{"id":854,"date":"2018-08-20T09:27:42","date_gmt":"2018-08-20T07:27:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=854"},"modified":"2025-03-03T14:59:28","modified_gmt":"2025-03-03T12:59:28","slug":"eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/20\/eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal\/","title":{"rendered":"Eva Geulen: \u00dcBER RAOUL SCHROTTS \u00bbERSTE ERDE. EPOS\u00ab (zum dritten Mal)"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><strong>(1) Umgang mit F\u00fclle<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><em>Erste Erde<\/em> hat Vorl\u00e4ufer. Lukrezens vergleichsweise schmales Lehrgedicht <em>De rerum natura<\/em> nennt Schrott selbst (8).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Goethe, der sich f\u00fcr eine \u00dcbersetzung des Buches eingesetzt hatte,<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> wollte 1781 einen \u00bbRoman \u00fcber das Weltall\u00ab schreiben. Erhalten haben sich aber nur zwei kurze Prosatexte \u00fcber den Granit, der damals als \u00e4ltestes Gestein galt. Herder brachte es mit seinen <em>Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit<\/em> (1784\u20131791) auf stattliche vier B\u00e4nde und hatte dabei \u00fcber Erde und Weltall mindestens ebenso viel zu sagen wie \u00fcber den Menschen. Alexander von Humboldt stellte seinen f\u00fcnfb\u00e4ndigen <em>Kosmos<\/em> zwischen 1845 und 1862 fertig. Auch als die kleine Welt des Berliner Wedding in Arno Holz\u2019 wuchernder Gedichtsammlung <em>Phantasus<\/em> (ab 1898) zum Universum wurde, wuchs eine gro\u00dfe Form heran (in der Nachlassausgabe von 1961\/62 ca. 1.600 Seiten). Der Wahnsinn dicker B\u00fccher hat eine lange Geschichte und meistens auch Methode.<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Jenseits von Gattungs- und Darstellungspr\u00e4ferenzen beseelt Autoren solcher den \u00fcblichen Rahmen des Buches sprengender Projekte das Bed\u00fcrfnis nach Vollst\u00e4ndigkeit oder wenigstens: F\u00fclle. Das f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu literarischer \u203aElephantiasis\u2039. Enzyklop\u00e4dien und W\u00f6rterb\u00fccher haben dasselbe Problem, aber in der Regel mehrere Autoren. Lemmata oder das Alphabet entlasten \u00fcberdies von den Zumutungen der Un\u00fcbersichtlichkeit. Dergleichen fehlt bei Schrott, mindestens auf den ersten Blick. Am St\u00fcck lesen kann man das \u00fcber sieben Jahre geschriebene, sieben B\u00fccher mit achtundzwanzig, also viermal sieben, Kapiteln umfassende Werk jedenfalls nicht. Die Rekurrenz der geheimnisvollen Zahl (u.a. der biblischen Sch\u00f6pfungstage) hilft vorerst auch nicht weiter, k\u00f6nnte aber eine Spur sein. Einige direktere Lesehilfen gibt es auch. Im ausf\u00fchrlichen Inhaltsverzeichnis (5\u201315) werden die Gegenst\u00e4nde der einzelnen Kapitel (wie im antiken Epos) so ausf\u00fchrlich beschrieben, dass Leser ihren Interessen spontan zu folgen aufgefordert sind. Anders als bei den meisten Epen kann man \u00fcberall einsteigen und gut querlesen. Es gibt auch keinen durchg\u00e4ngigen Ton, sondern einen mit der Vielfalt der Gegenst\u00e4nde rivalisierenden Reichtum der Stile und Formen. Ein Vorwort (17\u201327) erl\u00e4utert das Anliegen des Buches insgesamt. Am Ende fasst ein Anhang auf (angesichts des Materials sparsamen) 150 Seiten den in den B\u00fcchern kaleidoskopisch ausgebreiteten naturwissenschaftlichen Wissensstand leserfreundlich zusammen (687\u2013844). Ein Register h\u00e4tte man sich gew\u00fcnscht. Aber aufs Ganze gesehen darf man beruhigt sein: Auch wenn er gelegentlich raunt, wei\u00df der Mann, wovon er redet. Esoterikverdacht er\u00fcbrigt sich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Weglos wird es und lesend verloren f\u00fchlt man sich dann aber doch auf den gut 600 Seiten zwischen Inhaltsverzeichnis und Anhang, die sich durch konsequente Kleinschreibung und eigenwillige Druckanordnungen von den Paratexten abheben. Gelegentliche Hinweise im rechten Spaltenrand zu besonderen Daten verschiedener Chronologien, etwa \u00bbder Meteoritenfall von Allende 1969\u00ab (117) oder \u00bballm\u00e4hliche Entstehung innerer Organe in der Gewebeschicht zwischen Innen- und Aussenhaut im Kambrium\u00ab (373), tragen wenig zur Orientierung bei. Zwar gibt es Figuren, teils historisch, teils fiktiv, meistens Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die selbst erz\u00e4hlen oder von denen ausf\u00fchrlich berichtet wird. Daneben treten autobiographische Passagen und Reflexionen. Die ganz gro\u00dfen Themen wie Leben, Liebe, Tod und Zeit spielen immer wieder hinein. Aber im Vordergrund behauptet sich die abwechslungsreiche Ausbreitung einer \u00fcbervollen, \u00fcberreichen Wissenswelt, in der man dies und jenes so und anders aufeinander beziehen kann \u2013 oder auch nicht. Schrott entdeckt, erfindet, entwickelt einen Kosmos der \u00c4hnlichkeiten und Bez\u00fcge. In den Worten von Arno Holz: \u00bbIch m\u00f6chte alle Geheimnisse wissen! \/\/ Alle Sterne, \u00fcber die Meere rollen, sch\u00f6pf ich mit meiner Hand. \/\/ In meine Tr\u00e4ume \/ drehn sich Welten\u00ab.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbSch\u00f6pft des Dichters reine Hand \/ Wasser wird sich ballen\u00ab, hie\u00df es bei Goethe.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Aber schon Arno Holz war kein Autorsubjekt mit privilegiertem Weltzugang mehr, und Schrott ist es erst recht nicht. Er sucht und findet Zugang zur Welt \u00fcber die Naturwissenschaften. Sie sind seine Musen. Miterz\u00e4hlt wird die Geschichte des menschlichen Wissensdurstes, der sinnliche Wahrnehmung regelm\u00e4\u00dfig \u00fcberfordert: Dass die Erde rund ist, sieht man bestenfalls, wenn man die Erde verl\u00e4sst, im Flugzeug etwa (vgl. 18). Die Wissenschaft musste neuzeitlich lernen, anders zu sehen, mit den Augen des Geistes, wie es bei Goethe hei\u00dft. Sie musste Behelfskonstruktionen entwickeln, begrifflicher, bildlicher und technischer Art, Modelle und Metaphern. Dass ihr die Welt eben nicht sinnlich gegeben ist, teilt die moderne Wissenschaft mit der Literatur:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbjeder blick t\u00e4uscht: ihr glosen vom dunst gestreut entstand so der trug \/\/ eines bronzeschilds am wehrarm des tages \u2013 welcher kaum abgesenkt \/ in der esse des himmels ergl\u00fchte um dann auf dem amboss der nacht \/\/ wieder zerh\u00e4mmert zu werden \u2022 doch wird wirklich in solchen bildern \/ etwas offenbar von der natur \u2013 oder bloss unser wesen weitergedacht?\u00ab (45).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dass dies weder die Wissenschaft wissen oder entscheiden kann noch die Literatur (auch wenn sie sich archaisch gibt), dass beide ihren Methoden ein St\u00fcck weit blind vertrauen m\u00fcssen, um \u00fcberhaupt etwas in den Blick zu r\u00fccken, bildet ihren gemeinsamen Grund. Und es unterscheidet Wissenschaft und Literatur vom Mythos, der Unanschauliches tats\u00e4chlich anschaulich zu machen trachtet.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><strong>(2) Gott, Natur und Mensch, oder die \u203apostkopernikanische Konterrevolution\u2039<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Im Inhaltsverzeichnis von <em>Erste Erde<\/em> erscheinen Mythos und Wissenschaft nicht verschwistert, sondern verheiratet \u2013 buchst\u00e4blich, denn \u00bbder letzte m\u00fcndliche Weltsch\u00f6pfungsmythos\u00ab (5) der Maori wird im Auftaktkapitel \u00bbErstes Licht I\u00ab von der schwangeren Ahellegen Moore erz\u00e4hlt, deren Gatte mit zwei anderen Astronomen im anschlie\u00dfenden Kapitel \u00bbErstes Licht II\u00ab zeitgleich pr\u00fcft, \u00bbob sich der Gipfel des Cerro Armazones als Standort f\u00fcr das weltgr\u00f6sste Spiegelteleskop [\u2026] eignet\u00ab (5). \u00bbErstes Licht\u00ab gibt es also in zwei Versionen: (I) als Referat des letzten Sch\u00f6pfungsmythos und (II) als wissenschaftliche Theorie des Urknalls, mit der die beiden Wissenschaftler operieren und die bis auf die Antike zur\u00fcckgef\u00fchrt werden kann. Darin liegt vorl\u00e4ufig eine These \u00fcber m\u00f6gliche Gleichrangigkeit mythischer und wissenschaftlicher Betrachtungsweisen beschlossen. Seit Ernst Cassirers <em>Philosophie der symbolischen Formen<\/em> (1923\u20131929) ist der Mythos als eigenst\u00e4ndige, gleichsam protowissenschaftliche Erkenntnisform anerkannt. In umgekehrter Sto\u00dfrichtung hat die Wissenschaftsgeschichte viel zu berichten \u00fcber das beharrliche Nachleben scheinbar \u00fcberwundener mythisch-magischer Anschauungsformen in den modernen Naturwissenschaften. Aber weder Cassirer noch die Wissenschaftsgeschichte w\u00e4ren je auf die Idee gekommen, mythisches und wissenschaftliches Wissen tendenziell gleichzusetzen. Schrott tut das \u2013 allerdings nicht, indem er selbst einen Mythos erz\u00e4hlt, sondern indem er Wissenschaft und Mythen im Medium der Literatur ansiedelt, mithin Mythen und Wissenschaft literarisiert. Dabei teilt die Literatur mit dem Mythos dessen erz\u00e4hlerische M\u00f6glichkeiten, mit der Wissenschaft teilt sie die Unanschaulichkeit sowie andere poetische M\u00f6glichkeiten: Physikalische Teilchen kann man so wenig sehen wie Metaphern. W\u00e4hrend Mythen Anschauungs- und Erkl\u00e4rungsdefizite kompensieren, operieren moderne Wissenschaft und moderne Literatur unter den Bedingungen defizit\u00e4rer Anschauung. Eben deshalb leben sie vom Vertrauen in ihre Verfahren. Kafka erz\u00e4hlt, dass die Sirenen, die mythischen H\u00fcterinnen des Allwissens, beim Anblick des vor\u00fcberfahrenden Odysseus \u00fcber dessen Vertrauen in ein wenig Wachs und ein paar Fesseln so sehr erstaunten, dass sie zu singen verga\u00dfen und er deshalb entkam.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Weil Literatur und Wissenschaft seit der Neuzeit im selben Boot der Unanschaulichkeit sitzen, entwerfen beide Denkarten Bilder und Modelle, von denen sie nicht wissen k\u00f6nnen, aber (anders als Mythen) zugeben m\u00fcssen, dass sie nicht wissen k\u00f6nnen, ob diese wirklich etwas erfassen, spiegeln, offenbaren, oder ob sie Projektionen sind.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Diese Verwandtschaft von Wissenschaft und Literatur kommt in <em>Erste Erde<\/em> allerdings nur literarisch, mithin indirekt zur Sprache. In der Einleitung stellt der Autor das \u00bbdichte Denken der Wissenschaften\u00ab dem \u00bbdichterische[n] Denken\u00ab (25) zur Seite, aber auch gegen\u00fcber. \u00bbPoetischer Blick\u00ab und \u00bbprosaisches Geschehen\u00ab seien \u00bbkomplement\u00e4r\u00ab (ebd.). Alliterationen und Etymologie strafen die Behauptung L\u00fcgen. Im R\u00fccken der vermeintlichen Kluft sind Wissenschaft und Literatur schon ineinander geronnen. Das ist literarisch m\u00f6glich, wissenschaftlich aber nicht. Diese Asymmetrie bezeugt der Anhang.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Die literarisch induzierte Angleichung von Literatur und Wissenschaft f\u00e4llt aber nicht nur den Mythos aus, sondern auch die Theologie. Seit Newton, der die elliptischen Bahnen der Planeten um die Sonne einem mathematisch geschulten Gott zuschrieb, bleibt in Schrotts Augen \u00bbnur der Weg vorw\u00e4rts zu den Wissenschaften und zugleich zur\u00fcck hinter die Theologie\u00ab (19). Anders als f\u00fcr Cassirer ist Religion f\u00fcr Schrott keine Vorform, weder von Wissenschaft noch von Kunst, sondern erweist sich r\u00fcckblickend als ein Hindernis. Die seit Newton \u00bbentwickelten Methoden zur Entdeckung der Blaupausen der Natur haben sich als weitreichender erwiesen als jede spirituelle Kontemplation\u00ab (20). Weil sich Wissenschaft als wertfreies System verstand und bis heute versteht, \u00bbdefinierte [sie] sich [\u2026] zunehmend als Gegensatz zur Theologie\u00ab (ebd.). Die moralische Dimension der Religion als Bindung an einen Gott ging verloren. Gewonnen wurde jenes \u203aVertrauen\u2039 in die Methoden der Wissenschaft, \u00bbum dar\u00fcber f\u00fcr den Menschen essentielle Werte zu erhalten\u00ab (ebd.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Nachdem die \u00bbBehelfskonstruktionen des G\u00f6ttlichen\u00ab \u00fcberfl\u00fcssig geworden waren (21), hatte die Wissenschaft freie Bahn \u2013 und kam trotz allen Fortschritts und Erkenntnisreichtums nicht vom Fleck. Denn beim Versuch, die Dinge zu begreifen, \u00bbtaten sich dieselben Mysterien auf \u2013 und auch das Entsetzen vor ihnen\u00ab (ebd.), das vormals die Theologie h\u00fctete. Heute sehen wir kein am dritten Tage erschaffenes Land mehr, sondern den Klaratsberg in Schrotts heimischem \u00d6sterreich \u00bbals Ger\u00f6ll einer zwanzig Jahrmillionen alten Flussm\u00fcndung\u00ab (ebd.). Der Schauer des <em>tremendum et fascinosum<\/em> ist aber noch derselbe: Wunder Wissenschaft statt wundersamer Sch\u00f6pfung. Folgerichtig bezeichnet Schrott die Wissenschaft als \u00bbeine Art Experimentaltheologie\u00ab (ebd.). Wissenschaft ist also nicht verweltlichte Theologie, sondern umgekehrt ihre Fortf\u00fchrung mit anderen Mitteln und unter anderen Voraussetzungen. Von Haus aus also (und nicht erst verm\u00f6ge literarischer Zur\u00fcstungen) ist Wissenschaft f\u00fcr Schrott die Religion einer Welt ohne Gott. Und so zeigt sie sich denn auch auf hunderten von Seiten, Ehrfurcht einfl\u00f6\u00dfend, erhaben und gleichwohl zutiefst menschlich, weil das Wissen immer wieder an das Nichtwissen, das Sichtbare an das Unsichtbare st\u00f6\u00dft. Darin liegt \u00bbdas Paradoxon des Humanen, das das Eigengesetzliche der Welt mit seinem k\u00f6rperhaft bedingten Denken zu begreifen versucht\u00ab (25). Der Mensch ist nicht das Ziel der Evolution. Aber seine Wissenschaft ist die einzige Instanz, die diese Geschichte vor dem Menschen und nach dem Gott aus den verbliebenen Spuren kontrolliert spekulierend rekonstruieren kann. Wie in der Dichtung f\u00fchrt auch in der Wissenschaft \u00bballes zu uns und auf uns zur\u00fcck\u00ab (20f.).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Hermann L\u00fcbbe hat f\u00fcr diese anthropozentrische Pointe neuzeitlich immer abstrakter werdender Wissenschaft und Kosmologie den sch\u00f6nen Ausdruck von der \u00bbpostkopernikanischen Konterrevolution\u00ab gepr\u00e4gt.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Hans Blumenberg, so erz\u00e4hlt L\u00fcbbe, habe nach der ersten Mondlandung etwas Entscheidendes erkannt. W\u00e4hrend das Ereignis zun\u00e4chst nach dem Schema der Entdeckung des amerikanischen Kontinents durch Kolumbus gedeutet wurde, argumentierte Blumenberg, dass die Mondfahrt die Erde hinterr\u00fccks wieder in den Mittelpunkt r\u00fcckte, von dem sie durch Kopernikus vertrieben worden zu sein schien:<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbWir sind an unseren lebensweltlich inzwischen dramatisch geschrumpften heimischen Planeten allein schon kraft sozial definitiv nutzungsunf\u00e4hig langer Reisezeiten zum n\u00e4chsten objektiv vielleicht kolonisierbaren Exoplaneten zur\u00fcckgebunden. [\u2026] [D]ie Erde gewinnt damit neu, lebensweltlich und banalerweise nicht kosmologisch, eine unausweichliche Mittelpunktstellung zur\u00fcck.\u00ab<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00c4hnliches kann man auch von Schrott sagen: Die wissenschaftlich entr\u00fcckte Erde r\u00fcckt wieder in das Zentrum, das sie als Sch\u00f6pfung desjenigen, der Himmel und Erde gemacht hat, einmal war. Darin steckt auch eine Lizenz zum Erz\u00e4hlen. Fiktion bringt die Welt \u00bb\u00fcber ein Ich in Verbindung \u2013 l\u00f6st dieses jedoch wieder auf, in Buchstaben und Laute, in alles ringsum\u00ab (21).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Bei aller Sympathie f\u00fcr die Affinit\u00e4ten von Literatur und Wissenschaft regt sich an diesem Punkt doch Skepsis: Wenn Wissenschaft areligi\u00f6se, gottfreie Experimentaltheologie ist, ist es dann auch die hier praktizierte Experimentalliteratur? Oder doch nur Weihrauch, Messe, Liturgie? Damit ist die heikle Frage nach der Gattung des Epos aufgeworfen, die \u203aErste Erde\u2039 so unbek\u00fcmmert und ohne unbestimmten Artikel im Titel tr\u00e4gt, als g\u00e4be es \u00fcberhaupt nur ein einziges Epos.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><strong>(3)<\/strong> <strong>Die \u00bbverschollene Tradition\u00ab und das Epos<\/strong><\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Politisch g\u00e4rt es allerorten. Die Klimakatastrophe schreitet voran. Der Mensch ver\u00e4ndert die Erde, deren unfassbar lange Werdezeiten Schrott mit Hilfe der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse wortreich besingt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Was hat ein Epos im Anthropoz\u00e4n zu suchen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Werner Michler hat in seiner Studie zur Geschichte der Gattungspoetiken j\u00fcngst noch einmal gezeigt, dass die notorische Assoziation des antiken Versepos mit Totalit\u00e4t oder Ganzheit Effekt des systematisch betriebenen Umbaus dieser Gattung zum Volksepos im sp\u00e4ten 18. Jahrhundert ist.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Erst damals, unterst\u00fctzt von der werdenden Philologie, r\u00fcckte das Heldenepos in die verlockende und verbotene Ferne dessen, was die Moderne verlor. Von A.W. Schlegel \u00fcber Hegel bis zu Luk\u00e1cs gilt das Epos als unwiederholbarer Ausdruck oder Abbild einer untergegangenen Welt, in der \u00bbder Sternenhimmel die Landkarte der gangbaren und der zu gehenden Wege\u00ab war.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Weil Schrott gerade die Unanschaulichkeit moderner Wissenschaft interessiert und er Zugang zu den \u203aMysterien\u2039 \u00fcber die wissenschaftlichen Theorien, ihre Geschichte und seine Geschichten sucht, kann \u203aEpos\u2039 hier nicht Statthalter verlorener Verl\u00e4sslichkeit und Ganzheitlichkeit sein. Was ist es aber dann?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wenn einer \u00bbErste Erde\u00ab sagt und \u00bbErstes Licht I\u00ab und \u00bbErstes Licht II\u00ab, geht es ihm offenbar nicht um Ursprung, Anfang oder Beginn im Singular. Der Gebrauch der Ordinalzahl verweist auf eine Reihe. Wo es eine <em>erste<\/em> Erde gibt, wie (bei Hegel) eine \u203aerste Natur\u2039, muss es (wie bei Hegel) auch eine <em>zweite<\/em> Erde (bzw. Natur) geben. In dieser Perspektive w\u00e4re Schrotts Erde-Epos weder anachronistische Aktualisierung einer vergangenen Form noch Hohelied auf die Naturwissenschaft, sondern Abgesang auf diese erste Erde mit Blick auf eine zweite, die vielleicht schon begonnen hat oder erst noch gefunden werden muss. Schrotts Epos handelte dann zwar von Anf\u00e4ngen, aber gleichsam vor der Kulisse eines m\u00f6glichen Endes dieser ersten Erde. Mit einer freilich abseitigen Epostheorie l\u00e4sst sich dieser Gedanke weiter entfalten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Mit Problemen der Reihenfolge von ersten und zweiten Dingen ist Sigmund Freud in seiner sp\u00e4ten Studie <em>Der Mann Moses und die monotheistische Religion<\/em> besch\u00e4ftigt. Sein Versuch, den j\u00fcdischen Monotheismus, also den ersten und in j\u00fcdischer Perspektive auch den einzigen Monotheismus, aus einem vorangegangenen, aber lange Zeit in die Latenz abgetauchten \u00e4gyptischen Monotheismus abzuleiten, mit dem die Juden in Kontakt gekommen seien, wird bis heute kontrovers diskutiert.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> In lebensweltlich und politisch h\u00f6chst prek\u00e4rer Situation \u2013 die Studie wurde in Wien vor dem \u203aAnschluss\u2039 begonnen und im Londoner Exil beendet \u2013 setzt sich Freud mit dem ihm aus anderen Arbeitszusammenh\u00e4ngen vertrauten Problem der Nachtr\u00e4glichkeit auseinander:<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Wie kann etwas \u00bbnach dem Ablauf einer langen Zwischenzeit\u00ab wieder zur Wirkung kommen und \u00bbsich endlich f\u00fcr die Dauer\u00ab durchsetzen?<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Freud kennt das Ph\u00e4nomen der Latenz aus seiner Praxis. Traumatische Neurosen zeichnen sich dadurch aus, dass Betroffene nach einem Trauma zun\u00e4chst nichts Auff\u00e4lliges bemerken, bis sich Wochen, Monate oder Jahre sp\u00e4ter die ersten Symptome einstellen. Freud versucht nun, das kollektive Ph\u00e4nomen Religionsstiftung nach dem Modell des individuellen Traumas zu verstehen. Im j\u00fcdischen Volk habe es eine in die Latenz abgedr\u00e4ngte Erinnerung an die fr\u00fchere (\u00e4gyptische) Religion und ihren Inhalt gegeben. Ein Kompromiss der widerstreitenden Interessen fand Ausdruck in der Spaltung der verdr\u00e4ngten Erfahrung in eine offizielle \u00bbschriftliche Fixierung\u00ab und eine \u00bbTradition\u00ab genannte m\u00fcndliche \u00dcberlieferung.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> \u00bbDie Tradition\u00ab, schreibt Freud, \u00bbwar die Erg\u00e4nzung und zugleich der Widerspruch zur Geschichtsschreibung.\u00ab (M 517) Diese \u00bbverdunkelte und entstellte Tradition\u00ab einer fr\u00fcheren heroischen \u00e4gyptischen Mosesreligion war es, \u00bbdie gleichsam aus dem Hintergrund zu wirken fortfuhr [\u2026] und es endlich erreichte, den Gott Jahve in den mosaischen Gott zu verwandeln und die vor langen Jahrhunderten eingesetzte und dann verlassene Religion des Moses wieder zum Leben zu erwecken.\u00ab (M 518\u00a0f.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Um seine gewagte These zu plausibilisieren, zieht Freud die Entstehung der homerischen Epen als Parallele heran: \u00bbIn den Zeiten, da sich bei den Juden die Wiederkehr der Mosesreligion vorbereitete, fand sich das griechische Volk im Besitz eines \u00fcberaus reichen Schatzes von Geschlechtersagen und Heldenmythen.\u00ab (M 519) Wie die Juden hatten die Griechen dieses \u00bbSagenmaterial, das Homer und die gro\u00dfen attischen Dramatiker in ihren Meisterwerken verarbeiteten\u00ab, aus einer heroischen Vorzeit, \u00bbdie in einer historischen Katastrophe untergegangen\u00ab war<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> und deren Erinnerung sich als \u00bbverschollene\u00ab oder \u00bbdunkle Tradition\u00ab (M 519) erhalten hatte. Die Entstehung von Religionen und Epen untersteht nach Freud derselben Bedingung: \u00bbein St\u00fcck Vorgeschichte, das unmittelbar nachher als inhaltreich, bedeutsam und gro\u00dfartig, vielleicht immer als heldenhaft erscheinen mu\u00dfte, das aber so weit zur\u00fcckliegt, so entlegenen Zeiten angeh\u00f6rt, da\u00df den sp\u00e4teren Geschlechtern nur eine dunkle und unvollst\u00e4ndige Tradition von ihr Kunde gibt\u00ab. (M 519\u00a0f.) Dass \u00bbdas Epos [\u2026] in sp\u00e4teren Zeiten erloschen ist\u00ab, begr\u00fcndet Freud folgerichtig damit, dass die Vorgeschichte aufgearbeitet worden und \u00bbdie Geschichtsschreibung an die Stelle der Tradition getreten\u00ab sei (M 520). In Situationen aber, in denen \u00bbvon der Vergangenheit nur mehr die unvollst\u00e4ndigen und verschwommenen Erinnerungen bestehen, die wir Tradition hei\u00dfen\u00ab, sei der K\u00fcnstler frei, <\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">\u00bbdie L\u00fccken der Erinnerung nach den Gel\u00fcsten seiner Phantasie auszuf\u00fcllen und das Bild der Zeit, die er reproduzieren will, nach seinen Absichten zu gestalten. Beinahe k\u00f6nnte man sagen, je unbestimmter die Tradition geworden ist, desto brauchbarer wird sie f\u00fcr den Dichter.\u00ab (M 520)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Diese Theorie wirft einiges Licht auf Schrotts <em>Erste Erde<\/em>. Denn was k\u00f6nnte unbestimmter sein als die heroische Zeit der Erdentstehung? Von diesen Ereignissen haben wir keine Kunde, sondern nur stumme Zeugen wie jenes Jahrmillionen alte Ger\u00f6ll des Klaratsberges. Zum Sprechen bringen es die modernen Wissenschaften. Sie k\u00f6nnen daraus aber immer nur eine in Freuds Sinne verschollene, dunkle Tradition (eine Theorie) machen, die der Dichter \u00bbnach seinen Absichten\u00ab gestaltet, woraus dann nach Freud entweder eine Religion (wie im Falle des Judentums) oder eine Dichtung wird (wie im Falle der homerischen Epen). Was bei Schrott aus seiner k\u00fcnstlerischen Bearbeitung der Wissens-\u203aTradition\u2039 geworden ist, ist nicht einfach zu sagen. Jedenfalls keine Naturreligion und keine Experimentaltheologie, sondern eine Dichtung, sehr gro\u00df dimensioniert, gewiss, aber doch stets nur \u00bbSt\u00fccke eines Epos: nicht in hehrem Anspruch, sondern als Poesie, die Welt enth\u00e4lt\u00ab (25). Von Freuds Epostheorie her gesehen ist der befremdliche Titel <em>Erste Erde. Epos<\/em> gewissenhafte Leseanleitung: Achtung, Kunst! \u2013 Nicht beantwortet ist damit die Frage, warum Schrott die \u203aTradition\u2039 von Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte literarisch bearbeitet hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">In seiner enzyklop\u00e4dischen Dimension ist <em>Erste Erde<\/em> ziemlich umfassendes Archiv einer zwar nicht simultanen, aber gleichwohl gemeinsamen Geschichte von Erde und Mensch. Seit dem Anthropoz\u00e4n scheint daraus f\u00fcr beide, den Menschen und die Erde, ein antagonistischer \u00dcberlebenskampf geworden zu sein.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> Der Erde darf man zutrauen, sich zu wehren, sei es auch auf Kosten des Menschen. Dem Menschen darf man auch zutrauen, sich zu wehren, etwa eine unbewohnbar gewordene Erde zu verlassen, um sich anderswo anzusiedeln, nicht gerade auf dem Mond, aber vielleicht auf dem Mars oder in virtuellen Computerwelten. Letzteres ist der bevorzugte Stoff der postapokalyptischen Romane und Filme der Gegenwart. Bei Schrott wird gegenl\u00e4ufig die lange Vorgeschichte erz\u00e4hlt und etwaigen Bewohnern einer zweiten als \u203aerste Erde\u2039 \u00fcberliefert: als Heldenepos einer unvordenklichen Geschichte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Raoul Schrott: <em>Erste Erde. Epos<\/em>, M\u00fcnchen: Hanser 2016. Zitate hieraus werden im Text in Klammern nachgewiesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zur verwickelten Rezeptions- und Wirkungsgeschichte vgl. die preisgekr\u00f6nte Studie von Stephen Greenblatt: <em>The Swerve. <\/em><em>How the World Became Modern<\/em>, New York: Norton 2011.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Arno Holz: <em>Phantasus<\/em>, Stuttgart: Reclam 2002, S. 26.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Johann Wolfgang von Goethe: \u00bbLied und Gebilde\u00ab, in: ders.: <em>S\u00e4mtliche Werke. Briefe, Tageb\u00fccher und Gespr\u00e4che<\/em>, Abt. I, Bd. 3.1: <em>West-\u00f6stlicher Divan<\/em>, hg. von Hendrik Birus, Frankfurt am Main: Deutscher Klassiker Verlag 1994, S. 21.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Franz Kafka: [Das Schweigen der Sirenen], in: ders.: <em>Nachgelassene Schriften und Fragmente<\/em>, Bd. II.1 (Kritische Ausgabe), hg. von Jost Schillemeit, Frankfurt am Main: S. Fischer 1992, S. 40\u201342.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Hermann L\u00fcbbe: \u00bbPoetik und Hermeneutik \u2013 von \u203aKrise der Geisteswissenschaften\u2039 keine Spur!\u00ab, in: Petra Boden\/R\u00fcdiger Zill (Hg.):<em> Poetik und Hermeneutik im R\u00fcckblick. Interviews mit Beteiligten<\/em>, Paderborn: Fink 2017, S. 157\u2013182, hier: S. 168.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. Bruno Latour: <em>Das terrestrische Manifest<\/em>, Berlin: Suhrkamp 2017.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Werner Michler: <em>Kulturen der Gattung<\/em>, G\u00f6ttingen: Wallstein 2015.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Georg Luk\u00e1cs: <em>Die Theorie des Romans. Ein geschichtsphilosophischer Versuch \u00fcber die Formen der gro\u00dfen Epik<\/em>, Bielefeld: Aisthesis 2009, 21.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. j\u00fcngst Hans Blumenberg: <em>Rigorismus der Wahrheit. \u00bbMoses der \u00c4gypter\u00ab und weitere Texte zu Freud und Arendt<\/em>, hg. von Ahlrich Meyer, Berlin: Suhrkamp 2015, sowie Jan Assmanns kanonische Studie <em>Moses der \u00c4gypter. Entzifferung einer Ged\u00e4chtnisspur<\/em>, M\u00fcnchen\/Wien: Hanser 1998.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Besonders einschl\u00e4gig ist Freuds Fallstudie \u00bbDer Wolfsmann\u00ab, vgl. Sigmund Freud: \u00bbAus der Geschichte einer infantilen Neurose\u00ab, in: ders.: <em>Zwei Kinderneurosen<\/em> (Studienausgabe Bd. VIII), 12. Aufl., Frankfurt am Main: S. Fischer 2007, S. 125\u2013234.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Sigmund Freud: <em>Der Mann Moses und die monotheistische Religion: Drei Abhandlungen<\/em>, in: ders.: <em>Fragen der Gesellschaft, Urspr\u00fcnge der Religion<\/em> (Studienausgabe Bd. IX), 10. Aufl., Frankfurt am Main: S. Fischer 2009, 455\u2013581, hier S. 515. Weitere Zitate werden mit der Sigle M im Text nachgewiesen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Vielleicht hat man hier auch ein Vorbild der im Judentum wichtigen Unterscheidung von Talmud und Mischna sehen, die mit der traumatischen Erfahrung der Tempelzerst\u00f6rung zusammenh\u00e4ngen mag.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Freud denkt dabei an die matriarchalische minoische Kultur.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Vgl. Bruno Latour: <em>Das terrestrische Manifest<\/em>, Berlin: Suhrkamp 2018.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Eva Geulen ist die Direktorin des ZfL. Ihr Beitrag ist der dritte Teil einer Reihe von Einlassungen zu Raoul Schrotts \u00bb<\/em><em>Erste Erde. Epos\u00ab<\/em><em> aus den jeweiligen Perspektiven der drei Forschungsschwerpunkte am ZfL. F\u00fcr die \u00bbWeltliteratur\u00ab hat sich <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2017\/04\/11\/mona-koerte-raoul-schrotts-erste-erde-epos-die-geburt-des-universums-in-einer-untoten-gattung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mona K\u00f6rte<\/a> ge\u00e4u\u00dfert, f\u00fcr das \u00bbLebenswissen\u00ab <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/07\/09\/georg-toepfer-verzauberung-der-welt-durch-nachdichtung-der-naturwissenschaft-zu-raoul-schrotts-erste-erde-epos\/#_ftn4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Georg Toepfer<\/a>, Eva Geulen schreibt aus der Perspektive der \u00bbTheoriegeschichte\u00ab.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Eva Geulen: \u00dcber Raoul Schrotts \u00bbErste Erde. Epos\u00ab (zum dritten Mal) in: ZfL BLOG, 20.8.2018, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/20\/eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/20\/eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180820-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180820-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180820-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/20\/eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"\u00dcBER RAOUL SCHROTTS \u00bbERSTE ERDE. 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Erhalten haben sich aber nur zwei kurze Prosatexte \u00fcber den Granit, der damals als \u00e4ltestes Gestein galt. Herder <a class=\"read-more-link\" href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/20\/eva-geulen-ueber-raoul-schrotts-erste-erde-epos-zum-dritten-mal\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[175,19],"tags":[70,230,232,231,69,103],"class_list":["post-854","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-jahresthema-formen-des-ganzen","category-lektueren","tag-epos","tag-erste-erde","tag-literatur-und-wissenschaft","tag-mythos","tag-raoul-schrott","tag-theoriegeschichte"],"post_mailing_queue_ids":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=854"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3650,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/854\/revisions\/3650"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}