Publizistik Archive – ZfL BLOG https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/tag/publizistik/ Blog des Leibniz-Zentrums für Literatur- und Kulturforschung, Berlin Mon, 03 Mar 2025 11:44:44 +0000 de hourly 1 https://wordpress.org/?v=6.9.1 https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/wp-content/uploads/2019/01/cropped-ZfL_Bildmarke_RGB_rot-32x32.png Publizistik Archive – ZfL BLOG https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/tag/publizistik/ 32 32 Moritz Neuffer/Morten Paul: Periodische Formgebung. ZEITSCHRIFTEN UND ÖFFENTLICHKEIT IN DER FRÜHEN BUNDESREPUBLIK https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2022/06/09/moritz-neuffer-morten-paul-periodische-formgebung-zeitschriften-und-oeffentlichkeit-in-der-fruehen-bundesrepublik/ Thu, 09 Jun 2022 07:03:14 +0000 https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/?p=2589 In der Geschichte moderner Gesellschaften sind Zeitschriften und Öffentlichkeit so eng aufeinander bezogen, dass sie nahezu synonym erscheinen. Schließlich soll Öffentlichkeit derjenige Raum sein, in dem freie Menschen sich als Gleiche begegnen und über Belange kommunizieren, die von allgemeinem Interesse sind. In Gemeinwesen, in denen gesellschaftliche Auseinandersetzung und Selbstvergewisserung nicht durch unmittelbaren Kontakt garantiert sind, Weiterlesen

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In der Geschichte moderner Gesellschaften sind Zeitschriften und Öffentlichkeit so eng aufeinander bezogen, dass sie nahezu synonym erscheinen. Schließlich soll Öffentlichkeit derjenige Raum sein, in dem freie Menschen sich als Gleiche begegnen und über Belange kommunizieren, die von allgemeinem Interesse sind. In Gemeinwesen, in denen gesellschaftliche Auseinandersetzung und Selbstvergewisserung nicht durch unmittelbaren Kontakt garantiert sind, helfen Zeitschriften dabei, Öffentlichkeit – oder ausdifferenzierte Teilöffentlichkeiten – herzustellen. Sie tun dies, indem sie Texte und Bilder, Gattungen und Disziplinen, Stimmen und Stimmungen versammeln und bündeln, und indem sie in mal mehr, mal weniger regelmäßiger Folge öffentlichen Austausch auf Dauer stellen.

Unzählige Zeitschriftentitel und -manifeste proklamieren ein Verständnis von Journalen und Magazinen als Medien des Zeitgemäßen bzw. der geistigen Situation ›ihrer‹ oder ›der‹ Zeit. Dieser Zeitbezug wirkt in dem Status nach, den Zeitschriften als Quellen historischer Forschung genießen: Medien, die einmal viel über die eigene Zeit zu sagen hatten, werden auch im historiografischen Rückblick als Zeugen herangezogen. Doch Zeitschriften sind immer auch eigensinnige Akteure und somit Indikatoren und Faktoren historischer Bewegung zugleich. Das Verhältnis von Zeitschriften und Öffentlichkeit(en) ist von Heteronomie und Kontingenz, Interessen, Konflikten und Aushandlungsprozessen geprägt. Was Öffentlichkeit sein soll und darf, ist nicht selbstverständlich, sondern umkämpft und historisch wandelbar. Daher lohnt es sich zu fragen, welche Zeitschriften unter welchen Bedingungen und mit welchen Absichten Öffentlichkeit produzieren: Welche Bilder ›ihrer‹ Zeit entwerfen sie und mit welchen Absichten und Effekten tun sie es?

Am 31. März und 1. April 2022 richtete das Deutsche Literaturarchiv Marbach in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung und dem Arbeitskreis Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung deshalb die Tagung Wandlungszonen: Zeitschriften und Öffentlichkeit, 1945–1969 aus.[1] Ihr Gegenstand war die Konstitution und Rekonstitution von Öffentlichkeit im Medium Zeitschrift im langen Nachkrieg und vor dem Hintergrund der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Überlegungen galten dabei nicht nur der Frage, wofür oder für wen Zeitschriften Öffentlichkeit (wieder-)herstellten, sondern auch, wie sie das als Zeitschriften taten. Journale, so die Ausgangsthese, sind aufgrund ihrer spezifischen Gestalt und Machart ›Zonen‹, in denen sich etwas ereignen kann: Sie sind mediale Räume, die Wandel und Prozess, Anfang und Aufbruch versprechen und vollziehen.

Folgerichtig gehören Brüche, Kontinuitäten und Übergänge zu den zentralen Figuren, die die Diskussion auf der Tagung dominierten, und die bereits in den Selbstbeschreibungen politisch-intellektueller Zeitschriften nach 1945 angelegt waren. Im Fokus standen Periodika, die sich in Form und Themensetzung teilweise erheblich voneinander unterscheiden und dennoch allesamt an der Neubegründung bundesrepublikanischer Öffentlichkeit mitwirkten: vom Merkur zur Constanze, von der Historischen Zeitschrift zur alternative, von der twen zum studentischen Forum Academicum. Einen historischen Idealtypus für die Untersuchung des Verhältnisses von Zeitschriften und Öffentlichkeit scheint dabei das intellektuelle Kulturjournal zu modellieren, für das auf der Tagung insbesondere die Monatsschrift Die Wandlung stand. Bereits an ihrem Titel ist das Versprechen des Übergangs abzulesen, das ihr die Gründungsmitglieder Dolf Sternberger, Karl Jaspers, Werner Krauss und Alfred Weber einschrieben. Zeitschriften, die sich derart als Foren der Erneuerung präsentierten, erlebten besonders in den Zwischenjahren 1945 bis 1949, also während der Besatzungszeit bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland, eine Blüte. Sie bauten dabei nicht zuletzt auf Traditionen und Netzwerken auf, die schon das intellektuelle Leben der Weimarer Republik geprägt hatten. Zu den Intellectual Journals, die in der Regel ein weiter Kulturbegriff auszeichnet und in deren Zentrum die Gattung des Essays steht, zählen in dieser Zeit auch Der Ruf, Merkur, die Frankfurter Hefte oder Wiedergründungen wie die Neue Rundschau. Von diesem Modell lassen sich andere Typen absetzen, die auf je unterschiedliche Weise ebenfalls zwischen Tradition und Erneuerung manövrierten: wissenschaftliche Fachzeitschriften, literarische, politische oder breitenwirksamere Publikumszeitschriften mit ihren jeweils eigenen Öffentlichkeiten und Öffentlichkeitskonzepten. Diese Typen, so zeigt sich bei näherer Betrachtung, lassen sich selten klar voneinander trennen bzw. weisen sie vielfach Übergänge und Zwischenformen auf. Damit bestätigen sie nicht zuletzt eine zentrale These kulturwissenschaftlicher Zeitschriftenforschung, nämlich dass Zeitschriften Medien sind, die sich eindeutigen Typologisierungen und Definitionen entziehen und gerade darin ihre spezifische Produktivität finden.[2]

Neben Genredefinitionen standen in Marbach die spezifischen Techniken und Verfahren im Mittelpunkt, mit denen Zeitschriften nach 1945 Bezüge zu ihrer‹ Zeit herstellten. Im Falle wissenschaftlicher Zeitschriften war es nicht selten die Rezension, die es ermöglichte, in ›kleiner Form‹ Position zu Gegenwärtigem und damit auch zur Vergangenheit des Nationalsozialismus zu beziehen – selbst in einem vermeintlich gegen den direkten Gegenwartsbezug abgedichteten fachwissenschaftlichen Journal wie der Historischen Zeitschrift. Besondere Aufmerksamkeit fand die Rolle dokumentarischer Techniken und Strategien. Denn in der Konfrontation mit den deutschen Verbrechen war das Zugänglichmachen von Tatsachenmaterial, etwa in der Wandlung und der Gegenwart, ein aufklärerischer Akt in serieller Folge. Von dieser Politik des Faktischen zehrte noch die linksintellektuelle Publizistik der späten 1950er und 1960er Jahre, die ihre Analyse, Theorie und Kritik mit der ausgestellten Evidenz von sogenannten Dokumentationen verband. Gebündelte Veröffentlichungen von Dokumenten oder Kompilationen von Zitaten schufen die Grundlage der politischen Kritik am Bestehenden, wobei schließlich auch ein naiver Begriff von Tatsachen selbst zum Gegenstand der sich etablierenden Ideologiekritik werden konnte.

Den Massenmedien hingegen wird in der von links als restaurativ wahrgenommenen Adenauer-Ära statt der Ausprägung eines kritischen Bewusstseins traditionell eher kulturindustrielle Affirmation zugeschrieben. Doch auch populäre Zeitschriften wie Constanze oder twen lassen sich gewinnbringend auf ihre Produktionsweisen von Öffentlichkeit hin befragen: Im Nebeneinander der Text- und Bildsorten (zum Beispiel der Werbung) fallen dort insbesondere Verfahren auf, mit denen die oft einseitig wirkende Kommunikation zwischen Zeitschriften und Leserschaften erweitert wurde. Die Frage, ob die Einbeziehung von Leserbriefen dabei tatsächlich der Herstellung einer breiteren gesellschaftlichen Diskussion oder nicht doch eher der Inszenierung von Partizipation diente, verweist auf ein Auseinanderfallen von Adressierungsrhetorik und Adressierungsleistung von Zeitschriften.

Der Blick auf die komplexe Kommunikationssituation und Vielstimmigkeit von Zeitschriften steht dabei in einem Spannungsverhältnis zu der Beobachtung, dass in der Intellectual History – aus forschungstechnisch naheliegenden Gründen – starke Herausgeber:innen- und Autor:innenfiguren zentrale Rollen einnehmen. Die Zeitschrift tritt als Verkörperung der Intentionen ihrer Macher:innen auf, die sich der Zeitschrift als Organ der Umsetzung geistig-politischer Programmatiken bedienen. Was sich an den veröffentlichten Heften nicht immer ablesen lässt, zeigt der spätere Blick in die Archive. In Selbstzeugnissen und Briefwechseln werden Aushandlungsprozesse und Spannungsverhältnisse sichtbar, denen nicht zuletzt der Umgang mit der eigenen historischen Erfahrung und Verstrickung eingeschrieben und in denen der positive Bezug auf die neue demokratische Öffentlichkeit keineswegs immer ausgemacht war. Viele Akteure blickten mit Skepsis auf den Entstehungsprozess der zweiten parlamentarischen Demokratie in Deutschland, den sie mit Unsicherheit und Chaos verbanden.[3] Das sollte sich erst im Zuge der Konsolidierung der Bundesrepublik ändern, die sich im Medium Zeitschrift in ihrer Prozesshaftigkeit ebenso nachvollziehen lässt wie der Wandel von Bildungsvorstellungen und öffentlich-intellektuellen Kommunikationsweisen, die vielerorts noch von einem elitären Aufklärungsverständnis geprägt waren.

Die Zentralperspektive auf Intention und Selbstverständnis der »great editors«[4] und ihrer Autor:innen, die bestimmte Zeitschriftentypen wie das intellektuelle Kulturjournal oder Textsorten wie den Essay privilegiert, lässt sich, auch das ist eine Erkenntnis der Marbacher Tagung, durch dezentrierende Forschungen darüber ergänzen, was genau den Text der Zeitschrift hervorbringt bzw. die Möglichkeiten seiner Hervorbringung bestimmt. Dazu gehören nicht zuletzt die materiellen Bedingungen und Abhängigkeiten, die Auswahl, Zirkulation und Transfer von Text – und damit Öffentlichkeit – begünstigen oder einschränken. Die Zeitschrift wird so nicht nur als Dokument und Quelle der geistigen Situation ihrer Zeit, sondern als Akteurin, die dieser Situation periodisch Form gibt, lesbar. Den produktiven Austausch über solche methodischen Perspektiven und Zugriffe auf Dauer zu stellen, ist das fortlaufende Anliegen des Arbeitskreises Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung, der allen Interessierten zur Teilnahme offensteht. 

 

Der Historiker Moritz Neuffer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZfL, wo sein Projekt zur »Erforschung des persönlichen Archivs der Germanistin, Publizistin und Kulturhistorikerin Hildegard Brenner« von der DFG gefördert wird.

Der Germanist Morten Paul ist einer der Herausgeber des August Verlags und Lektor im Verlag Matthes & Seitz Berlin..

 

[1] Konzipiert wurde die Tagung von Anna Kinder (DLA Marbach), Barbara Picht (ZfL Berlin), Anke Jaspers (Universität Graz) sowie den Autoren dieses Beitrags. Referent:innen waren Rainer Bayreuther, Jan-Eike Dunkhase, Gunilla Eschenbach, Moritz Neuffer, Barbara Picht, Philipp Pabst, Roman Yos, Jens Hacke, Aleš Urválek und Paweł Zajas. Auf der Abendveranstaltung diskutierten Liliane Weissberg und Udo Bermbach über den Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Dolf Sternberger. Das Programm zum Nachlesen findet sich hier. – Im Rahmen der Tagung fand auch das Jahrestreffen des Arbeitskreises Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung statt, der sich methodischen und theoretischen Fragen der Erforschung periodischer Publikationen widmet. Dabei sprach Stefan Reiners-Selbach über die interaktive Erschließung von Zeitschriftenkorpora mithilfe digitaler Methoden und Petra Boden über die Geschichte interdisziplinärer Praxis im Spiegel von Fachzeitschriften. Das nächste Treffen des Arbeitskreises, der seit 2017 Wissenschaftler:innen unterschiedlicher Disziplinen zusammenbringt, findet voraussichtlich im Herbst 2022 statt.

[2] Gustav Frank/Madleen Podewski/Stefan Scherer: »Kultur – Zeit – Schrift. Literatur- und Kulturzeitschriften als ›kleine Archive‹«, in: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur 34.2 (2009), S. 1–45, hier S. 4.

[3] Zu dezidiert demokratiefeindlicher Publizistik nach 1945, die nicht Gegenstand der Marbacher Tagung war, vgl. Moritz Neuffer/Morten Paul: »Rechte Hefte. Zeitschriften der alten und neuen Rechten nach 1945«, in: Eurozine (Dossier Worlds of Cultural Journals), 7.11.2018.

[4] Matthew Philpotts: »What makes a great magazine editor? Seven theses on editorial plurality«, in: Eurozine, 4.5.2018.

 

VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Moritz Neuffer/Morten Paul: Periodische Formgebung. Zeitschriften und Öffentlichkeit in der frühen Bundesrepublik, in: ZfL BLOG, 9.6.2022, [https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2022/06/09/moritz-neuffer-morten-paul-periodische-formgebung-zeitschriften-und-oeffentlichkeit-in-der-fruehen-bundesrepublik/].
DOI: https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20220609-01

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Moritz Neuffer: PREKÄRE THEORIE, oder: Wer ist Hildegard Brenner? https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2021/01/14/moritz-neuffer-prekaere-theorie-oder-wer-ist-hildegard-brenner/ Thu, 14 Jan 2021 10:29:07 +0000 https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/?p=1673 »What makes a great magazine editor?«, fragte der britische Literaturwissenschaftler Matthew Philpotts kürzlich in einem Essay für Eurozine und stellte eine Typologie von Herausgebertypen auf, die in der Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts bedeutende Rollen spielten. In dieser Typologie finden sich charismatische und ›performative‹ Leitfiguren wie Herwarth Walden (Der Sturm) oder Karl Kraus (Die Fackel), nüchterne Weiterlesen

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»What makes a great magazine editor?«, fragte der britische Literaturwissenschaftler Matthew Philpotts kürzlich in einem Essay für Eurozine und stellte eine Typologie von Herausgebertypen auf, die in der Intellektuellengeschichte des 20. Jahrhunderts bedeutende Rollen spielten. In dieser Typologie finden sich charismatische und ›performative‹ Leitfiguren wie Herwarth Walden (Der Sturm) oder Karl Kraus (Die Fackel), nüchterne und bescheidene Verwalter wie Carl von Ossietzky (Die Weltbühne) oder Herbert Steiner (Corona), aber auch Jongleure zwischen diesen Extremen wie Peter Suhrkamp (Neue Rundschau) oder Jean Paulhan (Nouvelle Revue Française). Der einzelgängerische Criterion-Herausgeber T.S. Eliot wird dem ›kollektiven‹ Stil von Sartres Les Temps Modernes gegenübergestellt, während Thomas Mann als Co-Herausgeber von Mass und Wert wiederum dazwischen steht. Der Kanon der ›großen‹ verlegenden Männer legt den Gedanken nahe, dass Hildegard Brenner (*1927) in der intellektuellen Öffentlichkeit des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung darstellte.

Tatsächlich war die 1952 promovierte Germanistin, die zunächst als Journalistin und später als Professorin an der Universität Bremen arbeitete, in der Bundesrepublik Deutschland bis in die 1970er Jahre hinein die einzige Frau, die ein intellektuelles Journal von überregionaler Bedeutung herausgab. Von 1964 bis 1982 leitete sie in West-Berlin die Literatur- und Theoriezeitschrift alternative, die mit Heften zur materialistischen Ästhetik, zum Strukturalismus, zur Literatur der DDR, des Exils und der Arbeiterbewegung eine Auflage von bis zu 10.000 Exemplaren pro Nummer erreichte. Der Erfolg gründete zum einen auf weitreichenden Verbindungen nach Paris und Potsdam, Riga und Rom, hinein in Verlage und Zeitschriftenredaktionen, akademische Institutionen und dissidente Zirkel. Er verdankte sich aber wohl ebenso dem strengen Stil, mit dem Brenner einstigen Redaktionsmitgliedern im Gedächtnis geblieben ist: »Ein Gedanke pro Satz genügt!«, erinnert sich Helmut Lethen, 1966 und 1967 Redakteur der Zeitschrift, in seiner jüngst erschienenen Autobiografie an das oberste Gebot seiner damaligen »Chefin«.[1]

Obwohl Zeitgenossen wie Lethen und sein Mitredakteur Heinz Dieter Kittsteiner gelegentlich an Brenner erinnert haben,[2] ist ihr Name nur wenigen geläufig. Dabei hinterließ sie Spuren in der Geschichte der Kritischen Theorie, als sie in der alternative die Editionspolitik von Theodor W. Adorno, Rolf Tiedemann und Peter Unseld kritisierte und eine »wissenschaftliche Öffentlichkeit« für die nachgelassenen Schriften Walter Benjamins forderte.[3] Ebenso wird in der Forschung zum Nationalsozialismus gelegentlich ihr Buch Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus zitiert, das 1963 in der populären Sachbuchreihe rowohlts deutsche enzyklopädie erschien und damaligen Rezensenten als eine der besten Analysen der Zerschlagung und Gleichschaltung der Kultur unter dem Hakenkreuz galt. Andere Arbeiten und Aktivitäten Brenners hingegen sind kaum bekannt, geschweige denn erforscht – was auch der Tatsache geschuldet ist, dass sie sich nach der Einstellung der alternative im Jahr 1982 fast vollständig aus der intellektuellen Öffentlichkeit zurückzog. Auch im Internationalen Germanistenlexikon ist ihr kein Eintrag vergönnt.

Abb. 1, Vorlass Hildegard Brenner; Foto: Dirk Naguschewski/ZfL

In Anlehnung an eine Begriffsprägung aus der Ideengeschichte der Frühen Neuzeit ließe sich Brenners Lebenswerk somit als ein Fall »prekären« Wissens betrachten, dessen Fortbestand unsicher und ungesichert ist.[4] Der umfangreiche persönliche Vorlass, der im Jahr 2019 dem Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung zur Sichtung übergeben wurde (Abb. 1), ermöglicht es nun, im Rahmen eines von der DFG geförderten Forschungsprojekts Brenners Rolle als Wissenschaftlerin und Herausgeberin erstmals zu ergründen. Die dafür zu erschließenden Materialien umfassen Manuskripte, Korrespondenzen, Verlagsdokumente, Zeitungsausschnitte, Tonbänder und vieles Weitere, was den Redaktionsnachlass der alternative im Deutschen Literaturarchiv Marbach ergänzt.

Wovon aber lässt sich anhand eines intellektuellen Werdegangs wie desjenigen Hildegard Brenners erzählen, wenn er einmal rekonstruiert ist? Ein erster Problemkomplex liegt auf der Hand: Aus geschlechtergeschichtlicher Perspektive lässt sich insbesondere für die alte Bundesrepublik ein eklatanter Mangel an Studien zur Geschichte weiblicher Intellektueller ausmachen. Auffallend ist dabei, dass deren Situation und Repräsentation bereits zu Brenners eigenen Arbeitsinteressen gehörten: Sie gab die bis heute einzige deutschsprachige Edition von Texten der lettischen Dramaturgin und Theatertheoretikerin Asja Lācis (1891–1979) heraus, die ohne diese Publikation hauptsächlich als Co-Autorin Walter Benjamins und aus dessen Essay über das proletarische Kindertheater bekannt wäre. Ebenso war Brenner daran gelegen, das Werk der Kunsttheoretikerin und Schriftstellerin Lu Märten (1879–1970) in Erinnerung zu halten. Der Vorlass zeugt damit von publizistischen und archivischen Möglichkeiten, mit der Marginalisierung von Autorinnen in der Intellektuellengeschichte umzugehen.

In der Generation der Achtundsechziger, deren Traditionsbezüge Brenner maßgeblich mitprägte, nahm sie eine Sonderstellung ein. 1927 geboren, war sie im Schnitt zehn bis fünfzehn Jahre älter als die studentischen Redakteur*innen der alternative, für die sie damals die Funktion einer Mentorin hatte. So vermittelte Brenner zwischen älteren theoretischen Traditionen und den Ansätzen der sich ab ca. 1960 formierenden Neuen Linken. Ihr theoretisches Interesse galt immer auch den historischen Erfahrungen, die Intellektuelle wie Karl Korsch, Carl Einstein oder Walter Benjamin, die in den 1960er Jahren wiederentdeckt wurden, in ihren Theorien verarbeitet hatten. Brenners Erlebnisse in den Kulturbetrieben des geteilten Nachkriegsdeutschland verliehen ihr ein praktisches Wissen über Verquickungen von Ästhetik und Politik, das sie zu einer Instanz im Umfeld der Studentenbewegung werden ließ. Zu ihren prägenden Arbeitserfahrungen, die sie auch mangels akademischer Festanstellung in den 1950er Jahren gemacht hatte, gehörten eine Hospitanz bei Bertolt Brecht am Berliner Ensemble und ihre freie Tätigkeit für den Hessischen und den Süddeutschen Rundfunk, für die sie über die Theater- und Intellektuellenszene in Ostberlin berichtete.

Da Hildegard Brenners Werk in einer außergewöhnlichen Vielfalt akademischer und journalistischer, monografischer und kollaborativer Schreibweisen vorliegt, stellt ihr Vorlass ein wichtiges Quellenkorpus an der Schnittstelle von Medien- und Intellektuellengeschichte dar. Theoretische Schriften zirkulierten ab den 1950er Jahren zunehmend in schnelllebigen, leicht zugänglichen Publikationsformen wie Zeitschriften, Taschenbüchern, Broschüren oder Raubdrucken, und in der Medienlandschaft der Nachkriegsgesellschaften wurden die Zeitung, das Radio und das Fernsehen vermehrt als Orte des Transfers zwischen akademischer Wissenschaft und Öffentlichkeit eingesetzt. Ihr persönliches Archiv dokumentiert, wie Brenner diese Vielfalt medialer Möglichkeiten über Jahrzehnte hinweg nutzte.

Vor diesem Hintergrund lässt sie sich in mehrfacher Hinsicht als Akteurin eines intellektuellen Formenwandels begreifen, dem die Ideen- und Intellektuellengeschichte allerdings noch lange hinterherhinkte: Bei denjenigen Intellektuellen, die sich weniger durch das ›große‹ Werk exponierten als durch editorische, dokumentarische und journalistische Tätigkeiten, verstärkt derartige publizistische Vielseitigkeit die Gefahr der Vernachlässigung durch die Geschichtsschreibung – es sei denn, sie werden irgendwann als ›große‹ Herausgeberfiguren kanonisiert. Wem diese Aufmerksamkeit zuteilwird, ist eine Frage von Interesse und Auswahl. Vor diesem Hintergrund erscheint es geboten, Hildegard Brenners Archiv in zweifacher Absicht zu erschließen: nicht nur, um ihren Platz im Kanon der »great editors« zu bestimmen, sondern auch, um der Geschichte dieses Kanons selbst zu begegnen.

Der Historiker Moritz Neuffer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am ZfL, wo sein Projekt zur »Erforschung des persönlichen Archivs der Germanistin, Publizistin und Kulturhistorikerin Hildegard Brenner« von der DFG gefördert wird.

[1] Helmut Lethen: Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug. Erinnerungen, Berlin 2020, S. 382.

[2] Heinz Dieter Kittsteiner: »Unverzichtbare Episode. Berlin 1967«, in: Zeitschrift für Ideengeschichte 2 (2008) 4, S. 31–44, insb. S. 31.

[3] Vgl. Redaktion alternative: »Zu diesem Heft«, in: alternative 56/57 (1968), S. 47.

[4] Mit dem Begriff des »prekären Wissens« erfasst Martin Mulsow (Prekäres Wissen. Eine andere Ideengeschichte der Frühen Neuzeit, Berlin 2012, S. 14f.) den ungesicherten Status von materiellen Wissensträgern, aber auch von gesellschaftlich marginalisierten Gelehrten, ihren Sprecherrollen und Aussagen.

 

VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Moritz Neuffer: Prekäre Theorie, oder: Wer ist Hildegard Brenner?, in: ZfL BLOG, 14.1.2021, [https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2021/01/14/moritz-neuffer-prekaere-theorie-oder-wer-ist-hildegard-brenner/].
DOI: https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20210114-01

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ZUR MEDIENÖKOLOGIE DER NEUEN RECHTEN. Moritz Neuffer und Morten Paul im Gespräch https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2019/08/05/zur-medienoekologie-der-neuen-rechten-moritz-neuffer-und-morten-paul-im-gespraech/ Mon, 05 Aug 2019 09:52:11 +0000 https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/?p=1175 Für die Juli-Ausgabe von »39Null – Magazin für Gesellschaft und Kultur« (7/2019) hat Katharina Rahn mit Moritz Neuffer und Morten Paul über die Neue Rechte, Medien und Fragen der Öffentlichkeit gesprochen. Zusammen mit weiteren Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen haben die beiden 2017 den Arbeitskreis »Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung« gegründet. Im daraus hervorgegangenen Eurozine-Dossier »Worlds of Cultural Journals« wurde Weiterlesen

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Für die Juli-Ausgabe von »39Null – Magazin für Gesellschaft und Kultur« (7/2019) hat Katharina Rahn mit Moritz Neuffer und Morten Paul über die Neue Rechte, Medien und Fragen der Öffentlichkeit gesprochen. Zusammen mit weiteren Geistes- und Kulturwissenschaftler*innen haben die beiden 2017 den Arbeitskreis »Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung« gegründet. Im daraus hervorgegangenen Eurozine-Dossier »Worlds of Cultural Journals« wurde 2018 ihr Aufsatz »Rechte Hefte. Zeitschriften der alten und neuen Rechten nach 1945« veröffentlicht.

39NULL: In eurem Artikel »Rechte Hefte« zitiert ihr eingangs eine Rede des AfD-Politikers Björn Höcke, die er im November 2017, kurz nach der für seine Partei so erfolgreichen Bundestagswahl, bei einer Konferenz der Zeitschrift »Compact« hielt: Unter anderem ausgehend vom Internet und den sozialen Medien habe sich eine Oppositionsbewegung entwickelt, die mittlerweile auch »in der Realität« von Politik, Bürgerbewegungen und traditionellen Printmedien angekommen sei. Was macht diese Neue Rechte aus und wie nutzt sie traditionelle Printmedien?

Morten Paul: Für mich ist die Neue Rechte zunächst ein Sammelbegriff. Er bezeichnet extrem rechte Positionen, die sich von einer direkten Kontinuität zum Nationalsozialismus absetzen. Die Neue Rechte betont ihren theoretischen Bezug auf Denker der Zwischenkriegszeit wie den Philosoph Martin Heidegger, den Rechtstheoretiker und Juristen Carl Schmitt oder den Schriftsteller Ernst Jünger. Deren Beteiligung am NS wird dagegen verharmlost. Es handelt sich bei der Abgrenzung der Neuen Rechten von der alten Rechten also auch um eine Selbstinszenierung, der man nicht aufsitzen darf. Damit geht aber außerdem eine Verschiebung der politischen Strategie einher: Der Neuen Rechten geht es – sie beruft sich dabei auf den französischen Rechtsintellektuellen Alain de Benoist – zunächst nicht darum, Wahlen zu gewinnen oder die Straße zu erobern. Sie wollen das prägen, was sie als metapolitischen Raum bezeichnen und was wir vereinfachend als Öffentlichkeit beschreiben können. Damit wird die zentrale Bedeutung der Publizistik für diese Strategie unmittelbar einsichtig.

Moritz Neuffer: Die Neue Rechte hat sich ideologisch vor allem seit den 1970er-Jahren formiert. Es lässt sich aber auch nachzeichnen, dass sie kein gänzlich »neues« Phänomen ist, sondern in ideologischer und auch personeller Kontinuität zur alten Rechten steht. Sie grenzt sich vom historischen Nationalsozialismus oder vom Neonazismus ab, um ihre Ideen gesellschaftsfähig zu machen. Dazu gehört, dass ihre Vertreter in der Regel zum Beispiel nicht explizit negativ auf Jüdinnen und Juden Bezug nehmen – sondern sich sogar als deren Verteidiger gegenüber dem Islam darstellen, und sich damit selbst vom Antisemitismus freisprechen. Neurechte nationale oder völkische Souveranitätsvorstellungen arbeiten aber mit Ausschlüssen, Feindbildern oder Verschwörungstheorien, die im Kern antisemitisch oder rassistisch strukturiert und motiviert sind. Zwischen Sprachregelungen, Codierungen und bewusstem Tabubruch kommen verschiedene Strategien zur Anwendung, um diese in der Öffentlichkeit oder der sogenannten gesellschaftlichen Mitte zu platzieren.
Dem Politikwissenschaftler Gideon Botsch nach hat sich das »nationale Lager« nach 1945 auch deshalb erhalten können, weil es quasi direkt nach Kriegsende ein neues Netz intellektueller und publizistischer Zirkel bildete: Verlage, Zeitschriften, Lesegruppen, Studienkreise, Kulturgemeinschaften und Gesprächsrunden. Und von diesem Netz profitierten später Akteure der frühen Neuen Rechten, wie zum Beispiel der Ethnopluralist Henning Eichberg, der in den 1960er-Jahren sein publizistisches Handwerk in der Zeitschrift »Nation Europa« lernte – unter Anleitung des ehemaligen SS-Sturmbannführers Arthur Erhardt, der die Zeitschrift 1951 gegründet hatte. So haben Medien immer wieder dazu beigetragen, Kontinuitäten und Übergänge innerhalb des rechten Lagers zu ermöglichen.

Für Höcke bildet das Trio Bürgerbewegung-Publizistik-Partei die Stützpfeiler einer neuen »Gegenkultur«. Gibt es diese denn wirklich?

MN: Die Wahl des Begriffs »Gegenkultur«, den Björn Höcke selbst benutzt, mag auf den ersten Blick irritieren: Ebenso wie die »Alternative« wird der Begriff ja traditionell mit linker Politik assoziiert. Was Höcke darunter versteht, lässt sich seinen Äußerungen zur Rolle des Internets für die Meinungsbildung entnehmen: Versprochen wird ein fundamentaler Bruch mit der Mainstream-Öffentlichkeit, die als monolithisch imaginiert wird, und zu der neben »Kartellparteien« auch »Systemmedien« gehören, womit die Altparteien und klassischen deutschen Medien gemeint sind. Dagegen positionieren sich neurechte Autoren, Blogger, Youtuber als Wahrheitskämpfer und Augenöffner.

Wie wichtig sind scheinbare Nebenspieler, die von Vertreter*innen der Neuen Rechten instrumentalisiert werden? Birgit Kelle zum Beispiel publiziert seit Jahren im näheren Umfeld der »Jungen Freiheit«, schreibt aber auch für »Welt« und »Focus« gegen den von ihr so betitelten Genderwahn an – obwohl sie nicht offiziell Teil der Neuen Rechten ist. Ist Kelle ein Einzelphänomen?

MP: Solche Übersetzerinnen- oder Vermittlerfiguren spielen eine zentrale Rolle. Denn für die Wirkung rechter Medien ist letztlich ihr Zusammenspiel entscheidend, vom Kleinstverlag über abgelegene Theoriezeitschriften, popularisierende Wochenzeitungen, von Blogs über Kolumnen in etablierten Medien, von Twitterfeeds und Trollarmeen zu Thinktanks und Stiftungen, die sich gegenseitig eine Plattform geben, legitimieren und popularisieren. Wir nennen das eine Medienökologie rechter Publizistik. Ich wäre aber sehr vorsichtig, von Instrumentalisierung zu sprechen, denn das suggeriert ja, jemand würde sich von jemand anderem ausnutzen lassen, handle aber selbst in guter Absicht. Man müsste eher danach fragen, was die gegenseitigen Interessen am Bezug aufeinander sind.

MN: Gleichzeitig gießen Massenmedien selbst Wasser auf die Mühlen der Neuen Rechten, indem sie antifeministische Debatten oder Polemiken gegen »Gender-Unfug« gezielt publizieren, weil Tabubrüche Aufmerksamkeit – und damit Klicks und Verkaufszahlen – generieren. Es bekommen aber auch Leute Kolumnen in der bürgerlichen Presse, die unverhohlener den neurechten Rand bedienen, wie zum Beispiel Don Alphonso in der »Welt«, der andere Journalisten schon mal als sogenannte »Systemredakteure« bezeichnet und sich mit Birgit Kelle die thematische Vorliebe für »GenderGaga« teilt.

Viele Menschen scheinen sich nicht mehr von den traditionellen Volksparteien vertreten zu fühlen. Vor diesem Hintergrund scheint es Programm zu sein, dezidiert linke Begriffe wie »Pluralismus«, »Meinungsfreiheit« nach rechts umzupolen und als »Alternative« zum angeblichen Diktat der sogenannten »Systemparteien« anzubieten.

MP: Tatsächlich kann es sein, dass in einer Zeit, in der die bestehenden demokratischen Institutionen und die Presse einem grundsätzlichen – aus meiner Sicht oft auch berechtigten – Misstrauen ausgesetzt sind, deren einfache Ablehnung dem rechten Projekt in die Hände spielt. Die Durchsetzung des Neoliberalismus als politische Doktrin und Gesellschaftsmodell hat dazu geführt, dass die bestehenden Formen der Organisation des gesellschaftlichen und politischen Lebens wie Gewerkschaften, politische Parteien und so weiter – wie problematisch diese vielleicht selbst auch waren – sich zunehmend auflösen. Wie man darauf reagiert – ob man sich selbst neu organisiert, am Wahlsonntag einfach im Bett liegen bleibt oder eben seine Stimme der AfD gibt –, bleibt aber eine Entscheidung. Es macht rechte Positionen natürlich attraktiver, wenn sie sich als Widerstand gegen den Mainstream inszenieren können, auch wenn sie das in den seltensten Fällen sind. Ich würde deshalb sagen, dass es um die bei der Kritik angelegte Perspektive geht. Eine linke Position tritt dafür ein, dass Menschen ihr Leben selbst gestalten können, es geht also immer auch um mehr demokratische Mitbestimmung. Eine rechte Position ordnet diese Selbstbestimmung letztlich immer einer anderen Instanz unter, die dann oft naturalisiert wird: Familie, Volk, Nation, Rasse, Gott oder meinetwegen auch Schicksal.
Björn Höcke spricht offen aus, den Staat und seine Apparate erobern zu wollen. Da geht es darum, die Bundeswehr, die Polizei zu übernehmen und in Institutionen zu sitzen, also nicht um weniger, sondern um mehr Herrschaft und Führung. Auch in der Wahnidee, die Medien seien gesteuert – daher die Rede von den »Systemmedien« – drückt sich ja vor allem der Wunsch aus, selbst an den Reglern zu sitzen.

Die Idee von Political Correctness ist in der Intention zutiefst demokratisch. Wenn wir sexistische oder rassistische Worte nicht mehr sagen – so die Hoffnung –, hören Stereotype in den Köpfen auf zu existieren. Nun scheinen sich die Negativseiten der Bemühungen abzuzeichnen. Einerseits inszenieren sich auch Rechte als durch »Zensur« vom Diskurs ausgegrenzte Opfer, wie die AfD es immer wieder getan hat. Andererseits gibt es an manchen Stellen tatsächlich Zweifel über die richtigen Bezeichnungen.

MN: Es ist so etwas wie der Gründungsmythos des neurechten Weltbildes, dass immer die Hegemonie des Gegners, also so etwas wie eine links-grüne Diskurshoheit behauptet wird, die angeblich seit 68 herrscht und den »gesunden Menschenverstand« und die Meinungsfreiheit unterdrücke.

Dass Political Correctness überhaupt in aller Munde ist, ist also eine Inszenierung von rechts?

MP: Ich würde sogar darauf bestehen, dass der Begriff »Political Correctness« eine Erfindung von rechts ist. Niemand sagt ja über sich: Ich bin politisch korrekt, sondern das wird immer nur abwertend über andere gesagt, und zwar, um Kritik nicht einmal mehr auf ihre Berechtigung prüfen zu müssen, sondern gleich entsorgen zu können. Das ist meiner Ansicht nach auch der Grund, warum diese Rede von der Political Correctness in vielen Mainstream-Medien so gerne aufgenommen wurde. Sprachpolitik, also das Ringen darum, was man sagt und vor allem auch wie man es sagt, ist aber ein zentraler Bestandteil jeder emanzipatorischen Politik.

Sollten wir Diskussionen eher anfeuern, um Populismus und Halbwahrheiten herauszustellen, oder ist es besser, sie zu blockieren?

MP: Es ist keine Zensur, wenn mal jemand nicht eingeladen ist oder wenn mal eine Veranstaltung an einem bestimmten Ort nicht stattfinden kann. Oder anders herum gedreht: So eine »Zensur«, wenn man es denn so nennen will, findet ohnehin die ganze Zeit statt, weil Institutionen und Medien immer auswählen, wer zu Wort kommt und wer nicht und was sichtbar ist und was nicht – und diese Kriterien sind ja in den seltensten Fällen transparent oder gar in demokratischen Entscheidungsfindungsprozessen gewonnen.

Zuletzt hat die feministische Autorin Margarete Stokowski eine Lesung in einer Buchhandlung abgesagt, weil dort Bücher rechter Autor*innen vertreten waren. Daraufhin ist eine Debatte entfacht, ob und inwiefern Buchläden rechtes Gedankengut verkaufen und verbreiten sollen.

MP: Man sollte diese Bücher jedenfalls auf keinen Fall kaufen, wenn schon dann klauen! Ich will dem Betreiber der Buchhandlung gar nicht seine aufklärerische Absicht absprechen. Aber wer die Bücher extrem rechter Verlage verkauft, unterstützt dadurch immer auch extrem rechte Strukturen, und zwar nicht nur dabei, weiter rassistischen und sexistischen Einstellungen eine Plattform zu geben, sondern eben oft auch in ihrer Zusammenarbeit mit faschistischen Organisation und Parteien. Lesen kann man das natürlich schon. Man wird dann allerdings in vielen Fällen feststellen, dass das nicht so furchtbar interessant ist, wie es der Nimbus des Verbotenen oder Gefährlichen zunächst verspricht. Aber das ist ja dann vielleicht eine heilsame Enttäuschung.

MN: Wer will, findet diese Bücher und Zeitschriften ja auch in staatlichen Bibliotheken oder antifaschistischen Dokumentationszentren. Ich glaube, dass es wichtig ist, vor sich selbst darüber Rechenschaft abzulegen, ob man rechte Theorie zum Beispiel historisch oder soziologisch befragen will, oder ob man das nur tut, weil sie irgendwie gefährlich und faszinierend erscheint.

Zur Erhaltung der Meinungsfreiheit gehört also auch eine bestimmte Auswahl.

MN: Meinungsfreiheit ist mit der Neuen Rechten eben auch ein instrumentalisierter Begriff geworden, der zur Selbstinszenierung als Diskursopfer dient. Die Forderung nach völliger Neutralität oder Objektivität von Medien zielt letztlich auf die Abschaffung der kritischen Öffentlichkeit und des Rechts, sich in den Medien gegen die Rechte zu positionieren. Hinter der Behauptung, die anderen würden zensieren oder manipulieren, steht letztlich die Absicht, eigene Vorstellungen darüber durchzusetzen, wer ausgeschlossen werden sollte – und zwar dann nicht nur aus den Medien, sondern aus der Gesellschaft.

Am Ende der neurechten Ideen steht folglich keine Erweiterung der Öffentlichkeit, sondern deren Auflösung. Besteht tatsächlich akut die Gefahr einer Meinungsverschiebung, indem rechte Inhalte populärer und anschlussfähiger werden und sich der Diskurs so immer mehr in die Mitte verlagert?

MP: Einerseits ja, Beispiele haben wir ja schon genannt. Mit der AfD konnte sich außerdem eine rassistische, in Teilen völkische Partei etablieren. Sie hat mit ihrem Einzug in die Länderparlamente und den Bundestag Zugriff auf ganz andere Plattformen und Mittel als zuvor. Andererseits ist zumindest mein Eindruck, dass der öffentliche Diskurs in den letzten Jahrzehnten vielfältiger und teilweise nuancierter geworden ist. Gesellschaftlich marginalisierte Gruppen, People of Colour, Queers, Menschen mit Migrationsgeschichten, haben sich – wenigstens ein Stück weit – Gehör verschafft. Dank ihrer Kämpfe herrscht mehr Sensibilität für Ausgrenzung und Benachteiligung, aber auch schlicht mehr Realitätssinn, also Sinn für die Komplexität unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das reicht nicht, aber man muss auch aufpassen, sich nicht von einer Katastrophenstimmung lähmen zu lassen. Gesellschaftliche Entwicklungen sind umkämpft. Wir – besonders diejenigen, die aufgrund ihrer Position und Privilegien dafür die gesellschaftlichen Ressourcen haben – haben die Verpflichtung, uns zu solidarisieren, Fortschritte zu verteidigen und auszubauen.

 

Moritz Neuffer ist Stipendiat am ZfL mit dem Dissertationsprojekt Die journalistische Form der Theorie. Zeitschriftenpublizistik und Theoriebildung in den 1950er bis 1970er Jahren. Morten Paul ist Lektor im Berliner August Verlag. Zusammen mit Anke Jaspers und Claudia Michalski hat er 2018 den Band »Ein kleines rotes Buch« (Matthes & Seitz) zur Geschichte der sogenannten Mao-Bibel in Westdeutschland herausgegeben.

Die Veröffentlichung des Interviews auf dem ZfL Blog erfolgt mit freundlicher Genehmigung durch Katharina Rahn und 39NULL.

 

VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Zur Medienökologie der neuen Rechten. Moritz Neuffer und Morten Paul im Gespräch, in: ZfL BLOG, 5.8.2019, [https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2019/08/05/zur-medienoekologie-der-neuen-rechten-moritz-neuffer-und-morten-paul-im-gespraech/].
DOI: https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20190805-01

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Patrick Eiden-Offe/Moritz Neuffer: WAS IST UND WAS WILL KULTURWISSENSCHAFTLICHE ZEITSCHRIFTENFORSCHUNG? https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2018/11/19/patrick-eiden-offe-moritz-neuffer-was-ist-und-was-will-kulturwissenschaftliche-zeitschriftenforschung/ Mon, 19 Nov 2018 10:01:45 +0000 http://www.zflprojekte.de/zfl-blog/?p=893 Inmitten der verheerenden Weltwirtschaftskrise fassten Walter Benjamin und Bertolt Brecht 1929/30 den Plan, eine Zeitschrift zu gründen. Sie sollte Krisis und Kritik heißen und sich nicht nur der »Krise auf allen Gebieten der Ideologie« annehmen, sondern selbst, mit den Mitteln der Kritik, Krise produzieren: »Aufgabe der Zeitschrift ist es, diese Krise festzustellen oder herbeizuführen«, schrieb Weiterlesen

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Inmitten der verheerenden Weltwirtschaftskrise fassten Walter Benjamin und Bertolt Brecht 1929/30 den Plan, eine Zeitschrift zu gründen. Sie sollte Krisis und Kritik heißen und sich nicht nur der »Krise auf allen Gebieten der Ideologie« annehmen, sondern selbst, mit den Mitteln der Kritik, Krise produzieren: »Aufgabe der Zeitschrift ist es, diese Krise festzustellen oder herbeizuführen«, schrieb Benjamin an seinen Freund Brecht.[1] Ihr reger Austausch über potentielle Themen, Schreibweisen und Beitragende offenbart, dass Benjamin und Brecht nicht nur die Inhalte, sondern auch die sozialen und operativen Dimensionen ihres – letztlich niemals realisierten – Projektes im Blick hatten. Krisis und Kritik, so ihre Überzeugung, würde »die bisher leere Stelle eines Organs einnehmen, in dem die bürgerliche Intelligenz sich Rechenschaft von den Forderungen und den Einsichten gibt, die einzig und allein ihr unter den heutigen Umständen eine eingreifende, von Folgen begleitete Produktion im Gegensatz zu der üblichen willkürlichen und folgenlosen gestatten«.[2]

Benjamins und Brechts Theoretisierung des Zeitschriftenmachens zeigt, dass ihre Wahl genau dieser Waffe der Kritik keine willkürliche war. Das Medium Zeitschrift sahen sie nicht als neutralen Container, sondern als ein durchaus vitales »Organ« eigener Bauart und Wirkweise. Der Einsicht, dass die Zeitschrift kein simpler »cargo truck« für intellektuelles Frachtgut ist, wird inzwischen auch in der Forschung Rechnung getragen.[3] Damit wird nachgeholt, was für die history of books schon längst selbstverständlich ist: Zeitschriften weisen Eigenlogiken auf, die kultur- und wissensgeschichtlich untersucht werden können und sollten. Nicht zuletzt sind sie immer auch Interventionen in eine spezifische historische Situation. Davon zeugt das Beispiel Krisis und Kritik eindrücklich: Die »Krise festzustellen oder herbeizuführen« war eine radikale Antwort auf die Frage Was können, was sollen und was wollen Zeitschriften?

Periodika sind in der Geschichte der Ideen und Theorien, der Künste und der Wissenschaften der Neuzeit allgegenwärtig, und gerade deshalb sind sie theoriebedürftig. Der Arbeitskreis Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung hat sich 2017 als Initiative von und für Nachwuchsforscher*innen gegründet, die über Perspektiven auf diesen selbstverständlich-unselbstverständlichen Gegenstand nachdenken. In den letzten Jahren hat es methodisch und theoretisch einige Neuansätze zu einer Zeitschriftenforschung gegeben. Der interdisziplinäre Arbeitskreis – die Mitglieder stammen aus den Literatur-, Kunst- und Kulturwissenschaften, aus der Soziologie und Politologie, aus der Geschichts- und der Medienwissenschaft – verzichtet bewusst darauf, die verschiedenen Zugänge zu homogenisieren. Stattdessen wollen wir intellektuellen- und ideengeschichtliche, medien- und wissensgeschichtliche Perspektiven in eine produktive Beziehung setzen. Die bisherigen Jahrestreffen (2017 am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung in Berlin, 2018 am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen) boten Raum für erste Diskussionen über theoretische und methodische Grundierungen des Feldes und Einblicke in die Quellenkorpora aktueller Forschungen. Das Spektrum reichte dabei thematisch vom Untergrund der Selbstpublizistik bis zum Höhenkamm akademischer Elitenkulturen, chronologisch von der Aufklärung bis zur Gegenwart.

Als ein erstes Produkt der gemeinsamen Arbeit ist nun auf der Website des internationalen Kulturzeitschriftenverbands Eurozine ein mehrsprachiges Dossier zum Thema The worlds of cultural journals erschienen. Den dort frei abrufbaren Essays ist bei aller Diversität gemeinsam, dass sie die genuin politische Dimension des Zeitschriftenmachens – und vielleicht auch des Zeitschriftenforschens? – ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücken. Gerade Kulturzeitschriften – »a somewhat awkward placeholder term for periodicals between the arts, the sciences and politics«, so das Editorial des Dossiers – können als Medien betrachtet werden, in denen sich ein politisches Krisen-, ja vielleicht sogar ein epochales Schwellenbewusstsein formiert und Ausdruck verschafft. Wie dies in konkreten historischen und regionalen Kontexten aussehen kann, zeigt beispielsweise der Beitrag von Yvonne Albers über Mawaqif, die bedeutendste arabische Kulturzeitschrift der 1960er und 1970er Jahre, Diskussionsort französischer Theorie und Forum engagierter Intellektueller in konfliktreichen Zeiten. Auch Sven-Eric Liedmans Essay über Ord & Bild, die älteste schwedische Kulturzeitschrift, die 2017 ihr 125jähriges Jubiläum feierte, und Waldemar Kuligowskis Auseinandersetzung mit der polnischen Zeitschriftenlandschaft nach 1989 zeigen, wie Zeitschriften auf Zeitenwenden reagieren und zugleich ihre eigenen Zeiten – Eigenzeiten – ausbilden.

Zeitschriften, und speziell Kulturzeitschriften, formieren und informieren die Öffentlichkeit, wirken dabei aber nicht nur nach außen. Eine Zeitschrift ist, als intellektueller Produktionszusammenhang, selbst ein prekäres soziales Gebilde, das sehr verschiedene Formen annehmen und seinerseits in Krisen und Zusammenbrüche treiben kann. Die Geschichte der meisten Periodika könnte als eine von Zerwürfnissen und Neuaufbrüchen – »Start, stop, begin again« (Yvonne Albers) – erzählt werden: Das Machen von Zeitschriften ist ein kollektiver Prozess, Kreise von Zeitschriftenmacher*innen sind oft auch Freundschaftsbünde. Dass dies gerade im Kontext der politischen und ästhetischen Avantgarden des 20. Jahrhunderts nicht immer trennscharf zu unterscheiden ist, beschreibt Beatriz Colomina in ihrem Beitrag, in dem sie ›kleine‹, ephemere Architekturzeitschriften der 1960er und 1970er Jahre in den Blick nimmt.

Die unhintergehbare Kollektivität des Denkens und Schreibens, die beim Zeitschriftenmachen sichtbar wird, kann dazu führen, dass Zeitschriftenmacher*innen – oder Macherinnen – sich dezidiert als Kollektiv verstehen und ›ihre‹ Zeitschrift auch zum Austragungsort von Widersprüchen werden lassen. Dies zeigt Katharina Lux an der linken feministischen Zeitschrift Die Schwarze Botin, die von 1976 bis 1987 in Westberlin produziert wurde. Zumeist aber wird Kollektivität eher als ein Problem betrachtet, das von ›großen‹ Machern gelöst wird – von »great editors«, deren intellektuelle Physiognomie Matthew Philpotts in seinem Beitrag nachzeichnet. Dass all diese Fragen, Widersprüche und Dynamiken nicht nur Fragen linker und liberaler Medien sind, liegt auf der Hand: Morten Paul und Moritz Neuffer weisen in ihrem Beitrag nach, dass Zeitschriften, als zumindest mittelfristig stabile Plattformen, Übergänge zwischen alten Nazis und Neuen Rechten in der BRD und über sie hinaus ermöglichten.

Der Arbeitskreis Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung wird sich als Forum des Austauschs und der fachübergreifenden Debatte weiterhin einmal jährlich treffen; eine Mailingliste steht allen Interessierten auf Nachfrage offen. Neben dem Austausch über laufende Projekte sehen wir den Arbeitskreis als einen Ort, an dem eine kritische Reflexion geisteswissenschaftlicher Praxis stattfinden kann. Schließlich waren Zeitschriften seit jeher auch Medien der Selbstbefragung und Selbstvergewisserung zwischen intellektuellen Sphären und ihrem Außen – oder, anders ausgedrückt, Medien der Rechenschaft über »Forderungen und Einsichten«, wie es bei der von Benjamin und Brecht geplanten Zeitschrift der Fall sein sollte. Das Dossier The worlds of cultural journals ist ein erster Schritt, um Reflexionsprozesse intellektuellen und politischen Handelns über Zeiten und Räume hinweg aufeinander zu beziehen – und die Zeitschrift als Krisenmedium theoretisch zu erschließen.

[1] Erdmut Wizisla: Benjamin und Brecht. Die Geschichte einer Freundschaft. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2004, S. 130. Vgl. auch Roman Léandre Schmidt: »Utopisch scheitern. Zwei Zeitschriftenprojekte«, in: Eurozine, 26.05.2010.

[2] Walter Benjamin: Memorandum zur Zeitschrift ›Krisis und Kritik‹, zitiert nach Wizisla: Benjamin und Brecht, S. 115.

[3] Jeffrey J. Williams: »The Rise of the Theory Journal«, in: New Literary History 40 (2009) 4, S. 683–702, hier S. 687.

Der Germanist Patrick Eiden-Offe arbeitet am ZfL im Forschungsprojekt Theoriebildung im Medium von Wissenschaftskritik, Moritz Neuffer ist Stipendiat des ZfL-Doktorandenprogramms mit dem Projekt Die journalistische Form der Theorie. Zeitschriftenpublizistik und Theoriebildung in den 1950er bis 1970er Jahren. Beide sind Mitglieder des Arbeitskreises Kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung, an dem sich u. a. das Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (ZfL) und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen (KWI) beteiligen.

 

VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Patrick Eiden-Offe/Moritz Neuffer: Was ist und was will kulturwissenschaftliche Zeitschriftenforschung?, in: ZfL BLOG, 19.11.2018, [https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2018/11/19/patrick-eiden-offe-moritz-neuffer-was-ist-und-was-will-kulturwissenschaftliche-zeitschriftenforschung/].
DOI: https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20181119-01

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