DER FRAGEBOGEN: Wir fragen, Patrick Hohlweck antwortet

Der Proust’sche Fragebogen dient traditionell dazu sich kennenzulernen, sei es in einem französischen Salon, wo er einst entstand, sei es auf der letzten Seite eines deutschen Magazins. Wir haben unseren eigenen Fragebogen für den ZfL BLOG entworfen. Hier antwortet jetzt Patrick Hohlweck, der seit Beginn dieses Jahres als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt Lebenslehre – Lebensweisheit – Lebenskunst beschäftigt ist.

Meine erste Hausarbeit während des Studiums handelte von …

Gerhart Hauptmanns Biberpelz.

Das Schreiben der Dissertation war für mich …

ein bisschen so, wie ich mir Bergsteigen vorstelle: Anfangs eine Aufgabe, die kaum zu bewältigen scheint; im Laufe des Aufstiegs die ständige Herausforderung, nicht schon Station zu machen und gleichzeitig nicht zu lange auf den zurückgelegten Weg zu schauen, um Schwindel zu vermeiden. Je dünner die Luft wird, desto häufiger entscheidet man sich für die direktere und gegen die malerische Route; schließlich ist man froh, lebend angekommen zu sein, auch wenn man kleinere Erfrierungen davongetragen hat.

Mein liebstes wissenschaftliches Buch:

Carlo Ginzburgs Der Käse und die Würmer. Die Welt eines Müllers um 1600. An dem Buch, der Biographie eines Lesers, gefällt mir erstens sein Einsatz; zweitens seine präzise Entwicklung und drittens seine intellektuelle Großzügigkeit.

Von allen wissenschaftlichen Autor/inn/en beeindruckt mich am meisten …

Aus jeweils ganz unterschiedlichen Gründen: Peter Szondi, Avital Ronell, Gerhard Neumann, Nuriye Gülmen.

Meine Lieblingsbibliothek:

Ich habe zwei: Zum einen die Bibliothek des Instituts für deutsche Sprache und Literatur I in Köln, die so gut ausgestattet ist, dass »das Buch, das man sucht« wirklich »in der Regel das Buch daneben« ist. Zum anderen die Bibliothek des ZfL, die dank ihrer MitarbeiterInnen unerschöpflich ist.

Die Universität ist ein Ort …

der in jenen Bereichen und Momenten seine Anregungskraft und auch seine Schönheit entfaltet, in denen er nicht von Wettbewerbsstrukturen und Verwertungsinteressen bestimmt ist.

Dürfte ich noch einmal von vorne beginnen, würde ich heute Folgendes studieren:

Das Gleiche, vielleicht allerdings mit Romanistik im Nebenfach. 

Wäre ich von allen Zwängen frei, würde ich gerne folgender Frage nachgehen:

Ich bin in der glücklichen Lage, sehr weitgehend darüber bestimmen zu können, womit ich mich beschäftige.

Meine abseitigste Veröffentlichung?

Ein Aufsatz über die Geschichte der Fußballtaktik.

Ein Wissenschaftler benötigt vor allem …

Neugierde, Selbstvertrauen und Widerstandsfähigkeit.

Forschen bedeutet für mich …

einen Wust an Annahmen, Intuitionen und Ideen nach und nach zu sortieren, zu prüfen und dabei rigoros auszumisten.

Mein Motto?

Ich habe leider keines, tut mir leid!