Anna Förster: THEORIE – ÜBERSETZUNG – GESCHICHTE

Sammelbände zu rezensieren ist eine notorisch schwierige Angelegenheit. Dies liegt – vor allem anderen – an ihrer programmatischen Heterogenität. Häufig wird vollkommen Disparates mit hohem argumentativem Einsatz zusammengespannt und unter das Dach einer im Grunde nicht ein- sondern lediglich zugeschriebenen Leitfrage gezwungen. Sehr viel seltener ist hingegen, dass Vielfalt und Unterschiedlichkeit seiner Zugänge, Standpunkte und Argumente dem Sammelband nicht zum Nachteil gereichen, sondern, im Gegenteil, sich mimetisch zur Unabgeschlossenheit einer aktuellen Diskussion verhalten. Genau so verhält es sich erfreulicherweise im Falle des von Wolfgang Hottner herausgegebenen Sammelbands Deutsch-französischer und transatlantischer Theorietransfer im 20. Jahrhundert (Stuttgart: J.B. Metzler, 2020). Denn die Diskussion über die Frage, welche Rolle Übersetzungsprozesse für die Theoriegeschichte spielen und welchen Stellenwert ihnen die Theoriegeschichtsschreibung einzuräumen habe, wird – von wenigen Ausnahmen abgesehen[1] – zumindest hierzulande erst seit Kurzem ernsthaft geführt. „Anna Förster: THEORIE – ÜBERSETZUNG – GESCHICHTE“ weiterlesen

Eva Geulen: STREIT UND SPIEL

Von den vielen Vorwürfen an die Adresse der Geisteswissenschaften trifft derjenige ins Herz unserer Fächer, der behauptet, dass wir das Streiten verlernt haben und diskussionsmüde den Konsens suchen. Wenn die Diagnose wirklich zutreffen sollte, dass wir uns nicht mehr streiten können oder wollen, dann wäre das in der Tat ein Armutszeugnis. Denn wir sind es doch, die sich Kritik und Dissens auf die Fahnen geschrieben haben. Deshalb und weil es in unseren Kontexten zwar gute und weniger gute Argumente gibt, aber keinen letzten Beweis, ist der Streit so etwas wie unser Lebenselixier. „Eva Geulen: STREIT UND SPIEL“ weiterlesen