{"id":3718,"date":"2025-03-24T11:44:44","date_gmt":"2025-03-24T09:44:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3718"},"modified":"2025-03-26T11:38:08","modified_gmt":"2025-03-26T09:38:08","slug":"sandra-folie-mohamed-mbougar-sarrs-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-im-zeichen-von-aesthetik-und-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/03\/24\/sandra-folie-mohamed-mbougar-sarrs-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-im-zeichen-von-aesthetik-und-politik\/","title":{"rendered":"Sandra Folie: MOHAMED MBOUGAR SARRS \u00bbDIE GEHEIMSTE ERINNERUNG DER MENSCHEN\u00ab IM ZEICHEN VON \u00c4STHETIK UND POLITIK"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Auf der ZfL-Klausurtagung 2024 wurde Mohamed Mbougar Sarrs Roman <em>La plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes <\/em>(<em>Die geheimste Erinnerung der Menschen<\/em>) gelesen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>\u00a0Dieses Werk wirft einige Fragen auf, die dem ZfL-Jahresthema \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/aktivismus-und-wissenschaft.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aktivismus und Wissenschaft<\/a>\u00ab nahestehen: Welche Asymmetrien existieren in der Bewertung von Literatur? Legen Literaturwissenschaft und Literaturkritik abh\u00e4ngig von der Herkunft, Ethnizit\u00e4t und\/oder <em>race<\/em> der Autor:innen unterschiedliche Ma\u00dfst\u00e4be an? Welche Rolle spielen im Literaturbetrieb Diskussionen um kulturelle Aneignung oder die Praktik des \u203aCancelns\u2039, bei der \u2013 wie es im <a href=\"https:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/canceln\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Duden<\/a> hei\u00dft \u2013 \u00bbeiner Person oder einer Organisation aufgrund vorgeworfener [moralischer, politischer] Verfehlungen die bisherige Unterst\u00fctzung entz[ogen wird]\u00ab? Und wie aktualisiert sich das alte Muster Elfenbeinturm vs. Engagement in der Rezeption von Gegenwartsliteratur? Auch wenn Sarr seinen Fokus weniger auf die Wissenschaft als vielmehr auf den Literaturbetrieb richtet, spielt die Einflussnahme von Wissenschaftler:innen auf die Rezeption von Literatur im Roman eine entscheidende Rolle. Sie bildet, wie ich zeigen werde, einen m\u00f6glichen Ausgangspunkt f\u00fcr die Erkundung des Verh\u00e4ltnisses von \u00c4sthetik und Politik.<!--more--><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Intertextualit\u00e4t oder Plagiat?<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Die geheimste Erinnerung der Menschen<\/em> ist \u00fcberwiegend aus der Perspektive des Senegalesen Di\u00e9gane Latyr Faye erz\u00e4hlt, eines angehenden Schriftstellers und Doktoranden der Literaturwissenschaft, der sich im Sommer 2018 in Paris auf die Suche nach einem verschollenen Autor namens T.C. Elimane und dessen Werk begibt.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> In der erz\u00e4hlten Welt des Romans hatte dieser ebenfalls aus dem Senegal stammende Schriftsteller 1938 einen umstrittenen Deb\u00fctroman ver\u00f6ffentlicht, <em>Das Labyrinth des Unmenschlichen<\/em>. Elimane war daf\u00fcr zwar als \u00bbschwarzer Rimbaud\u00ab (84) gefeiert, sein Schreiben aber auch als \u00bbGeifer eines Wilden\u00ab (88) abgetan worden. W\u00e4hrend der Roman den einen zu \u203aafrikanisch\u2039 war, w\u00fcnschten sich andere \u00bbmehr tropisches Kolorit, mehr Exotismus, mehr Durchdringung der afrikanischen Seele\u00ab (93). Manche bezweifelten sogar, \u00bbdass ein Afrikaner imstande sein k\u00f6nnte, ein Buch wie dieses auf Franz\u00f6sisch zu schreiben\u00ab (82), und stellten Elimanes Autorschaft bzw. die Originalit\u00e4t seines Werks grunds\u00e4tzlich infrage.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Drei im Roman skizzierte Reaktionen auf <em>Das Labyrinth des Unmenschlichen<\/em> erscheinen mir im Hinblick auf die Frage nach Elimanes origin\u00e4rer Autorschaft besonders aufschlussreich:<\/span><\/p>\n<ol>\n<li><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Ein Professor f\u00fcr afrikanische Ethnologie am Coll\u00e8ge de France, Henri de Bobinal, behauptete, dass Elimane den Gr\u00fcndungsmythos der senegalesischen Ethnie der Bassari \u00fcbernommen habe, und wertete dies als \u00bbPlagiat\u00ab im Sinne einer literarischen kulturellen Aneignung: \u00bbVielleicht steckte eine edle Absicht dahinter (die Bassari-Kultur bekannt zu machen), doch warum erw\u00e4hnt er dann mit keinem Wort dieses Volk, zu dem er vielleicht geh\u00f6rt? Warum schreibt er, als ob diese Geschichte allein seiner Fantasie oder seinem Talent entsprungen w\u00e4re?\u00ab (100)<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Ein Kollege Bobinals, der Inhaber eines Lehrstuhls f\u00fcr Literatur am Coll\u00e8ge de France, Paul-\u00c9mile Vaillant, sprach zwar \u00bbvom subtilen und unverhohlenen \u203aliterarischen Diebesgut\u2039\u00ab (101) und von Elimanes Pl\u00fcnderungen \u00bbvon europ\u00e4ischen, amerikanischen, orientalischen Klassikern\u00ab (102). Allerdings geh\u00f6rte er zu den wenigen, die die \u00e4sthetische Gestaltung von Elimanes Werk n\u00e4her in den Blick nahmen, etwa das \u00bbVerfahren\u00ab bzw. die \u00bbF\u00e4higkeit des Autors, Fragmente aus all diesen B\u00fcchern aneinanderzureihen und unter seine eigene Prosa und die originelle Haupterz\u00e4hlung zu mischen, ohne dass der Text dadurch unverst\u00e4ndlich wird\u00ab (ebd.).<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"3\">\n<li><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der Literaturkritiker Auguste-Raymond Lamiel schlie\u00dflich radikalisierte diesen Ansatz, der Elimanes kunstvolle literarische Form anerkennt, indem er fragte, ob denn \u00bbnicht die gesamte Literaturgeschichte die Geschichte eines gro\u00dfen Plagiats\u00ab sei: \u00bbWas w\u00e4re Montaigne ohne Plutarch gewesen? Was La Fontaine ohne \u00c4sop? Was Moli\u00e8re ohne Plautus? Was Corneille ohne Guill\u00e9n de Castro? Das eigentliche Problem ist vielleicht das Wort \u203aPlagiat\u2039. Sicherlich w\u00e4re es anders gekommen, h\u00e4tte man stattdessen die literarischere, wissenschaftlichere, zumindest dem Anschein nach edlere Vokabel der Entlehnung verwendet.\u00ab (104)<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die ersten beiden Positionen zeigen, wie Elimane von angesehenen <em>wei\u00dfen<\/em> Wissenschaftlern diskreditiert wurde: \u00fcberaus selbstbewusst und moralisierend vom Ethnologen Bobinal, der von Elimane fordert, \u00bbin aller \u00d6ffentlichkeit Abbitte [zu] leisten\u00ab (100); und, etwas ambiger, vom Literaturwissenschaftler Vaillant, bei dem die Frage nach der Grenze zwischen positiv zu bewertender Intertextualit\u00e4t und illegitimer literarischer Aneignung zumindest anklingt. In der dritten Position des Literaturkritikers Lamiel wird deutlich, dass diese Grenzziehung samt damit einhergehender unterschiedlicher Bewertung wom\u00f6glich von der Herkunft des Schreibenden abh\u00e4ngt und folglich von Bobinal und Lamiel ein doppelter Ma\u00dfstab angelegt wird. \u00bbWas bei einem westlichen Autor als intertextuelle Collage oder Umdichtung gilt, wird bei einem Autor aus Afrika als Plagiat gebrandmarkt\u00ab, kommentieren diesbez\u00fcglich die Literaturwissenschaftler:innen Irene Albers und Andreas Schmid.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Die (Un-)Kultur des Cancelns<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der Verdacht, dass die beiden Wissenschaftler des Coll\u00e8ge de France in ihrer Wertung durch rassistische Vorurteile beeinflusst worden sein k\u00f6nnten, erh\u00e4rtet sich, wenn Sarrs Roman in einer satirischen Wendung offenbart, dass der Ethnologe Bobinal den angeblich von Elimane plagiierten Mythos selbst erfunden hatte. Der Plagiatsvorwurf wird somit als Strategie entlarvt, den senegalesischen Schriftsteller zu canceln. Diese Erkenntnis kommt jedoch erst durch Di\u00e9ganes Recherchen ans Licht und damit f\u00fcr Elimane und sein Buch Jahrzehnte zu sp\u00e4t: 1938 hatte der Verlag den Roman aus dem Handel genommen, den Restbestand vernichtet und war in die Insolvenz gegangen. Elimanes Karriere war vorbei, noch bevor sie richtig begonnen hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Sarr deutet mit der Plagiatsaff\u00e4re um Elimanes Roman eine Art Vorgeschichte der Cancel Culture im Literaturbetrieb an. Bezogen auf Literatur fungiert Cancel Culture heute insbesondere als konservativer \u00bbKampfbegriff\u00ab,<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0um die vermeintliche Zensur von literarischen (Kinderbuch-)Klassikern anzuklagen: entweder, weil diese diskriminierende Inhalte aufweisen, oder aber, weil gegen ihre Autor:innen schwere moralische Vorw\u00fcrfe erhoben werden.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Das dahinterstehende Prinzip, Autor:innen aufgrund kontroverser \u00c4u\u00dferungen oder als unangemessen empfundener Darstellungen in ihren Werken gezielt zum Schweigen zu bringen, ist jedoch nicht neu. Ebenso wenig ist es neu, dass dabei textimmanente Merkmale mit sozialen Identit\u00e4tsmerkmalen der Autor:innen vermischt werden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Sarr zeigt, dass die Diffamierung Elimanes keinen fiktiven Einzelfall darstellt, sondern vielmehr Realit\u00e4ten des Literaturbetriebs widerspiegelt. Denn Elimane wird nicht nur als Vorl\u00e4ufer von Jorge Luis Borges und Roberto Bola\u00f1o<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> pr\u00e4sentiert, sondern verk\u00f6rpert auch eine fiktionalisierte Version des malischen Autors Yambo Ouologuem, dem Sarr seinen Roman gewidmet hat. 1968 wurde Ouologuem f\u00fcr seinen Deb\u00fctroman <em>Le devoir de violence<\/em> in Frankreich mit dem renommierten Prix Renaudot ausgezeichnet, sah sich jedoch anschlie\u00dfend mit Plagiatsvorw\u00fcrfen konfrontiert. Ausgerechnet im Erscheinungsjahr von Roland Barthes\u2019 <em>Tod des Autors<\/em> \u00fcbersah die Literaturkritik, dass hinter Ouologuems Collagetechnik eine strategische Antiauthentizit\u00e4t steckte, aus der dieser im \u00dcbrigen nie ein Geheimnis gemacht hatte. 1970 listete Ouologuem in einem Brief nicht nur zahlreiche seiner Intertexte auf, sondern erkl\u00e4rte auch, dass in seinem Roman urspr\u00fcnglich Anf\u00fchrungszeichen und Quellennachweise zur Markierung fremden Materials vorgesehen waren.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Statt einer intensiven Auseinandersetzung mit Ouologuems intertextuellem Verfahren kam es jedoch zu einer juristischen Debatte, in deren Folge das Buch f\u00fcr mehrere Jahrzehnte vom Markt verschwand.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die Parallelen zwischen dem realen Fall Ouologuems aus dem Jahr 1968 und dem fiktiven Fall Elimanes von 1938 sind augenf\u00e4llig.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Mit der Entscheidung, Elimanes Deb\u00fct in die 1930er Jahre zu verlegen, schafft Sarr eine historische Tiefe, die es ihm erlaubt, auf weitere vergleichbare Kontroversen anzuspielen. So war schon Ren\u00e9 Maran, der 1921 als erster Schwarzer Autor mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, vorgeworfen worden, er habe andere Kolonialromane \u203apastischiert\u2039; am Roman <em>Force-bont\u00e9<\/em> des senegalesischen Autors Bakary Diallo von 1926 wurde die angebliche Einfachheit und M\u00fcndlichkeit afrikanischer Literatur vermisst; und nach der Ver\u00f6ffentlichung von <em>Le regard du roi<\/em> des guineischen Autors Camara Laye 1954 wurden Zweifel an seiner Autorschaft ge\u00e4u\u00dfert, weil sein Stil als zu weit entfernt von einer afrikanischen \u203aAuthentizit\u00e4t\u2039 wahrgenommen wurde. Angesichts dieser vergleichbaren F\u00e4lle in der frankophonen Literaturgeschichte des 20. Jahrhunderts griffe es zu kurz, <em>Die geheimste Erinnerung der Menschen<\/em> als Schl\u00fcsselroman zu lesen. Wenn auch einige Figuren (allen voran Elimane) an reale Personen (wie Ouologuem) angelehnt sind, scheint es Sarr weniger um deren individuelle Biographien zu gehen als um die gr\u00f6\u00dferen Zusammenh\u00e4nge und Kontinuit\u00e4ten.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>Identit\u00e4tspolitik und literarische Qualit\u00e4t<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Auch <em>Die geheimste Erinnerung der Menschen<\/em> blieb trotz seines gro\u00dfen internationalen Erfolgs \u2013 der Auszeichnung mit dem Prix Goncourt 2021 folgten \u00dcbersetzungen in zahlreiche Sprachen \u2013 nicht von Kontroversen verschont. In Deutschland l\u00f6ste ein in der <em>Zeit<\/em> ver\u00f6ffentlichter Artikel von Juliane Liebert und Ronya Othmann einen Eklat aus. Die beiden Schriftstellerinnen waren Teil der Jury des renommierten <a href=\"https:\/\/www.hkw.de\/programme\/internationaler-literaturpreis\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internationalen Literaturpreises<\/a>, der Sarr und den deutschen \u00dcbersetzer:innen seines Romans, Holger Fock und Sabine M\u00fcller, 2023 vom Berliner Haus der Kulturen der Welt (HKW) verliehen wurde. In ihren detaillierten Schilderungen der Jurysitzungen warfen sie den anderen Juror:innen und dem HKW vor, auf Grundlage von Identit\u00e4tspolitik statt literarischer Qualit\u00e4t entschieden und somit gegen die eigenen Kriterien der Preisvergabe versto\u00dfen zu haben.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Dass Liebert und Othmann gegen eine Verschwiegenheitsklausel verstie\u00dfen, noch dazu kurz vor Ver\u00f6ffentlichung der Shortlist 2024, wurde als notwendiges Opfer f\u00fcr den angeblich reinen Blick auf Literatur besch\u00f6nigt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">W\u00e4hrend die anderen Jury-Mitglieder und das HKW die Vorw\u00fcrfe einer Benachteiligung<em> wei\u00dfer<\/em> Autor:innen dementierten, machten die Literaturkritikerin Insa Wilke und die Schriftstellerin Mithu Sanyal (unabh\u00e4ngig voneinander) darauf aufmerksam, dass die Debatte \u00c4sthetik vs. Politik alt und wiederkehrend ist.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Sie wird immer dann besonders laut gef\u00fchrt, wenn es Ver\u00e4nderungen in der Debattenkultur gibt und wenn mehr Menschen die M\u00f6glichkeit haben und nutzen, sich daran zu beteiligen. Im Literaturbetrieb waren das ab den 1970er Jahren zun\u00e4chst vor allem Debatten um die Sichtbarkeit des Schreibens von Frauen und Arbeitsmigrant:innen. Heute ist gesellschaftliche Vielfalt aufgrund vorangegangener Bewegungen und Aktivismen zwar sichtbarer als fr\u00fcher, es k\u00e4mpfen aber nach wie vor zahlreiche, vor allem migrantisierte und rassifizierte Schriftsteller:innen f\u00fcr \u00bbgleiche Zugangschancen\u00ab zum Literaturbetrieb.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Sie fordern, dass ihre Werke nicht allein aufgrund ihrer \u203aIdentit\u00e4t\u2039 als unliterarische Betroffenheitsliteratur aussortiert bzw. ausschlie\u00dflich autobiographisch und identit\u00e4tspolitisch rezipiert werden. Auch sollte ihr Schreiben nicht l\u00e4nger bestimmten Erwartungshaltungen \u2013 Autor:innen mit Migrationsgeschichte schreiben \u00fcber Migration, Schwarze Autor:innen \u00fcber Rassismus usw. \u2013 entsprechen m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt publiziert oder rezipiert zu werden. Wie Sharon Dodua Otoo in ihrer Er\u00f6ffnungsrede \u00bbD\u00fcrfen Schwarze Blumen Malen?\u00ab zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2020 mit Blick auf die Literatur Schwarzer deutscher Autor:innen feststellte, tragen diese eine \u00bbB\u00fcrde der Repr\u00e4sentation\u00ab: \u00bbAuch wenn wir es wollen, steht unsere Kunst nicht f\u00fcr sich allein \u2013 sie wird zur Repr\u00e4sentation einer ganzen Community.\u00ab<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Ein anderes Problem der Diskussionen um das vermeintliche Jury-Whistleblowing liegt darin, dass die m\u00fcndlichen Aussagen von Juror:innen, die Liebert und Othmann ein Jahr sp\u00e4ter teils w\u00f6rtlich zitieren, h\u00e4ufig wie schriftliche Belege behandelt wurden. Die Konsequenz: \u00bbDie Diffamierten k\u00f6nnen sich nicht wehren. Man h\u00e4lt ihnen entgegen: Doch, das habt ihr so gesagt, wir erinnern uns daran. Und das bleibt h\u00e4ngen, selbst wenn die Aussagen frei erfunden oder rhetorisch zugespitzt wurden.\u00ab<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> \u2013 Im Text von Liebert und Othmann offenbaren sich Parallelen zu jener Cancel-Praxis, die Sarr in seinem Roman vorf\u00fchrt: Schlie\u00dflich war es Bobinals \u2013 wie sich sp\u00e4ter herausstellen sollte \u2013 frei erfundener senegalesischer Mythos, mit dem die Plagiatsaff\u00e4re er\u00f6ffnet und der Rezeption eine bestimmte Richtung vorgegeben wurde. So trug dieser unhaltbare Plagiatsvorwurf eines renommierten Wissenschaftlers ma\u00dfgeblich dazu bei, Elimane und sein Buch in der Obskurit\u00e4t verschwinden zu lassen. Der Artikel von Liebert und Othmann ist ebenso wie jener Bobinals diffamierend. Er besch\u00e4digt unabh\u00e4ngig von der Redlichkeit ihrer Vorw\u00fcrfe, die angenommen oder angezweifelt werden kann, die in der Diskussion stehenden Autor:innen und Juror:innen.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Damit haben sie zwar weder Sarrs Roman (um dessen Inhalt und Form<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> es in der ganzen Debatte \u00fcberhaupt nicht ging) noch den Internationalen Literaturpreis gecancelt, aber ganz sicher auch nicht dazu beigetragen, dass mehr \u00fcber die Literarizit\u00e4t der nominierten und ausgezeichneten Romane gesprochen wurde.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">2024 ging der Preis an Pajtim Statovci und Stefan Moster, einen <em>wei\u00dfen<\/em> finnischen Autor und seinen <em>wei\u00dfen<\/em> deutschen \u00dcbersetzer. Selbst wenn, oder vielleicht gerade weil diese Entscheidung f\u00fcr den Roman <em>Meine Katze Jugoslawien<\/em> nicht nach einer identit\u00e4tspolitischen \u00dcbererf\u00fcllung aussieht, ist der angerichtete Schaden noch immer sp\u00fcrbar. Medienberichte \u00fcber die Preisverleihung verweisen beinahe geschlossen auf die Kritik an der vorherigen<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> \u2013 meist kurz bevor oder nachdem auf den Umstand hingewiesen wird, dass Statovci im Alter von zwei Jahren mit seinen albanischen Eltern aus dem Kosovo nach Finnland gekommen sei und eben diese Fluchterfahrung und seine Queerness im Roman verarbeitet habe.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> Von einer Einsch\u00e4tzung, ob die Anschuldigungen Lieberts und Othmanns in einer positiven, den Preis rehabilitierenden, oder in einer negativen, die Vorw\u00fcrfe best\u00e4tigenden Weise mit der aktuellen Juryentscheidung zu verkn\u00fcpfen sind, nehmen die mir bekannten Berichte alle Abstand.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die Unlust an einer Positionierung (auch seitens des HKW) in der wichtigen Frage nach der Rolle von \u00c4sthetik <em>und<\/em> Politik bei der Vergabe dieses Literaturpreises deutet an, dass sich Liebert und Othmann durch ihre Kritik an der angeblichen Benachteiligung <em>wei\u00dfer<\/em> Autor:innen letztlich an der Sch\u00e4digung einer viel gr\u00f6\u00dferen Sache beteiligt haben: des Vertrauens in die M\u00f6glichkeit, eine sachliche Diskussion \u00fcber die \u2013 auch \u2013 literaturpolitische Funktion von Literaturpreisen f\u00fchren zu k\u00f6nnen, und letztlich auch dar\u00fcber, welche Autor:innen und Werke warum \u00fcbergangen oder beachtet werden, wie das die literarische Landschaft pr\u00e4gt und was es \u00fcber unsere Gesellschaft und ihre Institutionen, einschlie\u00dflich der wissenschaftlichen, aussagt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Die Literaturwissenschaftlerin <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/folie.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sandra Folie<\/a> arbeitet am ZfL im ERC-Projekt \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/schwarze-narrative-transkultureller-aneignung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schwarze Narrative transkultureller Aneignung: Literarische Akte des Konstruierens afroeurop\u00e4ischer Welten und der Infragestellung europ\u00e4ischer Grundlagen<\/a>\u00ab. <\/em><em>Auf dem ZfL BLOG erschien von ihr zuletzt <\/em><em>\u00bb<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/02\/15\/sandra-folie-aspekte-schwarzer-geschichten-in-berlin-global-eine-fuehrungs-und-ausstellungsreflexion\/\">Aspekte Schwarzer Geschichte(n) in \u203aBerlin Global\u2039. Eine F\u00fchrungs- und Ausstellungsreflexion<\/a>\u00ab.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Bei der j\u00e4hrlichen Klausurtagung kommen die Mitarbeiter:innen des ZfL abseits des institutionellen Alltags f\u00fcr zwei Tage zusammen, um ein gemeinsam ausgew\u00e4hltes Buch zu diskutieren. Die Klausurtagung bot Gianna Zocco und mir somit die Gelegenheit, uns mit Kolleg:innen anhand eines konkreten Texts \u00fcber unsere <a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/schwarze-narrative-transkultureller-aneignung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Forschung zu afroeurop\u00e4ischen Literaturen<\/a> auszutauschen. Damit geh\u00f6rt dieser Beitrag auch zu unserer <a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/02\/15\/sandra-folie-aspekte-schwarzer-geschichten-in-berlin-global-eine-fuehrungs-und-ausstellungsreflexion\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">im Februar 2024 gestarteten Blogserie<\/a>, f\u00fcr die wir uns mit Berliner Orten und Institutionen besch\u00e4ftigen, die f\u00fcr eine afroeurop\u00e4isch fokussierte Literatur- und Kulturforschung relevant sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Mohamed Mbougar Sarr: <em>Die geheimste Erinnerung der Menschen<\/em>, aus dem Franz\u00f6sischen von Holger Fock und Sabine M\u00fcller, 6. Aufl. M\u00fcnchen 2023; alle Zitatnachweise erfolgen unter Angabe der Seitenzahl im Text.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Irene Albers und Andreas Schmid: \u00bb<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1007\/s41245-023-00222-9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Literatur als koloniale Beute? F\u00fcr eine philologische Provenienzforschung<\/a>\u00ab, in: <em>Deutsche Vierteljahresschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte <\/em>97.4 (2023), S. 1003\u20131018, hier S. 1004.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Andrea Geier: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/debatte-ueber-cancel-culture-wie-kampfbegriffe-den-diskurs-100.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Debatte \u00fcber \u203aCancel Culture\u2039. Wie Kampfbegriffe den Diskurs pr\u00e4gen<\/a>\u00ab, in: <em>Deutschlandfunk Kultur<\/em>, 24.9.2022. Der Begriff Cancel Culture war urspr\u00fcnglich im linken Milieu entstanden, um Ausgrenzung und sexistische wie rassistische Diskriminierung anzuklagen. Inzwischen hat jedoch eine Umdeutung bzw. Aneignung durch rechtskonservative und -extreme Politiker:innen und Publizist:innen stattgefunden. Vgl. Martina Thiele: \u00bb<a href=\"https:\/\/journalistikon.de\/cancel-culture\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cancel Culture<\/a>\u00ab, in: <em>Journalistikon. Das W\u00f6rterbuch der Journalistik,<\/em> 10.7.2022.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Diese Ausformung der gegenw\u00e4rtigen literarischen Cancel Culture steht im Fokus des Bands <em>Canceln. Ein notwendiger Streit <\/em>(hg. von Annika Domainko u.a., M\u00fcnchen 2023).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Dessen Roman <em>Die wilden Detektive<\/em> hat Sarr den Titel seines Romans entlehnt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Elara Bertho: \u00bb\u00c9crivains \u203anoirs\u2039 et prix litt\u00e9raires. Enqu\u00eate et contre-attaque selon Mohamed Mbougar Sarr\u00ab, in: <em>Annales. <\/em><em>Histoire, Sciences Sociales<\/em> 77.3 (2022), S. 491\u2013507, hier S. 499.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Der Roman wurde in Frankreich erstmals wieder 2003 von Le Serpent \u00e0 Plumes ver\u00f6ffentlicht, war dann aber schnell vergriffen. 2018 gab es eine Neuausgabe bei Ouologuems urspr\u00fcnglichem Verlag Le Seuil. 2019 erschien bei Elster &amp; Salis eine durchgesehene und geringf\u00fcgig korrigierte Textfassung der deutschen \u00dcbersetzung von 1969.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Bertho zitiert aus Rezensionen der Werke von Maran, Diallo, Laye und Ouologuem und zeigt, dass einige Formulierungen Eingang in die fiktiven Rezensionen des <em>Labyrinths <\/em>gefunden haben. Vgl. Bertho: \u00bb\u00c9crivains \u203anoirs\u2039 et prix litt\u00e9raires\u00ab (Anm. 7), S. 501\u2013503.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Juliane Liebert und Ronya Othmann: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2024\/22\/literaturpreis-jury-abstimmung-insider-macht-weltanschauung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Jury<\/a>\u00ab, in: <em>Die Zeit<\/em> 22, 15.5.2024.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Insa Wilke: \u00bb\u203a<a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/ZEIT-Artikel-um-Literaturpreis-Die-Arbeit-von-Jurys-ist-bedroht,wilke146.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ZEIT\u2039-Artikel um Literaturpreis: \u203aDie Arbeit von Jurys ist bedroht<\/a>\u2039\u00ab, <em>NDR<\/em>, 17.5.2024; Mithu Sanyal und Ijoma Mangold: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2024\/23\/mithu-sanyal-internationaler-literaturpreis-politik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gibt es einen reinen Blick auf Literatur \u2013 frei von Politik?<\/a>\u00ab, in: <em>Die Zeit<\/em> 23, 23.5.2024.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Sanyal\/Mangold: \u00bbGibt es einen reinen Blick auf Literatur \u2013 frei von Politik?\u00ab (Anm. 11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Sharon Dodua Otoo: \u00bbD\u00fcrfen Schwarze Blumen Malen?\u00ab, in: <em>Herr Gr\u00f6ttrup setzt sich hin<\/em>. Drei Texte. Mit Zeichnungen der Autorin, Frankfurt am Main 2022, S. 28\u201347, hier S. 45.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Insa Wilke: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/interna-aus-hkw-literaturpreis-jury-das-ende-des-anstands\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Interna aus HKW-Literaturpreis-Jury: \u203aDas Ende des Anstands\u2039<\/a>\u00ab, in: <em>Der Freitag<\/em>, 17.5.2024.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Selbst bei angenommener Redlichkeit und folglich Ungerechtigkeit der Juryentscheidung wirkt die Annahme Lieberts und Othmanns, dass nur wei\u00dfe Autor:innen \u00bbOpfer von Identit\u00e4tspolitik\u00ab sind, reichlich naiv, \u00bbda ja so viel Identit\u00e4tspolitik unsichtbar wirksam ist\u00ab. Vgl. Sanyal: \u00bbGibt es einen reinen Blick auf Literatur\u00ab (Anm. 11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. hierzu mein <a href=\"https:\/\/caponeu.eu\/cdp\/novels\/la-plus-secrete-memoire-des-hommes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Textportr\u00e4t<\/a> f\u00fcr die digitale Plattform des Projekts CAPONEU. The Cartography of the Political Novel in Europe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Z.B. in <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/internationaler-literaturpreis-geht-an-finnischen-autor-pajtim-statovci-104.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Deutschlandfunk<\/em><\/a> und <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/internationaler-literaturpreis-geht-an-finnischen-autor-pajtim-statovci-108.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Deutschlandfunk Kultur<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/hkw-haus-der-kulturen-der-welt-internationaler-literaturpreis-geht-an-pajtim-statovci-li.2232140\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Berliner Zeitung<\/em><\/a>, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Internationaler-Literaturpreis-verliehen\/!6021844\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>taz<\/em><\/a>. Die teils gro\u00dfe \u00c4hnlichkeit der Meldungen mag, wie <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2024-07\/05\/literaturpreis-fuer-pajtim-statovci-und-stefan-moster\"><em>Die Zeit<\/em><\/a> offenlegt, daher r\u00fchren, dass viele nicht oder kaum ver\u00e4ndert von der Deutschen Presse-Agentur \u00fcbernommen wurden. Eine Ausnahme bildet die Meldung des <a href=\"https:\/\/uepo.de\/2024\/07\/06\/stefan-moster-erhaelt-internationalen-literaturpreis-fuer-uebersetzung-meine-katze-jugoslawien-aus-dem-finnischen\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u00dcbersetzerportals<\/em><\/a>, das nicht auf die Anschuldigungen Lieberts und Othmanns verweist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Dass der Roman bei seinem Erscheinen 2014 nicht als \u00bbMigrationsliteratur\u00ab, sondern als finnische Literatur kategorisiert wurde, veranschaulicht den j\u00fcngsten politischen Wandel in Finnland in Bezug auf die Frage, wer als Finn:in gilt. Siehe Eric Bergmans <a href=\"https:\/\/www.caponeu.eu\/cdp\/novels\/kissani-jugoslavia\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Textportr\u00e4t<\/a> zu Statovcis Roman.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Sandra Folie: Mohamed Mbougar Sarrs \u00bbDie geheimste Erinnerung der Menschen\u00ab im Zeichen von \u00c4sthetik und Politik, in: ZfL Blog, 24.3.2025, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/03\/24\/sandra-folie-mohamed-mbougar-sarrs-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-im-zeichen-von-aesthetik-und-politik\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/03\/24\/sandra-folie-mohamed-mbougar-sarrs-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-im-zeichen-von-aesthetik-und-politik\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20250324-01\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20250324-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20250324-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/03\/24\/sandra-folie-mohamed-mbougar-sarrs-die-geheimste-erinnerung-der-menschen-im-zeichen-von-aesthetik-und-politik\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"MOHAMED MBOUGAR SARRS \u00bbDIE GEHEIMSTE ERINNERUNG DER MENSCHEN\u00ab IM ZEICHEN VON \u00c4STHETIK UND POLITIK\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Sandra Folie\",\n    \"givenName\": \"Sandra\",\n    \"familyName\": \"Folie\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-5020-3418\"\n  },\n  \"license\": \"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/3.0\/legalcode\",\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2025-03-24\",\n  \"datePublished\": 2025,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"@id\": \"https:\/\/ror.org\/00bpta863\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung\"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf der ZfL-Klausurtagung 2024 wurde Mohamed Mbougar Sarrs Roman La plus secr\u00e8te m\u00e9moire des hommes (Die geheimste Erinnerung der Menschen) gelesen.[1]\u00a0Dieses Werk wirft einige Fragen auf, die dem ZfL-Jahresthema \u00bbAktivismus und Wissenschaft\u00ab nahestehen: Welche Asymmetrien existieren in der Bewertung von Literatur? 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