{"id":3877,"date":"2025-12-18T12:04:11","date_gmt":"2025-12-18T10:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3877"},"modified":"2025-12-18T12:43:07","modified_gmt":"2025-12-18T10:43:07","slug":"matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/","title":{"rendered":"Matthias Schwartz: In der Finsternis des Krieges. DER UKRAINISCHE BESTSELLER-AUTOR ILLARION PAVLIUK"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>1.<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der in Deutschland wohl bekannteste Schriftsteller aus der Ukraine, Juri Andruchowytsch, sagte im Sommer in einem Interview auf dem Buchfestival \u00bbBestsellerFest 2025\u00ab im westukrainischen Lwiw: \u00bbIn der Ukraine gibt es viel mehr Menschen, die ein Foto zusammen mit mir haben, als solche, die auch nur ein einziges meiner B\u00fccher gelesen haben.\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Damit d\u00fcrfte Andruchowytsch nicht alleine sein. Schaut man sich die Verkaufszahlen der in den letzten zehn Jahren ins Deutsche \u00fcbersetzten Schriftstellerinnen und Schriftsteller der Ukraine im Land selbst an, zeigt sich: Sie erhalten zwar internationale Preise, Stipendien und Einladungen, doch zu Hause erreichen sie nur ein recht \u00fcberschaubares Publikum.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Bestseller schreiben andere, die wiederum bei uns kaum jemand kennt. Bis 2014 waren dies h\u00e4ufig russischsprachige B\u00fccher, die auch in anderen L\u00e4ndern des postsowjetischen Raums, insbesondere in der Russischen F\u00f6deration, verkauft werden konnten.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Seit dem Euromaidan 2013\/14 und Russlands anschlie\u00dfender Invasion sowie aufgrund versch\u00e4rfter Sprachgesetze, die auf eine F\u00f6rderung ukrainischsprachiger Literatur und ein Zur\u00fcckdr\u00e4ngen des Russischen zielen, hat sich die Lage jedoch ge\u00e4ndert.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Heute verkaufen sich auch auf Ukrainisch publizierte Werke hunderttausendfach.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der erfolgreichste Autor der letzten Jahre ist Illarion Pavliuk, dessen Roman <em>Ich sehe, Sie interessieren sich f\u00fcr die Finsternis<\/em> aus dem Jahr 2020 bis heute regelm\u00e4\u00dfig die Bestsellerlisten ukrainischer Belletristik anf\u00fchrt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Am Erfolg dieses \u00bbneuen Stars der ukrainischen Belletristik\u00ab<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> l\u00e4sst sich die tiefgreifende Ersch\u00fctterung der ukrainischen Gesellschaft durch den Krieg ablesen. Denn popul\u00e4re Genreliteratur, die massenweise gelesen wird, ist immer auch ein Gradmesser f\u00fcr kollektive Sehns\u00fcchte und \u00c4ngste. Gerade in existenziellen Krisenzeiten k\u00f6nnen vermeintlich eskapistische und fantastische literarische Fiktionen viel ungeschminkter gesellschaftliche Stimmungen einfangen als dem politischen Zeitgeist folgende engagierte Gegenwartsliteratur und Publizistik.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>2.<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Illarion Pavliuk ist nicht nur ein erfolgreicher Bestsellerautor, er blickt auch auf eine schillernde Karriere als Journalist, Filmproduzent, Regisseur und Schauspieler zur\u00fcck. Er wurde 1980 in der damals sowjetischen Schwarzmeerstadt Skadowsk in der Region Cherson in der Ostukraine geboren. Als er vier war, starb sein \u00e4lterer Bruder, als er sieben war, musste seine Familie auf die Insel Sachalin im \u00e4u\u00dfersten Osten der Sowjetunion umsiedeln: Seine Eltern, die beide f\u00fcr eine Lokalzeitung arbeiteten, waren in der fr\u00fchen Glasnost-Zeit an der Aufdeckung eines Korruptionsskandals innerhalb der \u00f6rtlichen Parteikader beteiligt, woraufhin sie wegen \u00bbantisowjetischer T\u00e4tigkeit\u00ab in die Verbannung geschickt wurden.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Den Zusammenbruch der Sowjetunion und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Niedergang erlebte Pavliuk im fernen Osten, wo er nach eigener Auskunft begann, mit Freunden die ukrainische Sprache zu lernen und zum \u00bbukrainischen Nationalisten\u00ab zu werden.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> Als er 1996 ein Journalistikstudium an der Ostukrainischen Staatsuniversit\u00e4t von Luhansk aufnahm, wurde er wegen seines Gebrauchs des Ukrainischen in der dominant russischsprachigen Region mit dem Vorwurf konfrontiert, ein \u00bbBenderowiz\u00ab zu sein.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Noch w\u00e4hrend des Studiums begann er f\u00fcr Luhansker Zeitungen und Radiosender zu arbeiten, bevor er 2001 nach Kyjiw zum privaten Fernsehkanal Inter wechselte. F\u00fcr diesen ging er 2002 als Sonderkorrespondent f\u00fcr vier Jahre nach Israel, von wo er \u00fcber den Nahostkonflikt berichtete und dabei hautnah miterlebte, was ein permanenter Kriegszustand bedeutet. Er selbst \u00fcberlebte nur knapp einen Bombenanschlag und erlitt ein Sch\u00e4delhirntrauma. In Interviews mit islamistischen Terroristen, so erz\u00e4hlte er sp\u00e4ter, sei er erstmalig mit seiner j\u00fcdischen Herkunft v\u00e4terlicherseits konfrontiert worden.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Zur\u00fcck in Kyjiw arbeitete er zun\u00e4chst f\u00fcr verschiedene private Studios und Fernsehsender, bevor er zusammen mit Kollegen seine eigene Produktionsfirma Ivory Films gr\u00fcndete. Die dort produzierten Dokumentarfilme sind in dem damals verbreiteten alarmistischen Ton gehalten und pr\u00e4sentieren vermeintlich sensationelle Enth\u00fcllungen \u00fcber zuvor tabuisierte Themen. Pavliuk faszinierten unter anderem Fragen genetischer Charakteranlagen (<em>\u0413\u0435\u043d<\/em> <em>\u0436\u043e\u0440\u0441\u0442\u043e\u043a\u043e\u0441\u0442\u0456<\/em> [<em>Das Gen der Grausamkeit<\/em>], 2007), moderne Psychotechniken der Gehirnw\u00e4sche (<em>\u0421\u0435\u043a\u0442\u0438<\/em><em>. <\/em><em>\u041a\u043e\u043d\u0442\u0440\u043e\u043b\u044c<\/em> <em>\u0441\u0432\u0456\u0434\u043e\u043c\u043e\u0441\u0442\u0456<\/em> [<em>Sekten. Bewusstseinskontrolle<\/em>], 2008) oder Verschw\u00f6rungstheorien beispielsweise zur Geschichte des Zweiten Weltkriegs in der Ukraine (<em>\u0420\u0456\u0432\u0435\u043d\u044c<\/em> <em>\u0441\u0435\u043a\u0440\u0435\u0442\u043d\u043e\u0441\u0442\u0456<\/em><em> 18<\/em> [<em>Geheimhaltungsstufe 18<\/em>], 2010). 2012 produzierte er die erste ukrainische Mockumentary<em> Stinger<\/em>, eine Serie \u00fcber mysteri\u00f6se Mordf\u00e4lle in der Ukraine (16 Folgen).<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Am Vorabend des Euromaidan, als die gesellschaftliche Unzufriedenheit mit der Korruption unter Pr\u00e4sident Wiktor Janukowitsch und seiner \u00bbPartei der Regionen\u00ab bereits gro\u00df war, sorgte sein Dokumentarfilm <em>\u0414\u041d\u041a<\/em><em>. <\/em><em>\u041f\u043e\u0440\u0442\u0440\u0435\u0442<\/em> <em>\u043d\u0430\u0446\u0456\u0457<\/em> (<em>DNA. Portrait einer Nation<\/em>, 2012) f\u00fcr Aufsehen, dem noch zwei \u00e4hnliche Filme folgten, <em>\u0414\u041d\u041a<\/em><em>-2. <\/em><em>\u0412<\/em> <em>\u043f\u043e\u0448\u0443\u043a\u0430\u0445<\/em> <em>\u0436\u0456\u043d\u043a\u0438<\/em> (<em>DNA-2. Auf der Suche nach der Frau<\/em>, 2013) und <em>\u041a\u043e\u0434<\/em> <em>\u043d\u0430\u0446\u0456\u0457<\/em> (<em>Der Code einer Nation<\/em>, 2014). Darin wird mithilfe von DNA-Analysen angeblich der Nachweis erbracht, dass die Ukrainer direkte Nachkommen der legend\u00e4ren Arier seien, deren Zivilisation auf dem Gebiet der heutigen Ukraine entstanden sei und sich sp\u00e4ter nach Indien, Persien und in andere Gegenden Europas ausgebreitet habe. Vor allem zielten die Filme darauf ab, den Mythos der \u203aslawischen Bruderschaft\u2039 von Russen und Ukrainern endg\u00fcltig zu widerlegen. W\u00e4hrend die Russen lediglich eine randst\u00e4ndige Rolle in der eurasischen Geschichte gespielt h\u00e4tten, seien die arischen Ukrainer die m\u00e4chtigste Zivilisation der Bronzezeit in Europa gewesen, deren Sprache, Kultur und Tradition sich \u00fcber die Jahrtausende in ihren Genen erhalten habe. Noch heute tr\u00fcgen \u00fcber 50 % der Ukrainer denselben genetischen Code der Urzeit in sich, was sich auch physiognomisch zeige. \u00bbSo stellt sich heraus, dass das ukrainische Volk die Mutter aller Europ\u00e4er ist. Die Ukrainerin ist die Urgro\u00dfmutter Europas.\u00ab<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Illustriert mit Spielfilmszenen, die das Leben der Urzeit-Ukrainer bzw. der Saporoger Kosaken zeigen, repr\u00e4sentieren diese Filme den ethnonationalistischen Zeitgeist Anfang der 2000er-Jahre, der sich beispielsweise auch in Oksana Sabuschkos Roman <em>\u041c\u0443\u0437\u0435\u0439 \u041f\u043e\u043a\u0438\u043d\u0443\u0442\u0438\u0445 \u0421\u0435\u043a\u0440\u0435\u0442\u0456\u0432<\/em> (<em>Museum der vergessenen Geheimnisse<\/em>, 2009) findet.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">In dem bereits nach dem Euromaidan produzierten Film <em>\u041a\u043e\u0434<\/em> <em>\u043d\u0430\u0446\u0456\u0457<\/em> (<em>Code einer Nation<\/em>, 2014) wird diese ethnogenetisch begr\u00fcndete Argumentation noch einmal radikalisiert. Der Film verspricht laut Pavliuk, den \u00bbgeheimnisvollen Algorithmus\u00ab zu entschl\u00fcsseln, der seit Jahrtausenden \u00bbunsere Einzigartigkeit\u00ab und \u00bbunsere Mentalit\u00e4t\u00ab bestimme und die Ukrainer von Menschen aller anderen Nationen unterscheide.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Dabei reiche der Unterschied bis in den Sprachklang: So wirke allein Aussprache und Klangfarbe der russischen Sprache auf die Menschen absto\u00dfend und repressiv, w\u00e4hrend das Ukrainische ebenso wie ukrainische Volkslieder, traditionelle Kleidung oder andere uralte Br\u00e4uche den \u00bbgenetischen Code\u00ab der Nation aktivierten. So habe gerade die Gewalt gegen Kinder auf dem Euromaidan \u00bbbei Millionen Ukrainern den \u00dcberlebensalgorithmus\u00ab eingeschaltet: \u00bbIhre Gene helfen ihnen, all das zu verstehen, was f\u00fcr die Ukrainer heilig ist.\u00ab<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Hauptaufgabe f\u00fcr die Ukraine sei es heutzutage, diese genetische Erbschaft zu sch\u00fctzen, wobei den Frauen und der biologischen Kleinfamilie eine entscheidende Rolle zukomme. Die gr\u00f6\u00dfte Bedrohung stellten dabei moderne Verhaltensweisen und Manipulationstechniken dar, die auf Entfremdung und die Zerst\u00f6rung nat\u00fcrlicher Sozialbeziehungen zielen, wie sie insbesondere vom postsowjetischen Russland praktiziert w\u00fcrden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Der medialen Kriegsf\u00fchrung des Kreml, der durch Gehirnw\u00e4sche die Menschen zu Zombies mache, widmeten Pavliuk und seine Kollegen noch zwei weitere Dokumentarfilme, <em>\u0417\u0432\u0438\u0447\u0430\u0439\u043d\u0456<\/em> <em>\u0437\u043e\u043c\u0431\u0456<\/em><em>. <\/em><em>\u042f\u043a<\/em> <em>\u043f\u0440\u0430\u0446\u044e\u0454<\/em> <em>\u0431\u0440\u0435\u0445\u043d\u044f<\/em> (<em>Gew\u00f6hnliche Zombies. Wie L\u00fcgen wirken<\/em>, 2015) und <em>\u0417\u043e\u043c\u0431\u0456<\/em><em> 2. <\/em><em>\u041f\u0440\u043e\u043c\u0438\u0432\u043a\u0430<\/em> <em>\u041c\u0456\u0437\u043a\u0456\u0432<\/em> (<em>Zombies 2. Gehirnw\u00e4sche<\/em>, 2018). Darin spielt Pavliuk einen israelischen Wissenschaftler, der mit echten Probanden im Studio ber\u00fchmte Psychoexperimente zur Manipulation von Meinungen und Wahrnehmungen nachstellt und ausf\u00fchrt, wie diese im gro\u00dfen Ma\u00dfstab von Russlands Propaganda eingesetzt werden.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Russlands Annexion der Krim und die Unterst\u00fctzung der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk veranlassten Pavliuk, sich milit\u00e4risch zu engagieren. So meldete er sich 2015 als Freiwilliger zur Teilnahme an der \u203aAnti-Terror-Operation\u2039, wie der Kampf gegen die Separatisten in der Ukraine offiziell hie\u00df, und k\u00e4mpfte f\u00fcr ein halbes Jahr in einem Aufkl\u00e4rungsbataillon. Nach Russlands \u00dcberfall im Februar 2022 trat Pavliuk erneut umgehend in den Armeedienst ein. Zun\u00e4chst war er in Kyjiw und Charkiw f\u00fcr den Milit\u00e4rgeheimdienst im Einsatz, danach im Verteidigungsministerium in Kyjiw, wo er ab M\u00e4rz 2023 mit dem Aufbau des neu gegr\u00fcndeten Haussenders \u00bbArmee TV\u00ab beauftragt wurde. Im Oktober 2023 stieg er zum Leiter der Presseabteilung des Verteidigungsministeriums auf, bevor er im Mai 2024 \u2013 vermutlich wegen Meinungsverschiedenheiten \u2013 wieder gehen musste.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Neben diesem vielf\u00e4ltigen Engagement als Journalist, Produzent und Milit\u00e4r f\u00fcr das ukrainische Nationalprojekt arbeitet Illarion Pavliuk seit Mitte der 2010er Jahre zudem als Schriftsteller. Bis heute sind vier Romane entstanden, die auf den ersten Blick gar nicht zu seinem gesellschaftspolitischen Engagement passen. Doch liest man sie als literarischen Ausdruck all jener Zweifel und der Kritik, die Pavliuk \u00f6ffentlich h\u00f6chstens andeutungsweise \u00e4u\u00dfert, dann leuchten seine eskapistischen Horrorgeschichten die Schattenseiten eines identit\u00e4ren Nationalprojekts und die tiefgehende Ersch\u00fctterung des Landes w\u00e4hrend des Krieges aus.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a><\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>3.<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Von 2018 bis 2020 erschienen drei Romane Illarion Pavliuks, die von ihm zwar auf Russisch verfasst, aber ausschlie\u00dflich in ukrainischer \u00dcbersetzung ver\u00f6ffentlicht wurden. Alle drei folgen tradierten Mustern der Kriminal-, Horror-, Thriller- und Science-Fiction-Literatur und zitieren sowohl russisch-ukrainische Hochliteratur als auch westliche Klassiker der Genreliteratur und des Hollywoodkinos. Pavliuk bezeichnet Stephen King als literarisches Vorbild, er begeistert sich f\u00fcr Michail Bulgakow und Kurt Vonnegut und z\u00e4hlt <em>Se7en <\/em>(1995) von David Fincher und <em>Django Unchained <\/em>(2012) von Quentin Tarantino zu seinen Lieblingsfilmen.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">All diese Einfl\u00fcsse sp\u00fcrt man in seinem Erstling <em>\u0411\u0456\u043b\u0438\u0439 \u043f\u043e\u043f\u0456\u043b <\/em>(<em>Wei\u00dfe Asche<\/em>, 2018), einem Krimi mit fantastischen Horrorelementen, dessen Handlung im 19. Jahrhundert vornehmlich auf einem Adelsgutshof s\u00fcdlich von Kyjiw und in den ehemaligen Siedlungsgebieten der Kosaken westlich des Dnipro spielt.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a> Es handelt sich exakt um jene romantisch verkl\u00e4rte Steppengegend, die vor allem durch Nikolai Gogols Erz\u00e4hlsammlungen <em>\u0412\u0435\u0447\u0435\u0440\u0430 \u043d\u0430 \u0445\u0443\u0442\u043e\u0440\u0435 \u0431\u043b\u0438\u0437 \u0414\u0438\u043a\u0430\u043d\u044c\u043a\u0438<\/em> (<em>Abende auf dem Vorwerk bei Dikanka<\/em>, 1831\/32) und <em>\u041c\u0438\u0440\u0433\u043e\u0440\u043e\u0434<\/em> (<em>Mirgorod<\/em>, 1835) weltber\u00fchmt geworden ist. Die Erz\u00e4hlung <em>Wij <\/em>aus dem zweiten Zyklus bildet die Vorlage f\u00fcr Pavliuks Kriminalgeschichte, die dort beginnt, wo Gogols Text endet. Pavliuks Hauptfigur ist der Privatdetektiv Taras Bilyj.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Bereits Bilyjs erster gro\u00dfer Auftritt, bei dem er zusammen mit einem Gerichtsvollzieher mit Kartenspielertricks eine R\u00e4uberbande entlarven m\u00f6chte, endet in einem ausf\u00fchrlich geschilderten Blutbad, das der Privatdetektiv nur dank der Hilfe eines r\u00e4tselhaften Fremden \u00fcberlebt. Dieser vermittelt ihm anschlie\u00dfend den Auftrag eines adligen Gutsbesitzers, den M\u00f6rder seiner Tochter zu finden. Alles an dem Fall ist suspekt. Die Gegend wirkt aufgrund eines \u00fcberall eindringenden wei\u00dfen Staubs (die titelgebende \u00bbwei\u00dfe Asche\u00ab) merkw\u00fcrdig morbide, die \u00f6rtliche Bev\u00f6lkerung ist in ihrem Aberglauben an das mythische Monster Wij befangen.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Und das angeblich aus entt\u00e4uschter Liebe zerst\u00f6rte Gutsbesitzeridyll erweist sich bald als ein durch Gewalt, Intrige, Adoption, Inzest und Verrat gepr\u00e4gtes Beziehungsgeflecht. Je mehr Taras Bilyj herausfindet, desto l\u00e4nger wird die Blutspur seiner Ermittlungen. Und jedes Mal, wenn er sich der Kl\u00e4rung des Falles n\u00e4her w\u00e4hnt, passiert etwas Unerwartetes: der Selbstmord einer Zeugin, ein t\u00f6dlicher Unfall, eine Schie\u00dferei. Nach und nach entdeckt der scheiternde Meisterdetektiv, dass nicht nur die l\u00e4ndliche Gutswelt v\u00f6llig verdorben ist, sondern er selbst, schwer traumatisiert, in den Fall verwickelt ist. Schlie\u00dflich begreift er, dass der seltsame Fremde, der ihn immer wieder aus ausweglosen Situationen rettet, und der vermeintliche M\u00f6rder verdr\u00e4ngte und abgespaltene Anteile seines eigenen Ichs sind. So stellt sich am Ende der Geschichte heraus, dass nicht das mythische Wij aus Gogols Meistererz\u00e4hlung, sondern er selbst das eigentliche r\u00e4tselhafte Ungeheuer ist.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im folgenden Roman <em>\u0422\u0430\u043d\u0435\u0446\u044c \u043d\u0435\u0434\u043e\u0443\u043c\u043a\u0430<\/em> (<em>Der Tanz des Idioten<\/em>, 2019) muss sich die m\u00e4nnliche Hauptfigur in den fernen Welten moderner Science-Fiction beweisen.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a> Nicht eine zerst\u00f6rte Jugendliebe, sondern eine unheilbare genetische Erbkrankheit bildet den Ausgangspunkt der Handlung. Diese hatte bereits Vater und Gro\u00dfvater des 35-j\u00e4hrigen Protagonisten Hilel Hirschewytsch in den Selbstmord getrieben und droht nun auch ihn zum \u00bbIdioten\u00ab werden zu lassen. Die Angst verr\u00fcckt zu werden treibt ihn zur Verzweiflung und in den Alkoholismus. Kyjiw, inzwischen eine der zehn teuersten St\u00e4dte der Erde, wird als eine d\u00fcstere Zukunftsmetropole dargestellt, wie man sie aus William Gibsons <em>Neuromancer<\/em>, Kathryn Bigelows <em>Strange Days <\/em>oder anderen einschl\u00e4gigen SF-Werken kennt. Als ehemaliger Geheimdienstler findet Hirschewytsch hier keinen neuen Job. Auch seine Ehe mit einer attraktiven, an Migr\u00e4ne leidenden Frau, mit der er eine gemeinsame Tochter hat, ist zerr\u00fcttet. Erst als ein privates Raumfahrt- und R\u00fcstungsunternehmen ihn f\u00fcr eine geheime Expedition zu einem fernen Planeten anheuert, sch\u00f6pft er etwas Zuversicht, verspricht der Job doch auch einen Neustart f\u00fcr die Kleinfamilie als Siedler in einer neuen Welt. Auf dem kargen Planeten treffen die Kolonisten auf zauberhaft sch\u00f6ne W\u00fcstenpflanzen, deren Blumen medizinisch unglaubliche Wirkungen erzielen: Ihr Bl\u00fctenstaub kann s\u00e4mtliche Krankheiten heilen und zu \u00fcbermenschlichen Leistungen bef\u00e4higen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die heilspendenden Pflanzen zugleich die K\u00f6rper infiltrieren. Es handelt sich bei ihnen um eine hochintelligente, schnell lernf\u00e4hige Zivilisation, die bereits fr\u00fchere menschliche Expeditionen vollst\u00e4ndig vernichtet hat. Die auf unbekannte Weise miteinander kommunizierenden Pflanzen sind in der Lage, die geheimsten \u00c4ngste der Menschen im Schlaf zu klonen und sogenannte \u203aChim\u00e4ren\u2039 herzustellen, die ferngesteuert blutige Rache an den Eindringlingen nehmen. Derweil wirft eine Aff\u00e4re mit einer Biologin den Protagonisten aus der Bahn, seine Ehefrau wird ermordet und durch eine Chim\u00e4re ersetzt, seiner Tochter droht ein \u00e4hnliches Schicksal. Immer mehr humanoide Chim\u00e4ren tauchen im streng bewachten Milit\u00e4rlager der Menschen auf, was Panik und Paranoia ausl\u00f6st. Erst im letzten Moment gelingt es Hilel \u2013 vermutlich ebenfalls schon eine Chim\u00e4re \u2013 im Raumschiff von dem unheimlichen Planeten zu fl\u00fcchten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dieser Roman<em>, <\/em>bei dem man bis zum Ende nicht wei\u00df, ob es sich um den Erlebnisbericht einer aus dem Ruder gelaufenen Kolonialexpedition oder das alptraumhafte Fantasieprodukt einer beginnenden Geisteskrankheit handelt, war Pavliuks Durchbruch bei einem gr\u00f6\u00dferen Publikum.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Das lag m\u00f6glicherweise auch daran, dass das Thema unheilbarer Krankheiten und gef\u00e4hrlicher Substanzen in Zeiten der Corona-Pandemie auf besonderes Interesse stie\u00df.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> <em>Tanz des Idioten<\/em> beschreibt den verzweifelten Kampf eines psychisch instabilen Ehemanns und Vaters, der N\u00e4he und Zuneigung sucht und im Kampf gegen die lebensgef\u00e4hrlichen Au\u00dferirdischen erbarmungslos mit seinen eigenen \u00c4ngsten und Fehlern konfrontiert wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im dritten Roman r\u00fcckt die fantastische Romanfiktion noch dichter an die wirkliche Welt heran. In <em>\u042f \u0431\u0430\u0447\u0443, \u0432\u0430\u0441 \u0446\u0456\u043a\u0430\u0432\u0438\u0442\u044c \u043f\u0456\u0442\u044c\u043c\u0430 <\/em>(<em>Ich sehe, Sie interessieren sich f\u00fcr die Finsternis<\/em>, 2020) ist der Protagonist der Kriminalpsychologe Andrij Hajster, der 2014 hochdekoriert von einem Einsatz als S\u00f6ldner der franz\u00f6sischen Fremdenlegion in Afghanistan nach Kyjiw zur\u00fcckkehrt.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Doch statt als glorreicher Held kommt er als schwertraumatisierter Soldat nach Hause, der bei einem Milit\u00e4reinsatz aus Versehen einen afghanischen Jungen erschossen hat. Er ertr\u00e4nkt seine Verzweiflung in Alkohol und verl\u00e4sst seine schwangere Geliebte, die sp\u00e4ter bei der Geburt stirbt, w\u00e4hrend das Baby in der Intensivstation k\u00fcnstlich am Leben gehalten wird. In dieser Situation bekommt Hajster den Auftrag, eine mysteri\u00f6se Mordserie an jungen Frauen in dem abgelegenen St\u00e4dtchen Storchengarten aufzukl\u00e4ren. Zuletzt war ein kleines M\u00e4dchen spurlos verschwunden. Bereits die Reise dorthin ist gespickt mit mysteri\u00f6sen Begegnungen. Gleich bei seiner Ankunft st\u00fcrzt direkt vor ihm eine Frau bei einem Selbstmordversuch aus einem Fenster auf die Stra\u00dfe; sie entpuppt sich sp\u00e4ter als Mutter des entf\u00fchrten, offensichtlich kognitiv beeintr\u00e4chtigten M\u00e4dchens. Der Tat verd\u00e4chtigt wird ein geheimnisvolles Monster, das sich in der stillgelegten Zuckerfabrik am Ortsrand versteckt, die einstmals f\u00fcr Wohlstand sorgte und f\u00fcr die der B\u00fcrgermeister nun verzweifelt neue ausl\u00e4ndische Investoren sucht.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die Einheimischen wirken seltsam apathisch und scheinen kein Interesse daran zu haben, die Mordserie aufzukl\u00e4ren. Wie sich bald herausstellt, haben alle ihre eigenen Leichen im Keller. Hajster ger\u00e4t in ein Labyrinth von Mitschuld, Vertuschung und T\u00e4uschungen. Hinter jeder Ecke lauert ein neues Grauen, jede Handlung hat fatale Konsequenzen, jede Enth\u00fcllung bringt noch mehr Horror hervor. Ein Teufelskreis aus Mord, Raub, Vergewaltigung und Erpressung h\u00e4lt die Einwohner in ihrem Bann, die sieben Tods\u00fcnden sind ihr Schicksal.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Statt Licht herrscht \u00fcberall die titelgebende Finsternis. Und dann gibt es da noch einen dubiosen Barkeeper mit knallrotem Ledermantel, der h\u00e4ufig von einer Nonne mit Schweinsmaske begleitet wird und als Seelenf\u00e4nger sein diabolisches Spiel aus Bestechung und Intrige mit Hajster und den Menschen vor Ort treibt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dass es in diesem Spiel nicht mit rechten Dingen zugeht, sagt bereits der Ortsname. Auf dem Marktplatz prangt eine gro\u00dfe Neonreklame mit der Anzeige \u00bb\u042f [<em>\u0441\u0435\u0440\u0434\u0435\u0447\u043a\u043e<\/em>] \u0411\u0423\u0421\u042c\u041a\u0406\u0412 \u0421\u0410\u0414\u00ab (\u00bbICH [<em>Herzchen<\/em>] STORCHENGARTEN\u00ab). Doch beim ukrainischen Wort f\u00fcr Garten ist die Leuchtr\u00f6hre des ersten Buchstabens defekt, so dass hier \u00bbAD\u00ab statt \u00bbSAD\u00ab steht, was H\u00f6lle bedeutet, \u00bbIch liebe die Storchenh\u00f6lle\u00ab. Auch in der ukrainischen Mythologie ist es der Storch, der die Kinder bringt, und der Nachname des Protagonisten \u00bbHajster\u00ab ist im Ukrainischen ein anderes Wort f\u00fcr Storch. Wie wir seit Anfang des Romans wissen, ist Hajster Vater eines um sein Leben k\u00e4mpfenden Babys, wodurch die Ermittlung in dieser \u00bbH\u00f6lle\u00ab, die ein Paradiesgarten sein k\u00f6nnte, gleichzeitig eine in eigener Sache wird. Pavliuk hat seinem Roman einen Satz aus James Joyces <em>Ulysses <\/em>als Motto vorangestellt: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbJedes Leben besteht aus vielen Tagen, immer einem nach dem andern. Wir schreiten durch uns selbst dahin, R\u00e4ubern begegnend, Geistern, Riesen, alten M\u00e4nnern, Weibern, Witwen, warmen Br\u00fcdern. Doch immer imgrunde uns selbst.\u00ab<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Selten werden die t\u00e4glichen Begegnungen mit dem eigenen Selbst so schonungslos und h\u00f6llisch geschildert wie in Pavliuks Roman <em>Ich sehe, Sie interessieren sich f\u00fcr die Finsternis<\/em>.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><strong>4.<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Nicht erst in Reaktion auf die Aggressionen Russlands hat sich Illarion Pavliuk in seinem kulturpolitischen, zivilgesellschaftlichen und milit\u00e4rischen Engagement ganz dem ukrainischen Nationalprojekt verschrieben. Dabei steht er f\u00fcr jenen Teil der kulturellen Eliten des Landes, die auch fragw\u00fcrdige essenzialistische und ethnonationalistische Positionen vertreten. So parteiisch und extrem er aber in seiner politischen Haltung sein mag, so wenig findet sich davon in seinen Romanen. Wom\u00f6glich ist das ein Schl\u00fcssel zu seinem Erfolg: W\u00e4hrend viele der im Westen bekannten Autorinnen und Autoren in ihren literarischen und publizistischen Werken versuchen, den schrecklichen Kriegserfahrungen eine moralisch aufr\u00fcttelnde und politisch angemessene Form zu geben, um so an das europ\u00e4ische Gewissen zu appellieren und zugleich Hoffnung zu spenden, macht Pavliuk von all dem nichts. Er verzichtet auf Moral, Heldentum und Kriegspatriotismus. Statt einem idealen \u203aNationalcode\u2039 gilt sein literarisches Interesse jenen \u203aIdioten\u2039, die an diesem Ideal zerbrochen sind. Heimat, Familie und romantische Liebe werden als Orte dargestellt, die von Alptr\u00e4umen und Gewaltexzessen gepr\u00e4gt sind. Pavliuks Prosa zeigt eine bodenlos schreckliche Welt, die die Menschen zu Monstern macht. In der Finsternis ihrer Herzen liegt eine M\u00f6rdergrube, die ihr Leben in einen permanenten Kriegszustand versetzt. Und genau darin besteht wahrscheinlich die Faszination von Pavliuks Romanen: Sie zeigen eine verborgene Seite des Krieges, die man nirgends sonst zu lesen bekommt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Der Slawist <\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/schwartz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Matthias Schwartz<\/em><\/a><em> ist stellvertretender Direktor des ZfL und leitet das Projekt \u00bb<\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/anpassung-und-radikalisierung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Anpassung und Radikalisierung. Dynamiken der Popul\u00e4rkultur(en) im \u00f6stlichen Europa vor dem Krieg<\/em><\/a>\u00ab<em>.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jurij Andruchovy\u010d: \u00bbNajcinni\u0161e \u2013 dogodyty c\u2019omu najper\u0161omu \u010dyta\u010devi, jakym \u0117 ty sam\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/ukr.radio\/news.html?newsID=108294\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Ukrajinske radio<\/em><\/a> (15.8.2025); alle \u00dcbersetzungen aus dem Ukrainischen stammen von mir. Ich danke Svitlana Pidoprygora und Dirk Naguschewski f\u00fcr ihre vielen hilfreichen Hinweise zu einer fr\u00fchen Fassung dieses Textes.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> So konnten russischsprachige ukrainische Fantasy- und Science-Fiction-Autoren und -Autorinnen wie Sergej und Marina Dawtschenko, Genri Lajon Oldi oder Andrej Walentinow bis 2014 noch gro\u00dfe Auflagen verkaufen und prominente Fantastik-Literaturpreise erhalten. Zur umstrittenen Entwicklung einer eigenen \u00bbMassenliteratur\u00ab in der postsowjetischen Ukraine vgl. Sofija Filonenko: <em>Masova literatura v Ukra\u0457ne. Diskurs \u2013 hender \u2013 \u017eanr<\/em>, Donec\u2019k 2011, S. 101\u2013123.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Zur ukrainischsprachigen historischen Kriminalliteratur des letzten Jahrzehnts vgl. Sofija Filonenko: \u00bbProstir vijny v ukra\u0457ns\u2019komu istory\u010dnomu detektyvi\u00ab, in: <em>Studia methodologica<\/em> 57 (2024), S. 20\u201328. Noch bis 2020 dominierten russischsprachige Werke, erst seit Februar 2022 ist die Situation eine grundlegend andere. Vgl. Daryna Antoniuk: \u00bbBooks in Russian remain bestsellers as Ukrainian publishers struggle to survive\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kyivpost.com\/business\/books-in-russian-remain-bestsellers-as-ukrainian-publishers-struggle-to-survive.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kyiv Post <\/em><\/a>(26.12.2020).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Julija Karmans\u2019ka: \u00bb12 knyh, jaki naj\u010dasti\u0161e kupuvaly u 2023 roci. V liderach \u2013 ukra\u0457ns\u2019kyj detektyv iz 44 000 prodanych prymirnykiv ta fantastyka na 904 storinky\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/forbes.ua\/lifestyle\/12-knig-yaki-naychastishe-kupuvali-u-2023-rotsi-v-liderakh-ukrainski-detektiv-na-44-000-prodanikh-primirnikiv-ta-fantastika-na-904-storinki-29122023-18179\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u017durnal Forbes Ukraine<\/em><\/a> (29.12.2023); Anastasija Plys: \u00bbPonad 758 000 prodanych prymirnykiv. Forbes Ukraine zibrav 15 ukra\u0457ns\u2019kych vydvnyctv iz najbil\u2019\u0161ymy proda\u017eamy v 2024-mu. Sered bestseleriv \u2013 try ukra\u0457ns\u2019ki chity\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/forbes.ua\/lifestyle\/ponad-758-000-prodanikh-primirnikiv-forbes-ukraine-zibrav-15-knig-yaki-ukraintsi-kupuvali-naychastishe-u-2024-mu-sered-bestseleriv-tri-ukrainski-khiti-08012025-26052\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u017durnal Forbes Ukraine<\/em><\/a> (8.1.2025); [Anon.:] \u00bbTOP-15 knyh, jaki ukra\u0457nci kupuvaly u 2024 roci\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/mistokyia.ua\/leisure\/top-15-knyh-yaki-ukraintsi-kupuvaly-u-2024-rotsi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Misto Kyja<\/em><\/a> (12.1.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Sofiya Filonenko: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/veranstaltungen-detail\/items\/sofiya-filonenko-contemporary-ukrainian-bestseller-celebrities-trends-and-readership.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Contemporary Ukrainian Bestseller: Celebrities, Trends and Readership<\/a>\u00ab, Vortrag gehalten am 27. November 2025 am ZfL im Rahmen einer vom Leibniz-Forschungsnetzwerk \u00d6stliches Europa und von \u00bbScholars at Risk\u00ab organisierten Vortragsreihe.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Aleksandr Poison Ne\u010daj: \u00bb\u203aJa prypynyv rozmovljaty rosijs\u2019koju publi\u010dno, i os\u2019 \u010domu.\u2039 Interv\u2019ju z prodjuserom Illarionom Pavljukom\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/svoi.city\/articles\/83186\/ya-pripiniv-rozmovlyati-rosijskoyu-publichno-i-os-chomu-intervyu-z-prodyuserom-illarionom-pavlyukom\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Svo<\/em><em>\u0457<\/em> <\/a>(16.7.2020).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ol\u2019ha Jurkova: \u00bbLjudyna, jaka ne nav\u010dylasja pova\u017eaty osobystyj prostir in\u0161ych, ne zmo\u017ee vidstojaty vlasnyj\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/gazeta.ua\/articles\/opinions-journal\/_lyudina-yaka-ne-navchilasya-povazhati-osobistij-prostir-inshih-ne-zmozhe-vidstoyati-vlasnij\/907564\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>\u017durnal \u00bbKra<\/em><em>\u0457<\/em><em>na\u00ab<\/em><\/a> (13.6.2019).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ne\u010daj: \u00bbJa prypynyv rozmovljaty rosijs\u2019koju publi\u010dno, i os\u2019 \u010domu\u00ab (Anm. 6). \u203aBenderowiz\u2039 oder \u203aBanderowiz\u2039 war vor allem in russischsprachigen Kreisen bis in die 2010er Jahre ein g\u00e4ngiges Schimpfwort f\u00fcr Ukrainischsprachige, ohne dass die problematische politische Konnotation unbedingt immer mitreflektiert wurde. Das Wort leitet sich von Stepan Bandera ab, der w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Anf\u00fchrer der extrem nationalistischen und antisemitischen Organisation Ukrainischer Nationalisten (UON) war. Vgl. hierzu Grzegorz Rossoli\u0144ski-Liebe: <em>Stepan Bandera. Leben und Kult<\/em>, G\u00f6ttingen 2025. Zur Ambivalenz des Gebrauchs des Russischen in der ukrainischen Gesellschaft heutzutage vgl. \u00bb\u203aZwischen uns herrscht nun Krieg\u2039. Dirk Naguschewski und Nina Weller im Gespr\u00e4ch mit Anna Melikova \u00fcber ihren Roman \u203aIch ertrinke in einem fliehenden See\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20250319-01\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>ZfL Blog<\/em><\/a>, 19.3.2025.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Ne\u010daj: \u00bbJa prypynyv rozmovljaty rosijs\u2019koju publi\u010dno, i os\u2019 \u010domu\u00ab (Anm. 6).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Bohdan Nutepov: \u00bbIllarion Pavljuk: \u203aMne ne stydno bylo by pokazat\u2019 \u0117tot fil\u2019m svoemu dedu\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/detector.media\/production\/article\/63021\/2011-05-23-yllaryon-pavlyuk-mne-ne-stydno-bylo-by-pokazat-jetot-fylm-svoemu-dedu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Det\u00e9ktor media<\/em><\/a> (23.5.2011).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> <em>DNK 2. U po\u0161ukach \u017einky<\/em> (Regie: Volodymyr Rybas\u2019, Drehbuch: Illarion Pavljuk, Ukraine 2013), <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=eD4PXRmxPWY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">min 55:33\u201355:42<\/a>.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Grzegorz Motyka: \u00bbSekrety rozkryvaiut\u2019 \u010dy nadali vy\u0161tovhcujut\u2019 zi svidomosti? Navkolo kny\u017eky Oksany Zabu\u017eko \u203aMuzei pokynutych sekretiv\u2039\u00ab, in: <em>Histor!ans<\/em> (28.10.2013). Das Erkl\u00e4rungsmodell, dass es genetische Pr\u00e4dispositionen g\u00e4be, die entscheidender f\u00fcr die menschliche Entwicklung seien als alle kulturellen und sozialen Einfl\u00fcsse, ist kein neues Ph\u00e4nomen der 2000er Jahre. Es erfreute sich insbesondere in der zusammenbrechenden Sowjetunion gro\u00dfer Beliebtheit, stellte es doch die marxistische Grundannahme infrage, soziale Faktoren seien entscheidend f\u00fcr die menschliche Entwicklung. Bekanntester literarischer Ausdruck ist Daniil Granins Roman <em>\u0417\u0443\u0431\u0440<\/em> (dt. unter den Titeln <em>Sie nannten ihn Ur. Roman eines Lebens <\/em>und <em>Der Genetiker<\/em>, 1987\/1988) \u00fcber den Genetiker Nikolai Timofejew-Ressowsk\u00ed (1900\u20131981). Sabuschkos Roman erschien 2010 in einer deutschen \u00dcbersetzung von Alexander Kratochvil.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> [Redakcija]: \u00bbKod nacii: novaja unikal\u2019naja prem\u2019era na kanale Ukraina\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/tv.ua\/tv\/anonsy-na-tv\/905541-kod-nacii-novaya-unikalnaya-premera-na-kanale-ukraina\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>TV.UA-Teletyd\u017een\u2019<\/em><\/a> (3.11.2014).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> <em>Kod nacii<\/em> (Regie: Illarion Pavljuk, Ukraine 2014), <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=WRLJfioTVcI\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">min. 1:06:00-1:07:02<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> <em>Zvy\u010dajni zombi. Jak pracjuje brechnja<\/em> (Regie: Volodymyr Rybas\u2019, Drehbuch: Illarion Pavljuk, Ukraine 2015). Der Film bezieht sich sowohl auf \u00e4hnliche Psychoexperimente aus dem Westen als auch auf den bekannten sowjetischen Dokumentarfilm zur Beeinflussung der Psyche <em>\u042f<\/em> <em>\u0438<\/em> <em>\u0434\u0440\u0443\u0433\u0438\u0435<\/em> (<em>Ich und andere<\/em>, SU 1971) von Feliks Sobolev, der seinerzeit im ukrainischen Dokumentarfilmstudio Kiewnautschfilm produziert wurde. Zur ungemeinen Popularit\u00e4t der Zombie-Figur in der gegenw\u00e4rtigen russischen und ukrainischen Kultur vgl. Eliot Borenstein: <em>Plots against Russia. <\/em><em>Conspiracy and Fantasy after Socialism<\/em>, Ithaca, NY 2019, S. 180\u2013201; Oleksandr Zabirko: \u00bbZombies, Orcs, and Fascists. Naming the Other in the Context of Russia\u2019s War against Ukraine\u00ab, in: Viktoriya Sereda (Hg.): <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-7587-0\/war-migration-memory\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>War, Migration, Memory. Perspectives on Russia\u2019s War Against Ukraine<\/em><\/a>, Bielefeld 2025, S. 159\u2013176.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Natalija Dan\u2019kova: \u00bbIllarion Pavljuk pro \u203aArmiju TB\u2039: E nas nedostatnja kil\u2019kist\u2019 hrup, jaki pracjujut\u2019 u zoni bojovych dij\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/detector.media\/community\/article\/224287\/2024-03-18-illarion-pavlyuk-pro-armiyu-tb-u-nas-nedostatnya-kilkist-grup-yaki-pratsyuyut-u-zoni-boyovykh-diy\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Det\u00e9ktor media<\/em><\/a> (18.3.2024); Gala Skljarevs\u2019ka: \u00bbIllarion Pavljuk bil\u2019\u0161e ne bude zajmatycja komunikacijamy v Ministerstvi oborony, &#8211; d\u017eerela\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/detector.media\/community\/article\/226361\/2024-05-15-illarion-pavlyuk-bilshe-ne-bude-zaymatysya-komunikatsiyamy-v-ministerstvi-oborony-dzherela\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Det\u00e9ktor media<\/em><\/a> (15.5.2024).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Sein neuester Roman <em>\u041a\u043d\u0438\u0433\u0430 \u0415\u043c\u0456\u043b\u044f <\/em>(<em>Das Buch von Emil<\/em>) ist Anfang Dezember 2025 erschienen. Im M\u00e4rz 2025 sorgte Pavliuk f\u00fcr Aufsehen, als er zu den Wenigen geh\u00f6rte, die aus Protest aus dem ukrainischen PEN-Club austraten, da dieser sich mehrheitlich weigerte, den bis dato angesehenen Schriftsteller Jurij Wynnytschuk aus dem Verband auszuschlie\u00dfen. Wynnytschuk hatte zuvor f\u00fcr einen Skandal gesorgt, weil er den wiederholten sexuellen Missbrauch durch einen befreundeten Universit\u00e4tsprofessor in Lwiw \u00f6ffentlich relativiert hatte. Vgl. Julija Najdenko: \u00bbSkandal \u010derez kolonku pro pozpusnu epochu. Larisa Denysenko ta Illarion Pavljuk vyj\u0161ly iz PEN Ukra\u0457na, ne zgodni z ri\u0161ennjam zaly\u0161yty Vynnyuka\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/nv.ua\/ukr\/kultura\/skandal-iz-yuriyem-vinnichukom-illarion-pavlyuk-i-larisa-denisenko-viyshli-zi-skladu-pen-ukrajina-50501694.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>NV. <\/em><em>New Voice<\/em><\/a> (28.3.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Vgl. Jurkova: \u00bbLjudyna, jaka ne nav\u010dylasja pova\u017eaty osobystyj prostir in\u0161ych\u00ab (Anm. 7).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Illarion Pavljuk: <em>Bilyj Popil<\/em>, aus dem Russischen \u00fcbersetzt von Michajl Brynych, L\u2019viv 2018.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Auch hier gibt es eine Anspielung auf Gogol, n\u00e4mlich durch die Alliteration auf den Titelhelden, einen Kosakenf\u00fchrer, der gleichnamigen Erz\u00e4hlung <em>Taras Bulba<\/em> aus dem <em>Mirgorod-<\/em>Zyklus.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Auch dieses Fabelwesen geht auf eine gleichnamige Erz\u00e4hlung aus dem <em>Mirgorod<\/em>-Zyklus zur\u00fcck. Olena Ve\u0161\u010dykova benennt diese vielfachen intertextuellen Anspielungen auf Gogol als die wichtigste \u00bbnarrative Strategie\u00ab des Romans, vgl. Olena Ve\u0161\u010dykova: \u00bbNaratyvni strategi\u0457 v romani Illariona Pavljuka <em>Bilyj popil\u00ab, <\/em>in: <em>Studia Ukrainica Posnaniensia<\/em> IX.1 (2021), S. 121\u2013130.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Dieses Buch kam zwar 2018 auf die Longlist f\u00fcr das Buch des Jahres von BBC Ukra\u0457na, erweckte aber ansonsten wenig Aufmerksamkeit, vgl. Vitalij \u017de\u017eera: \u00bbKnyha roku BBC: Choma Brut, vynachidnyk \u010dajnyka\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20210423151322\/https:\/\/www.bbc.com\/ukrainian\/features-46369951\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>BBC News Ukra\u0457na<\/em><\/a> (28.11.2018); Natalija Petryns\u2019ka: \u00bbChto vbyv Solomiju Zasuchu? (Recenzija na kny\u017eku Illariona Pavljuka \u203aBilyj popil\u2039)\u00ab, in: <a href=\"http:\/\/litakcent.com\/2019\/09\/09\/hto-vbiv-solomiyu-zasuhu-retsenziya-na-knizhku-illariona-pavlyuka-biliy-popil\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>LitAkcent<\/em> <\/a>(9.9.2019).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Illarion Pavljuk: <em>Tanec\u2019 nedumka<\/em>, aus dem Russischen \u00fcbersetzt von Rostyslav Mel\u2019nykiv, L\u2019viv 2019.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> So hat es der Roman im Jahr 2019 auf die Shortlist f\u00fcr das Buch des Jahres von BBC Ukra\u0457na geschafft und eine Reihe positiver Rezensionen erhalten, vgl. [Anon.]: \u00bbKorotki spysky Knyhy roku BBC-2019\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/ukrainian\/news-50562769\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>BBC News Ukra\u0457na<\/em><\/a> (27.11.2019); Pavlo \u010cujkin: \u00bbRecenzija na knyhu Illariona Pavljuka \u203aTanec\u2019 nedoumka\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/itc.ua\/ua\/articles\/retsenziya-na-knygu-illariona-pavlyuka-tanets-nedoumka\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>ITC<\/em> <\/a>(19.5.2023).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Neben vielen anderen intertextuellen Anspielungen ist das Werk auch eine Anti-<em>Avatar-<\/em>Geschichte. Anstelle des neo-romantischen Bilds einer harmonischen intelligenten \u00f6kologischen Naturzivilisation, wie sie heutzutage so popul\u00e4r ist, zeichnet es eine botanische Intelligenz, die der menschlichen milit\u00e4rischen Kolonisation eine noch brutalere und subtilere Form der Gegenwehr entgegensetzt. Zu weiteren Anspielungen vgl. auch die Rezension von Sofija Filonenko: \u00bb\u203aTanec\u2019 nedoumka\u2039: planetarna fantastyka, \u0161\u010do plavyt\u2019 mozok\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/ukrainian\/features-50487490\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>BBC News Ukra\u0457na<\/em><\/a> (21.11.2019).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Illarion Pavljuk: <em>Ja ba\u010du, vas cikavyt\u2019 pit\u2019ma<\/em>, aus dem Russischen \u00fcbersetzt von Viktorija Stach, L\u2019viv 2020.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> \u00dcberall st\u00f6\u00dft der Kriminalpsychologe auf geheimnisvolle Zeichen und Namen, die h\u00e4ufig griechische Mythologie oder ukrainische Folklore zitieren. Zu diesem anspielungsreichen Mystizismus in Pavliuks Roman vgl. Oksana Tychovs\u2019ka, Mychajlo Cviklins\u2019kyj: \u00bbMistycyzm romanu Illariona Pavljuka \u203aJa ba\u010du, vas cikavyt\u2019pit\u2019ma\u2039\u00ab, in: <em>Naukovyj visnyk U\u017egorods\u2019koho universytetu. Serija: Filologija<\/em> 2.52 (2024), S. 230\u2013238. Auch auf Joseph Conrads <em>Heart of Darkness <\/em>spielt Pavliuks Roman an.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> James Joyce: <em>Ulysses<\/em>, aus dem Englischen \u00fcbersetzt von Hans Wollschl\u00e4ger (<sup>1<\/sup>1975), Frankfurt a.M. 1988, S. 298.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Matthias Schwartz: In der Finsternis des Krieges. Der ukrainische Bestseller-Autor Illarion Pavliuk, in: ZfL Blog, 18.12.2025, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20251218-01\"><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20251218-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20251218-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"In der Finsternis des Krieges. 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Der in Deutschland wohl bekannteste Schriftsteller aus der Ukraine, Juri Andruchowytsch, sagte im Sommer in einem Interview auf dem Buchfestival \u00bbBestsellerFest 2025\u00ab im westukrainischen Lwiw: \u00bbIn der Ukraine gibt es viel mehr Menschen, die ein Foto zusammen mit mir haben, als solche, die auch nur ein einziges meiner B\u00fccher gelesen haben.\u00ab[1] Damit d\u00fcrfte Andruchowytsch <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[21,19],"tags":[936,940,937,941,942,635,46,415,863,935,71],"class_list":["post-3877","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-einblick","category-lektueren","tag-bestsellerliteratur","tag-illarion-pavliuk","tag-kriminalliteratur","tag-literatursprache","tag-nikolai-gogol","tag-populaerkultur","tag-science-fiction","tag-ukraine","tag-ukrainisch","tag-ukrainische-literatur","tag-weltliteratur"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3877","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3877"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3877\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3892,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3877\/revisions\/3892"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}