»Die coolste ›Momfluencerin‹ kommt aus Wien«, titelte kürzlich die österreichische Tageszeitung Die Presse und die Kolumnistin der Wiener Wochenzeitung Falter bestätigte: »Stefanie Sargnagel als Mutter ist genau das, was Frauen 2026 gebraucht haben.«[1] Wer der Wiener Autorin und Satirikerin in den sozialen Medien folgt, hat in der Tat längst mitbekommen, dass Sargnagel[2] Anfang des Jahres Mutter geworden ist. Bereits in der Schwangerschaft postete sie Selfies von sich mit Babybauch; seit das Kind auf der Welt ist, meldet sie sich beinahe täglich in ihren Instagram-Stories zu Wort. Sie lässt ihre Follower:innen teilhaben an ihrem ersten Gang vor die Tür allein mit Baby, der ihr einen immensen Adrenalinschub beschert. Sie präsentiert ausführlich ihre neue Leidenschaft für Rosa- und Pastell-Töne, die das Baby mit seiner Vorliebe für Schwarzweiß-Grafiken völlig durcheinanderbringt. Und sie reflektiert halb ernst, halb ironisch über ihren neuen Alltag mit Säugling: »Höre nur noch Volksmusik und Schlager, weil ich vom Schlafentzug dumm und vom Baby glücklich bin.«[3] Was aber macht Sargnagels Umgang mit ihrer Elternschaft so »cool«? „Pola Groß: MUTTERSCHAFT UND POLITIK BEI STEFANIE SARGNAGEL“ weiterlesen
Schlagwort: Gegenwartsliteratur
Hanna Hamel: LIZENZ ZUR LÜGE IM ANGESICHT DES NAHEN TODES. Highsmith und Houellebecq über Literatur
Auf meinem Schreibtisch liegen zwei Romane. Beide sind recht umfangreich, und die Lektüreerfahrungen ähneln sich. Nach der Hälfte stellt sich ein Gefühl von Enge ein; die Lust, die Bücher zu Ende zu lesen, nimmt ab. Aber obwohl das Erzählte zeitweise in verfestigten Bahnen zu laufen scheint, die ausweglosen Abläufe und möglichen Szenarien in der Lektüre fast absehbar sind, bleibt die Neugier – denn das kann es nicht gewesen sein, nicht bei dieser Autorin, nicht bei diesem Autor. Ab einem gewissen Moment, eher im letzten Drittel der Texte, bricht die enge Alltäglichkeit des erzählten Lebens angesichts unerwarteter Geschehnisse dann auch tatsächlich zusammen. Spätestens mit den abschließenden Seiten müssen das gesamte Erzählgeschehen und seine zentralen Figuren neu bewertet werden. Bei den zwei Büchern handelt es sich um Patricia Highsmiths Ediths Tagebuch (engl. Edith’s Diary, 1977) und Michel Houellebecqs gerade erschienenes Vernichten (frz. Anéantir, 2022).[1] „Hanna Hamel: LIZENZ ZUR LÜGE IM ANGESICHT DES NAHEN TODES. Highsmith und Houellebecq über Literatur“ weiterlesen
Pola Groß / Hanna Hamel: Neue Nachbarschaften? STIL UND SOCIAL MEDIA IN DER GEGENWARTSLITERATUR
»Manchmal entstehen große Textteile auf Twitter. Ich kommentiere dort, woran ich gerade arbeite, und probiere aus«, beschreibt Buchpreis-Gewinner Saša Stanišić in einem Interview seinen Umgang mit Twitter, »aber ich würde nie versuchen, Twitter in meinen Texten zu imitieren.«[1] Der Autor weist auf eine intrikate Verbindung von Social Media mit dem Prozess des literarischen Schreibens hin. Denn wenn, wie Stanišić angibt, »große Textteile« auf Twitter entstehen, haben soziale Medien von Beginn an einen wesentlichen Anteil an der Textproduktion – unabhängig davon, ob der spätere Roman Tweets mimetisch abbildet oder nicht. Das Phänomen der so genannten »Twitteratur« ist zwar bereits seit einiger Zeit bekannt, vielleicht sogar schon wieder überholt.[2] Was allerdings geblieben ist, das ist Twitter als Notizbuch, als Bühne für die literarische Selbstinszenierung und als Ort der sozialen – und möglicherweise auch stilistischen – Kontrolle. „Pola Groß / Hanna Hamel: Neue Nachbarschaften? STIL UND SOCIAL MEDIA IN DER GEGENWARTSLITERATUR“ weiterlesen