{"id":3938,"date":"2026-05-08T11:31:46","date_gmt":"2026-05-08T09:31:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=3938"},"modified":"2026-05-11T12:28:47","modified_gmt":"2026-05-11T10:28:47","slug":"matthias-schwartz-maennlichkeit-im-schatten-des-krieges-neue-kinofilme-aus-russland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/05\/08\/matthias-schwartz-maennlichkeit-im-schatten-des-krieges-neue-kinofilme-aus-russland\/","title":{"rendered":"Matthias Schwartz: M\u00c4NNLICHKEIT IM SCHATTEN DES KRIEGES. Neue Kinofilme aus Russland"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Vier Jahre dauert der Krieg Russlands gegen die Ukraine inzwischen. Ein Zerm\u00fcrbungskrieg ohne absehbares Ende, w\u00e4hrend gleichzeitig die staatlichen Repressionen in Russland zunehmen. Offene Diskussionen \u00fcber den Krieg oder gar Proteste dagegen sind nicht mehr m\u00f6glich.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Fortw\u00e4hrend neue Gesetze stellen \u00bbPropaganda f\u00fcr nicht-traditionelle sexuelle Beziehungen\u00ab oder zuletzt die Verleugnung des \u00bbV\u00f6lkermords am sowjetischen Volk\u00ab unter Strafe und schr\u00e4nken die Meinungsfreiheit zus\u00e4tzlich ein.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Im April 2026 wurde die Menschenrechtsorganisation Memorial zur \u00bbextremistischen\u00ab Organisation erkl\u00e4rt. Viele aus der Medien- und Kunstszene sind inzwischen emigriert, die wenigen verbliebenen unabh\u00e4ngigen Stimmen sind staatlicher Verfolgung ausgesetzt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wenn nur noch patriotische Rhetorik erlaubt ist, welche Freir\u00e4ume bleiben dann, um sich mit den Folgen des Krieges auseinanderzusetzen? Wie gehen die K\u00fcnste, die Popul\u00e4rkultur, die Medien unter den Bedingungen staatlicher Zensur mit dem Krieg um? Gibt es jenseits der Propaganda Stimmen und Sichtweisen, die ein differenzierteres Bild der Wirklichkeit sowie der mit dem Krieg verbundenen \u00c4ngste und Aggressionen erm\u00f6glichen? Die aufzeigen, wie Feind- und Freundschaftsbilder produziert werden?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Schaut man sich exemplarisch die j\u00fcngsten Kinoproduktionen an, ergibt sich ein uneinheitliches Bild. 2025 kamen \u00fcber 200 neue, in Russland produzierte Filme in die Kinos. Das macht zwar nur etwas mehr als ein Drittel der Kinostarts insgesamt aus \u2013 hier dominieren allen Sanktionen zum Trotz weiterhin westliche Filme \u2013, ist aber mehr als in den Jahren zuvor.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Am kommerziell erfolgreichsten sind wie \u00fcberall auf der Welt popul\u00e4re Genres \u2013 Fantasy, Kom\u00f6dien und Liebesromanzen, M\u00e4rchen- und Kinderfilme, Actionfilme und Historiendramen, Biopics und Literaturverfilmungen, die eher eskapistisch als realit\u00e4tsnah sind. Die Kriegsfolgen werden selten adressiert, und wenn, dann zumeist indirekt in der Wahl der Geschichten und Bilder.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch in der Filmkritik findet eine Auseinandersetzung dar\u00fcber statt, wie mit der schwierigen Lage umzugehen ist. Auf dem Onlineportal <em>Kritikanstwo, <\/em>das \u00fcber 150 in Russland gedruckte und online erschienene Publikationen in Hinsicht auf Spiele- und Filmkritiken auswertet, befinden sich unter den zw\u00f6lf bestbewerteten Kinostarts des ersten Quartals 2026 drei russische Produktionen: <em>Kartiny druschestwennych swjasej <\/em>(Bilder freundschaftlicher Verbindungen), <em>Den roschdenija Sidni Ljumeta<\/em> (Sidney Lumets Geburtstag) und <em>Sdes byl Jura <\/em>(Hier war Jura).<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Oberfl\u00e4chlich betrachtet haben diese drei Filme wenig mit dem Krieg zu tun, sie erw\u00e4hnen die \u00bbSpezielle Milit\u00e4roperation\u00ab mit keinem Wort. Und doch lohnt ein genauerer Blick, zeigen sie doch, wie man sich jenseits von Zensur und Politik mit den Kriegsfolgen auseinandersetzen kann. In allen drei Filmen ist die Darstellung von M\u00e4nnlichkeit im Verh\u00e4ltnis zu Gewalt, Kriminalit\u00e4t und Alterit\u00e4t besonders bedeutsam. Denn Krieg ist auch im 21. Jahrhundert weiterhin M\u00e4nnersache, egal auf welcher Seite der Front: Soldaten werden im Einsatz gest\u00e4hlt, get\u00f6tet, traumatisiert, sind Helden, Verr\u00e4ter oder M\u00f6rder. Doch wie zeigt man all die M\u00e4nner, die niemals das Ziel hatten, f\u00fcrs Vaterland zu sterben, nun aber in diesem vom Krieg gezeichneten Land zurechtkommen m\u00fcssen? Von genau diesen M\u00e4nnern erz\u00e4hlen die drei von der Kritik gefeierten Regiedeb\u00fcts.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Kartiny druschestwennych swjasej <\/em>(Bilder freundschaftlicher Verbindungen)<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Sonja Raismans Erstlingswerk <em>Kartiny druschestwennych swjasej<\/em> (2025) wurde im Oktober 2025 beim Filmfestival zur F\u00f6rderung des jungen Autorenkinos \u00bbMajak\u00ab (Leuchtturm) in Gelendschik an der russischen Schwarzmeerk\u00fcste unter anderem mit dem Preis f\u00fcr die beste Regie ausgezeichnet. Im M\u00e4rz 2026 hatte der Film seinen landesweiten Kinostart. Die Kritik ist von dem Schwarz-Wei\u00df-Film begeistert, feiert den \u00bbFestivalhit\u00ab<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> als ein \u00bbzweifelsohne unerwartetes Ereignis\u00ab,<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> als \u00bbpolyphones Drama\u00ab,<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> \u00bbEpochenportr\u00e4t\u00ab<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> und \u00bbtrauriges Omen der heutigen Zeit\u00ab.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Anna Filippowa schreibt in ihrer Rezension:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">Wenn man \u00fcber das \u00bbEreignis\u00ab nicht sprechen darf, kann man versuchen, laut dar\u00fcber zu schweigen oder es mit belanglosen Gespr\u00e4chen zu \u00fcbert\u00f6nen \u2013 was im Grunde genommen auf dasselbe hinausl\u00e4uft. So bestimmt das Verfahren (und das Budget) das Genre: einen schwarz-wei\u00dfen Mumblecore. Der Schauplatz ist Russland, irgendwo zwischen 2022 und der Endlosigkeit.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Der Film erz\u00e4hlt von sechs M\u00e4nnern und zwei Frauen, die gemeinsam Schauspiel und Regie in Moskau studiert haben. Sie sind alle mittlerweile um die 30 Jahre alt. Als einer von ihnen das Land verlassen will, feiern sie den letzten gemeinsamen Abend miteinander, zuletzt in der Wohnung des Abreisenden, ehe sie ihn nach viel Alkohol und wenig Schlaf am Morgen zum Flughafen bringen. Nur einer der acht Freunde hat in seinem gelernten Beruf einen Job gefunden und schreibt Drehb\u00fccher f\u00fcr Kinderfilme, in denen aber m\u00f6glichst weder Krieg noch Politik vorkommen sollen. Alle anderen schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch, der eine arbeitet als Fahrradkurier, der andere muss sein Auto verkaufen, um sich \u00fcber Wasser zu halten. Die Freunde kennen sich schon lange, der Umgang miteinander ist vertraut und z\u00e4rtlich, die Blicke sind intim und ungezwungen. Immer wieder werden Erinnerungssequenzen in Farbe eingeblendet: gl\u00fcckliche Momente der Vergangenheit.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">W\u00e4hrend des Abschiedsabends werden Belanglosigkeiten ausgetauscht, Alltagssorgen, fl\u00fcchtig und ironisch, en passant und ausgelassen. Der Abend beginnt mit einem spontanen Besuch in der ehemaligen Filmhochschule, wo gerade frei inszenierte Abschiedsszenen auf der B\u00fchne geprobt werden. Anschlie\u00dfend zieht man ein letztes Mal durch einige Lieblingsbars, feiert schlie\u00dflich in der K\u00fcche noch einmal eine wilde Party. Dass der Freund nicht ohne Grund verreist, sondern vermutlich emigriert, m\u00f6glicherweise aus politischen Gr\u00fcnden, vielleicht aber auch einfach nur, weil er als schwuler Mann keine Zukunft im Land sieht, wird nirgends gesagt. Man kann es aber sehen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Kamera ist immer dicht dabei, mal in Bewegung, mal stehend, mal frontal, mal aus schr\u00e4ger Perspektive versucht sie die \u00bbfreundschaftlichen Verbindungen\u00ab im Raum auszumessen. Aufgrund seiner poetischen Bildsprache wurde der Film in der Kritik h\u00e4ufig mit den ber\u00fchmten sowjetischen Tauwetterfilmen <em>Ja schagaju po Moskwe <\/em>von (<em>Zwischenlandung in Moskau<\/em>, 1963) und <em>Mne dwadzat let <\/em>von Marlen Chuzijew (<em>Ich bin zwanzig Jahre alt<\/em>, 1965) verglichen, die ebenfalls das Lebensgef\u00fchl einer jungen Generation einzufangen versuchten.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Allerdings zeigen diese Filme eine hoffnungsfrohe Generation, die zehn Jahre j\u00fcnger ist, und die sommerliche Aufbruchstimmung ist durch das Ende der Stalinzeit gepr\u00e4gt. Bei Raisman hat die Zoomer-Generation der Gegenwart ihre besten Jahre schon hinter sich: Es ist Winter und man wei\u00df nicht, ob der Fr\u00fchling \u00fcberhaupt noch kommt, sprich: der Krieg irgendwann enden wird. Gr\u00f6\u00dfere \u00c4hnlichkeiten gibt es zu Chuzijews nachfolgendem Generationen-Film <em>Ijulski doschd <\/em>(<em>Juliregen<\/em>, 1966), hier sind die Protagonisten ebenfalls etwa 30 Jahre alt. Doch wo bei Chuzijew gerade die freundschaftlichen Beziehungen zerbrechen, w\u00e4hrend gesellschaftspolitische Fragen offen diskutiert werden, verh\u00e4lt es sich bei Raisman umgekehrt. Die intimen Verbindungen sind das Einzige, was h\u00e4lt. Wie Jana Telowa in ihrer Rezension schreibt:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">Raisman schafft, ohne direkte politische Aussagen zu machen, einen Raum voller Andeutungen und Nuancen. Die Figuren sprechen nichts direkt an (auch nichts Pers\u00f6nliches), doch ihre allt\u00e4glichen Handlungen und Entscheidungen zeugen vom Druck der \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde. Raisman gelingt es, den richtigen Ton zu treffen, indem sie Humor zu einer Lebensweise macht. Der kom\u00f6diantische Ansatz zerst\u00f6rt die dramatische Spannung nicht, sondern verst\u00e4rkt sie im Gegenteil und unterstreicht die Zerbrechlichkeit des Augenblicks: Lachen geht einher mit dem Bewusstsein des Verlusts.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Dmitri Jelagin erkennt in diesem Ansatz von Raisman ein k\u00fcnstlerisches Verfahren, das wegweisend f\u00fcr die aktuelle Kinopoetik in Russland werden k\u00f6nnte. So schreibt er am Ende seiner Besprechung: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbDen sowjetischen Regisseuren [der 1960 Jahre] ist es gelungen, ihren eigenen Weg zu finden und zu verstehen, welche Themen sie unter solch widrigen k\u00fcnstlerischen Bedingungen aufgreifen konnten \u2013 den heutigen russischen Regisseuren steht dies noch bevor.\u00ab<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Den roschdenija Sidni Ljumeta <\/em>(Sidney Lumets Geburtstag)<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Raul Gejdarow hat mit seinem ersten Kinofilm <em>Den roschdenija Sidni Ljumeta <\/em>(2025) diesen eigenen Weg gefunden. Er war bereits im August 2025 auf dem 33. Kinofestival \u00bbOkno w Jewropu\u00ab (Fenster nach Europa) zur F\u00f6rderung des jungen russischen Films in der Ostseestadt Wyborg begeistert aufgenommen worden. Dort gewann er den Hauptpreis f\u00fcr den besten Spielfilm sowie den Kritikerpreis, seine Kinopremiere folgte im Januar 2026. Hervorgehoben von der Kritik wurden an dieser \u00bbhitzigen, vor Leidenschaft brodelnden Tragikom\u00f6die\u00ab<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> unter anderem die \u00bbAufrichtigkeit und der frische Blick eines Neulings, gepaart mit einem Gesp\u00fcr f\u00fcr Nuancen\u00ab,<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> seine \u00bbSentimentalit\u00e4t ohne Kitsch\u00ab und \u00bbStrenge ohne Grausamkeit\u00ab.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Der Film wurde als \u00bblyrisches Drama\u00ab bezeichnet, das \u00bbwie eine klassische Sommersinfonie\u00ab wirke, \u00bbdie elegant jeden falschen Ton vermeidet\u00ab.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Handlung spielt vornehmlich im s\u00fcdlichen Russland an der Grenze zu Georgien. Der Film erz\u00e4hlt vom Erwachsenwerden eines georgischen 17-j\u00e4hrigen Jungen, der allein mit seiner Gro\u00dfmutter in einer kleinen Siedlung in den kaukasischen Bergen wohnt. Der androgyn wirkende Dato hat soeben die Schule abgeschlossen, es sind Sommerferien, im Herbst soll er nach dem Willen der Gro\u00dfmutter eine Ausbildung zum Bohrarbeiter an der \u00f6rtlichen Fachhochschule machen, damit jemand in der Heimat bleibt. Sein Onkel, bis vor Kurzem der Einzige, der sonst noch zu Hause wohnte, war ein begabter Klavierspieler, starb aber unl\u00e4ngst an AIDS oder an einer \u00dcberdosis. Zum gro\u00dfen Ungl\u00fcck von Datos Gro\u00dfmutter hatte er sich auf die \u00f6rtlichen Kleinkriminellen und deren Gesch\u00e4fte eingelassen. Doch Dato tr\u00e4umt heimlich davon, Filmregie in Petersburg zu studieren, niedergeschlagen rezitiert er gegen\u00fcber seinem Pferd Gedichte Michail Lermontows: <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbUnd einsam und traurig, und niemand steht helfend bereit, \/ Im Leide die Hand dir zu reichen\u00a0\u2026 \/ Was n\u00fctzt es, vergebens nur W\u00fcnsche zu n\u00e4hren allzeit, \/ Indes deine Jahre, die besten, verstreichen!\u00ab<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das triste Provinzdasein ger\u00e4t aus den Fugen, als Datos Mutter nach acht Jahren Lagerhaft zur\u00fcckkehrt. Sie ist eine lebenslustige und selbstbewusste Frau \u2013 nur ihre zahlreichen T\u00e4towierungen weisen auf die kriminelle Vergangenheit hin. Sie bringt einen blonden russischen Liebhaber mit nach Hause, schenkt Dato eine Videokamera und vertreibt mit ihrer dominant-fr\u00f6hlichen Art allen Kummer. Bereits am n\u00e4chsten Tag laden sie und ihr Liebhaber Dato zu einem Ausflug ans Schwarze Meer ein. Sie h\u00f6ren russischen Disco-Pop der 1990er Jahre, vergn\u00fcgen sich auf dem Jahrmarkt und picknicken ausgiebig mit Bier. Doch als der gutherzig und wohlsituiert wirkende Russe seine M\u00e4nnlichkeit beweisen m\u00f6chte, indem er im kalten Wasser weit ins Meer hinausschwimmt, pl\u00fcndert die Mutter zum Entsetzen Datos dessen Sachen und t\u00fcrmt. Sie will Dato in den n\u00e4chsten Bus zur\u00fcck zur Gro\u00dfmutter schicken, doch der besteht darauf, bei ihr zu bleiben. So nimmt sie ihn zu ihrem Freund mit, der ihr das Leben im Gef\u00e4ngnis gerettet habe, ein d\u00fcsterer t\u00e4towierter Kerl mit Goldz\u00e4hnen. Noch am selben Abend machen sie mit dem Auto einen Ausflug, angeblich zum Schaschlikgrillen. Als Dato klar wird, dass sie zu einem Schmuggeldeal an der georgischen Grenze fahren, dreht er vor Verzweiflung \u00fcber seine Mutter durch. Er versucht, die Ware in den Abgrund zu werfen, woraufhin der Kerl ihn zusammenschl\u00e4gt und er allein im Nirgendwo des Grenzgebiets ausgesetzt wird. Zur\u00fcck bei der Gro\u00dfmutter wei\u00df Dato nicht, wohin mit sich und sucht Trost bei den \u00f6rtlichen Gaunern, denen er sich anschlie\u00dfen m\u00f6chte. Bei einem Gelage mit Prostituierten versucht eine blondierte, russisch aussehende Sch\u00f6nheit vergeblich, ihn zu verf\u00fchren. Doch schon bei seinem ersten Einsatz, einem Raub\u00fcberfall auf ein Warenlager mit Elektronikger\u00e4ten, wird er geschnappt und mit einer Jugendstrafe belegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Vorbestraft scheinen alle Wunschtr\u00e4ume Datos geplatzt zu sein. Doch seine ebenso autorit\u00e4re wie gro\u00dfherzige Gro\u00dfmutter, die er in seinem geheimen Tagebuch als Stalin charakterisiert, offenbart ihm, dass sie in der Bibel noch Gespartes f\u00fcr ihre Beerdigung verstecke. Mit diesem Geld wolle sie mit ihm nach Petersburg fahren, damit er dort Filmregie studieren k\u00f6nne. Was sie dann auch tun: Die einstige imperiale Hauptstadt erstrahlt in ihren Augen und im Blick durch Datos Videokamera in ihrer ganzen Pracht. An der Kunsthochschule wird er allerdings nicht genommen, da es ihm an \u00bbLebenserfahrung\u00ab mangele. Doch die beiden lassen sich die gute Laune nicht verderben und gehen stattdessen ins Kino, wo gerade Datos Lieblingsfilm l\u00e4uft, <em>12 Angry Men <\/em>(1957, <em>Die zw\u00f6lf Geschworenen<\/em>) von Sidney Lumet, der am selben Tag Geburtstag hat wie Dato. W\u00e4hrend Dato fasziniert auf die Kinoleinwand blickt, schl\u00e4ft die Gro\u00dfmutter gl\u00fccklich an seiner Schulter ein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00c4hnlich wie bei Sonja Raisman der \u00bbkom\u00f6diantische Ansatz\u00ab ein Verfahren ist, das \u00bblaut dar\u00fcber zu schweigen\u00ab erlaubt, was in dieser Welt alles schiefgeht, sucht Raul Gejdarow in seinen lyrischen Bildern Wege, Unausgesprochenes sichtbar zu machen. Allein Zeit und Ort der Handlung sind symbolisch: Die Geschichte spielt genau ein Jahr nach dem zehnt\u00e4gigen russisch-georgischen Krieg vom August 2008, als Putins Russland seine milit\u00e4rische Macht erstmals nicht nur im Landesinneren \u2013 wie bei den Tschetschenienkriegen \u2013, sondern auch im Ausland demonstrierte. Gejdarow schildert nicht nur schonungslos die Machokultur aus Drogen, Gewalt, Kriminalit\u00e4t und Prostitution der 2000er Jahre, in die Dato ger\u00e4t, er bricht zudem g\u00e4ngige Familien- und Geschlechterklischees: Es ist die leibliche Mutter, die aus dem Straflager nicht gel\u00e4utert, sondern als kaltbl\u00fctige Kriminelle zur\u00fcckkehrt. Allein durch diese mittelbare Verbindung von Kriegsgewalt und Lagerkultur verweist der Film deutlich darauf, dass viele der russischen Soldaten im Krieg gegen die Ukraine direkt in den Gef\u00e4ngnissen rekrutiert werden und ihre anschlie\u00dfende Integration ins Zivilleben gro\u00dfe Schwierigkeiten bereitet.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Durch die Lieblingsfilme der beiden wird zudem angedeutet, dass die Verbindung von Lagerkultur und Kriminalit\u00e4t nicht zuletzt eine Krise des Rechtsstaats ist. Denn Datos Gro\u00dfmutter liebt die in der Sowjetunion \u00e4u\u00dferst popul\u00e4re Kom\u00f6die <em>Mimino <\/em>(1977) von Giorgi Danelia. Angesichts einer Szene, in der ein v\u00f6llig \u00fcberforderter armenischer Lastwagenfahrer seinen georgischen Freund vor einem Moskauer Gericht verteidigen m\u00f6chte, kommen ihr vorm Fernseher vor Lachen die Tr\u00e4nen. In ihrem befreienden Lachen \u00fcber die groteske Unbeholfenheit des Mannes im Umgang mit dem Gesetz wird zugleich ihr Bedauern kenntlich, dass selbst sie, die \u203aDiktatorin\u2039, im eigenen Haus das Gesetz nicht durchsetzen kann. Ganz anders in <em>Mimino<\/em>, wo durch das abschlie\u00dfende Pl\u00e4doyer der Pflichtverteidigerin \u2013 das in <em>Den roschdenija Sidni Ljumeta <\/em>allerdings nicht mehr gezeigt wird \u2013 der Prozess eine \u00fcberraschende Wendung nimmt und der zun\u00e4chst vermeintlich klare Fall zugunsten des Angeklagten entschieden wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Diese rechtsstaatliche Revision scheinbarer Gewissheiten verweist direkt auf den titelgebenden Geburtstag von Sidney Lumet und auf die Schlussszene von <em>12 Angry Men<\/em>. Denn auch darin \u2013 ebenfalls ein Deb\u00fctfilm, der 1958 gleich drei Oscars gewann \u2013 geht es um eine erstaunliche Wendung in einem Gerichtsprozess, in dem der Fall eines jungen Mannes verhandelt wird, der seinen Vater im Affekt ermordet haben soll. Am Anfang halten elf der \u203azw\u00f6lf w\u00fctenden M\u00e4nner\u2039 den Angeklagten f\u00fcr schuldig, am Ende der Diskussion unter den Geschworenen spricht man ihn einstimmig frei. Dato, von dem wir nicht wissen, was mit seinem Vater geschehen ist, ist fasziniert von diesem Gerichtsfall. Was die F\u00e4lle in <em>Mimino <\/em>und <em>12 Angry Men <\/em>verbindet, ist das Einklagen von fairen und funktionierenden rechtsstaatlichen Verfahren. Diese haben \u00fcber allem zu stehen, selbst \u00fcber berechtigten Emotionen wie Wut, Hass, Ressentiments und Vorurteilen\u2013 eine unausgesprochene Botschaft, die im heutigen Russland, das sich in vielerlei Hinsicht immer weiter von rechtsstaatlichen Normen entfernt, beklemmend aktuell ist.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Insofern die Gesetzlosigkeit von Lager und Krieg in der Tristesse der kaukasischen Peripherie verortet ist, w\u00e4hrend Gerechtigkeit und Hochkultur in den imperialen Zentren von Moskau (im Fall von <em>Mimino<\/em>) und Petersburg zuhause sind, triumphiert oberfl\u00e4chlich betrachtet die alte sowjetische Ordnung. In <em>Landna(h)me Georgien. Studien zur kulturellen Semantik <\/em>schreiben Zaal Andronikashvili, Emzar Jgerenaia und Franziska Thun-Hohenstein \u00fcber <em>Mimino<\/em>, dass Danielas Kom\u00f6die hinter der \u00bbscherzhaft verarbeiteten Idee der sowjetischen V\u00f6lkerfreundschaft\u00ab das \u00bbernstere Problem der moralischen Hierarchisierung des imperialen Raumes und des georgischen Verh\u00e4ltnisses zu Russland\u00ab behandele<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> (diese Hierarchisierung d\u00fcrfte auch f\u00fcr Gejdarows Film gelten). Allerdings, so fahren sie fort, suggeriere die Darstellung der Protagonisten in <em>Mimino<\/em>, dass Integrit\u00e4t \u00bbf\u00fcr einen Georgier nur in Georgien m\u00f6glich\u00ab sei: \u00bbdie Reise in die Ferne f\u00fchrt zu moralischem Verfall, der nur durch die R\u00fcckkehr und die Wiedereingliederung in die Heimat gel\u00e4utert wird\u00ab.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gerade diese Konstellation kehrt <em>Den roschdenija Sidni Ljumeta <\/em>aber um, indem erst die Reise nach Petersburg einen Ausweg aus dem \u00bbmoralischen Verfall\u00ab bietet: Dato und seine Gro\u00dfmutter k\u00f6nnen ihre \u203aIntegrit\u00e4t\u2039 erst finden, nachdem sie die Heimat verlassen haben. Heimat ist nicht dort, wo man geboren ist, sondern dort, wo man ungezwungen gl\u00fccklich sein kann. Mehr noch: Wo seit der Romantik die imperialen Dichter Russlands als Verbannte, Soldaten oder Abenteurer im Kaukasus einen Ort der \u00bbsexuell konnotierten Freiheit\u00ab und der Begegnung mit sch\u00f6nen Frauen fanden, verhie\u00df in der sp\u00e4ten Sowjetunion und auch in <em>Mimino \u2013 <\/em>so nochmals Andronikashvili, Jgerenaia und Thun-Hohenstein \u2013 \u00bbsp\u00e4testens ab der Tauwetterperiode Russland f\u00fcr die \u203aKaukasier\u2039 eine Befreiung aus den Zw\u00e4ngen der heimischen Ordnung\u00ab, die darin bestand, dass sich M\u00e4nner aus der Peripherie in sch\u00f6ne Russinnen aus Moskau oder Leningrad verliebten.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gejdarows Film bricht radikal mit dieser heterosexuell konnotierten Verhei\u00dfung: Er zeigt das Schicksal eines vertr\u00e4umten Jungen aus dem Kaukasus, der, vaterlos und mit einer vornehmlich abwesenden kriminellen Mutter, in keine \u00f6dipale Konstellation passt, der sich aus blonden Frauen nichts macht und zusammen mit der Gro\u00dfmutter in Petersburg \u00bbfreundschaftliche Verbindungen\u00ab sucht, die jenseits tradierter \u203aheimatlicher\u2039 russisch-georgischer \u00bbHierarchisierungen des imperialen Raums\u00ab liegen. Heroische M\u00e4nnlichkeit und traditionelle Familienwerte findet man in diesem Film nicht, sondern trotz aller Schicksalsschl\u00e4ge, die Dato und seine Gro\u00dfmutter erleiden m\u00fcssen, das Festhalten an den Kindheits- und Kinotr\u00e4umen von \u00bbunerwarteter G\u00fcte und Freiheit\u00ab<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> und Gerechtigkeit.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Malysch <\/em>(Baby) und<em> Sdjes byl Jura <\/em>(Hier war Jura)<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">F\u00fcr heroische M\u00e4nnlichkeit ist die staatliche Propaganda zust\u00e4ndig, und diese hat nach vier Jahren Krieg den ersten offiziell gef\u00f6rderten Spielfilm \u00fcber die sogenannte Spezielle Milit\u00e4roperation in der Ukraine produziert. <em>Malysch <\/em>(2026) in der Regie von Andrei Simonow kam Ende Februar in die Kinos.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Der Film spielt im April 2022, als russische Truppen die ukrainische Hafenstadt Mariupol einnahmen. Zwei junge Donezker Rapper wollen sich vor der Einberufung dr\u00fccken und nach Moskau fl\u00fcchten, doch als der eine erf\u00e4hrt, dass sein Vater als Soldat der russischen Armee gefallen ist, kehrt er zur\u00fcck und schlie\u00dft sich einer \u00f6rtlichen, auf Russlands Seite k\u00e4mpfenden Freiwilligeneinheit an. Die multinationale Truppe setzt sich aus besonders harten M\u00e4nnern zusammen, von denen er aufgrund seiner Unerfahrenheit den Spitznamen \u00bbBaby\u00ab (Malysch) erh\u00e4lt. Seine Mutter und sein \u00e4lterer Bruder k\u00e4mpfen jedoch auf der Seite der Ukraine, und so ger\u00e4t er in einen Loyalit\u00e4tskonflikt zwischen Familie und Vaterland. Immer wieder versucht er, seine Angeh\u00f6rigen zu retten, weswegen er von seiner Truppe als Verr\u00e4ter ge\u00e4chtet wird. Zwischen den Fronten st\u00f6\u00dft er auf den Afroamerikaner Johnny, der ebenfalls f\u00fcr die Russen k\u00e4mpft, gemeinsam geraten sie in Gefangenschaft im Kombinat Asow-Stahl, das noch von den Ukrainern gehalten wird. Als seine Mutter Johnny und ihn beim Versuch, eine Gruppe Zivilisten in Sicherheit zu bringen, ebenfalls retten m\u00f6chte, geraten sie bei der Flucht in ein Feuergefecht. Dabei stirbt Johnny mit \u00bbRussland\u00ab auf den Lippen, w\u00e4hrend \u00bbBaby\u00ab \u00fcberlebt und am Ende in Moskau \u203aauthentischen\u2039 Rap vom Krieg im Donbass performen kann. Der Film suggeriert Authentizit\u00e4t durch extreme Brutalit\u00e4t und dreckigen Jargon, doch statt Realismus bietet er Klischees. Die Ukrainer werden wie typische deutsche Faschisten in sowjetischen Kriegsfilmen dargestellt und der Afroamerikaner Johnny wirkt wie ein antikolonialer Befreiungsk\u00e4mpfer aus den Zeiten der internationalen Solidarit\u00e4t.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a> Hier gibt es kein lautes Schweigen und keine kom\u00f6diantischen Oberfl\u00e4chen, alles ist voller Gewalt, testosterongeladen, waffenstarrend. St\u00e4ndig wird geflucht, gew\u00fctet und geschossen. Gezeigt wird eine soldatische M\u00e4nnerwelt, f\u00fcr die \u203aKultur\u2039 nur z\u00e4hlt, wenn sie dem Lobgesang ihrer toten Kameraden dient.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Den Gegenentwurf zu diesem patriotischen Blockbuster stellt der Deb\u00fctfilm von Sergej Malkin <em>Sdjes byl Jura <\/em>(2025) dar, der auf dem Filmfestival \u00bbMajak\u00ab 2025 als bester Film ausgezeichnet wurde und Anfang Februar 2026, also kurz vor <em>Baby<\/em> in die Kinos kam.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a> Auch hier geht es um zwei junge M\u00e4nner. Die beiden drei\u00dfigj\u00e4hrigen Moskauer Punkmusiker Oleg und Serjoga sind seit Jugendzeiten zusammen und leben gemeinsam in einer WG, die sie sich mit einem leicht reizbaren Mitbewohner teilen. Sie leben in den Tag hinein und tr\u00e4umen von ihrem ersten gro\u00dfen Konzertauftritt, bis die Mutter von Oleg sie zwingt, sich um den kognitiv beeintr\u00e4chtigten Onkel Jura zu k\u00fcmmern, der sonst von seinem Bruder, Olegs Vater, betreut wird. Dieser hat sich aber bei einem Saufgelage mit einem alten Armeekameraden so sehr gepr\u00fcgelt, dass er f\u00fcr zehn Tage ins Gef\u00e4ngnis muss. Da Jura nicht allein leben kann, nehmen die beiden Musiker ihn in ihrer Mietwohnung auf. Sie m\u00fcssen ihn waschen, <\/span><span style=\"font-family: helvetica;\">anziehen, f\u00fcttern. Ein Nicken ist die einzige Reaktion, zu der Jura f\u00e4hig ist. Man wei\u00df nie, was in seinem Kopf vorgeht, er freut sich an Discokugeln, kriegt nachts Anf\u00e4lle, verzieht sich weinend in eine Ecke. Oleg und Serjoga sind anfangs \u00fcberfordert, streiten dar\u00fcber, wer die Verantwortung \u00fcbernimmt, doch finden allm\u00e4hlich einen liebevollen Umgang mit Jura. Sie nehmen ihn zu Konzertproben mit und feiern gemeinsam mit ihm seinen Geburtstag. Am Ende aber werden sie wegen des \u00bbillegal\u00ab bei ihnen wohnenden Jura von der Vermieterin aus der Wohnung geworfen, just in dem Moment, als Olegs Vater endlich aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen wird und Jura ihm gl\u00fccklich in die Arme f\u00e4llt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Auch in diesem Film kommt der Krieg nicht vor. Gleichwohl ist es ein Saufgelage mit einem alten Armeekameraden, das das Leben der beiden Freunde gr\u00fcndlich durcheinanderbringt. Homosexualit\u00e4t wird nicht thematisiert, man sieht lediglich das unbeschwerte Leben zweier junger M\u00e4nner, die Ringe im linken Ohr tragen, deren \u00bbfreundschaftliche Verbindungen\u00ab durch den kognitiv beeintr\u00e4chtigten Onkel auf eine schwere Probe gestellt werden, die dann aber einen zunehmend selbstverst\u00e4ndlichen Umgang mit ihm finden. Zum einen ist der Film ein poetisches Drama \u00fcber Inklusion. Zum anderen wird Onkel Jura von Konstantin Chabenski gespielt, einem Star des russischen Gegenwartskinos, der durch die Verk\u00f6rperung unerschrockener Helden in Fantasy-, Historien- und Kriegsfilmen wie <em>Notschnoi dosor <\/em>(<em>W\u00e4chter der Nacht<\/em>, 2004), <em>Admiral <\/em>(2008) oder <em>Sobibor <\/em>(2018) ber\u00fchmt geworden ist.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Chabenski vermittelt in seiner Rolle den Eindruck, dass in der Welt, in der er lebt, etwas nicht stimmt.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Als die drei Juras Geburtstag feiern, schreibt Oleg irgendwann zur Erinnerung mit einem Filzstift die Worte \u00bbHier war Jura\u00ab auf die K\u00fcchenwand. Nun ist es in Zeiten des Massentourismus \u00fcblich, dass junge Menschen in der ganzen Welt ihre Initialen, Namen oder Tags hinterlassen, vorzugsweise an viel besuchten \u00f6ffentlichen Orten. Doch der Ausdruck \u00bbHier war\u00a0\u2026\u00ab ist nicht ohne Geschichte. Er ist vor allem im Zweiten Weltkrieg durch US-amerikanische Soldaten ber\u00fchmt geworden, als diese mit dem Graffito \u00bbKilroy was here\u00ab ihre popul\u00e4rkulturelle Spur an den vom Nationalsozialismus befreiten Orten Westeuropas hinterlie\u00dfen, w\u00e4hrend auf der anderen Seite der Alliierten die Rotarmisten an H\u00e4userw\u00e4nden und in Geb\u00e4uden mit ihren Eigennamen ein \u00bbIch war hier\u00ab markierten, wovon heute noch im Berliner Reichstag erhaltene Inschriften zeugen.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">In Russland wird der Krieg gegen die Ukraine h\u00e4ufig mit dem Kampf der Sowjetsoldaten gegen das nationalsozialistische Deutschland verglichen \u2013 so auch in <em>Malysch<\/em>. Indem <em>Sdjes byl Jura <\/em>die Inschrift \u00bbHier war\u00a0\u2026\u00ab zu seinem Titel macht, sie aber nicht auf einen Soldaten bezieht, sondern auf einen mental besonderen Menschen, der weder schreiben noch sprechen kann, findet er einen Weg anzuzeigen, wie falsch und anma\u00dfend dieser Bezug auf den Zweiten Weltkrieg ist. Die Helden von heute sind nicht die im russisch-ukrainischen Krieg K\u00e4mpfenden, sondern diejenigen, die unserer F\u00fcrsorge bed\u00fcrfen. Lautstarkes Schweigen zum \u00bbEreignis\u00ab l\u00e4sst sich nicht eindringlicher inszenieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Gegen Ende des Films sehen wir in einer Szene nach der Wohnungsk\u00fcndigung, wie die Nachmieter \u2013 eine junge Kleinfamilie \u2013 als erstes die K\u00fcche renovieren und die Tapete mit der Inschrift von der Wand rei\u00dfen. Die Szene ist ein Sinnbild f\u00fcr das neue Russland zu Zeiten des Krieges, das durch Tapetenwechsel und Renovierung alle Erinnerung an die Verbrechen der Vergangenheit und Gegenwart unsichtbar zu machen versucht. Wie die anderen beiden Deb\u00fctfilme aus Russland ist auch dieser ein Menetekel daf\u00fcr, nicht zu vergessen, dass es ein freundschaftliches Leben jenseits des Krieges geben k\u00f6nnte oder zumindest gegeben hat. Sie erz\u00e4hlen auf ganz unterschiedliche Weise von jungen M\u00e4nnern, \u00bbbereit, im Leide die Hand dir zu reichen\u00ab (Lermontow), deren W\u00fcnsche sich davon n\u00e4hren, dass die besten Jahre des Lebens nicht einfach vergebens verstreichen m\u00f6gen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica; color: #e63348;\"><em>Der Slawist <\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/person\/schwartz.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Matthias Schwartz<\/em><\/a><em> ist stellvertretender Direktor des ZfL und leitet das Projekt \u00bb<\/em><a style=\"color: #e63348;\" href=\"https:\/\/www.zfl-berlin.org\/projekt\/anpassung-und-radikalisierung.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Anpassung und Radikalisierung. Dynamiken der Popul\u00e4rkultur(en) im \u00f6stlichen Europa vor dem Krieg<\/em><\/a>\u00ab<em>. Zuletzt erschien von ihm auf dem ZfL Blog <\/em>\u00bb<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2025\/12\/18\/matthias-schwartz-in-der-finsternis-des-krieges-der-ukrainische-bestseller-autor-illarion-pavliuk\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em><span style=\"color: #e63348;\">In<\/span> der Finsternis des Krieges. Der ukrainische Bestseller-Autor Illarion Pavliuk<\/em><\/a>\u00ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> So verlegt sich die politische Diskussion zunehmend in den digitalen Raum, wo noch unabh\u00e4ngige Medien existieren k\u00f6nnen und dank VPN-Verbindungen auch Zugriff auf Exilmedien besteht. Das f\u00fchrt dazu, dass staatliche Beh\u00f6rden durch St\u00f6rung des Internets oder Einschr\u00e4nkungen bei sozialen Medien versuchen, auch diesen Raum st\u00e4rker zu kontrollieren, was in letzter Zeit f\u00fcr Aufregung sorgte. Demonstrationen dagegen wurden von den Beh\u00f6rden in mehreren St\u00e4dten verboten, vgl. Dar\u2019ja Garmonenko: \u00bbProtestnye akcii teper\u2019 ne sootvestvujut zakonu\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.ng.ru\/politics\/2026-03-19\/1_9457_law.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Nesavisimaja gazeta<\/em><\/a> (19.3.2026). Alle \u00dcbersetzungen stammen von mir.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> [Red.]: \u00bbPutin podpisal zakon o nakazanii za otricanie genocida sovetskogo naroda\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.vedomosti.ru\/society\/news\/2026\/04\/09\/1189204-putin-podpisal-zakon\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Vedomosti<\/em><\/a> (9.4.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> [Red.]: \u00bbRussland verbietet Menschenrechtsgruppe Memorial\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/menschenrechtsgruppe-memorial-russland-verbot-nowaja-gaseta-li.3465420\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em><\/a> (9.4.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Insgesamt sind im letzten Jahr bei insgesamt fast 600 Kinostarts 217 neue russische Spielfilme in die Kinos gekommen . Das entspricht einem Marktanteil innerhalb Russlands von 36 Prozent, vgl. Aleksej Bezzubikov: \u00bbRossijskoe kino v ote\u010destvennom prokate 2025: vstre\u010dajut po ode\u017eke\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.proficinema.com\/questions-problems\/articles\/detail.php?ID=439227\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>ProfiCinema<\/em><\/a> (30.12.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> [Red.]: \u00bbLu\u010d\u0161ie fil\u2019my 2026 goda\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/kritikanstvo.ru\/top\/movies\/best\/2026\/start\/10\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kritikanstvo<\/em><\/a>; Stand vom 10. April 2026 (die Seite wird t\u00e4glich aktualisiert).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Jana Telova: \u00bbRecenzija na fil\u2019m \u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039 \u2013 festival\u2019nyj chit, kotoryj zastavit vas smejat\u2019sja i plakat\u2019. O \u017eizni 30-letnych glazami 30-letnych.\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.film.ru\/articles\/recenziya-na-film-kartiny-druzheskih-svyazey-festivalnyy-hit-kotoryy-zastavit-vas-smeyatsya\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Film.ru<\/em><\/a> (19.3.2026). Im Folgenden werde ich bewusst nur in Russland publizierte Kritiken zitieren, da es mir darum geht, deren Sichtweisen und die Grenzen dessen, was gesagt werden kann, aufzuzeigen. Die Perspektive aus der politischen Emigration ist oft eine g\u00e4nzlich andere, kann doch hier der \u00bbElefant im Raum\u00ab, wie es der Filmregisseur und Kritiker Witali Manski formuliert, offen benannt werden. Vitalij Manskij: \u00bb\u203aKino vtorgaetsja v na\u0161u \u017eizn\u2019\u2039: Manskij o dokumentalistike, \u203aGospodine Nikto\u2039, pravde i vojne\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=fWczYOpDC08\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>The Insider Live<\/em><\/a> (17.3.2026). Eine gute \u00dcbersicht \u00fcber die in Russland produzierten Filme des Jahres 2025, in der auch die hier besprochenen Filme erw\u00e4hnt werden, gibt der im Exil lebende Kritiker Anton Dolin: \u00bbOt Pu\u0161kina do \u010cebura\u0161ki: Anton Dolin o novom rossijskom kino\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BR75znABbbQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Radio Dolin<\/em><\/a> (11.2.2026). Ich danke Franziska Thun-Hohenstein f\u00fcr diese und weitere hilfreiche Hinweise, insbesondere zu den Reichstagsinschriften.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Michail Trofimenkov: \u00bbOdna absoljutno nes\u010dastlivaja kompanija. V kinoteatrach pokazyvajut fil\u2019m \u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8533053\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kommersant\u2019<\/em><\/a> 50 (23.3.2026), S. 11.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Alina Kuv\u0161innikova: \u00bb\u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039: \u010dto ob\u0161\u010dego me\u017edu millenialami, mamblkorom i Godarom\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/media.2x2tv.ru\/kartini-drujeskih-svyazei-review\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>2<\/em><em>x<\/em><em>2.<\/em><em>Media<\/em><\/a> (20.3.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Dmitrij Elagin: \u00bbZastojnoe kino 2.0. O fil\u2019me s Aleksandrom Pal\u2019em i Evgeniem Cyganovym \u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/snob.ru\/kino\/zastoinoe-kino-2-0-o-filme-s-aleksandrom-palem-i-evgeniem-tsyganovym-kartiny-druzheskikh-sviazei\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Snob<\/em><em>.<\/em><em>ru<\/em><\/a> (19.3.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Oksana \u010certova: \u00bbEvgenij Cyganov snova sygral Mastera, a Zulkarnajevu prigotovili rol\u2019 \u010cipollino\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.gazetametro.ru\/articles\/evgenij-tsyganov-snova-sygral-mastera-a-zulkarnaevu-prigotovili-rol-chipollino-18-03-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Gazeta<\/em> <em>metro<\/em><\/a> (18.3.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Anna Filippova: \u00bbMne tridcat\u2019 let: \u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039 Soni Rajzman\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/kinoart.ru\/reviews\/kartiny-druzheskih-svyazey\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Iskusstvo<\/em> <em>kino<\/em><\/a> (27.2.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. \u010certova: \u00bb Evgenij Cyganov snova sygral Mastera \u00ab (Anm. 10); Filippova: \u00bbMne tridcat\u2019 let\u00ab (Anm. 11).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Telova: \u00bbRecenzija na fil\u2019m \u203aKartiny dru\u017eeskich svjazej\u2039\u00ab (Anm. 6).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Elagin: \u00bbZastojnoe kino 2.0\u00ab (Anm. 9).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Larisa Maljukova: \u00bbJa, bebija i \u203aMimino\u2039. \u203aDen\u2019 ro\u017edenija Sidni Ljumeta\u2039 \u2014 pretendent na glavnyj priz festivalja \u203aOkno v Evropu\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/novayagazeta.ru\/articles\/2025\/08\/14\/ia-bebiia-i-mimino\"><em>Novaja gazeta<\/em><\/a> (14.8.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Sergej Obolonkov: \u00bb\u203aDen\u2019 ro\u017edenija Sidni Ljumeta\u2039: Kino daet nade\u017edu\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kino-teatr.ru\/kino\/art\/pr\/8098\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kino-teatr.ru<\/em><\/a> (29.1.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Michail Trofimenov: \u00bbAgregatnoe obajanie. V prokate startuet fil\u2019m \u203aDen\u2019 ro\u017edenija Sidni Ljumeta\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8380045\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kommersant.ru<\/em><\/a> (28.1.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Olja Smolina: \u00bbRecenzija na fil\u2019m \u203aDen\u2019 ro\u017edenija Sidni Ljumeta\u2039 \u2014 pronzitel\u2019nuju dramu o ljubvi k kinematografu. Pobeditel\u2019 33-go igrovogo konkursa kinofestivalja \u203aOkno v Evropu\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.film.ru\/articles\/vyborg-2025-recenziya-na-film-den-rozhdeniya-sidni-lyumeta-pronzitelnuyu-dramu-o-lyubvi-k\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Film.ru<\/em><\/a> (15.8.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Nachdichtung von Barbara Heitkamp, vgl. Michail Lermontow: \u00bbUnd einsam und traurig\u2026\u00ab [1840], in: ders.: <em>Gedichte und Poeme<\/em> (Ausgew\u00e4hlte Werke, Bd. 1), Berlin 1987, S. 143. Im Original lautet die Strophe: \u00bb\u0418 \u0441\u043a\u0443\u0447\u043d\u043e \u0438 \u0433\u0440\u0443\u0441\u0442\u043d\u043e, \u0438 \u043d\u0435\u043a\u043e\u043c\u0443 \u0440\u0443\u043a\u0443 \u043f\u043e\u0434\u0430\u0442\u044c \/ \u0412 \u043c\u0438\u043d\u0443\u0442\u0443 \u0434\u0443\u0448\u0435\u0432\u043d\u043e\u0439 \u043d\u0435\u0432\u0437\u0433\u043e\u0434\u044b\u00a0\u2026 \/ \u0416\u0435\u043b\u0430\u043d\u044c\u044f!\u00a0\u2026 \u0427\u0442\u043e \u043f\u043e\u043b\u044c\u0437\u044b \u043d\u0430\u043f\u0440\u0430\u0441\u043d\u043e \u0438 \u0432\u0435\u0447\u043d\u043e \u0436\u0435\u043b\u0430\u0442\u044c?\u00a0\u2026 \/ \u0410 \u0433\u043e\u0434\u044b \u043f\u0440\u043e\u0445\u043e\u0434\u044f\u0442 \u2013 \u0432\u0441\u0435 \u043b\u0443\u0447\u0448\u0438\u0435 \u0433\u043e\u0434\u044b!\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Vgl. Ekaterina Siro\u0161tan: \u00bbPomilovanye zaklju\u010dennye snova otpravjatsja v zonu SVO: eksperty ocenili posledstvija\u00ab, in: <em><a href=\"https:\/\/mosregtoday.ru\/news\/actual\/pomilovannye-zakljuchennye-snova-otpravjatsja-v-zonu-svo-eksperty-otsenili-posledstvija\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Podmoskov\u2019e segodnja<\/a><\/em> \u00a0(21.9.2023); Anastasija Senina: \u00bbVa\u0161 dom \u2014 tjur\u2019ma. Kak byv\u0161ie zaklju\u010dennye vozvra\u0161ajutsja v normal\u2019nuju \u017eizn\u2019 i \u010dto proischodit s reabilitaciej v Rossii v epochu SVO\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/novayagazeta.ru\/articles\/2024\/08\/29\/vash-dom-tiurma\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Novaja<\/em> <em>gazeta<\/em><\/a> (29.8.2025). Zur popul\u00e4rkulturellen Darstellung der Kriegsheimkehrer vgl. auch Matthias Schwartz: \u00bbIn der Welt der wilden Kerle. Eine popul\u00e4re Serie im Zeichen des russisch-ukrainischen Krieges\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2024\/07\/12\/matthias-schwartz-in-der-welt-der-wilden-kerle-eine-populaere-serie-im-zeichen-des-russisch-ukrainischen-krieges\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>ZfL Blog<\/em><\/a>, 12.7.2024.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Zaal Andronikashvili\/Emzar Jgerenaia\/Franziska Thun-Hohenstein: <em>Landna(h)me Georgien. Studien zur kulturellen Semantik<\/em>, Berlin 2018, S. 417.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Ebd., S. 419.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Ebd., S. 418.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Natal\u2019ja Babachina: \u00bb\u203aDen\u2019 ro\u017edenija Sidni Ljumeta\u2039 stal dnjom pobedy nad prevratnostjami sud\u2019by\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.gazetametro.ru\/articles\/den-rozhdenija-sidni-ljumeta-stal-dnem-pobedy-nad-prevratnostjami-sudby-14-08-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Gazeta metro<\/em><\/a> (13.8.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Die Zuschauerzahlen des Films waren trotz staatlich subventionierter und beworbener Kinobesuche f\u00fcr einen Blockbuster eher m\u00e4\u00dfig. W\u00e4hrend manche Filme schon nach zwei Wochen mehr als eine Million Besucher erreichen, konnte <em>Malysch <\/em>innerhalb von sechs Wochen gerade mal eine halbe Million ins Kino locken. Vgl. [Red.]: \u00bbSbory: Rossija + SNG \/ 2026 god. Top-100 \u2014 Samye kassovye fil\u2019my goda\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kinopoisk.ru\/box\/year\/2026\/type\/rus\/cur\/RUB\/top100\/list\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kinopoisk<\/em><\/a> (Stand 10.4.2026). Auch die Kinokritik fiel eher zur\u00fcckhaltend aus, vgl. Tat\u2019jana Akin\u0161ina: \u00bbFil\u2019m \u203aMaly\u0161\u2039 o sobytijach specoperacii sobral 53 mln rublej\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.vedomosti.ru\/society\/articles\/2026\/03\/04\/1180536-film-malish-o-sobitiyah-spetsoperatsii-sobral-53-mln-rublei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Vedomosti<\/em><\/a> (4.3.2026); Dmitrij Kuznecov: \u00bbNedetskaja istorija Maly\u0161a\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.trud.ru\/article\/03-03-2026\/1785861_nedetskaja_istorija_malysha.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Trud<\/em><\/a> (3.3.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Zum Fortwirken dieser sowjetischen, oft antiamerikanisch konnotierten Rhetorik internationaler Solidarit\u00e4t und des antikolonialen Befreiungskampfes vgl. Matthias Schwartz: \u00bbDas Ende der Nachkriegszeit. Aleksandr Prochanov und die sp\u00e4tsowjetischen Konzeptionen einer globalen Weltliteratur\u00ab, in: <em>Weimarer Beitr\u00e4ge<\/em> 3 (2023), S. 427\u2013454.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Julija \u0160agel\u2019man: \u00bbMoj djadja neumestnych pravil\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8400359\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kommersant<\/em>\u2019<\/a> 19 (4.2.2026), S. 11; Maksim Er\u0161ov: \u00bbRecenzija na fil\u2019m \u203aZdes\u2019 byl Jura\u2039 \u2014 potencial\u2019nyj zritel\u2019skij chit, v kotorom Konstantin Chabenskij ne govorit ni slova\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.film.ru\/articles\/recenziya-na-film-zdes-byl-yura-potencialnyy-zritelskiy-hit-v-kotorom-konstantin-habenskiy\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Film.ru<\/em><\/a> (19.10.2025).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> F\u00fcr diese Rolle \u2013 eine g\u00e4nzlich unheroische, in der er kein Wort sagt \u2013 hat er bereits zwei gro\u00dfe Preise gewonnen. [Red.]: \u00bbFil\u2019m s Chab\u0435nskim \u203aZdes\u2019 byl Jura\u2039 vyigral gran-pri kinofestivalja \u203aMajak\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.kommersant.ru\/doc\/8101379\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kommersant\u2019<\/em><\/a> (9.10.2025); [Red.]: \u00bbKonstantina Chabenskogo nazvali lu\u010d\u0161im akterom na premii \u203aNika 2026\u2039. Artist polu\u010dil premiju za rol\u2019 v fil\u2019me \u203aZdes\u2019 byl Jura\u2039\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/kino.mail.ru\/news\/120127-konstantin-habenskij-stal-luchshim-akterom-na-premii-nika-2026\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Kino Mail<\/em><\/a> (26.3.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> \u00bbEs mag den Anschein haben, als sei die Rolle von Onkel Jura passiv. Er sagt kein Wort, stimmt allen zu, versucht, aus dieser ungewohnten Situation zu fliehen, ist aber insgesamt gehorsam. Konstantin Chabenski vollbringt in dieser Rolle ein Wunder. [\u2026] Der Schauspieler hat hier nur minimalen Spielraum, und dennoch vermittelt er Zuneigung, kindliche Neugier, den Wunsch, sich zu verstecken, Beklemmung und Angst \u2026 [\u2026] Im Verh\u00e4ltnis zu Jura ist jeder gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, die die Notwendigkeit voraussetzt, den anderen anzuh\u00f6ren und zu verstehen.\u00ab \u017danna Vasil\u2019eva: \u00bbV prokate idet fil\u2019m \u203aZdes\u2019 byl Jura\u2039 c Chabenskim. Po\u010demu ego stoit posmotret\u2019?\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/rg.ru\/2026\/02\/10\/desiat-dnej-odnogo-goda.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Rossijskaja gazeta<\/em><\/a> 29 (10.2.2026).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Vgl. Charles Osgood: <em>Kilroy Was Here. <\/em><em>The Best American Humor from World War II<\/em>, New York 2001; Karin Felix: <em>Ich war hier \u2013 <\/em><em>\u0417\u0434\u0435\u0441\u044c<\/em> <em>\u0431\u044b\u043b<\/em><em>. <\/em><em>Die Graffitis im Reichstagsgeb\u00e4ude, <\/em>Berlin 2018.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Matthias Schwartz: M\u00e4nnlichkeit im Schatten des Krieges. Neue Kinofilme aus Russland, in: ZfL Blog, 8.5.2026, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/05\/08\/matthias-schwartz-maennlichkeit-im-schatten-des-krieges-neue-kinofilme-aus-russland\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/05\/08\/matthias-schwartz-maennlichkeit-im-schatten-des-krieges-neue-kinofilme-aus-russland\/<\/a>].<\/span><br \/>\n<span style=\"font-family: helvetica;\">DOI: <\/span><a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260508-01\"><span style=\"font-family: helvetica;\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260508-01<\/span><\/a><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"ScholarlyArticle\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20260508-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2026\/05\/08\/matthias-schwartz-maennlichkeit-im-schatten-des-krieges-neue-kinofilme-aus-russland\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"M\u00c4NNLICHKEIT IM SCHATTEN DES KRIEGES. 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