{"id":3882,"date":"2026-01-06T11:00:58","date_gmt":"2026-01-06T09:00:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3882"},"modified":"2025-12-19T17:13:03","modified_gmt":"2025-12-19T15:13:03","slug":"claude-haas-ein-fach-von-welt-zu-einem-plaedoyer-fuer-die-welthaltigkeit-der-philologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/01\/06\/claude-haas-ein-fach-von-welt-zu-einem-plaedoyer-fuer-die-welthaltigkeit-der-philologie\/","title":{"rendered":"Claude Haas: EIN FACH VON WELT. Zu einem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Welthaltigkeit der Philologie"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Welt hatte im 21. Jahrhundert in den Geisteswissenschaften bislang keinen guten Ruf. Philosophen wie Markus Gabriel verk\u00fcndeten, es gebe sie gar nicht, sondern nur Anschauungen, Vorstellungen und Begriffe von ihr. Diese \u2013 und mit ihnen auch die Welt \u2013 gelte es im Sinn eines \u203aNeuen Realismus\u2039 endlich ad acta zu legen und im Anschluss an ihre Grablegung \u00bbden Grundsatz einer neuen Philosophie [zu] entwickeln\u00ab.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Demgegen\u00fcber leuchteten die Literaturwissenschaften die kulturellen und politischen Implikationen von Welt-Begriffen noch einmal akribisch aus. Anders als im neorealistischen Neubeginn der Philosophie entpuppten sich die Zuschreibungen oder Behauptungen von \u203aWelt\u2039 in ihren Analysen jedoch als leere Verhei\u00dfungen nicht etwa von zu viel, sondern als solche von zu wenig Welt. Wo Welt drauf stand, war nur ein Bruchteil Welt drin.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Beobachten l\u00e4sst sich das vor allem an den exzessiv gef\u00fchrten Debatten um den Begriff der \u203aWeltliteratur\u2039 in den neueren Philologien und in der Komparatistik. \u203aWeltliteratur\u2039 erwies sich in ihnen oft als das Projekt einer kulturellen Selbsterm\u00e4chtigung des globalen Nordens.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dieser Befund mag zu gelegentlich wohlfeilen D\u00e4monisierungen gef\u00fchrt haben, von der Hand zu weisen ist er nicht. Anders als die Philosophie kann sich die Philologie die Welt eben nicht machen, wie sie ihr gef\u00e4llt. Sie hat sich um ihre historischen Imaginationen in unterschiedlichen literarischen Traditionen zu k\u00fcmmern. Diese sind oft problematisch, sie erschlie\u00dfen sich aber nicht mittels der Dichotomie von \u203awahr\u2039 und \u203afalsch\u2039. Umso weniger, als ihre Wirksamkeit von der Erkenntnis ihrer Fragw\u00fcrdigkeit gar nicht unmittelbar abh\u00e4ngt. Die Aufgabe besteht erst einmal darin, die von der Welt ausgehende Faszinationskraft in ihren kulturgeschichtlichen Kontexten zu verstehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Keining_Weltphilologie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3896 alignright\" src=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-content\/uploads\/2025\/12\/Keining_Weltphilologie.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"270\" \/><\/a>Von dem Bem\u00fchen, alten Versprechen von Welt auch dort etwas abzugewinnen, wo sie uns historisch, kulturell, wissenschaftlich oder medial im Einzelnen l\u00e4ngst fremd geworden sind, zeugt das neue Buch des Z\u00fcrcher Medi\u00e4visten Christian Kiening. Es tr\u00e4gt den (Ober-)Titel \u00bbWeltphilologie\u00ab, und tats\u00e4chlich sind die Welt und die Weltliteratur zumindest auf den ersten Blick eher indirekte Gegenst\u00e4nde seiner Studie (Christian Kiening: <em>Weltphilologie. Verhei\u00dfungen der Moderne<\/em>, G\u00f6ttingen: Wallstein, 2025). Kiening nimmt vielmehr jene Verfahren ins Visier, die die moderne Philologie nutzt, um Welt und Weltliteratur \u00fcberhaupt erst zu konstituieren. Diese Verfahren betrachtet er r\u00fcckblickend trotz vieler Bedenklichkeiten nicht als Irrweg, sondern als Verm\u00e4chtnis und Chance.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Zu seinen wichtigsten Stichwortgebern geh\u00f6rt Erich Auerbach. Genau wie dieser sieht Kiening die Philologie selbst \u00bbam Projekt der Weltliteratur teilhaben\u00ab (11). Die Philologie unterhalte zur Welt \u00bbein nicht nur repr\u00e4sentierendes, sondern auch partizipatives Verh\u00e4ltnis\u00ab (13), und genau diese Tendenz verbinde sie mit ihrem Gegenstand, der Literatur. Erz\u00e4hlte und dargestellte Welten besitzen im Idealfall eine solche \u00bbPr\u00e4gnanz\u00ab, dass sie \u00bbals Wirklichkeit aufgefasst \u00ab werden k\u00f6nnen (11). Anders als der Poststrukturalismus, der interessanterweise genau wie f\u00fcr Markus Gabriel auch f\u00fcr Kiening zu den gro\u00dfen Gegnern geh\u00f6rt, schlie\u00dft er hieraus aber nicht etwa auf einen fantasmatischen Grundzug jeder dargestellten Welt. Ganz im Gegenteil wird der Weltbegriff auf diese Weise zu einer \u00bbverhei\u00dfungsvollen Kategorie\u00ab (17). Er sichere der Philologie \u00bbeine besondere Art von Welthaltigkeit, Geltung und Bedeutsamkeit\u00ab (ebd.). Es sind in erster Linie die ihnen immanenten Vorstellungen von \u203aWelthaltigkeit\u2039, auf die Kiening philologische Modelle, Schulen und Verfahren abklopft.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die vielleicht gr\u00f6\u00dfte St\u00e4rke und \u00dcberraschung seines Buches liegt darin, die Welthaltigkeit der Philologie in sehr unterschiedlichen, scheinbar kontr\u00e4ren Projekten auszumachen. Kiening erblickt sie sowohl in einer stark materiell interessierten Forschung etwa zu Manuskripten oder Rekonstruktionsversuchen urspr\u00fcnglicher Aussprachen als auch in g\u00e4nzlich abstrakt anmutenden Konzepten wie dem \u203aGeist\u2039, der \u203aIdee\u2039, der \u203aForm\u2039 oder der \u203aStruktur\u2039. Seine Studie ist streng historisch angelegt und umfasst den Zeitraum vom sp\u00e4ten 19. Jahrhundert bis in die ersten Nachkriegsjahrzehnte. Trotz der Aufarbeitung breiter fachlicher Kontexte und zahlreicher Seitenblicke stehen einige wenige Pers\u00f6nlichkeiten im Zentrum, denen jeweils ein ganzes Kapitel gewidmet ist: der Altphilologe, Medi\u00e4vist und Pal\u00e4ograph Ludwig Traube, der Medi\u00e4vist Eduard Sievers, der Neugermanist Rudolf Unger, Walter Benjamin, der Medi\u00e4vist Hugo Kuhn und der Romanist Erich Auerbach. Ein Kapitel zur Formgeschichte ist breiter angelegt und l\u00e4sst mehrere Figuren gleichberechtigt auftreten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Getreu seiner Grund\u00fcberzeugung eines \u203apartizipativen\u2039 Charakters der Philologie entdeckt Kiening \u203aWelthaltigkeit\u2039, \u203aWirklichkeit\u2039, aber auch etwa \u203aGegenw\u00e4rtigkeit\u2039 sowohl in den Gegenst\u00e4nden als auch und mehr noch in den Arbeitsweisen oder Argumentationsmustern der Philologie. Die Faszination, die etwa f\u00fcr Ludwig Traube von der Schrift ausging, f\u00fchrt Kiening auf deren \u00bbdoppelte Lebendigkeit\u00ab (36) zur\u00fcck: In Form alter Manuskripte ist sie f\u00fcr den Philologen ein (mehr oder weniger auratisches) Objekt, zugleich repr\u00e4sentiert sie die Zeit, von der sie Zeugnis ablegt und die es zu entschl\u00fcsseln gilt. In diesem Sinn w\u00fcrdigt Kiening ausgiebig Traubes Forschung zu Abk\u00fcrzungen, da sie dem Impuls folgten, \u00bban kleinsten Erscheinungen Ph\u00e4nomene von weltgeschichtlicher Bedeutung oder zumindest eminenter Welthaftigkeit aufzudecken\u00ab (45).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Somit ergibt sich in der Philologie f\u00fcr Kiening gerade keine grundlegende Opposition zwischen Schrift und Stimme, wie sie die Dekonstruktion in der gesamten abendl\u00e4ndischen \u203aMetaphysik\u2039 am Werk gesehen hatte. Die Versuche von Eduard Sievers, die origin\u00e4ren Laute und die Aussprache mittelalterlicher Lyrik zu rekonstruieren, aufzuzeichnen und zu transkribieren, weisen auf struktureller Ebene durchaus Affinit\u00e4ten zu Traubes Unterfangen auf, obwohl sie prim\u00e4r auf \u00bbReenactment\u00ab (58) und \u00bbPr\u00e4senz\u00ab (71) und nicht auf Hermeneutik setzen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Hermeneutik h\u00e4lt Kiening in seinem eigenen methodischen Zugriff allerdings hoch. Dass auf die Kapitel zu Schrift und Stimme eins \u00fcber den Geist-Begriff Rudolf Ungers \u2013 wie \u00fcber den der Geistesgeschichte insgesamt \u2013 folgt, mag zun\u00e4chst kontraintuitiv wirken. \u203aGeist\u2039 versteht Kiening indes nicht als Gegen-, sondern als \u00bbKomplement\u00e4rbegriff zum Materiellen\u00ab (75). \u203aGeist\u2039 bezeichne bei Unger kein metaphysisches Prinzip, sondern besitze als \u00bbHervorbringer einer inneren Welt [\u2026] eine klare Welthaftigkeit\u00ab. (88) Auch bleibt die Geistesgeschichte bei der Aufdeckung einer \u00bbinneren Welt\u00ab Kiening zufolge nicht einfach stehen. Die ihr verpflichteten Geschichtsschreibungen von Tod und Sterben etwa h\u00e4lt er f\u00fcr bedeutende historiographische Vorl\u00e4ufer der Annales-Schule.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">W\u00e4hrend die \u203aWelthaltigkeit\u2039 im Geist-Kapitel trotz sensibler und \u00fcberzeugender Deutungen im Detail mitunter leicht unscharf zu werden droht, ist Kiening in seinen \u00dcberlegungen zur Formgeschichte wieder ganz in seinem Element. Das ist zun\u00e4chst darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass Form eine \u00bbzugleich konkrete und abstrakte Dimension\u00ab (107) aufweise. Sie geh\u00f6re der \u00e4u\u00dferen Welt an, verspreche aber stets, den Schl\u00fcssel zum inneren Kern eines Werks oder eben einer inneren Welt bereitzuhalten. Kiening konzediert, dass eine der Form inh\u00e4rente \u203aWelthaltigkeit\u2039 nicht in allen historischen Formkonzepten gleich stark ausgepr\u00e4gt ist. Im russischen Formalismus etwa tendiere sie gegen Null. An dem langj\u00e4hrigen Standardwerk von Andr\u00e9 Jolles \u00fcber \u00bbEinfache Formen\u00ab hingegen w\u00fcrdigt er ausgiebig das Bem\u00fchen, diese in \u00bbBed\u00fcrfnis- und Interessenszusammenh\u00e4nge\u00ab einzubetten (116). Damit ist es tats\u00e4chlich ihre verkappte Welthaltigkeit, die \u00fcber die Entstehung und Entwicklung bestimmter \u203aeinfacher Formen\u2039 entscheidet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Nach der Formgeschichte wendet sich Kiening einer minuti\u00f6sen Deutung der gescheiterten Habilitationsschrift von Walter Benjamin zu. Es ist ausgerechnet das in der \u00bberkenntnistheoretischen Vorrede\u00ab des Trauerspielbuchs so schwerf\u00e4llig entfaltete Konzept der \u203aIdee\u2039, das es Kiening angetan hat und dem er Welthaltigkeit attestiert. Damit kehrt er die Perspektive weiter Teile einer an Benjamin anschlie\u00dfenden Barockforschung radikal um. W\u00e4hrend diese \u00fcber das ganze Brimborium um die \u00bbIdee\u00ab lieber hinwegsieht, um dem Trauerspiel eine philologisch halbwegs tragbare Realit\u00e4tsanmutung verleihen zu k\u00f6nnen,<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> erblickt Kiening in der \u203aIdee\u2039 keinen bodenlosen Tiefsinn, sondern eine \u00bb\u203aWelt\u2039 sui generis\u00ab, die freilich nicht mit der \u00bbempirischen Welt\u00ab (129) verwechselt werden d\u00fcrfe. Der epistemologische Status der \u203aIdee\u2039 sei bei Benjamin zwar ausgesprochen fragil, erm\u00f6gliche es ihm jedoch genau deshalb, \u00bbetwas ans Licht treten zu lassen, ohne es zu erfinden\u00ab (136). \u203aWelthaltigkeit\u2039 ist demnach f\u00fcr Kiening nie eine handfeste Ausbeute, sondern mehr eine Art Nimbus. Wiederholt bringt er die Kategorie des \u203aZarten\u2039 ins Spiel, wenn er \u203aWelthaltigkeit\u2039 begrifflich zu konturieren versucht. In Benjamins Trauerspielbuch blitze \u203aWelthaltigkeit\u2039 gerade in der \u00bbUnsch\u00e4rfe\u00ab der gesamten \u00bbMethode\u00ab (148) auf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00c4hnliches gelte f\u00fcr die Begriffe der \u203aForm\u2039 und der \u203aStruktur\u2039 in der \u00dcberlieferungsphilologie Hugo Kuhns. Auch hier w\u00fcrdigt Kiening ausdr\u00fccklich die Flexibilit\u00e4t oder Offenheit solcher Konzepte. Mit \u203aForm\u2039 sei bei Kuhn nicht allein eine konkrete, existente oder greifbare Form gemeint, sondern auch die \u00bbpr\u00e4gende Kraft der Formbildung\u00ab (172) selbst. \u203aForm\u2039 und \u203aStruktur\u2039 zeugten bei Kuhn folglich von einer \u00bbBindung an die Wirklichkeit\u00ab (172), da sie die \u00bbEntscheidung, ob es sich um Bewusstseins- oder Seinsstrukturen\u00ab handelt, bewusst offenhielten (172).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Vergleichbare Denkfiguren deckt Kiening abschlie\u00dfend in vielen Schriften Erich Auerbachs auf. Die Typologie etwa betrachtet er als philologischen Entwurf einer Form, in der sich Immanenz und Transzendenz \u00bbverschr\u00e4nken\u00ab (189). Besonders fasziniert ihn Auerbachs Mut, zentrale Begriffe wie \u203aMimesis\u2039 oder \u203aWirklichkeit\u2039 \u00bbdefinitorisch\u00ab gerade nicht \u00bbzu fixieren\u00ab (194). Auerbachs gro\u00df angelegten Versuch einer Geschichtsschreibung des literarischen Realismus liest Kiening subtil als Geschichte von dessen \u00bbVerhinderung\u00ab (198). Dem sukzessiven Zur\u00fccktreten eines Interesses an der \u203aWirklichkeit\u2039 korrespondiere beim sp\u00e4teren Auerbach ein \u00bbHervortreten des Weltbegriffs\u00ab (200). Dieser m\u00fcnde aber nie in eine solide \u00bbWeltanschauung\u00ab ein, sondern bezeichne ein \u00bbWeltverh\u00e4ltnis\u00ab (203).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In den sehr dichten Passagen zu Auerbach erteilt Kiening zwischen den Zeilen nicht zuletzt Auskunft \u00fcber das eigene Verfahren. Er geht mit der \u203aWelthaltigkeit\u2039 definitorisch genauso lax um wie Auerbach mit der \u203aWirklichkeit\u2039. Hierin liegt aber keine Nachl\u00e4ssigkeit, sondern eine bewusste Entscheidung f\u00fcr gedankliche Elastizit\u00e4t. Auch Kiening ist es mitnichten um den Entwurf einer \u203aWeltanschauung\u2039 zu tun, sondern um die Aufarbeitung des reichen Spektrums an \u203aWeltverh\u00e4ltnissen\u2039, das die Geschichte der Philologie bereith\u00e4lt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Welthaltigkeit ist f\u00fcr Kiening nichts, was eindeutig gegenst\u00e4ndlich werden oder unmittelbar zu sich selbst kommen k\u00f6nnte. Insofern ist es konsequent, wenn er in einem kurzen Ausblick feststellt, der Weltbegriff sei \u00bbebenso wenig einzuholen wie aufzugeben\u00ab (206). Auf den letzten Seiten hei\u00dft es an zentraler Stelle: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbIm Wechselspiel von Literatur und Literaturwissenschaft hat auch der Philologe teil an der Hervorbringung von Welt \u2013 zum Beispiel, indem er die richtigen Fragen stellt.\u00ab (208)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"> In einer Gegenwart, in der sich die Geisteswissenschaften immer eindeutigere Positionen und immer klarere Antworten oder gar Anweisungen abverlangen, ist dies ein unzeitgem\u00e4\u00dfes Credo. Aber wenn die Philologie tats\u00e4chlich genau dort an Welthaltigkeit gewinnen sollte, wo sie an Bodenst\u00e4ndigkeit verliert \u2013 was lie\u00dfe sich Gr\u00f6\u00dferes \u00fcber sie sagen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Der Literaturwissenschaftler\u00a0<a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/haas.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Claude Haas<\/a> ist stellvertretender Direktor des ZfL und leitet gemeinsam mit Matthias Schwartz den Programmbereich <a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/weltliteratur.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Weltliteratur<\/a>.<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Markus Gabriel: <em>Warum es die Welt nicht gibt<\/em>, Berlin 2013.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. zum Klassiker dieser Tendenz Emily Apter: <em>Against World Literature. On the Politics of Untranslatability, <\/em>London\/New York 2013. Die Forschung zu den Diskussionen um den Begriff der \u203aWeltliteratur\u2039 ist un\u00fcberschaubar. Vgl. zuletzt den \u00dcberblick bei Vittoria Bors\u00f2\/Schamma Schahadat (Hg.): <em>Grundthemen der Literaturwissenschaft: Weltliteratur<\/em>, Berlin\/Boston 2025.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. vor allem Bettine Menke: <em>Das Trauerspiel-Buch. Der Souver\u00e4n \u2013 das Trauerspiel \u2013 Konstellationen \u2013 Ruinen<\/em>, Bielefeld 2010.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Claude Haas: Ein Fach von Welt. Zu einem Pl\u00e4doyer f\u00fcr die Welthaltigkeit der Philologie, in: ZfL Blog, 6.1.2026, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/01\/06\/claude-haas-ein-fach-von-welt-zu-einem-plaedoyer-fuer-die-welthaltigkeit-der-philologie\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/01\/06\/claude-haas-ein-fach-von-welt-zu-einem-plaedoyer-fuer-die-welthaltigkeit-der-philologie\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260106-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260106-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260106-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/01\/06\/claude-haas-ein-fach-von-welt-zu-einem-plaedoyer-fuer-die-welthaltigkeit-der-philologie\/\",\n  \"additionalType\": \"Review\",\n  \"name\": \"Claude Haas: EIN FACH VON WELT. 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