DER FRAGEBOGEN: Wir fragen, Stefan Willer antwortet

Der Proust’sche Fragebogen dient traditionell dazu sich kennenzulernen, sei es in einem französischen Salon, wo er einst entstand, sei es auf der letzten Seite eines deutschen Magazins. Wir haben unseren eigenen Fragebogen für den ZfL-Blog entworfen. Hier antwortet jetzt Stefan Willer, einer der beiden Vizedirektoren des ZfL und Professor für Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Meine erste Hausarbeit während des Studiums handelte von …

… den Gedichten in Joseph von Eichendorffs Roman »Ahnung und Gegenwart«.

Das Schreiben der Dissertation war für mich …

… lange Zeit ein Auf und Ab aus Selbstzweifeln und Selbstvertrauen; zum Ende hin das merkwürdig schöne Gefühl, den selbst ausgelegten Spuren nur noch bis zum Ende folgen zu müssen.

Mein liebstes wissenschaftliches Buch:

»Roland Barthes par Roland Barthes«: Anverwandlung des Genres ›Einführung‹ auf die eigene wissenschaftliche Person, zugleich parodistisch und entwaffnend narzisstisch.

Von allen wissenschaftlichen Autor/inn/en beeindruckt mich am meisten …

Sigmund Freud: Mut ins Offene zu denken; Gewinnung immer neuer Möglichkeiten; luzide, aufrichtige Prosa.

Meine Lieblingsbibliothek:

Die Bibliothek des Deutschen Seminars in Göttingen Anfang der 1990er Jahre (während meines dortigen Germanistikstudiums).

Die Universität ist ein Ort …

… an dem sich Forschung und Lehre optimalerweise zum gegenseitigen Besten herausfordern.

Dürfte ich noch einmal von vorne beginnen, würde ich heute Folgendes studieren:

Evangelische Theologie (denke ich oft; letztlich aber wohl doch das Gleiche nochmal).

Wäre ich von allen Zwängen frei, würde ich gerne folgender Frage nachgehen:

Parallelen von Unparallelisierbarem (anhand von Beispielen, die ich noch für mich behalte).

Meine abseitigste Veröffentlichung?

Keine ist abseitig; sie kommen alle aus demselben Kopf und sind durch dieselben Hände gegangen.

Ein Wissenschaftler benötigt vor allem …

Leidenschaftliches Durchhaltevermögen.

Forschen bedeutet für mich …

Versenkung ins Material, Abkehr von der Betriebsamkeit, Offline-Sein.

Mein Motto?

Was aber ist deine Pflicht? Die Forderung des Tages. (Es ergeben sich Widersprüche zur vorigen Antwort.)