"Organization\"\n    },\n    {\n      \"name\": \"Karine Winkelvoss\",\n      \"givenName\": \"Karine\",\n      \"familyName\": \"Winkelvoss\",\n      \"@type\": \"Person\"\n    }\n  ],\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2017-03-13\",\n  \"datePublished\": 2017,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Proust\u2019sche Fragebogen dient traditionell dazu sich kennenzulernen, sei es in einem franz\u00f6sischen Salon, wo er einst entstand, sei es auf der letzten Seite eines deutschen Magazins. 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