{"id":605,"date":"2018-01-04T11:00:22","date_gmt":"2018-01-04T09:00:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=605"},"modified":"2025-03-04T15:13:30","modified_gmt":"2025-03-04T13:13:30","slug":"alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/01\/04\/alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm\/","title":{"rendered":"Alexander Friedrich: UNTERM RETTUNGSSCHIRM"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Dass Rettungsschirme Vorrichtungen sind, mit denen Gro\u00dfschuldner vorm Bankrott bewahrt werden, ist uns sp\u00e4testens seit der j\u00fcngsten Finanzkrise bekannt. Zwar war die Redeweise durchaus l\u00e4nger schon gebr\u00e4uchlich: So zitiert bereits der <em>Spiegel <\/em>1988 den franz\u00f6sischen Industrieminister, dass der kriselnde Staatskonzern Renault \u00bbsich nicht l\u00e4nger mehr auf den Rettungsschirm des Staates verlassen\u00ab<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> k\u00f6nne. Unschwer l\u00e4sst sich hier die Metapher eines Fallschirms erkennen, der den Absturz verhindern soll, tr\u00e4gt doch der entsprechende Beitrag den Titel \u00bbIn den Abgrund\u00ab. In der Finanzkrise, drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter, erlangt der \u00bbRettungsschirm\u00ab allerdings eine eigent\u00fcmlich schillernde Mehrdeutigkeit. Von welcher Art Schirm war da die Rede, der zun\u00e4chst <a href=\"http:\/\/www.badische-zeitung.de\/wirtschaft-3\/rettungsschirm-aufgespannt--12295753.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbaufgespannt\u00ab<\/a>\u00a0 und kurz darauf <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/eurokrise\/schuldenkrise-eu-kommission-will-rettungsschirm-erweitern-1580331.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bberweitert\u00ab<\/a> werden sollte (oder auch nicht) und alsbald zu etwas wurde, worunter man <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/news\/2012-06\/09\/eu-spanien-schluepft-unter-rettungsschirm-09202203\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbschl\u00fcpft\u00ab<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/spanien-fluechtet-unter-den-euro-rettungsschirm-1.17217530\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbfl\u00fcchtet\u00ab<\/a>, sich <a href=\"http:\/\/www.dw.com\/en\/squeezing-under-the-rescue-umbrella\/a-16058317\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbquetscht\u00ab<\/a>,\u00a0 bisweilen sogar <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article11227361\/Auch-Portugal-soll-unter-Schirm-gedraengt-werden.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbgedr\u00e4ngt\u00ab<\/a> wird, obwohl nicht mehr viele <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article11198044\/Unsere-Angst-gilt-nicht-Irland-sondern-Spanien.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbdarunter passen\u00ab<\/a>?<!--more--> Offensichtlich bewegen sich die darin bekundenden Vorstellungen nicht im metaphorischen Feld der Fallschirme. Geht man von den vielen begleitenden Abbildungen zur Krisenberichterstattung dieser Zeit aus, handelt es sich bei dem \u00bbRettungsschirm\u00ab der Finanzkrise vielmehr um eine Art Regenschirm. Die Krise w\u00e4re demnach so etwas wie ein meteorologischer Zwischenfall, ein Wolkenbruch. Schlimmeres durchaus nicht. Bei einer Klimakatastrophe h\u00e4tte man ja bereits zu nautischen Metaphern aus dem Umkreis von Rettungsbooten oder gar einer Arche \u00fcbergehen m\u00fcssen. Der Boden unter den F\u00fc\u00dfen schien also noch fest; worauf es ankam, war offenbar, die nicht wetterfesten Fu\u00dfg\u00e4nger vor drohender Durchn\u00e4ssung zu bewahren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Seit nicht mehr nur die Gesundheit einzelner Unternehmen und der Bestand einer \u00fcberschaubaren Zahl von Arbeitspl\u00e4tzen, sondern ganze Staatshaushalte und die Existenz der gemeinsamen W\u00e4hrung auf dem Spiel standen, kam jedoch die Metaphorik des Fallschirms vermehrt wieder ins Spiel, auch in Gestalt visueller Darstellungen. Offenbar hatte sich der metaphorische Rahmen und damit die Deutung der Situation verschoben. Der feste Boden schien pl\u00f6tzlich in weite Ferne ger\u00fcckt \u2013 doch bewegte man sich bedrohlich schnell darauf zu. W\u00e4hrend die Vorstellung, wie man in freiem Fall an einen Fallschirm komme, scheinbar nie ein Problem darstellte, ging es nun darum, wer sich von wem auf wessen Kosten an den Schirm h\u00e4ngen lie\u00df.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Macht sich die Zweideutigkeit des \u00bbRettungsschirms\u00ab im Deutschen vor allem in Gestalt seiner visuellen und metaphorischen Figurationen bemerkbar, f\u00e4llt sie im Englischen schon auf w\u00f6rtlicher Ebene auf. Denn das Englische kennt zwei unterschiedliche Worte f\u00fcr die benannte Sache, sodass der Schirm entweder als <em>umbrella <\/em>(\u00bbRegenschirm\u00ab) oder als <em>parachute <\/em>(\u00bbFallschirm\u00ab) auftreten muss. So finden sich denn auch beide Varianten in der englischsprachigen Berichterstattung \u00fcber die Eurokrise. Die entsprechenden Formulierungen <em>rescue umbrella <\/em>oder <em>rescue parachute <\/em>lassen sich dabei in der Regel als \u00dcbersetzungsversuche aus dem Deutschen erkennen.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Dar\u00fcber hinaus finden sich beide Varianten h\u00e4ufig in englischsprachigen Einlassungen deutscher Krisenkommentatoren, die f\u00fcr diese Einrichtung werben oder sie kritisieren wollen.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0Viele englischsprachige Fachpublikationen, in denen explizit von <em>rescue umbrella<\/em>\/<em>parachute <\/em>die Rede ist, stammen auch aus der Feder deutscher Autorinnen und Autoren. Dieser Befund l\u00e4sst die Vermutung zu, dass es sich bei dem Rettungsschirm um eine genuin deutsche Wortsch\u00f6pfung handeln k\u00f6nnte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Die Vermutung l\u00e4sst sich durch eine Reihe sprachwissenschaftlicher Untersuchungen best\u00e4tigen, die sich mit der Metaphorik der Finanzkrise besch\u00e4ftigt haben.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Das Gesamtbild der unterschiedlich angelegten empirischen Studien l\u00e4sst recht klar erkennen, dass der Rettungsschirm eine der dominierenden Metaphern im deutschen Krisendiskurs und offenbar auch ein spezifisch deutsches Sprachgebilde ist. Als solches weist der Rettungsschirm eine Reihe von Eigent\u00fcmlichkeiten auf: (a) er stellt in seiner Mehrdeutigkeit kein einheitliches Sprach-, vielmehr ein Vexierbild metaphorischer \u00dcbertragungen und Implikationen dar, (b) infolgedessen ist er nicht ohne Mehrdeutigkeitsverluste \u00fcbersetzbar, und (c) die Polysemie des zum Titelwort promovierten Kompositums erm\u00f6glicht und provoziert immer wieder metaphorische Anschlussoperationen, die das Signifikat der Trope zunehmend, teils ungewollt, teils beabsichtigt, ins Absurde treiben.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Was den eigentlichen Referenten des metaphorischen Nomens betrifft, so hat sich dieser im Laufe der Finanzkrise mehrfach ver\u00e4ndert. In seiner ersten Konjunkturphase, die dem Rettungsschirm die Achtplatzierung als <a href=\"http:\/\/gfds.de\/wort-des-jahres-2008-finanzkrise\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbWort des Jahres 2008\u00ab<\/a> einbrachte, bezeichnet er zun\u00e4chst noch eine nationalstaatliche Ma\u00dfnahme zur Verhinderung des Ruins angeschlagener deutscher Finanzinstitute. Dabei verdr\u00e4ngt der \u00bbRettungsschirm\u00ab die bis dahin dominante Metapher des \u00bbRettungspakets\u00ab,<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>\u00a0das der Staat wiederholt zu \u00bbschn\u00fcren\u00ab und \u00bbauf den Weg zu bringen\u00ab hatte. Nachdem sich die Banken- zu einer Staatsschulden- und W\u00e4hrungskrise ausgewachsen hatte, wurden europaweite Krisenschutzma\u00dfnahmen beschlossen, die zun\u00e4chst (2010) zur Einrichtung des <em>Europ\u00e4ischen Finanzstabilisierungsmechanismus <\/em>(EFSM) sowie der <em>Europ\u00e4ischen Finanzstabilisierungsfazilit\u00e4t <\/em>(EFSF) und sp\u00e4ter (2012) zur Etablierung des dauerhaften <em>Europ\u00e4ischen Stabilit\u00e4tsmechanismus <\/em>(ESM) f\u00fchrten.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>\u00a0Solange firmiert der \u00bbRettungsschirm\u00ab als ein Signifikant zweiten Grades \u2013 f\u00fcr eine Konstruktion, deren Bezeichnung den befremdlichen Ausdruck einer \u00bbFazilit\u00e4t\u00ab enth\u00e4lt, auf den sich ohne finanzwirtschaftliches Wissen durchaus kein Reim machen l\u00e4sst. In Gestalt der eingedeutschten <em>facility <\/em>enth\u00e4lt die \u00bbeigentliche\u00ab Bedeutung der Metapher also ein unverst\u00e4ndliches Fremdwort, das \u2013 zumal in Verbindung mit dem monstr\u00f6sen Kompositum \u2013 f\u00fcr persuasive Zwecke in \u00f6ffentlichen Reden denkbar ungeeignet ist. Ein Schirm scheint da viel handlicher \u2013 allerdings nur im Deutschen. Im Englischen hat die \u00dcbersetzung des Rettungsschirms, aufgrund des vokabularbedingten Entscheidungszwangs wie auch der generellen Schwierigkeit wegen, dass Metaphern selten w\u00f6rtlich gut \u00fcbersetzbar sind, sich nicht durchsetzen und verbreiten k\u00f6nnen; stattdessen hat sich der <em>rescue fond <\/em>als \u00fcbliche Bezeichnung etabliert.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Im Deutschen f\u00fchrte die Metapher indessen unter den neuen Bedingungen zu immer fantastischeren Sprachgebilden. Die sicherlich kurioseste unter ihnen kam auf, als durch eine Ma\u00dfnahme, die in der finanzwirtschaftlichen Sprache <em>leverage <\/em>genannt und im Deutschen entsprechend als \u00bbHebel\u00ab \u00fcbersetzt wird, die <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/politik\/weltwirtschaft\/a-789591.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbSchlagkraft\u00ab<\/a> des Rettungsschirms (2010) erh\u00f6ht werden sollte. Als \u00bbHebel\u00ab wird eine Investitionsform bezeichnet, bei der die Eigenkapitalrendite durch Einsatz von Fremdkapital gesteigert werden kann.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>\u00a0Die Europ\u00e4ische Finanzstabilisierungsfazilit\u00e4t derart aufzur\u00fcsten hie\u00df dann also, \u00bbden Rettungsschirm zu hebeln\u00ab, um ihn \u00bbschlagkr\u00e4ftiger\u00ab zu machen. Sp\u00e4testens hier l\u00e4sst sich selbst auf Ebene der Metaphorik kein Reim mehr darauf machen, was f\u00fcr eine Art von Vorgang dabei ins Bild gesetzt werden sollte. Vermutlich kam es darauf schon gar nicht mehr an. Die zu Titelworten geronnenen, aber eben noch nicht ganz erstarrten Metaphern begegneten sich auf eine unvorhergesehene Weise, die sich als eine semantische Kollision zweiten Grades verstehen l\u00e4sst.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>\u00a0Die Kollision ist zum Anlass verschiedener satirischer Kommentare und kritischer Polemiken geworden; so auch der folgende <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/von-hebeln-und-schirmen.691.de.html?dram:article_id=56189\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Radiobeitrag<\/a>:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">\u00bbEtymologisch hat der Hebel mit Heben zu tun, deutet also eine Aufw\u00e4rtsbewegung an. [\u2026]. Deswegen setzen die EU-Regierungen jetzt alle Hebel in Bewegung. Am Wochenende wollen sie unvorstellbare Geldmengen aus unseren maroden Volkswirtschaften hebeln [\u2026]. Noch ist offen, wer am l\u00e4ngeren Hebel sitzt, Merkel oder Sarkozy, Bank oder Not, Geld oder Schein, aber weh und leid wird es noch vielen tun, denn wo gehebelt wird, da fallen Sp\u00e4ne.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Was damit kalauernd <em>ad absurdum <\/em>gef\u00fchrt werden soll, n\u00e4mlich die Vorstellung eines volkswirtschaftlichen Geldhebels, steht nun selbst noch einmal in einer grotesken Beziehung zur Vorstellung des Rettungsschirms. Wo genau soll da ein Hebel angebracht werden, um damit seine \u00bbSchlagkraft\u00ab zu steigern? Man kann vermuten, dass sich hier neben Regen- und Fallschirmen noch ein Schirmtyp anderer Art mit ins Feld der metaphorischen Implikationen gemischt hat: der Raketenschutzschirm. Ein Interkontinentalraketen-Abwehrsystem, etwa nach Vorbild von Reagans <em>Strategic Defense Initiative <\/em>(SDI) bzw. \u00bbStar Wars\u00ab-Projekt kann und soll durchaus als \u00bbschlagkr\u00e4ftig\u00ab vorgestellt werden. Den Rettungsschirm aber als Raketenschutzschirm zu verstehen verlangt, das Szenario eines Atomkriegs auf die Krisensituation zu projizieren. Dann h\u00e4tte man wirtschaftlich ruinierte Staaten allerdings nicht mehr als selbstverschuldete Pleitiers, sondern als Opfer eines \u2013 um im Bild zu bleiben \u2013 feindlichen Nuklearschlags behandeln m\u00fcssen. Eine solche Behandlung h\u00e4tte jedoch mit der Zumutung nicht in Einklang gestanden, dass die \u00bbRettung\u00ab qua Schirm den \u00bbGeretteten\u00ab eine Einwilligung in den umfassenden Abbau sozialstaatlicher Leistungen und die Privatisierung \u00f6ffentlicher Einrichtungen abverlangte, um deren Wirtschaft wieder \u00bbwettbewerbsf\u00e4hig\u00ab zu machen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">Diese Diskrepanz in den Implikationen eines \u00bbSchutzschirms\u00ab brachte schlie\u00dflich auch Bewegung in die Regenschirmmetaphorik. So erkl\u00e4rte etwa J\u00fcrgen Trittin auf einer Sitzung des Bundestags im M\u00e4rz 2012: \u00bbJa, es ist bitter, dass wir einen Rettungsschirm aufspannen m\u00fcssen; aber es ist richtig. Wenn die Hose nicht nass werden soll, dann muss der Schirm auch gro\u00df genug sein.\u00ab<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Worauf Guido Westerwelle entgegnete: \u00bbHerr Trittin, wenn die Hose von innen nass wird, dann kann der Schirm so gro\u00df sein, wie er will.\u00ab<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0Statt apokalyptischer Interkontinentalraketen insinuierte der Au\u00dfenminister also eine monstr\u00f6se Inkontinenz, um darauf zu insistieren, dass es sich bei der Eurokrise um eine endogene Misere handele.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\">So bekundet sich in der vexierenden Metaphorik des Rettungsschirms ein doppeltes \u00dcbersetzungsproblem: zum einen der schillernden Trope von einer Sprache in eine andere und zum anderen zwischen den verschiedenen Schichten der polysemischen Textur des Wortes, die seine Semantik nicht nur ver\u00e4ndert, sondern eigentlich erst hervorbringt. 2009 taucht der \u00bbRettungsschirm\u00ab erstmals im <a href=\"http:\/\/www.duden.de\/rechtschreibung\/Rettungsschirm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Duden <\/a>auf; seither wird auch der \u00bbEuro-Rettungsschirm\u00ab als die \u00bbGesamtheit der Ma\u00dfnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung einzelner L\u00e4nder der Eurozone\u00ab dort eigens verzeichnet. Zu dieser \u00bbGesamtheit\u00ab sind offenbar auch metaphorische und rhetorische Denkw\u00fcrdigkeiten zu z\u00e4hlen, die latente oder manifeste \u00dcbersetzungsprobleme nicht nur zur Folge, sondern schon zur Voraussetzung haben.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> [O. A.]: \u00bbIn den Abgrund\u00ab, in: Spiegel, 2 (1988), S. 112. Dies ist zugleich der \u00e4lteste mir bekannte Stellenbeleg, dessen Originalwortlaut sich allerdings nicht rekonstruieren lie\u00df. Denkbar w\u00e4re das in der Finanzkrise auch relativ h\u00e4ufig auftretende <em>filet de s\u00e9curit\u00e9<\/em>; vgl. Julia Fuchs: \u00bbRettungsschirm, Rettungstopf, Rettungspaket. Kontrastive Untersuchungen zur Metaphorik der Eurokrise in der deutschen, franz\u00f6sischen und spanischen Presseberichterstattung\u00ab, in: Zeitschrift f\u00fcr Angewandte Linguistik, 64 (2016), S. 122.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> So gab die <em>New York Times<\/em> unter Berufung auf einen Bericht aus der S\u00fcddeutschen Zeitung das Wort mit <em>rescue umbrella<\/em> wieder, vgl. Nikolas Kulish: \u00bbFinancial crisis tests Germany\u2019s ability to lead\u00ab, in: <a href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2010\/05\/11\/business\/global\/11germany.html\">New York Times<\/a>, 10. Mai 2017; w\u00e4hrend die <em>Daily Mail<\/em> die Wortwahl des damaligen Ministers Br\u00fcderle mit <em>rescue parachute<\/em> \u00fcbersetzt, vgl. Glen Owen: \u00bbHague sparks diplomatic row as he is asked if euro will survive Irish debt crisis \u2011 and simply answers \u2026Who knows?\u00ab, in: <a href=\"http:\/\/www.dailymail.co.uk\/news\/article-1331518\/William-Hague-doubts-euro-survive-Irish-debt-crisis.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">MailOnline<\/a>, 21. Nov. 2010.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. etwa Hans Magnus Enzensberger: \u00bbThe disenfranchisement of Europe\u00ab, \u00fcbers. von Anton Baer, in: <a href=\"http:\/\/pro-europa.eu\/europe\/311\/hans-magnus-enzensberger-the-disenfranchisement-of-europe\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pro Europa<\/a>, 12. Okt. 2012; oder Hans-Werner Sinn: \u00bbThe ECB\u2019s secret bailout strategy\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.project-syndicate.org\/commentary\/the-ecb-s-secret-bailout-strategy?barrier=accessreg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Project Syndicate<\/a>, 29. April 2011.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Christina Sch\u00e4ffner: \u00bbFinding space under the umbrella: the Euro crisis, metaphors, and translation\u00ab, in: The Journal of Specialised Translation, 17 (2012), S. 250\u2212270. Julia Fuchs: \u00bbRettungsschirm, Rettungstopf, Rettungspaket. Kontrastive Untersuchungen zur Metaphorik der Eurokrise in der deutschen, franz\u00f6sischen und spanischen Presseberichterstattung\u00ab, in: Zeitschrift f\u00fcr Angewandte Linguistik, 64 (2016), S. 101\u2212125. \u00c1ngel Arrese\/Alfonso Vara\u2011Miguel: \u00bbA comparative study of metaphors in press reporting of the Euro crisis\u00ab, in: Discourse &amp; Society, 27.2 (2016), S. 133\u2212155.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Fuchs: \u00bbRettungsschirm, Rettungstopf, Rettungspaket\u00ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Eine informative \u00dcbersicht zu Einzelheiten und Verlauf der Eurokrise bietet z. B. die <a href=\"https:\/\/www.lpb-bw.de\/euro_krise.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung<\/a>.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Sch\u00e4ffner: \u00bbEuro crisis, metaphors, and translation\u00ab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. \u00bbHebeleffekt\u00ab, in: <a href=\"http:\/\/boersenlexikon.faz.net\/hebeleff.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">FAZ.NET-B\u00f6rsenlexikon<\/a>. Das \u00bbhebeln\u00ab brachte es 2011 zum zweitplatzierten Wort des Jahres der <a href=\"https:\/\/gfds.de\/stresstest-zum-wort-des-jahres-2011-gewaehlt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gesellschaft f\u00fcr deutsche Sprache<\/a>. Die GfdS w\u00fcrdigt in der Begr\u00fcndung ihrer Entscheidung zwar die semantische Erweiterung des deutschen Wortes, verliert dabei aber keins \u00fcber die Inkoh\u00e4renz der metaphorischen Konstruktion: \u00bbIn der derzeitigen europ\u00e4ischen Schuldenkrise erweiterte dieser Fachbegriff aus der Finanzbranche die Bedeutung des in der Allgemeinsprache bereits bekannten Worts [\u2026]: Durch Erweiterung des Rettungsschirms um externes Kapital soll die Summe zur Rettung eines Landes vervielf\u00e4ltigt werden. Tats\u00e4chlich wird durch das Hebeln weniger Kraft, sprich Kapital, ben\u00f6tigt als beim Akt des Stemmens.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Paul Ric\u0153ur: Die lebendige Metapher, M\u00fcnchen 2004, S. 163, wo das Metaphorische als eine \u00bbsemantische Kollision\u00ab zwischen dem \u00fcblichen Wortsinn und dem Kontext seiner \u00fcbertragenen Bedeutung bezeichnet wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Deutscher Bundestag: Plenarprotokoll 17\/172, stenografischer Bericht, Berlin, 29. M\u00e4rz 2012, S. 20222.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ebd., S. 20227.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #e63348; font-family: helvetica;\"><em>Alexander Friedrich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Philosophie der TU Darmstadt. Sein Text ist dem von Falko Schmieder und Georg Toepfer herausgegebenen Band \u00bbW\u00f6rter aus der Fremde. Begriffsgeschichte als \u00dcbersetzungsgeschichte\u00ab entnommen, der im November 2017 im Kulturverlag Kadmos erschienen ist.<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: helvetica;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Alexander Friedrich: Unterm Rettungsschirm, in: ZfL BLOG, 4.1.2018, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/01\/04\/alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/01\/04\/alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180104-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180104-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180104-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/01\/04\/alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"UNTERM RETTUNGSSCHIRM\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Alexander Friedrich\",\n    \"givenName\": \"Alexander\",\n    \"familyName\": \"Friedrich\",\n    \"@type\": \"Person\",\n    \"@id\": \"https:\/\/orcid.org\/0000-0002-2807-7638\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2018-01-04\",\n  \"datePublished\": 2018,\n  \"schemaVersion\": \"http:\/\/datacite.org\/schema\/kernel-4\",\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass Rettungsschirme Vorrichtungen sind, mit denen Gro\u00dfschuldner vorm Bankrott bewahrt werden, ist uns sp\u00e4testens seit der j\u00fcngsten Finanzkrise bekannt. Zwar war die Redeweise durchaus l\u00e4nger schon gebr\u00e4uchlich: So zitiert bereits der Spiegel 1988 den franz\u00f6sischen Industrieminister, dass der kriselnde Staatskonzern Renault \u00bbsich nicht l\u00e4nger mehr auf den Rettungsschirm des Staates verlassen\u00ab[1] k\u00f6nne. Unschwer l\u00e4sst sich <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/01\/04\/alexander-friedrich-unterm-rettungsschirm\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":616,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18,21],"tags":[59,122,121,123],"class_list":["post-605","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ad-hoc","category-einblick","tag-begriffsgeschichte","tag-mehrdeutigkeit","tag-metapher","tag-uebersetzung"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=605"}],"version-history":[{"count":14,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3671,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/605\/revisions\/3671"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media\/616"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}