»Die coolste ›Momfluencerin‹ kommt aus Wien«, titelte kürzlich die österreichische Tageszeitung Die Presse und die Kolumnistin der Wiener Wochenzeitung Falter bestätigte: »Stefanie Sargnagel als Mutter ist genau das, was Frauen 2026 gebraucht haben.«[1] Wer der Wiener Autorin und Satirikerin in den sozialen Medien folgt, hat in der Tat längst mitbekommen, dass Sargnagel[2] Anfang des Jahres Mutter geworden ist. Bereits in der Schwangerschaft postete sie Selfies von sich mit Babybauch; seit das Kind auf der Welt ist, meldet sie sich beinahe täglich in ihren Instagram-Stories zu Wort. Sie lässt ihre Follower:innen teilhaben an ihrem ersten Gang vor die Tür allein mit Baby, der ihr einen immensen Adrenalinschub beschert. Sie präsentiert ausführlich ihre neue Leidenschaft für Rosa- und Pastell-Töne, die das Baby mit seiner Vorliebe für Schwarzweiß-Grafiken völlig durcheinanderbringt. Und sie reflektiert halb ernst, halb ironisch über ihren neuen Alltag mit Säugling: »Höre nur noch Volksmusik und Schlager, weil ich vom Schlafentzug dumm und vom Baby glücklich bin.«[3] Was aber macht Sargnagels Umgang mit ihrer Elternschaft so »cool«?
Der digitale Raum ist auf der einen Seite geprägt von ›Instamoms‹, die das Idealbild einer Mutter verkörpern, deren oberste Priorität die Versorgung und Erziehung der Kinder und die perfekte Organisation des Familienalltags ist. Mutterschaft wird fast durchweg als positive und erfüllende Erfahrung gezeichnet, die unbequemen oder belastenden Aspekte von Elternschaft werden kaum oder gar nicht thematisiert. Erfolgreiche Momfluencerinnen mit hoher Reichweite nutzen die Plattformen, um mit ihrem traditionell inszenierten Mutterschaftsalltag zu werben, in dem sie scheinbar mühelos Kinderbetreuung, Haushalt und Selfcare unter einen Hut bekommen. Im Mittelpunkt steht die »sorgende, Geborgenheit gebende Mutter«[4]. Dieses Bild bleibt nicht unwidersprochen. Problematisiert wurden in letzter Zeit zum Beispiel die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern, die enormen, vor allem an Mütter gestellten gesellschaftlichen Erwartungen und Gefühle wie Isolation, Überforderung, Identitätsverlust und wirtschaftliche oder emotionale Abhängigkeit, von denen ebenfalls vor allem Mütter betroffen sind.[5] So sind in den sozialen Medien auf der anderen Seite immer mehr Accounts entstanden, die die Schattenseiten von Mutter- und Elternschaft thematisieren. Diese Momfluencerinnen treten mit einem progressiven politischen Anspruch auf und sprechen etwa über gleichberechtigte Elternschaft, Mental Load, problematische Weiblichkeits- und Mutterbilder sowie Mom-Shaming. Die berechtigte Kritik an strukturellen Missständen bezüglich Carearbeit und Geschlechtergerechtigkeit wird auf einigen dieser Kanäle mitunter jedoch in derselben Form geäußert, in der die überwiegende Mehrheit der Momfluencerinnen die Herausforderungen des Alltags »gut frisiert« meistert.[6] So wird die kritische Haltung zu einem Lifestyle-Produkt, das sich gut vermarkten lässt und Follower:innen generiert.
***
Aufgrund von Sargnagels bisheriger linker, feministischer und gesellschaftskritischer Positionierung könnte man zunächst erwarten, dass sie vor allem die Härten und Nöte von Mutterschaft herausstellen und auf kritische Distanz gehen würde. Stattdessen präsentiert sie sich in den meisten Posts als überglückliche Mutter, die restlos in ihrer neuen Rolle aufgeht – »einzige Sorge zur Zeit dass ich den Säugling wundküsse«[7]. Sie findet es »herrlich« im Wochenbett »hirntot dahinzuvegetieren«[8], postet lustige Babyoutfits – »Raketenlatzhose mit Käsebody. nenne die Kombi ›Käserakete‹ und bereue nichts«[9] – und probiert unterschiedliche Kosenamen für den Nachwuchs aus.
Rückhaltlos bedient Sargnagel bestimmte Mutter-Klischees, wenn sie etwa ganze Posts in Babysprache verfasst oder ihre neue Leidenschaft für Rosa- und Pastelltöne teilt. Damit ist sie zunächst nah dran an der typischen Ikonographie einer Instamom, wie sie die Erziehungswissenschaftlerin Helen Knauf beschreibt:
»Das typische Bild einer Mutter mit ihrem Kind entspricht dem folgenden Muster: Die Mutter hält ihr Kind auf dem Arm. Sie schaut den Betrachter an, ihr Gesichtsausdruck ist entspannt, ein leises Lächeln deutet sich an. Das Kind ist ebenfalls ruhig oder schläft sogar und schmiegt sich an die Mutter. Die Farbgebung ist hell und in Pastell- und Naturtönen gehalten.«[10]
Auch Sargnagel postet Selfies von sich mit Baby auf dem Arm (wobei das Gesicht des Kindes nicht gezeigt wird) und schaut zufrieden lächelnd in die Kamera. Zugleich konterkariert sie den typischen Instagram-Look jedoch, indem sie gerade nicht perfekt frisiert im Zentrum einer ruhigen und beruhigenden Szene sitzt, sondern auf verwackelten Fotos mit strubbeligen Haaren in einem bunten, unaufgeräumten Zimmer zu sehen ist. In ihren Texten setzt sie sowohl auf humoristisch-literarische Verfahrensweisen wie Übertreibung, Witz und Ironie als auch auf einen lakonisch-unaufgeregten Stil, der die Dinge ebenso direkt wie beiläufig benennt. Genau diese Kombination ist es, die nicht nur etwas vom Glück des Mutterseins erahnen lässt, sondern auch auf die gesellschaftspolitische Dimension von Mutterschaft aufmerksam macht.
***
Wie fast alle Momfluencerinnen thematisiert auch Sargnagel das Thema Stillen. Sie schreibt über ihre eigenen Erfahrungen, gibt mit gewohnt lakonischem Humor Auskunft über Frequenzen und Schwierigkeiten und teilt hin und wieder ein Selfie. Die Wohlfühlatmosphäre wird jedoch immer wieder durchbrochen, etwa durch die Schilderung tabuisierter Missgeschicke: »Man fühlt sich echt schlecht wenn einem das Handy aufs Baby fällt«[11]. Die Inszenierung als leicht prollige »Rabenmutter«[12] konterkariert die glattgebügelte Instagram-Ästhetik vieler anderer Accounts und wirft dadurch ein realistischeres Licht auf die ein oder andere Still-Szene.
Nebenbei wird mit so mancher hartnäckigen Ideologie aufgeräumt. Dem Bild von der ganz natürlich stillenden Mutter, das selbst dort herrscht, wo begründet werden muss, dies sei die »optimale natürliche Form der Ernährung«[13], setzt Sargnagel die Aufnahme von einem Wagen mit Still- und Abpumputensilien entgegen, die sie mit »Die Schicht ruft«[14] betitelt. Die ironische Inszenierung als Bergbaukumpel mit Lore und Werkzeugen macht deutlich: Stillen ist auch harte Arbeit.
Diesen Aspekt zu betonen, ist nicht gering zu schätzen, da insbesondere der Rekurs auf Gesundheitsargumente die Diskussion ums Stillen mit »naturalisierenden ontologischen Evidenzen« versorgt, wie empirische Studien zeigen.[15] Das führt unter anderem dazu, dass Frauen das Stillen als normative Anforderung begreifen und nicht als etwas, das in ihrem individuellen Ermessens- und Entscheidungsspielraum liegt. Umso bemerkenswerter, dass Sargnagel wenige Tage später ein Foto von einer Packliste mit Dingen postet, die sie mitnimmt, bevor sie mit dem Kind rausgeht. Neben Windeln und Spucktuch findet sich auf der Liste unter anderem auch Milchpulver. Ganz nebenbei räumt sie hier mit dem sogenannten Flaschenmilch-Shaming auf, das Mütter verurteilt, weil sie ihre Kinder mit Säuglingsnahrung und nicht (ausschließlich) mit Muttermilch ernähren. Sie unterläuft damit die vermeintlich ausschließliche Alternative Flaschenmilch versus Stillen (und die damit verbundenen Zuschreibungen egoistische versus hingebungsvolle Mutter) und demonstriert, dass alles miteinander kombiniert werden kann – wie es eben am besten passt. Die Realität erweist sich als vielschichtiger als es die allgemeinen Empfehlungen für optimale Ernährung vermuten lassen.
***
Aktuelle Erziehungstrends und Natürlichkeitsideologien werden auch in ihrer Story vom 5.2.2026 auf die Schippe genommen. Zunächst bekennt Sargnagel, dass sie sich natürlich schon Gedanken über Ernährung, Medienkonsum, Frühförderung und Waldkindergarten mache. Dann fällt ihr allerdings ein, dass sie selbst mit »Tiefkühlessen, laufendem Fernseher und Huberpark aufgewachsen« sei. Die nächsten beiden Slides der Story präsentieren die Ergebnisse der beiden divergenten Erziehungsformen: auf dem ersten ein Screenshot von Sargnagels kürzlich erschienenem Buch Opernball mit dem Hinweis, dass sie »einen Nummer Eins Bestseller« geschrieben habe, auf dem zweiten ein Foto einer sich die Nase putzenden Person, versehen mit dem Text-Overlay »Und die Ökokinder haben Stauballergie«. Damit ironisiert und relativiert sie die Alternativlosigkeit vorgeblich progressiver Erziehungsnormen, die Druck auf Eltern und insbesondere auf Mütter ausüben. Sie bringt nicht nur Gelassenheit in die aufgeheizten Diskussionen über die Dos and Don’ts frühkindlicher Förderung und Erziehung, sondern gibt auch zu bedenken, ob die vermeintlich progressiven Erziehungsformen der »Ökokinder«, die heute Eltern sind, in ihrer Ausschließlichkeit nicht ähnlich restriktiv sind wie die der Konservativen.
Das Thema Arbeit beschäftigt Sargnagel nicht nur im Kontext des Stillens, sondern auch mit Blick auf Care- und Erwerbsarbeit. So hat sie für eine paritätische Aufteilung der Sorgeaufgaben zwischen den Geschlechtern eine bestechend einfache Lösung parat und nimmt damit eine mögliche Stigmatisierung als ›Bad Mom‹ genüsslich vorweg: »Ich glaub ein Life Hack bezüglich gleichberechtigter Care Arbeit ist es eine faule Blunzen zu sein«.[16] Wenige Tage später teilt sie ein Foto von sich vor dem Fernseher mit dem Text-Overlay »Unlearn Haushalt«.[17] Das ist zunächst einmal eine Parodie auf den Jargon des eigenen Milieus, denn der Begriff des Unlearning wird vor allem im Kontext von linker, feministischer und postkolonialer Theorie verwendet. Sargnagel paart ihn allerdings nicht mit den großen Kämpfen (wie »Unlearn whiteness«, »Unlearn the patriarchy« usw.), sondern mit dem profanen »Haushalt«. Ihr Kampf findet nicht auf der Straße statt, sondern vor dem Fernseher. Bei allem Witz macht diese Parodie der bürgerlichen ebenso wie der besonders kämpferischen ›Straßen‹-Linken aber auch auf den Ernst des Themas aufmerksam. Denn eine ausgewogene Arbeitsaufteilung in Partnerschaften mit Kind ist noch immer die Seltenheit.[18] Das unterstreicht sie mit dem Repost eines Zitats der Vizepräsidentin des Österreichischen Gewerkschaftsbunds Christa Hörmann, die die Tatsache, dass Frauen vor allem in Teilzeit arbeiten und zu Hause mehr Carearbeit übernehmen als Männer, nicht als individuelles Problem, sondern als strukturelles Versagen bezeichnet.[19]
Je älter der Säugling wird, umso präsenter wird die eigene Erwerbsarbeit in Sargnagels Posts. So fragt sie sich in ausgestellter Babysprache, ob sie jemals wieder arbeiten wird, ruft dazu auf, sie am Ende des Jahres für eine Lesung zu buchen, und teilt Fotos von sich, wie sie sieben Wochen nach der Geburt des Kindes erstmals wieder zeichnet. Diese Story leitet sie ein mit »POV: Es ist noch Wochenbett aber du bist eine Rabenmutter«.[20] Dieses häufig gegen berufstätige, ihre Kinder vermeintlich vernachlässigende Mütter verwendete Schmähwort wird bei Sargnagel zu einer positiv konnotierten, feministischen Selbstbezeichnung, die sie auch in anderen Posts verwendet. Eine Rabenmutter ist in diesem Sinne eine Frau, die Erwerbsarbeit, persönliche Ziele und Mutterschaft verbindet, ohne dadurch weniger erfolgreich oder weniger liebevoll sein zu müssen.
Dementsprechend bedeutet Mutterschaft für Sargnagel nicht, sich weniger für ihre Karriere, gesellschaftliche oder geopolitische Entwicklungen zu interessieren. Auch wenn im Januar und Februar 2026 in ihren Instagram-Stories ein deutlicher Fokus auf ihrer Mutterschaft liegt, wird in fast jeder Story noch auf einen anderen Gegenstand verwiesen, sei es entweder auf ihr zeitgleich erschienenes Buch Opernball oder auf feministisch-politische Themen. So kritisiert sie beispielsweise die Bekanntgabe des österreichischen Moderations-Duos für den Eurovision Song Contest 2026 als »ultra konservative Konstellation«,[21] reflektiert über die einzige weibliche Zuhälterin Wiens, Wanda Kuchwalek, die in den 1970ern unter dem Spitznamen ›Wilde Wanda‹ zu einer kontroversen Kultfigur avancierte, oder teilt am Internationalen Frauentag ein Video über die prekäre Lage obdachloser Frauen.
***
Besonders sticht ihre Beschäftigung mit der Situation im kurdisch verwalteten autonomen Gebiet Rojava heraus, das im Januar 2026 von der syrischen Regierung und von der Türkei unterstützten Verbündeten angegriffen und teilweise besetzt wurde. Seit 2013 steht Rojava für ein Modell, das auf direkter Demokratie, Pluralismus und Gleichberechtigung basiert. Zentrales Merkmal ist das System der Doppelspitzen bei geschlechtlicher Parität. Der Angriff bedeutete vor allem für Frauen aus Rojava eine große Bedrohung, und im Netz verbreiteten sich schnell Videos von Demütigungen und Gräueltaten von islamistischen Kämpfern an den Frauen aus der Region.[22] Sargnagel teilte einige dieser Videos und repostete im Januar und Februar 2026 in fast jeder ihrer Stories auch Expert:inneneinschätzungen zur aktuellen Lage in Rojava sowie Spenden- und Demoaufrufe.
In einer Story vom 23.1.2026, die vor allem aus einem Kinderzimmerrundgang besteht, repostet sie am Ende verschiedene Videos von kurdischen Frauen, die sich Zöpfe flechten aus Protest gegen einen Islamisten, der einer getöteten kurdischen Frau den Zopf abgeschnitten haben soll. Dabei ist auch ein kurzes Video eines Vaters in Uniform zu sehen, der seiner Tochter die Haare flicht. Hier wird ein ganz anderes Bild von Familie gezeigt, das durch den Kontrast der behüteten und sicheren Kinderzimmerumgebung auf der einen und der Realität vieler kurdischer Mädchen und Familien in Rojava auf der anderen Seite die Fragilität erkämpfter Rechte umso deutlicher macht.
***
Sargnagels Darstellung von Mutterschaft ist ein Gegenentwurf zu den derzeit dominierenden Inszenierungen in den sozialen Medien. Den gut frisierten Instamoms – denn darin ähneln sich die progressiven und die traditionsbewussten Mütter –, setzt Sargnagel das leicht prollige, feministische Auftreten der »Rabenmutter« entgegen, die Mutterschaft, berufliches Interesse und politisches Engagement zusammenbringt. Dabei unterläuft sie fortwährend etablierte Kategorien und Gegenüberstellungen und lässt (links- wie rechts-)ideologische Vorstellungen und Normen auf die Realität prallen.
Ihre Präsentation von Mutterschaft zeichnet sich nicht nur dadurch aus, dass durch Witz, Ironie und Lakonik die Kritik an strukturellen Benachteiligungen und überkommenen Mutteridealen umso klarer hervortritt, sondern vor allem dadurch, dass diese Kritik die Darstellung intensiver Mutterliebe nicht ausschließt. Damit bringt sie etwas zusammen, was selten zusammengedacht wird. Denn während Linke und Progressive sich – aus guten Gründen – momentan vor allem auf die Kritik an regressiven Mutterschaftsvorstellungen konzentrieren, wird das sogenannte Mutterglück aktuell vor allem von der aufstrebenden politischen Rechten vereinnahmt.[23] Indem Sargnagel ganze Posts in Babysprache verfasst, Kinderlieder mit Verve umdichtet und überbordende Liebesbekundungen an den Säugling formuliert (»BABY DU SÜSSI HAHA BUSSI BISDU SÜSSER GEWORDEN??????«[24]), setzt sie auf eine Expressivität, die die kontrollierten Ausdrucksformen der traditionellen Instamoms weit übertrifft. Das Glück der Mutterschaft nicht den Rechten zu überlassen, ist ein immens politischer Beitrag zum Thema.
Die Literaturwissenschaftlerin Pola Groß hat bis Ende 2025 im ZfL-Schwerpunktprojekt »Stil. Geschichte und Gegenwart« gearbeitet. Im April 2026 beginnt ihr Projekt »Reproduktion, Arbeit, Ästhetik. Stillen und Literatur im langen 19. Jahrhundert«.
[1] Eva Dinnewitzer: »Die coolste ›Momfluencerin‹ kommt aus Wien«, in: Die Presse, 8.1.2026, S. 19; Melisa Erkurt: »Wir brauchen ein neues Mutterbild. Kolumne«, in: Falter 5, 27.1.2026, S. 47. Im Folgenden werden mit ›Frau‹ all jene bezeichnet, die als Mädchen bzw. Frau sozialisiert wurden und/oder die sich als solche identifizieren. Des Weiteren werden Unterschiede zwischen Frauen und Männern nicht als biologische Tatsachen verstanden, sondern auf sozial und gesellschaftlich verankerte Praktiken zurückgeführt. Auch mit dem Begriff ›Mutter‹ sind ausdrücklich all jene gemeint, die sich als Mutter identifizieren.
[2] Mit bürgerlichem Namen heißt sie Stefanie Sprengnagel. Da Sargnagel sich in der Öffentlichkeit ausschließlich unter ihrem Künstlerinnennamen präsentiert und die Grenzen zwischen Autorin und Kunstfigur fließend sind, wird im Folgenden nur ihr Künstlerinnenname verwendet; vgl. dazu Nora Manz/Anna Obererlacher: »›Influencer, Artist, Entrepeneur‹ – Kunstfigur Stefanie Sargnagel«, in: Thomas Wegmann u.a. (Hg.): Formen und Funktionen auktorialer Epitexte im literarischen Feld der Gegenwart, Berlin 2024, S. 241–271, insb. S. 242–244.
[3] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 4.3.2026.
[4] Helen Knauf/Susanne Mierau: »Instamoms. Visuelle Inszenierungen intensiver Mütterlichkeit in Social Media«, in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, 41.3 (2021), S. 283–300, hier S. 295. Vgl. auch Friederike Jage-D’Aprile: »Instamoms. Feminismus oder Retraditionalisierung?«, in: netzforma*e.V., 23.11.2022.
[5] Vgl. Pola Groß: »Kinder kriegen. Kinder haben. Zu zwei Neuerscheinungen«, in: ZfL Blog, 13.7.2023. Vgl. auch die aktuellen Zahlen zur ungleichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern im Familienreport 2024, hg. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin 2024.
[6] Vgl. Helen Knauf: »Instamoms und Instadads«, in: Die Politische Meinung 67.573 (2022), S. 63–68, hier S. 67.
[7] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 20.2.2026.
[8] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 7.1.2026.
[9] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 23.2.2026.
[10] Vgl. Knauf: »Instamoms und Instadads« (Anm. 6), S. 67.
[11] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 9.1.2026.
[12] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 21.2.2026 und diverse weitere.
[13] Empfehlungen der Nationalen Ernährungskommission. Österreichische Stillempfehlungen 2014, S. 3. Die neue Handlungsempfehlung für ein stillfreundliches Österreich von 2024 vermeidet dagegen den Begriff des Natürlichen.
[14] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 7.2.2026.
[15] Vgl. Melanie Kröger/Jana Rückert-John: »Stillen als Quelle von Gesundheit und Glück. Die Rekonstruktion traditioneller Geschlechterrollen durch natürliche Mütterlichkeit«, in: Hans-Wolfgang Hoefert/Christoph Klotter (Hg.): Gesundheitszwänge, Köln 2013, S. 189–206, hier S. 190. Auch die kürzlich veröffentlichte offizielle deutsche AWMF-S3-Leitlinie (2026), die sich an den Leitlinien der WHO orientiert, empfiehlt, Kinder bis zum Ende des sechsten Monats ausschließlich oder überwiegend (womit die Zugabe von Tee und Wasser gemeint ist) zu stillen. Sie empfiehlt eine Gesamtstilldauer von mindestens einem Jahr. Verschiedene medizinische Fachgesellschaften und Berufsverbände kritisieren die neuen Empfehlungen, da sie unter anderem an der Lebensrealität von Frauen völlig vorbei gehen und Druck auf sie ausüben. Vgl. die Zusammenfassung der Diskussion von Rieke Winter: Debatte um neue Empfehlung zum Stillen: »An der Lebensrealität vorbei«, in: Apotheken-Umschau, 27.2.2026.
[16] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 17.1.2026. Auch in späteren Posts beschreibt Sargnagel, wie sie dafür sorgt, dass nicht alle Carearbeit an ihr hängen bleibt: »Der Partner hackelt plötzlich 40h, die Schwimu reist ab und kocht nicht mehr jeden Tag und ich werde plötzlich Mutter und Hausfrau.
Vielleicht ist das der Beginn des regretting motherhood contents.
Mein Konzept ist aber: ich verlasse die Wohnung in der Früh und strawanze den ganzen Tag mit dem Kinderwagen in Wien herum (auch damit ich nix im Haushalt machen muss)«, Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 15.3.2026.
Bei allem Humor wird zugleich deutlich, wie schwer es ist, mit Säugling eine paritätische Aufteilung der Sorgearbeit zwischen den Partner:innen zu realisieren.
[17] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 30.1.2026.
[18] Dass die Hauptlast bei der Kinderbetreuung und der Haushaltsarbeit noch immer bei den Müttern liegt, bestätigt für Deutschland das 2023 vom Bundesfamilienministerium herausgegebene Familienbarometer: »Die Kluft zwischen realer und idealer Aufteilung der Familienarbeit hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Oftmals erleben Elternpaare nach der Geburt eines Kindes – teils unbemerkt oder unfreiwillig – eine (Re-)Traditionalisierung und richten sich in einem ungleichen Sorgearbeitsarrangement ein« (Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend (Hg.): Familienbarometer. Stand und Perspektiven einer krisensicheren und chancenorientierten Familienpolitik, Berlin 2023, S. 24).
[19] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 21.2.2026.
[20] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 20.2.2026.
[21] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 29.1.2026.
[22] Vgl. zur Situation in Rojava ein Video beim Online-Angebot von Die Zeit.
[23] Darauf hat auch eine der Follower:innen von Sargnagel hingewiesen; vgl. Melisa Erkurt: »Wir brauchen ein neues Mutterbild. Kolumne«, in: Falter 5, 27.1.2026, S. 47.
[24] Instagram-Story von Stefanie Sargnagel, 11.2.2026.
VORGESCHLAGENE ZITIERWEISE: Pola Groß: Mutterschaft und Politik bei Stefanie Sargnagel, in: ZfL Blog, 17.3.2026, [https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2026/03/17/mutterschaft-und-politik-bei-stefanie-sargnagel].
DOI: https://doi.org/10.13151/zfl-blog/20260317-01