{"id":870,"date":"2018-08-30T09:20:56","date_gmt":"2018-08-30T07:20:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/?p=870"},"modified":"2025-03-03T14:57:31","modified_gmt":"2025-03-03T12:57:31","slug":"albrecht-koschorke-auf-der-anderen-seite-des-grabens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/30\/albrecht-koschorke-auf-der-anderen-seite-des-grabens\/","title":{"rendered":"Albrecht Koschorke: AUF DER ANDEREN SEITE DES GRABENS"},"content":{"rendered":"<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">1<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wer die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber populistische Bewegungen verfolgt, dem k\u00f6nnte leicht Karl Valentins Spruch in den Sinn kommen, es sei schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Seit Brexit und Trump laufen poli\u00adtische Gegenwarts\u00adanaly\u00adsen fast automatisch darauf hinaus, sich am R\u00e4tsel des Rechtspopulismus abzuarbeiten. Immerhin ist dabei eine anstei\u00adgen\u00adde Lernkurve zu verzeich\u00adnen. Die ersten Reaktionen auf rechtspopulistische Abstim\u00admungserfolge waren von Schock und v\u00f6lligem Unverst\u00e4ndnis gekennzeichnet. Kommen\u00adtato\u00adren mit akademischem Hintergrund (den Ver\u00adfasser dieser Zeilen ein\u00adge\u00adschlos\u00adsen) glaubten sich einer Spezies \u00bbverr\u00fcckter An\u00adde\u00adrer\u00ab gegen\u00ad\u00fcber, von denen sie bis dahin keine Notiz genommen und mit denen sie keiner\u00adlei soziale Ber\u00fchrung hatten. Die auch in den etablier\u00adten Medien vor\u00adherr\u00adschen\u00adde Meinung war, dass hier Menschen nicht wussten, was sie taten, und bald aus ihrem Irrglauben aufwachen m\u00fcssten. \u00a0<!--more--><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Inzwischen wurden die Hin\u00adter\u00adgr\u00fcnde f\u00fcr den Umbruch der politischen Landschaft breit aus\u00adge\u00adleuchtet \u2013 wenngleich das Bild, das sich ergibt, noch keineswegs vollst\u00e4ndig ist. Eine Reihe von bequemen Er\u00adkl\u00e4\u00adrun\u00adgen haben sich als irrig erwiesen. Unter den <em>Leave<\/em>-Bef\u00fcr\u00adwortern, Trump-W\u00e4hlern, An\u00adh\u00e4ngern von Pegida und AfD, so stellt sich her\u00adaus, sind nicht nur und nicht einmal mehr\u00adheitlich solche, die blindlings der Demagogie popu\u00adlisti\u00adscher F\u00fchrer ver\u00adfal\u00adlen. Die meisten von ihnen stehen zu dem, was sie als bewusste Wahr\u00adneh\u00admung ihrer demokratischen Rechte betrachten, und wollen ihre Parteinahme nicht als ein Versehen oder eine einmalige Affekt\u00adhandlung verstanden wis\u00adsen. \u00dcberdies handelt es sich keines\u00adwegs nur um Ab\u00adge\u00adh\u00e4ngte oder von sozialem Ab\u00adstieg bedrohte Kleinb\u00fcrger, wie man angesichts von frem\u00adden\u00adfeindlichen Parolen, Schm\u00e4hreden und gewaltt\u00e4tigen \u00dcber\u00adgrif\u00adfen in b\u00fcrger\u00adlich distinguierteren Kreisen gern glauben will. Vielmehr reichen neu\u00adrechte, illiberal-neo\u00adauto\u00adrit\u00e4re Tendenzen tief in den alten, wohlhabenden Mittelstand hinein. Mit Blick auf diesen Befund ist viel Kluges (und Kontroverses) \u00fcber die Frage geschrieben worden, ob dem Erfolg des Rechts\u00adpopulismus nicht eher kulturelle als \u00f6kono\u00admische Ursachen zu\u00adgrunde\u00adliegen. Ist er vorrangig durch die Ersch\u00fctterungen bedingt, die von einer verst\u00e4rkt transnational agierenden Wirtschaft aus\u00adgehen \u2013 durch freien Welt\u00adhandel, Lohn\u00adkonkur\u00adrenz mit Schwel\u00adlen\u00adl\u00e4ndern und Arbeits\u00admigran\u00adten, Deindustria\u00adli\u00adsierung, Abbau nationalstaatlicher Schutz\u00adma\u00df\u00adnahmen und versch\u00e4rfte Ungleichheit? Oder manifestiert sich in ihm vor allem ein kulturelles Be\u00adfremden, eine gerade in gutb\u00fcrgerlichen Kreisen um sich greifende Sorge vor dem Verlust der ver\u00adtrauten Lebensumgebung, der sie veranlasst, gegen die ver\u00admeintliche Dominanz kosmopolitisch-multi\u00adkultureller Eliten aufzubegehren? \u2013 Kurz: Richten sich populistische Bewegungen mehr gegen einen \u00f6konomischen oder gegen einen kulturellen Libera\u00adlismus? Und worin besteht der Zu\u00adsam\u00admen\u00adhang zwischen beiden Spiel\u00adarten des Libe\u00adralismus, weshalb lassen sie sich so erfolg\u00adreich zu einem einheitlichen Feind\u00adbild ver\u00adschmelzen?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Aus solchen Fragen erw\u00e4chst die Erkenntnis, dass, wer vom Populismus sprechen will, \u00fcber den Liberalismus nicht schweigen darf (dieser im weitesten, nicht partei\u00adpolitisch gebundenen Sinn verstanden). Das ist vielleicht der wichtigste Lern\u00adfort\u00adschritt in den letzten zwei Jahren. Er macht die Analyse komplexer, weil diejenigen, die sie be\u00adtrei\u00adben, sich nicht mehr als unbeteiligte Beobachter ausgeben k\u00f6nnen. Allein schon der Begriff Populismus markiert ja eine Per\u00adspektive von au\u00dfen, denn heutige Populisten nennen sich gew\u00f6hnlich nicht so. Wer den Begriff verwendet, ist unter den Vorzeichen eines sich immer weiter polarisierenden poli\u00adtischen Feldes also in der Regel dem Gegen\u00adlager der \u203aLibe\u00adralen\u2039 zuzurechnen. Dessen Vertreter sind an einer beide Seiten umgreifenden Dynamik beteiligt. Insofern ist auch die Art, wie sie \u00fcber den Populismus sprechen, Teil des politi\u00adschen Spieles. Deshalb reicht es nicht, das \u203aNarrativ des Popu\u00adlis\u00admus\u2039 mit seinen charakteristischen Merkmalen \u2013 Beru\u00adfung auf das \u203aVolk\u2039 als eine an\u00adgeb\u00adlich einheitliche ethnonationale Entit\u00e4t, dessen In\u00adschutz\u00ad\u00adnah\u00adme gegen die \u203aEliten\u2039 und, im Fall rechts\u00adpopulistischer Str\u00f6mungen, gegen Fremde \u2013 zu isolieren und, was ein leichtes Spiel ist, als tr\u00fcgerisch zu entlarven. Das Bild muss erg\u00e4nzt werden um eine Ana\u00adlyse auch des \u203alibe\u00adra\u00adlen Narrativs\u2039: der perspektivi\u00adschen Verzerrungen, die es enth\u00e4lt, seiner Leer\u00adstellen und Ambivalenzen, vor allem aber der Gr\u00fcnde f\u00fcr seine ge\u00adschwundene Inte\u00adgra\u00adtions\u00adkraft sowohl im nationalen als auch im Welt\u00adma\u00dfstab.<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">2<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">In der Konsequenz daraus hat eine breite Selbstproblematisierung des akademischen libe\u00adralen Main\u00adstreams (im Vokabular der in den USA gef\u00fchrten Debatte) eingesetzt. Es ist klarer ins Be\u00adwusst\u00adsein ger\u00fcckt, dass der Diskurs \u00fcber den Populismus in den meinungs\u00ad\u00adbildenden Kreisen Z\u00fcge einer alten, oft hinter einem paternalistischen Gestus versteckten Abscheu der Gebildeten gegen\u00fcber den Massen und ihren Artikulationsweisen tr\u00e4gt. Popu\u00adlismuskritik ersch\u00f6pft sich insoweit in \u00bbStilkritik\u00ab (Philip Manow<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>), die sich zudem blind gegen\u00fcber der Tatsache verh\u00e4lt, dass auch und gerade die Privilegierten soziale Aus\u00adgren\u00adzung praktizieren. \u00bbW\u00e4hrend in den vom Abstieg bedrohten Soziallagen Ressenti\u00adments gegen Unter\u00adprivi\u00adle\u00adgierte und Migran\u00adten offensiv vertreten werden\u00ab, bemerkt Cor\u00adne\u00adlia Koppetsch dazu, \u00bbbe\u00adtreibt die b\u00fcrger\u00adliche Mitte ihre Selbstabschlie\u00dfung eleganter, indem sie sich in exklu\u00adsi\u00adve Stadtviertel zu\u00adr\u00fcck\u00adzieht. Dies erlaubt ihnen tolerant und liberal zu blei\u00adben, denn die tats\u00e4chlichen gesell\u00adschaft\u00adlichen Problemlagen bleiben drau\u00dfen. Die Teil\u00adhabe an Privi\u00adle\u00adgien wird \u00fcber den Preis pro Quadratmeter Wohnraum gesteuert.\u00ab<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Was bietet das liberale Narrativ, um in der aktuellen Situation die \u00bbtats\u00e4ch\u00adlichen gesell\u00adschaft\u00adlichen Problemlagen\u00ab zu adressieren? Historisch ist der Liberalismus ein Kind der Auf\u00adkl\u00e4rung und des aus ihr hervorgegangenen B\u00fcrgertums; er sah eine Sprecherposition vor, von der aus die durch Bildung Pri\u00advilegierten als Sachwalter des \u00f6ffentlichen Interes\u00adses fungierten. Den noch unm\u00fcndigen Teilen des Volkes wollte er den Weg zu h\u00f6herer Einsicht wei\u00adsen, um sie zu w\u00fcrdiger Teilnahme am \u00f6ffentlichen Leben zu bef\u00e4higen. Das Element von Distinktion, das in dieser Art von erzieherischer Vormundschaft der Weni\u00adgen gegen\u00fcber den Vielen angelegt war, wurde so durch den Vorschein auf eine zu erwerbende Zugeh\u00f6rigkeit abgemildert. Auf dieser temporalen Struktur beruht der f\u00fcr die Weltsicht des Libera\u00adlismus charakteristische \u203aZug nach oben\u2039, wie er in den Leitideen individueller Ent\u00adwicklung und gesellschaftlichen Fortschritts zum Ausdruck kam.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wo jedoch der Zugang zu Bildungs- und Aufstiegschancen von den bereits Privilegierten monopolisiert wird, wo Wohlstands-Chauvinismus, Abstiegs\u00ad\u00e4ngste und eine sich auf allen Ebenen ver\u00adst\u00e4r\u00adken\u00adde Segregation das Bild bestimmen und wo sich \u00fcberhaupt der kol\u00adlek\u00adtive Zukunftsprospekt schlie\u00dft, verlieren die Versprechungen des Libera\u00adlis\u00admus ihre Glaub\u00adw\u00fcrdigkeit. In solchen Phasen wird sein Credo, so univer\u00adsa\u00adlistisch es sich geben mag, leicht als die Besitz\u00adstands\u00adideologie denunzierbar, die es immer <em>auch<\/em> war. Die gesamte linksliberale Agenda der zur\u00fcckliegenden Jahrzehnte scheint dadurch in Miss\u00adkredit zu geraten. Schon zu Beginn des neuen Jahrtausends hat die Phi\u00adlo\u00adsophin Nancy Fraser davor gewarnt, die \u00bbGrammatik\u00ab des politischen \u00bbclaims-making\u00ab von der Verteilung hin zur Anerkennung, das hei\u00dft vom \u00d6konomischen zum Symbolischen hin zu verschieben.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> In j\u00fcngster Zeit setzen sich vor allem Programme der <em>identity politics<\/em> und des <em>diversity managements<\/em> dem Vorwurf aus, die entscheidende Dimension sozialer Differenzbildung, n\u00e4mlich materielle Ungleich\u00adheit, zugunsten einer nur formellen Teilhabe aller m\u00f6g\u00adlichen Minderheiten aus dem Blickfeld zu dr\u00e4ngen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Dass eine weltoffene, globalisierungsfreundlich-kosmopolitische, sich in ihrer Toleranz gefallende Sicht der Dinge in h\u00e4ufig un\u00adein\u00adgestan\u00addener Weise auf sozialer Privilegiertheit beruht, ist nicht die einzige Schwachstelle des liberalen Narrativs, in die polarisierende Gegenerz\u00e4hlungen eindringen k\u00f6nnen. Eine weitere besteht darin, dass es durch neoliberale Entgrenzung angreifbar geworden ist, und zwar ironischerweise mit seinen eigenen Waffen. Der Liberalismus klassischer Pr\u00e4gung gedieh in einem nationalstaatlichen Rahmen, durch den das freie Spiel der gesellschaftlichen Kr\u00e4fte eingehegt war. Wie auch immer sich das Verh\u00e4ltnis zwi\u00adschen Markt und Staat in der Praxis gestaltete \u2013 <em>idealiter<\/em> ist das libera\u00adle Gesell\u00adschaftsmodell ohne seine R\u00fcckbindung an \u00fcberparteilichen Institu\u00adtio\u00adnen mit schieds\u00adrichter\u00ad\u00adlicher und Sanktionsgewalt nicht zu denken. Zu diesen z\u00e4hlen Justiz, freie Presse und Wissenschaft als objektivierende, normstiftende Instanzen, die \u2013 wiederum dem Ideal nach \u2013 nicht dem Hin und Her widerstreitender Interessen anheim\u00adgestellt sind. Der Logik der Partikular\u00adinteressen steht so eine Logik der Norm, ein Appell an das \u00f6ffentliche Interesse und die Allgemeinheit gegen\u00fcber.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Als eine praktisch wirksame Wirtschafts- und Gesellschaftsphilosophie arbeitet der Neoliberalismus, sehr verk\u00fcrzt dargestellt, an einer Aush\u00f6hlung dieser Logik der Norm. Er delegitimiert die betreffenden, durch Globalisierung ohnehin unter Druck geratenen Staatsfunktionen und bef\u00f6rdert auch auf anderen Feldern den Siegeszug marktlibera\u00adler Regulative. Damit unterminiert er aber den Anspruch auf Autorit\u00e4t, der in die Position des klassischen Liberalismus seit den Zeiten der Aufkl\u00e4rung einbeschrieben war. Im Bereich der Wissenschaft \u00e4u\u00dfert sich dies in der Rede vom \u00bbMarktplatz der Ideen\u00ab \u2013 einem Paradigma, dem eine wichtige Rolle in der <em>Post-Truth<\/em>-Debatte zukommt.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Hier macht sich im \u00dcbrigen eine fatale Allianz zwischen neoliberalem und postmodernem Denken bemerkbar: Wenn jede Person, jede Gruppe ein Anrecht auf Anerkennung ihrer je eigenen Sichtweise hat, wenn folglich \u00bbdie Funktion \u00f6ffentlicher Institutionen \u2013 einschlie\u00dflich Zeitungen und Univer\u00adsit\u00e4ten \u2013 einfach nur darin besteht, m\u00f6glichst viele private Mei\u00adnun\u00adgen gegen\u00adeinander in Wettbewerb (\u203afreier Austausch\u2039) treten zu lassen\u00ab<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>, von welchem Standpunkt kann man populistische L\u00fcgen dann \u00fcberhaupt noch als solche kenntlich machen und, ja, ver\u00adurtei\u00adlen?<\/span><\/p>\n<h4><span style=\"color: #e63348; font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">3<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\">Wie in der Machtpolitik setzen sich erfolgreiche Narrative dort fest, wo bis dahin vor\u00adherrschende semantische Gro\u00dfformationen Schw\u00e4chen zeigen. Der Gel\u00e4ndegewinn popu\u00adlistischer Be\u00adwe\u00adgungen r\u00fcckt deshalb vor allem die aktuellen Verlegenheiten des politi\u00adschen Liberalis\u00admus ins Licht. Sie h\u00e4ngen in zweifacher Hinsicht mit der sich vertiefenden sozialen Spal\u00adtung in sp\u00e4tmodernen Gesellschaften zusammen. Sozio\u00ad\u00f6kono\u00admisch, weil der Liberalismus den Nichtprivi\u00adle\u00adgier\u00adten offenbar keine glaubhafte Per\u00adspektive auf (k\u00fcnftige) Zugeh\u00f6rigkeit mehr verschafft. Argumentativ, weil der liberale Diskurs nicht ohne Berufung auf ein <em>besseres<\/em> Wissen \u2013 faktenbasierte Politik, neutrale Be\u00adricht\u00ad\u00aderstattung, auf Objek\u00adtivit\u00e4t abzielende Wissenschaft \u2013, ohne Bildung entsprechen\u00adder professioneller Eliten\u00ad und damit ohne ein Element von Hierarchie auskommt, w\u00e4hrend er sich zugleich damit aus\u00adeinander\u00adzusetzen hat, dieses Wissen als das <em>andere<\/em> Wissen einer elit\u00e4ren Kaste desavouiert zu finden. Er tappt so in die Falle des Pluralismus, an deren Verfertigung er selbst beteiligt war. Das aktuelle Stichwort hei\u00dft: <em>tribal epistemology<\/em>.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Solange er aus dieser Falle nicht herauskommt, wird das, was er vom Populismus und von sich selbst zu erz\u00e4hlen wei\u00df, auf der anderen Seite des Gra\u00adbens keine Resonanz finden.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Philip Manow, <em>\u203aDann w\u00e4hlen wir uns ein anderes Volk\u2039&#8230; Populisten vs. Elite<\/em>, Manuskript, Bremen\/Konstanz 2017, S. 3.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Cornelia Koppetsch, <em>Die Wiederkehr der Konformit\u00e4t. Streifz\u00fcge durch die gef\u00e4hrdete Mitte<\/em>, Frankfurt \/ New York 2013, S. 9.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Nancy Fraser, \u00bbRethinking Recognition\u00ab, in: <em>New Left Review<\/em> 3 (2000), S. 107\u2013120. Den Hinweis verdanke ich Albert Dikovich.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Erik Baker und Naomi Oreskes, \u00bbIt\u2019s No Game: Post-Truth and the Obligations of Science Studies\u00ab, in: <em>Social Epistemology Review and Reply Collective<\/em> 6, no. 8 (2017), S. 1\u201310.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Ebd., S. 1.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> David Roberts, \u00bbDonald Trump and the rise of tribal epistemology. Journalism cannot be neutral toward a threat to the conditions that make it possible\u00ab, in: <a href=\"https:\/\/www.vox.com\/policy-and-politics\/2017\/3\/22\/14762030\/donald-trump-tribal-epistemology\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>Vox<\/em><\/a>, 19. Mai 2017.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Albrecht Koschorke ist Professor f\u00fcr Neuere Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universit\u00e4t Konstanz. <\/em><em>Der Text geht zur\u00fcck auf seinen Vortrag bei der Jahrestagung des ZfL, <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zfl-berlin.org\/veranstaltungen-detail\/items\/diversitaet-darstellen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbDiversit\u00e4t darstellen\u00ab<\/a> (11.\/12.1.2018), und ist erschienen in dem vom Exzellenzcluster \u00bbKulturelle Grundlage von Integration\u00ab herausgegebenen Heft \u00bbThemen Thesen Texte\u00ab 07\/18, S. 9-11. Die \u203afeindliche \u00dcbernahme\u2039 von Positionen der Postmoderne durch die neue<br \/>\nRechte und das Dilemma, in das eine sich als linksemanzipatorisch<br \/>\nverstehende Wahrheitskritik dadurch ger\u00e4t, wird Gegenstand einer von<br \/>\nAlbrecht Koschorke mitveranstalteten Tagung am Berliner Haus der Kulturen<br \/>\nder Welt sein: \u00bbConcerning Matters and Truths. Postmodernism&#8217;s Shift<br \/>\nand the Left-Right-Divide\u00ab, 4. bis 6. Oktober 2018.<br \/>\n<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif; color: #e63348;\"><em>Auf dem ZfL BLOG dokumentieren wir in loser Folge die Beitr\u00e4ge der Jahrestagung. <\/em><em>Bislang erschienen sind die <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/05\/24\/mona-koerte-georg-toepfer-stefan-willer-einleitung-zur-zfl-jahrestagung-diversitaet-darstellen-11-12-januar-2018\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbEinleitung\u00ab<\/a> zur Tagung von Mona K\u00f6rte, Georg Toepfer und Stefan Willer, <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/06\/07\/jutta-mueller-tamm-ordnung-des-diversen-typeneinteilungen-um-1900\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bbOrdnung des Diversen. Typeneinteilungen um 1900\u00ab<\/a> von Jutta M\u00fcller-Tamm und David Kaldeweys <a style=\"color: #e63348;\" href=\"http:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/07\/16\/david-kaldewey-in-the-name-of-diversity-zur-neuformierung-studentischen-protests-an-amerikanischen-unversitaeten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00bb\u203aIn the Name of Diversity.\u2039 Zur Neuformierung studentischen Protests an amerikanischen Universit\u00e4ten\u00ab<\/a>.<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'Source Sans 3', sans-serif;\"><span style=\"font-weight: 400;\">VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Albrecht Koschorke: Auf der anderen Seite des Grabens, in: ZfL BLOG, 30.8.2018, [<a href=\"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/30\/albrecht-koschorke-auf-der-anderen-seite-des-grabens\/\">https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/30\/albrecht-koschorke-auf-der-anderen-seite-des-grabens\/<\/a><\/span><span style=\"font-weight: 400;\">].<\/span><span style=\"font-weight: 400;\"><br \/>\n<\/span><span style=\"font-weight: 400;\">DOI: <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180830-01\">https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180830-01<\/a><\/span><\/span><\/p>\n<p><script type=\"application\/ld+json\">\n{\n  \"@context\": \"http:\/\/schema.org\",\n  \"@type\": \"CreativeWork\",\n  \"@id\": \"https:\/\/doi.org\/10.13151\/zfl-blog\/20180830-01\",\n  \"url\": \"https:\/\/www.zflprojekte.de\/zfl-blog\/2018\/08\/30\/albrecht-koschorke-auf-der-anderen-seite-des-grabens\/\",\n  \"additionalType\": \"Blogpost\",\n  \"name\": \"AUF DER ANDEREN SEITE DES GRABENS\",\n  \"author\": {\n    \"name\": \"Albrecht Koschorke\",\n    \"givenName\": \"Albrecht\",\n    \"familyName\": \"Koschorke\",\n    \"@type\": \"Person\"\n  },\n  \"inLanguage\": \"de\",\n  \"dateCreated\": \"2018-08-30\",\n  \"datePublished\": 2018,\n  \"publisher\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"Leibniz-Zentrum f\u00fcr Literatur- und Kulturforschung \"\n  },\n  \"provider\": {\n    \"@type\": \"Organization\",\n    \"name\": \"datacite\"\n  }\n}\n<\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1 Wer die \u00f6ffentliche Debatte \u00fcber populistische Bewegungen verfolgt, dem k\u00f6nnte leicht Karl Valentins Spruch in den Sinn kommen, es sei schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. Seit Brexit und Trump laufen poli\u00adtische Gegenwarts\u00adanaly\u00adsen fast automatisch darauf hinaus, sich am R\u00e4tsel des Rechtspopulismus abzuarbeiten. Immerhin ist dabei eine anstei\u00adgen\u00adde Lernkurve zu verzeich\u00adnen. 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